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Eine Hochschule zwingt einen ihrer Professoren, seine Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu beenden. Ein Lehrstück über die Macht der Meinung und den Wert der Forschungsfreiheit.

Der Skandal von Nürtingen rankt sich um eine Pflanze mit der Bezeichnung Mon810. Das Kürzel steht für eine gentechnisch veränderte Maissorte des amerikanischen Agrarriesen Monsanto. Sie sollte auf einem Versuchsfeld des Hofguts Tachenhausen in der Gemarkung Oberboihingen angebaut werden. Betreiberin des Guts ist die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen. Der Versuchsleiter heißt Andreas Schier.

Bundesweit sind 4.400 Hektar für den Anbau von gentechnisch verändertem Mais angemeldet. Der Gesetzgeber schreibt strenge Kontrollen vor. Auch der Versuch in Oberboihingen ist ordnungsgemäß beantragt, seine Durchführung genehmigt, die Bedingungen sind transparent. Aber er wird nicht mehr stattfinden. Die Hochschule hat ihrem Forscher so dringend nahegelegt, seine Versuche einzustellen, dass er sich beugen musste. Wie konnte es dazu kommen, dass eine Hochschule höchstselbst ihre im Grundgesetz verankerte Forschungsfreiheit beschneidet?

Andreas Schier liebt seinen Acker. »Das ist einer der besten Böden Deutschlands«, schwärmt der 54-jährige Phytomediziner und Pflanzenbiotechnologe. »Da bekommen Bauern feuchte Augen vor Freude, wenn sie das sehen.« Schiers Freude ist seit zwei Wochen getrübt. Auf seinem Versuchsfeld sind noch Spuren von Stroh und Reste eines Grabens zu sehen. Das Feld war besetzt, ist für Experimente nicht mehr zu gebrauchen.

Am Morgen des 9. April hat Schier einer »dringenden Empfehlung der Hochschulleitung und des Hochschulrates« (Originalton ihrer Pressemitteilung) nachgegeben und seine Versuche eingestellt. Am Abend des 9. April sitzt er auf einem Podium und diskutiert im Rahmen einer lange zuvor geplanten Studium-generale-Veranstaltung die Vor- und Nachteile der Gentechnik. Der Hörsaal ist überfüllt, ein weiterer, in den Schiers Auftritt per Videoleitung übertragen wird, ebenfalls. Es scheint, viele sind gekommen, um das Opfer zu sehen oder den bußfertigen Sünder. Aber Schier gibt weder die eine noch die andere Rolle.

Andreas Schier ist ein Mann mit Überzeugungen. Er hat an der Universität Hohenheim studiert und promoviert. Er hat für die Schering AG in Berlin im Bereich Pflanzenschutz gearbeitet. Seit 1991 lehrt er an der Hochschule Agrarwirtschaft. Seit 1996 betreibt er Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen, zunächst mit Zuckerrüben, dann mit Mais. Der Professor glaubt an die Gentechnik. Diesen Glauben lässt er sich nicht von ein paar Aktivisten nehmen.

Schier ist selbst Aktivist. Er ist Vorstand im Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik, einem Verbund von Forschern, die über ihre Arbeit aufklären wollen. Seine Kritiker werfen ihm vor, da sei auch die Industrie im Spiel. »BASF, Monsanto oder BayerCropScience sind nur Fördermitglieder«, kontert er. Eine Schwächung seiner wissenschaftlichen Unabhängigkeit kann er darin nicht erkennen. Schiers Ergebnisse sind weithin anerkannt – wenn er welche liefern kann. Sechsmal wurden die Feldversuche seit 1996 zerstört. Seine jüngste Arbeit weist nach, dass der gentechnisch veränderte Mais nicht nur seinem Fraßfeind, dem Maiszünsler, widersteht, sondern auch eine geringere Belastung mit Pilzgiften aufweist.

»Das will niemand so genau wissen«, sagt der Professor. »Meine Kollegen in der agrarwirtschaftlichen Fakultät forschen über das Saugen von Kälbern oder Ziegen als Landschaftspfleger. Die sind die Guten, nur ich bin der Böse. Das Böse.«

Das Böse? »Das ist Monsanto«, sagt Johanna Rehse. Vor Kurzem hat die junge Frau mit den Sommersprossen und den Dreadlocks ihr Abitur gemacht. Nun zieht sie von Stadt zu Stadt, besucht Freunde – und besetzt Felder. Für sie ist Widerstand gegen Gentechnik eine Selbstverständlichkeit. Kein Demonstrationsrecht, sondern Demonstrationspflicht. »Mir ist es egal, wo das Feld liegt, das ich besetze«, sagt sie. »Hauptsache, der Gendreck kommt weg.«

In Nürtingen sei richtig was los gewesen. »Am Abend nach der Besetzung hatten wir 70 Leute auf dem Feld. Das war schon cool.« Der Aufwand der Besetzer ist beachtlich. Sie errichten meterhohe Holztürme und übernachten in luftiger Höhe, um einem polizeilichen Zugriff zu entgehen. Sie stellen Zirkuszelte auf, richten Feldküchen ein. Wer bezahlt all das? »Das meiste Equipment kommt von irgendwelchen Organisationen. Das Zelt gehört zum Beispiel der Freiburger Volxküche. Und wir nehmen eine Menge Spenden ein.«

Was mobilisiert die Gegner, was lässt sie in ihre Brieftaschen greifen und in Schlafsäcken frieren? Am meisten Angst an der Gentechnik machten ihr die wirtschaftlichen und politischen Hintergründe, die drohende Abhängigkeit von den Multis, sagt Johanna Rehse. »Der Feind ist nicht die Hochschule, auch nicht Professor Schier. Der Feind heißt Monsanto.« Darum sei Nürtingen nur ein Teilerfolg. Es sind noch über 4.000 Hektar Monsanto-Mais angemeldet dieses Jahr. »Da ist noch einiges zu tun.«

Hat sie keine Angst davor, wegen schwerer Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch verurteilt zu werden? »Kein Stück. Bisher gab es keine klaren Urteile, viele Prozesse sind abgesagt oder vertagt. Aber ich würde auch 30 Tagessätze bezahlen, wenn ich verurteilt würde.«

Und die Argumente, die für die Forschung sprechen? Dass Gentechnik den Einsatz von Spritzmitteln verringern könnte, sei doch Schwachsinn, sagt Johanna Rehse. Das wisse sie, auch ohne wissenschaftliche Studien zu lesen. Die finde sie zu anstrengend, sie rede einfach viel mit Leuten.

Sie genießt sichtlich den Frühling des Protests. Auch wegen der Anerkennung, die sie vor Ort erfährt. »In Nürtingen hatten wir eine Schulklasse auf dem Feld.« Der Lehrer hatte mit seinen Schülern gerade im Ethikunterricht zivilen Ungehorsam durchgenommen. »Der kam hoch erfreut zu uns. Schließlich waren wir der lebende Beweis, dass ziviler Ungehorsam etwas bewirken kann.«

Kathrin Mendler studiert in Nürtigen Agrarwirtschaft. »Das kann doch nicht sein, dass die da auf dem Acker hocken und die Forschung kaputt machen«, sagt sie und hat einen offenen Brief an die Hochschulleitung verfasst und Unterschriften gesammelt: »Gemäß dem Leitsatz ›Freiheit für Forschung und Lehre‹ fordern wir, dass der besetzte Acker so schnell wie möglich geräumt und die Forschung im Bereich der Gentechnik wieder aufgenommen wird.« Das Ergebnis waren 160 Bekenntnisse zur Freiheit der Forschung in nur zwei Stunden. »Da haben Biolandwirte unterschrieben, obwohl die garantiert nicht für die Gentechnik sind. Forschung an einer Hochschule muss stattfinden dürfen, wo denn sonst?«, sagt Mendlers Kommilitone Felix Grebhardt.

Den Studenten ist es wichtig, alle Seiten kennenzulernen, den Biolandbau, die konventionelle Landwirtschaft und eben auch die Gentechnik auf dem Acker. »Das ist Forschung zum Anfassen«, sagt Martin Frech. »Wir sehen die Maispflanzen nicht nur im Lehrbuch. Es ist beeindruckend, wenn die einen Pflanzen vom Maiszünsler zerfressen werden und die anderen völlig unbehelligt dastehen.« Mendler, Grebhardt und Frech schwärmen von ihrer Hochschule, von der engen Zusammenarbeit mit den Professoren, vom weiten Ausbildungsspektrum, von der Praxiserfahrung.

»Wir haben die Besetzer gefragt: Warum sitzt ihr jetzt schon hier? Für die Aussaat ist es doch noch zu kalt«, berichtet Grebhardt. »Die wussten gar nicht, wann Mais ausgesät wird.« Auch sonst habe sich in den Diskussionen gezeigt, wie wenig die Besetzer von Landwirtschaft verstünden.

Nun betreiben die Studenten Gegenaufklärung. Sie geben Interviews, informieren die Presse, reden mit der Hochschulleitung. Allzu optimistisch sind sie nicht. »Nach einem solchen Kniefall vor den Forschungskritikern ist ein Wiedereinstieg schwierig«, sagt Kathrin Mendler und verweist auf die notwendige Zusammenarbeit mit Unternehmen und Drittmittelgebern. »Warum sollten die noch mit der Hochschule kooperieren? Um wieder versetzt zu werden?«

Rektor Werner Ziegler, seit September 2007 im Amt, ist so krank, dass er eine USA-Reise absagen musste. Nun sitzt er doch mit seinen Prorektoren Cornelia Niederdrenk-Felgner und Willfried Nobel sowie Kanzler Roland Bosch am großen Tisch in seinem Amtszimmer, um den Konflikt mit der Forschungsfreiheit zu erklären. Die Hochschulleitung ist sich einig: Sie habe in letzter Minute den Ruf ihrer Institution gerettet. »Wir sind als Gen-Hochschule, als Monsanto-Hochschule beschimpft worden«, sagt Ziegler. »Es gab Kritik von außen wie von innen, von Studenten und Kollegen. Ehemalige haben angerufen, Lokalpolitiker.«

Die Kritik ist nicht neu. Seit 1995 gibt es Proteste gegen die Versuche auf dem Hofgut der Hochschule. »Am Anfang waren das einzelne Gruppen«, sagt Ziegler. »Inzwischen ist die Gegnerschaft jedoch in gesellschaftliche Kreise hineingewachsen, von denen wir das nie vermutet hätten.« Die Feldbesetzung sei nur der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

Im Rektorat herrscht Einigkeit. In der Abwägung zwischen Forschungsfreiheit und Genprotest habe die Hochschule gegen den massiven Druck der öffentlichen Meinung keine andere Wahl gehabt. »Die Freiheit der Forschung kann keine Freiheit per se sein«, sagt Prorektorin Cornelia Niederdrenk-Felgner. »Sie können doch auch keine Schusswaffenforschung betreiben, indem Sie auf lebende Menschen zielen.«

Die Mission von Rektor Ziegler lautet also: den Ruf der Hochschule retten. Dass er selbst nicht viel von grüner Gentechnik hält, daraus macht der Wirtschaftswissenschaftler keinen Hehl. Hat die Agrarwirtschaft – immerhin Gründungsfakultät der Hochschule – bei der Hochschulleitung überhaupt noch eine Bedeutung? »Wir sind stolz darauf«, sagt Ziegler. »Aber dass wir vom Biolandbau bis zu den Gentechnikversuchen ein breites Spektrum in der Agrarwirtschaft bieten, dass wir das Nürtinger Schweinebett erfunden haben, dass wir alte Kultursorten reaktivieren, all das drang überhaupt nicht mehr durch. Wir wurden auf die Gentechnik reduziert.«

So sei die »dringende Empfehlung der Hochschulleitung und des Hochschulrates« an den Kollegen Schier, seine Experimente einzustellen, immer dringender geworden. »Der Hochschulratsvorsitzende hat mit Mitgliedern des Hochschulrats gesprochen und mich ermutigt, auch in seinem Namen zu sprechen«, sagt Ziegler. Im Namen des Hochschulrates? »Im Namen des Vorsitzenden, nicht im Namen des Rates«, sagt Ziegler. Jürgen Hilse, der Vorsitzende des Hochschulrates, ist im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Göppingen und amtierender Bundesobmann der Sparkassen.

Rektor Ziegler hat seinem Kollegen Schier und der Hochschule eine Denkpause verordnet, ein Moratorium. Man wolle die Entwicklung zunächst einmal beobachten, wissenschaftlich, ökonomisch, politisch. Fünf Jahre soll die Denkpause dauern. Dann scheidet Ziegler aus dem Amt.

Die Leserbriefseite der Nürtinger Zeitung ist das Stimmungsbarometer der Region. »Endlich geht die Saat auf, die ich jahrelang unter meine Schüler im Ethikunterricht gesät habe«, schreibt Günther Balz aus Oberboihingen. »Respekt vor diesen mutigen und entschlossenen Menschen«, bekräftigt Peter Schönhaar aus Unterensingen. »Danke auch an die Nürtinger Zeitung mit der guten Berichterstattung und der Redaktionsmeinung«, schreibt Gerhard Härer aus Aichtal.

Die Nürtinger Zeitung hat durchaus ihren Anteil am Sieg über Gentechnik und Forschungsfreiheit. Daraus macht der Lokalredakteur Andreas Warausch keinen Hehl. Viel Platz hat die Zeitung den Positionen der Gentechnikgegner im Laufe der Jahre eingeräumt. Früher durften Leserbriefschreiber schon mal ??ber »Schiersche Menschenversuche« schimpfen. Auch in der aktuellen Berichterstattung steht im Zentrum die Position der Feldbesetzer. Andreas Schier kommt kaum zu Wort. Der sei ziemlich arrogant, kanzele die Sorgen der Menschen als unbegründet und emotional ab. »Er ist hart angegangen worden und im Lauf der Zeit selbst hart geworden«, sagt Warausch.

Tut sich die Redaktion mit dem Forscher deshalb so schwer? »Wir fühlen uns als Anwalt der Leute«, sagt der Redakteur. »Und die Ängste der Leute sind höher zu bewerten als die Freiheit der Forschung.« Die Nürtinger Zeitung steht mit ihrer Haltung nicht allein. Auch Ulrich Stolte, Mitglied der Esslinger Lokalredaktion der Stuttgarter Zeitung, hat die Hochschule zum Stopp der Experimente beglückwünscht, unter der Überschrift Bessere Welt. Auch seine Redaktion hatte den Stimmen der Protestler viel Raum gegeben. Dabei verbreitete sie auch Fehlinformationen über die biologischen Risiken der Versuche.

»Die Biologie können wir Lokalredakteure kaum beurteilen«, sagt Warausch und schildert sein Dilemma: Wem soll er denn glauben? Dem Forscher? Der ist voreingenommen. Dem Unternehmen? Das will Geld verdienen. Dann glaubt er lieber den Ängsten seiner Mitbürger.

Aber in einem Punkt ist er sich auch ohne Biologiekenntnisse ziemlich sicher: »Die Genforschung hier ist tot.«

 
Leser-Kommentare
  1. Wer trägt das Risiko für einen Gen-Gau? Wer weis denn wirklich, welche Auswirkungen unsere Manipulationen haben und wieso muss im Feld geforscht werden und nicht erstmal in einer abgeriegelten Biosphäre? Ich glaube an Gentechnik, sobald Manager und Wissenschaftler ihre eigenen Kinder mit dem Zeug füttern.

  2. @ #1: Haha, sehr treffender Kommentar. Sehe ich ähnlich. :)Zum Artikel: "Das wisse sie, auch ohne wissenschaftliche Studien zu lesen. Die finde sie zu anstrengend, sie rede einfach viel mit Leuten."Solche Leute finde ich einfach unmöglich. Das macht einen richtig wütend - protestieren, vandalieren, aber nichtmal dazu bereit sein, sich auch nur ansatzweise zu informieren. Mag sein dass sie Recht hat, das wäre dann aber purer Zufall, ein Glückstreffer. Wie kann man sich herausnehmen, diese Forschungsarbeit zu zerstören, ohne sich überhaupt mit der Materie auszukennen? Ist es in Ordnung, Gesetze zu übertreten (Sachbeschädigung), ohne auch nur die Bereitschaft zu zeigen, seine Motivation fundiert belegen zu können? "Monsato und Gentechnik ist böse, ich weiß das halt" reicht dafür nicht, das sollte man schon irgendwie argumentativ untermauern können.

  3. Ausschliesslich eine der Feldbesetzerinnen zu beschreiben, die sich durch Naivität und vielleicht auch Abenteuerlust anstelle von Fachkentnissen auszeichnen, ist "Einzelbeispieljournalismus", mit dem man so ziemlich alles diskreditieren kann.Das Mädchen, gerade mal aus der Schule raus, dann aber mit Namensnennung im Artikel blosszustellen ist dazu auch noch sehr schlechter Stil.Entsprechenden Willen vorausgesetzt hätten Sie, Herr Sentker, doch sicherlich auch fundierter argumentierende Gesprächspartner aufgetrieben.Dabei bin ich eigentlich gegenüber der grünen Gentechnik eher aufgeschlossen...

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    Zur Recherche: Die Handy-Nummer von Johanna Rehse war auf der Seite von "Gendreck weg" explizit als Pressekontakt für die Nürtinger Besetzergruppe angegeben. Auch auf Nachfrage bezeichnete sie sich als die zentrale Ansprechpartnerin für die Aktion. Es gibt gewiss bekannte Kritiker, die sich intensiver in die Materie einlesen. Es gibt aber auch bekannte Forscher, die noch intensiver Grüne Gentechnik betreiben als Andreas Schier (der ausschließlich Anbauversuche macht). Und einschlägige Forschungseinrichtungen, die die Gentechnik intensiver fördern als die HfWU in Nürtingen.Nürtingen steht gewiss nicht stellvertretend für die vorderste Forschungs- oder Protestfront. Eher für den Alltag in Deutschland, für die Normalität der Auseinandersetzung. Daher war es für diese Recherche wichtig, die am Ort des Geschehens beteiligten Parteien zu Wort kommen zu lassen. Den Forscher und die Besetzerin, die Studenten und den Rektor.

    Zur Recherche: Die Handy-Nummer von Johanna Rehse war auf der Seite von "Gendreck weg" explizit als Pressekontakt für die Nürtinger Besetzergruppe angegeben. Auch auf Nachfrage bezeichnete sie sich als die zentrale Ansprechpartnerin für die Aktion. Es gibt gewiss bekannte Kritiker, die sich intensiver in die Materie einlesen. Es gibt aber auch bekannte Forscher, die noch intensiver Grüne Gentechnik betreiben als Andreas Schier (der ausschließlich Anbauversuche macht). Und einschlägige Forschungseinrichtungen, die die Gentechnik intensiver fördern als die HfWU in Nürtingen.Nürtingen steht gewiss nicht stellvertretend für die vorderste Forschungs- oder Protestfront. Eher für den Alltag in Deutschland, für die Normalität der Auseinandersetzung. Daher war es für diese Recherche wichtig, die am Ort des Geschehens beteiligten Parteien zu Wort kommen zu lassen. Den Forscher und die Besetzerin, die Studenten und den Rektor.

    • QUOTE
    • 30.04.2008 um 11:24 Uhr

    Mittlerweile kennt man auch in der ZEIT-Redaktion offenbar keinerlei Schamgrenzen mehr...inzwischen ist scheinbar die Angst zu groß geworden, sich eines Tages unter den Bedingungen, für die man 15 Jahre lang neoliberal getrommelt hat, selber in das Heer der Arbeitssuchenden einreihen zu müssen.»BASF, Monsanto oder BayerCropScience sind nur Fördermitglieder«, kontert er. Eine Schwächung seiner wissenschaftlichen Unabhängigkeit kann er darin nicht erkennen."Freiheit der Forschung", sponsored by Monsanto?[...]http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27671/1.htmlWorum es wirklich geht, kann man u.a. hier erkennen:[...]http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27824/1.htmlMan merke: das natürliche - NICHT PATENTIERBARE - Original wird für potentiell gesundheitsschädlich erklärt, während die gentechnisch abgeleitete - PATENTIERBARE - Kopie unbedenklich ist?Zitat "Beitrag" Sentker: "Seine jüngste Arbeit weist nach, dass der gentechnisch veränderte Mais
    nicht nur seinem Fraßfeind, dem Maiszünsler, widersteht,
    sondern auch
    eine geringere Belastung mit Pilzgiften aufweist."
    Pilzgifte! Oh Gott! Normaler Mais ist giftig! Verbieten! Nur noch Gen-Mais darf angebaut werden...so in der Art, ja?Das Muster ist klar erkennbar - aber natürlich nur, wenn man selbst recherchiert, statt seine "Informationen" aus der Pressemappe seiner Sponsoren zu erhalten."Pressefreiheit", sponsored by...?, Herr Sentker?[Gekürzt - bitte beachten Sie das Urheberrecht. Danke. /Die Redaktion pt.]

  4. sollte man also so ziemlich alles machen können oder wie? Irgendwo hört doch diese Freiheit auf, sonst können wir konsequenterweise alle Freiheit fordern und das gesamte Regelwerk der Gesellschaft auflösen. Von mir aus, aber dann wird es dem Herrn Schier vermutlich schlecht gehen...Auch hört man immer wieder den Vorwurf, dass die Kritiker sich gar nicht in der Materie auskennen. Natürlich tun sie das nicht und das müssen sie auch nicht. Hier ist eher Weitblick als Tiefblick gefordert. Allgemeine Kenntnisse über Geschichte und Wissenschaft, Lebenserfahrung, das ist wichtig und nicht das Auswendigkönnen der Genkodierung einer bestimmten Maissorte...

    • hareck
    • 30.04.2008 um 11:40 Uhr

    wie Johanna Reese sagt: gegen Forschung an sich ist ja nichts einzuwenden, aber die Pflanzen wurden ja leider nicht von der Universität entwickelt, sondern von Monsanto.Dieser Konzern hat ein Patent darauf. Ich persönlich finde es absurd, dass man sich Pflanzen patentieren lassen kann. Wo soll man die Grenze setzen? Bei Tieren? Bei Menschen?Dieser Konzern ist berüchtigt für seine Praxis, Bauern zu verklagen, auf deren Feldern sich einige wenige seiner patentierten Pflanzen befinden. Die Bauern betrachten diese Pflanzen als Unkraut, zahlen müssen sie trotzdem.Dieser Konzern versucht mit aller Macht, seine gentechnisch veränderten patentierten Pflanzen in der dritten Welt zu etablieren, um die dortige Landwirtschaft von seinen Sorten abhängig zu machen und an der Lebensmittelkrise dort kräftig abzukassieren.Solange die "Forschung" mit solchen Partnern zusammenarbeitet, muss sich keiner wundern, wenn er sich seinen Ruf beschädigt.

  5. Es ist erschreckend, wie Deutschland sich durch Unwissen immer mehr aus jeder biologischen und medizinischen Forschung selbst herauskatapultiert und gerade die besten Wissenschaftler zwingt, ins Ausland abzuwandern. Die gegenwaertige Nahrungsmittelkrise sollte selbst dem Duemmsten zur Nachdenken anregen, wie wir kuenftig 6 und mehr Milliarden Menschen ernaehren wollen, wenn weiterhin 50% und mehr der Ernten durch Schaedlinge vernichtet werden. Fuer medizinische Behandlung werden wir wohl kuenftig nach Grossbritannien oder nach etwas laengerer Zeit auch nach China reisen muessen. Der Artikel zeigt deutlich, wo das Uebel liegt: Man findet es zu muehsam sich angemessen zu informieren! Die Schuld liegt wohl in den Schulen, die nicht in der Lage sind, eine auf die heutigen Zeit ausgerichtete Ausbildung zu vermitteln. Mangelhafte Ausbildung in naturwissenschaftlichen Faechern, Mangel an Lehrerfortbildung, Abwahl von Faechern in der Oberstufe. Sind wir auf dem Wg zu einem Entwicklungsland?

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    Ehe man andere als Dümmste bezeichnet, die zu faul sind sich zu informieren ,sollte man sich selbst informieren, dafür nur zwei Beispiele:Hans Kast, der Geschäftsführer von BASF Plant  Science, der
    Gentechnik-Sparte von BASF sagte kürzlich: "Natürlich  wird sich das
    Welthungerproblem nicht mit der Gentechnik lösen  lassen". Genau das gleiche sagt der Welternährungsrat und viele andere Fachleute. Wer die Werbeversprechen der Agroindustrie(die sich ja davon inzwischen distanziert) nachplappert sollte sich nicht gleich für  einen  Fachmann halten. Es gibt zur Zeit Nahrungsmittel für 12 Milliarden Menschen und wenn die Entwicklungsländer Lebensmittel für sich selbst anbauen können, statt für uns Viehfutter und Biosprit zu produzieren, und wenn die Bauern ihr Saatgut von ihren angepassten Sorten gewinnen können, statt  Lizenzgebühren für Gensaatgut zu bezahlen, ist ein Gutteil des Problems gelöst.Dazu braucht man bestimmt keine Gentechnik

    Ehe man andere als Dümmste bezeichnet, die zu faul sind sich zu informieren ,sollte man sich selbst informieren, dafür nur zwei Beispiele:Hans Kast, der Geschäftsführer von BASF Plant  Science, der
    Gentechnik-Sparte von BASF sagte kürzlich: "Natürlich  wird sich das
    Welthungerproblem nicht mit der Gentechnik lösen  lassen". Genau das gleiche sagt der Welternährungsrat und viele andere Fachleute. Wer die Werbeversprechen der Agroindustrie(die sich ja davon inzwischen distanziert) nachplappert sollte sich nicht gleich für  einen  Fachmann halten. Es gibt zur Zeit Nahrungsmittel für 12 Milliarden Menschen und wenn die Entwicklungsländer Lebensmittel für sich selbst anbauen können, statt für uns Viehfutter und Biosprit zu produzieren, und wenn die Bauern ihr Saatgut von ihren angepassten Sorten gewinnen können, statt  Lizenzgebühren für Gensaatgut zu bezahlen, ist ein Gutteil des Problems gelöst.Dazu braucht man bestimmt keine Gentechnik

    • MyBaum
    • 30.04.2008 um 12:24 Uhr

    Man hört von seiten der Gentechnikgegner immer wieder: Genforschung sei intransparent. Die Forscher "arrogant". Man wisse ja gar nicht was passieren könne.Die Gefühle wecken Erinnerungen an Beispiele aus der Vergangenheit, Beispiele bei denen die Gentechnikgegner Parallelen entdecken zu glauben. Da wird dann TNT, ABC-Waffen, Atomtechnik etc genannt. Mit einem Analogieargument wird dann geschlossen Gentechnik sei gefährlich.Dies versucht auch Bspiesser, wenn er sich auf seine überlegene Lebenserfahrung und sein Geschichtskenntnis beruft. Leider ist dies falsch. Die einzigen Gemeinsamkeiten, die Gentechnik mit den oben genannten Techniken hat ist die naturwissenschaftliche Komplexität des Themas. Die richtige Antwort auf eine Analogie ist eine Differenzierung. Bei Atomtechnik ist es zum Beispiel wichtig zu differenzieren zwischen Bomben, Reaktoren und Röntgen.Genauso muss man bei grüner Gentechnik differenzieren. Es gibt Monsanto mit wirtschafltichen Interessen und es gibt staatliche Institute, die vornehmlich im öffentlichen Interesse forschen.Die enorme Wichtigkeit des Patentschutzes bei der Gentechnik ist letztlich ein Resultat der mangelnden öffentlichen Mittel für die grüne Forschung. Wer also möchte, dass das öffentliche Interesse, und nicht wirtschaftliche Interessen, bei Gentechnik im Vordergrund stehen, der darf Forschung wie in Nürtingen nicht behindern. Auch wenn dort mangels Alternativen nur eine kommerzielle Sorte erforscht werden kann.

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  • Quelle DIE ZEIT, 01.05.2008 Nr. 19
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  • Schlagworte Hochschule | Gentechnik | Forschung
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