MEINUNG BERLINER BÜHNE Geistesgenossen
Wolfgang Clement ist ein Mann mit zahlreichen Talenten. Vielen ist der frühere Superminister vor allem dadurch in Erinnerung, dass er sein Zäpfchen zurückklappen kann. Bei Pils- oder sonstigen Wetttrinken ist Clement daher praktisch unschlagbar. Nicht nur deshalb ist es gut, dass die Allzweckwaffe Clement der SPD erhalten bleibt. Rüge statt Rausschmiss, lautet das Urteil der Partei zu Clements Kommentar über Andrea Ypsilanti (»Ich würde sie nicht wählen«). Nun wäre Clement nicht Clement, wenn er so eine Rüge auf sich sitzen ließe. Wenn einer rügt, dann nur er selbst. Diese Haltung teilt er mit seinem Geistesgenossen Otto »In meinem Ministerium kann jeder machen, was ich will« Schily, bei dem Clement prompt Rechtsbeistand gegen seine Partei suchen will. Dem Anwalt und Ex-Minister wiederum dürfte ein kleines Zubrot gerade recht kommen. Schily muss 22000 Euro Strafe zahlen, weil er seine Nebeneinkünfte nicht wie vorgeschrieben offenlegen will. Die entsprechende Regelung wurde übrigens unter Rot-Grün und dem damaligen Innenminister Schily beschlossen und muss nun von Bundestagspräsident Norbert Lammert exekutiert werden, der damals strikt dagegen war. Nun rätselt ganz Berlin: Warum macht er das, der Schily, immerhin ein Verfassungsminister a. D.? Aus Trotz? Aus Arroganz? Hat er gar etwas zu verbergen? Gewöhnlich gut unterrichtete Kreise lassen nun verlauten: Schily habe gar keine Nebeneinkünfte, wolle das aber keinesfalls zugeben. Hier ist einmal mehr Kurt Becks solidarische Mitte gefordert. Spenden nimmt jeder SPD-Ortsverein entgegen.
- Datum 01.05.2008 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.19 vom 30.04.2008, S.14
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