DONNERSTALK Ganz richtig

Teamchef Josef Hickersberger, schon lange des Kryptophilosophischen verdächtig, gab unlängst den Kader für die bevorstehende Europameisterschaft bekannt. Ein schwieriges Unterfangen, da der österreichische Fußball nicht gerade an Qualitätsdichte leidet. Nach vollbrachter Kür verkündete er: »Ich habe nicht die besten, aber die richtigen Spieler ausgewählt.« Ein Satz in direkter Nachfolge des Laotse, und wie immer bei knappen, aber wahren Sinnsprüchen ist diese Weisheit auch auf andere Lebensbereiche anwendbar. Etwa wenn nun Francesca Habsburg dem Dalai Lama ihre Unterstützung anbietet. Das ist sicher nicht die beste, aber in gewisser Weise die richtige Hilfe.

Ihre Kompetenz in der Frage unterdrückter Minderheiten leitet die hohe Frau aus den Erfahrungen ab, welche die Familie, in die sie eingeheiratet hat, früher im Umgang mit Minoritäten sammeln konnte und dabei stets das Richtige vom Besten zu unterscheiden wusste. In dieser Tradition bezeichnete jüngst ihr Schwiegervater Otto Österreich als Hitlers erstes Opfer, was zwar nicht die beste, wohl aber im habsburgischen Sinne die richtigste Deutung der Geschichte darstellen dürfte. Der Opfermythos, im Hause Habsburg tief verankert, greift erst dann so richtig, wenn Österreich einem Österreicher zum Opfer gefallen ist. Das Mitleid, der Habsburger große Charakterstärke, blüht besonders üppig, wenn es sich selbstreferenziell entfalten kann. Hier tritt die Umkehr des ewigen Satzes von Hickersberger ein: Moralisch ist das zwar nicht richtig, aber im Sinne konsequenter Realitätsverweigerung das Beste.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.19 vom 30.04.2008, S.A15
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  • Schlagworte Otto | Lama | Österreich | Fußball | Nachfolge | Opfer
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