Eigene Gesetze
Die Finanzkrise drückt, die Börsen geben nach, aber der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar kennt nur eine Richtung: nach oben. Vergangene Woche knackte der Euro die Marke von 1,60 Dollar und war damit so viel wert wie nie zuvor. Nicht nur Unternehmen und Amerika-Urlauber beobachten diesen Anstieg, sondern auch Privatanleger. Schließlich können sie mit allerlei neuen Produkten leichter in Währungen investieren als früher zum Beispiel mit Währungskonten, Fonds und Zertifikaten. Anlagestrategen loben solche Investments. » Währungen entwickeln sich unabhängig von anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen«, sagt Eugen Keller, Währungsanalyst der Privatbank Metzler. Gibt es an Aktien- und Rentenmärkten Kursstürze, können Anleger mit Währungsinvestments immer noch Gewinne erwirtschaften. » In einem schwierigen Umfeld können Währungen für eine stetige Rendite sorgen«, sagt Keller.
Kritiker stellen allerdings infrage, ob diese Form der Geldanlage für Privatanleger geeignet ist. » Die Spekulation mit Währungen ist viel unberechenbarer als die mit Aktien«, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. » Mit Aktien kann man Geld verdienen, indem man langfristig einen positiven Trend annimmt. Mit Währungen funktioniert das nicht.« Nauhauser ist überzeugt, dass Banken mit Währungsinvestments auf den Wunsch der Anleger reagieren, auch nach dem Ende des Booms am Aktienmarkt in renditestarke Produkte zu investieren. Er habe aber erhebliche Zweifel, dass sich so langfristig eine Verzinsung erzielen lasse, die dem eingegangenen Risiko entspricht, warnt der Verbraucherschützer.
Um Währungen zu beurteilen, muss man ganze Volkswirtschaften analysieren
Wer in Währungen investieren will, muss sich zunächst in einen Markt hineindenken, der nach völlig anderen Gesetzen funktioniert als der Aktien- oder Rentenmarkt. Wie sich der Wert einer Währung im Vergleich zu einer anderen entwickelt, richtet sich nach den Leitzinsen im Land, der Leistungsbilanz der Volkswirtschaft, dem Wirtschaftswachstum, aber auch nach weichen Faktoren wie den Äußerungen der Notenbanker und dem Vertrauen in die politische Stabilität.
Für die Analyse der Märkte braucht es deshalb mehr Wissen als für den Aktienmarkt. Anstatt ein Unternehmen und seinen Markt zu untersuchen, muss man ganze Volkswirtschaften im Blick haben. Zudem lassen sich auf dem Währungsmarkt nicht alle Teilnehmer von Renditezielen leiten.
Zentralbanken zum Beispiel wollen die Geldwertstabilität gewährleisten, ohne das Wachstum abzuwürgen. Daneben handeln Banken auf eigene Rechnung und im Auftrag ihrer Kunden. Zudem besorgen sich Unternehmen Liquidität für ihre Auslandsgeschäfte und sichern ihre weltweiten Umsätze gegen Währungsschwankungen ab.
»Die Analyse des Währungsmarktes ist die schwierigste Marktanalyse überhaupt«, gibt Experte Keller zu. Der internationale Währungsmarkt ist der größte und vermutlich liquideste Markt der Welt. Die Teilnehmer handeln hier jeden Tag Devisen in einer Gesamthöhe von 2000 Milliarden Dollar. Im Vergleich dazu fällt der summierte Umsatz aller Aktienbörsen der Welt geradezu bescheiden aus. Er erreicht gerade einmal 80 Milliarden Dollar, der Umsatz mit Anleihen summiert sich auf 300 Milliarden Dollar.
Der einfachste Einstieg für Privatanleger ist ein Währungskonto bei einer Bank. Sie entscheiden, in welcher Landeswährung das Konto geführt werden soll. Verteuert sich diese im Vergleich zum Euro, streichen sie einen Wechselkursgewinn ein, tragen aber auch das Abwertungsrisiko. Und: Der Zins der Konten richtet sich in der Regel nach dem Zinsniveau im jeweiligen fremden Land gerade bei Schwellenländer-Währungen liegt er deutlich über dem Zins, den Kunden auf Euro-Konten bekämen. In den USA hingegen liegt der Zins zurzeit weit unter dem der Euro-Länder.
Die Fonds sollen bei jeder Marktlage eine positive Rendite erzielen können
In den letzten zwei Jahren hat auch die Investmentfondsbranche das Thema entdeckt, heute bieten unter anderem DWS, Pioneer und Goldman Sachs Währungsfonds an. Diese spekulieren darauf, dass sich die Wechselkurse zwischen zwei Währungen in eine bestimmte Richtung bewegen. Populär sind Wetten auf die Währungen der größten Wirtschaftsnationen: Euro, US-Dollar, Pfund Sterling, japanischer Yen, Schweizer Franken, australischer, kanadischer und neuseeländischer Dollar sowie schwedische und norwegische Krone. Manche Fonds mischen Schwellenländerwährungen bei. Meist verlassen sich die Fondsmanager bei der Auswahl auf eine quantitative Analyse also ein Computerprogramm. Nach dessen Signalen gehen sie Devisentermingeschäfte ein und kaufen Optionen auf verschiedene Währungen. So können sie auch vom fallenden Wert einer Währung profitieren.
Die Investmentgesellschaften spekulieren darauf, dass Anleger gerade in schwierigen Zeiten auf Produkte setzen, die eine positive Rendite in jeder Marktlage versprechen. So hat Pioneer Investment mit dem Pioneer Funds Total Return Currencies auch Kleinanleger im Blick, die ihr Kapital breit streuen wollen. » Der Fonds schwankt relativ wenig«, sagt Fondsmanager Andreas König. » Somit ist er gerade in schwierigen Kapitalmarktzeiten interessant.« König will die Rendite am Geldmarkt um drei Prozent übertreffen. In den vergangenen zwei Jahren ist ihm das allerdings nicht gelungen. Damit ist er in guter Gesellschaft. Das Beratungshaus Fondsconsult hat jüngst deutsche Währungsfonds untersucht. Trauriges Ergebnis: Die Fonds, die bereits seit mindestens einem Jahr am Markt waren, haben allesamt ihr selbst gestecktes Renditeziel verfehlt. » Nur wenige Fonds kommen mit der Rendite in die Nähe des Geldmarkts«, sagt Jan Richter von Fondsconsult. Schuld an der Renditemisere seien neben mageren Erträgen auch hohe Verwaltungsgebühren.
Asoka Wöhrmann, Manager des Währungsfonds der Deutsche-Bank-Tochter DWS, macht für die magere Performance das Fehlen großer Trends am Währungsmarkt verantwortlich. » In den kommenden Jahren wird sich das ändern, dann werden wir auch wieder höhere Renditen erzielen«, sagt er. So setzt er zum Beispiel darauf, dass der Dollar im Vergleich zum Euro wieder zulegt. Kurzfristig seien zudem der Yen und der Schweizer Franken interessant, weil diese in Krisenzeiten bei Anlegern als sicherer Hafen gelten.
Als Alternative zu Fonds bieten Zertifikate-Emittenten ihre Produkte an. Neben Zertifikaten auf etablierte Währungen gibt es Produkte auf den chinesischen Renminbi, den koreanischen Won und die indische Rupie. Hier brauchen Anleger allerdings eine eigene Marktmeinung, denn Zertifikate haben anders als Fonds keinen Manager, der für seine Kunden Entscheidungen trifft. Keller rät deshalb von den Papieren ab: »Bei Währungsgeschäften sollte man sich grundsätzlich von einem Vermögensverwalter beraten lassen.«
- Datum 01.05.2008 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.19 vom 30.04.2008, S.40
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