Gnadenbrot für alte Gäule

Als Rentner kann man nur noch sehr betroffen, ja traurig sein über so viel Feindschaft, wobei die Schlagzeilen fast noch harmlos klingen: Rentner-Demokratie, Rentner an der Macht oder Den Alten dienen. In den Inhalten aller dieser Artikel tritt Aggression zutage. Auch in diesem Beitrag.

Um auf den Boden der Tatsachen zu kommen: Die Rentner haben sich diesen »Reichtum« von 1,1 Prozent Steigerung nicht erstritten, es muss unter den Verantwortlichen in der Politik wohl auch jene gegeben haben, die eine beschämend werdende Situation möglicherweise etwas abfedern wollten. So leid es mir tut, ich kann darin kein Wahlgeschenk erkennen.

Lutz Wiesner, Edingen-Neckarhausen

Es ist eine durchaus zynische Debatte, wenn angesichts einer außerordentlichen »Erhöhung« der Renten um 1,1 Prozent über einen »Rückfall in die Zeiten der Vorvernunft« lamentiert wird bei Durchschnittsrenten von 500 Euro (West) bis 600 Euro (Ost) für Frauen und um 1000 Euro für Männer, steigender Inflation und zukünftig sinkenden Durchschnittsrenten.

Nirgendwo in der öffentlichen Erörterung ein Wort davon, dass Renten ein Element der Massenkaufkraft sind. Umso mehr, als die Gruppe der Alten einen immer größeren Teil der Bevölkerung ausmacht, werden sie eine wichtige Nachfragegruppe darstellen. Das bedeutet Beschäftigung für die Jungen.

Die Zuwächse am verfügbaren Einkommen waren am größten bei den selbstständigen Mittelschichten, gefolgt von den weit abgeschlagenen Arbeitnehmern, während seit Langem Transfereinkommen und Renten gesunken sind. Die höchsten Steigerungsraten also bei denjenigen, die nie in die Rente einzahlen. Verteilungs- und Generationengerechtigkeit sieht anders aus.

Thomas Knorr-Siedow, Berlin

Die Überschrift des Artikels hat mich irritiert. Wer dient wem in unserer Republik?

Da gibt es ein Ehepaar, sie 75, er 76 Jahre alt. Ihr Alltagsleben ist nicht, wie auch in anderen Beiträgen zum gleichen Thema behauptet wird, mit Reisen und Unternehmungen ausgefüllt, sondern mit um im Bild zu bleiben dem Dienst an der Gesellschaft. Da werden nicht nur Enkel betreut, das häufigste Engagement erfordert der kommunale Seniorenbeirat. Auch werden Geld- und Sachspenden für die »Tafel« gesammelt, eine Einrichtung, die wegen wachsender Armut immer mehr in Anspruch genommen werden muss. Zu erwähnen wäre auch das Kochen mit Jugendlichen, wobei sich immer wieder gute Gespräche ergeben. Alte Menschen können meist gut zuhören. Ein letztes Beispiel: ein lange mit Lehrkräften der weiterführenden Schulen vorbereitetes Gespräch zum Thema »Zeitzeugen sprechen mit Schülern über den Nationalsozialismus«.

Nach Unterrichtsschluss nahmen sich etliche Schüler viel Zeit, ihre Fragen loszuwerden. Uns Alte beeindruckten der Ernst und das große Interesse der Jugendlichen.

Der ein klein wenig gönnerhafte Ton des Artikels lässt mich an den Vergleich mit alten Gäulen, die das Gnadenbrot bekommen, denken.

Im Übrigen: Wir werden schon mit den Widrigkeiten des Lebens fertig, notgedrungen mit Selbstdisziplin und Genügsamkeit.

Irmingard Rachfall, Porta Westfalica

Die angekündigte Rentenerhöhung mobilisiert in der Öffentlichkeit Zukunftsängste. Aber relativiert sich nicht eine ins Auge gefasste Erhöhung der Ausgaben im Sozialsektor um circa 12 Milliarden innerhalb eines Zeitraums von vier Jahren, wenn der Staat allein im Zeitraum eines Jahres für ähnlich hohe Spekulationsverluste im Finanzsektor in Haftung tritt? Und ist nicht auch zu hinterfragen, ob eine Rentenformel, die die (Real-) Einkünfte der Rentner in den letzten fünf Jahren um etwa 10 Prozent abgesenkt hat, einen Konstruktionsfehler haben könnte?

Paul Scholz, Hannover

Der Leitartikel geht davon aus, dass das geltende Rentensystem unabänderlich Bestand haben wird.

Es ist aber nachlässig oder sogar unredlich, lediglich die gesetzlich Versicherten (ohne die Beamten und Verdiener oberhalb der Bemessungsgrenze) in Betracht zu ziehen. In der Schweiz hat jeder seinen Beitrag in die Rentenkasse zu leisten, wobei dennoch eine gesetzliche Obergrenze für die Ausschüttung gilt. Warum soll das für Deutschland kein Modell sein? Es wäre für die Mehrheit vorteilhaft, unter anderem deshalb, weil es dämpfend auf die Beitragssätze wirken könnte.

Frau Fehrle weist nicht darauf hin, dass man den angeblichen Generationenzwist auch anders deuten kann, als es meistens geschieht.

Es geht nicht wirklich um einen Konflikt zwischen Jung und Alt, sondern zwischen Arm und Reich, zwischen Privilegierten mit Lobby und Missachteten ohne Lobby. Wenn ein opulent alimentierter Altbundespräsident meint, sich gegen seine weniger glücklichen Rentnerkollegen wenden zu müssen, lässt das erahnen, welches unausgesprochene Interesse daran besteht, die Verhältnisse nicht zulasten der Wohlhabenden zu ändern.

Rudolf Lasar, Köln

 
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