Spielen Werde ich gemocht?
Sie laden Musik hoch und runter, füttern virtuelle Pferde, knacken Codes und haben viele Geheimnisse: Was Kinder im Netz suchen
Die neuen Medien der Erwachsenen sind für Kinder und Jugendliche längst alte Hüte. Die über Zwölfjährigen sitzen inzwischen lieber und länger vor dem Computer als vor dem Fernseher. Was suchen sie da? Genau das, was sie auch im wirklichen Leben suchen: Spiele, Musik, Filme, Infos für die Schule – und Freunde. Kleine Kinder suchen zwar anderes als große, Mädchen anderes als Jungen. Doch alle wollen Spaß haben. Zuwendung. Nähe.
Vorschulkinder spielen im Internet, was Erwachsene ihnen anbieten. Das hat jedenfalls Stefan Müller festgestellt, der seit zehn Jahren die Kinderseite blinde-kuh.de betreibt. Findet Papa die Sendung mit der Maus gut, spielt das Kind auf der entsprechenden Website. Oder auf einer Barbie-Site, wenn das Mama gefällt. Eins der ersten Motive, sich vor den Rechner der Eltern zu setzen, ist die Verlängerung des Spielzimmers ins Internet. Memorys und Puzzles sind online besonders beliebt, wenn die Motive aktuell sind; die Band Tokyo Hotel war eine Zeit lang der Renner.
Vom achten oder neunten Lebensjahr an unterscheiden sich die Vorlieben der Geschlechter deutlich. Mädchen pflegen online Pferde, probieren Frisuren aus und organisieren Familien (»Sims«!). Jungen kämpfen in einem Römerkrieg, schießen Tore und erleben Abenteuer. Doch einige Jungen beginnen – oft zum Schrecken ihrer Eltern – schon mit zwölf Jahren, sogenannte Ballerspiele zu spielen.
Fragt man sie, warum, geben sie meist an, sie schätzten an Spielen wie Counterstrike oder Doom Strategie und Teamplay, Gewalt stehe nicht im Mittelpunkt. Mit der Wirkung von gewalttätigen Onlinespielen auf die kindliche Psyche befassen sich Experten immer wieder. Als sicher gilt mittlerweile, dass es niemals »eindimensionale« Zusammenhänge gibt – dass niemals durch aggressive Spiele allein eine negative Auswirkung auf das Verhalten des Kindes zu befürchten ist. Wirklich problematisch im Hinblick auf das Verhalten können Spiele nur dann werden, wenn das Kind oder der Jugendliche auch abseits des Bildschirms eine Faszination für Gewalt entwickelt. Dennoch: Beängstigende Bilder und Filmsequenzen können Kinder, auch wenn sie noch so »cool« damit umgehen, sehr wohl belasten.
Kinder wollen nicht nur spielen – sie wollen auch viel wissen
Doch Kinder wollen keineswegs nur spielen – sie wollen auch vieles wissen. Laut Umfragen von Christine Feil vom Deutschen Jugendinstitut suchen fast 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Internet auch nach Informationen, die Älteren bei Wikipedia oder Google. Mädchen lesen häufiger als Jungen über die Themen, die sie für die Schule brauchen. Oder sie wollen das Neueste über ihre Pop- oder Vorabendserienstars wissen. Für kleine Kinder ist die Google-Suche zu komplex. Christine Feil sagt, dass Kinder sich schwer damit tun, aus einer großen Zahl von Suchergebnissen nützliche oder glaubwürdige Seiten herauszufiltern. Deshalb fühlen sie sich auf den Kinderseiten wohler. In der Kindersuchmaschine von blinde-kuh.de werden neben Stars am häufigsten Tiere gesucht. Es folgen Informationen über Länder sowie über Indianer, Wikinger, Hexen und andere Kulturen. Besonders bei politischen Krisen werden Nachrichten für Kinder interessant. Während des Irakkriegs war eine der häufigsten Suchanfragen »Irak«.
Kaum können Kinder erste vollständige Sätze schreiben, entdecken sie das Internet als aufregende Möglichkeit der Kommunikation. Das Niveau entspricht dem Alter; so lautet der beliebteste Satz in einem Kinderchat: »Mir ist langweilig.« Ein typischer Dialog geht oft nicht über »Wie heißt du?« und »Wo wohnst du?« hinaus. Stefan Müller hat beobachtet, dass die sprachgewandteren Mädchen meist den Ton angeben. »Die Jungs sind auch da, aber sie schweigen. Sagt doch einer mal was, hat er gleich hundert neue Freundinnen.«
Auch Chatrooms für Kinder werden von vielen Eltern mit Sorge betrachtet. Sie fürchten Erwachsene mit schmutzigen Absichten, die sich in Kinderchats einschleichen. Die meisten Kinder wissen zwar, dass sie Unbekannten ihren echten Namen oder die Adresse nicht verraten und schon gar kein Treffen vereinbaren dürfen. Doch auch eine verbale Bedrängung kann verstörend wirken. Laut Jim-Studie (Jugend, Information [Multi-]Media 2007) hatten 38 Prozent der jugendlichen Nutzer bereits solcherart unangenehme Begegnungen. Noch verbreiteter als die Anmache von fremden Erwachsenen sind die Pöbeleien untereinander. Der Ton wird schnell beleidigend; manch ein Kind wird gemobbt. Es geht darum, sich durchzusetzen, aufzufallen. Der Chat von seitenstark.de reagiert darauf, indem jeder Eintrag vor der Veröffentlichung gelesen wird. Der Aufwand führt dazu, dass dieser Chatroom nur für zwei Stunden am Tag geöffnet ist.
Ab 14 Jahren geht es um Selbstdarstellung und Anerkennung
Ältere Kinder und Jugendliche plaudern lieber über einen Instant Messenger, eine Software, die es erlaubt, die eigenen Freunde einzuladen, während das Gespräch für alle anderen unsichtbar bleibt. Oberflächliches Plaudern ist jedoch für manche Jugendliche nicht die Hauptmotivation, ins Netz zu gehen: Viele Foren bieten Ansprechpartner für Außenseiter. Schwule Jugendliche können sich anonym Mut machen lassen. Es gibt Websites für Kinder, deren Eltern alkoholabhängig sind, oder für magersüchtige Mädchen.
Wer »dazugehören« will, organisiert sich spätestens mit 14 Jahren in »sozialen Netzwerken«, etwa auf SchülerVZ oder MySpace. Hier geht es vor allem um Selbstdarstellung, soziale Einbindung, Anerkennung. Man schmückt seinen Auftritt mit bearbeiteten Fotos, Videos, Musikstücken und einer großen Anzahl von »Freunden«. Die Regeln, die in Chats akzeptiert werden – keinen Echtnamen verwenden, nicht verraten, auf welche Schule man geht, keine Bilder zeigen –, funktionieren hier nicht. Denn wer seinen Namen nicht nennt, kann nicht gefunden werden; wer sein Bild nicht zeigt, wird nicht angesprochen – und kann so nicht testen, wie attraktiv er wirkt. Obwohl sich manch einer für immer öffentlich bloßstellt, werden die Netzwerke fatalerweise als ein geschützter Ort empfunden, den man unabhängig von Eltern und Lehrern bespielen kann.
Werbung und die Konsequenzen sind ein anderes Problem. Schon jüngere Kinder schauen sich ihre Lieblingssendung im Fernsehen an und notieren die eingeblendeten Webadressen. Sie finden dort ansprechende Kinderseiten, auf denen neben Spielen auch Werbeangebote stehen. Kinder können das eine oft nicht vom anderen unterscheiden. Es fällt ihnen auch schwer, einzuschätzen, wo sie ihre Daten eingeben dürfen, ohne zum Beispiel eine Spam-Flut auszulösen oder zur Kasse gebeten zu werden.
Jugendschützer und Psychologen raten den Eltern, ihre Kinder, so oft es geht, ins Internet zu begleiten, mit ihnen darüber zu sprechen, was sie tun, und klare Regeln fürs Internet zu entwickeln, die auch einzuhalten sind.
Eltern können dabei auch selbst profitieren. Denn so viel besser als ihre Kinder kennen sich die meisten von ihnen mit den Tücken des Netzes auch nicht aus.
Linksammlung
www.blinde-kuh.de
www.fragfinn.de
Suchmaschinen speziell für Kinder
www.seitenstark.de
Kindertaugliche Links
www.primolo.de
Ein moderierter Chat
www.lizzynet.de
Für Mädchen, mit Themenspecials und Gewinnspielen
www.xundco.de
Kinder können Teams bilden und gemeinsam Aufgaben lösen – sogar ohne Computer
www.klicksafe.de
www.jugendschutz.net
Informationen zum Jugendschutz
www.die-maus.de
Details zur Maus, zum blauen Elefanten, zu Shaun dem Schaf etc.
http://www.dji.de
Am Deutschen Jugendinstitut wurden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, zum Beispiel zum Thema Grundschule und Internet. Zur Zeit wird eine Studie (Digital Divide) ausgewertet, die die digitale Kompetenz im Kindesalter mit Bildungschancen in Verbindung setzt. Einige der Zahlen lagen der ZEIT schon vor
www.pbs.org
Einstündige, interessante Sendung über amerikanische Jugendliche im Internet
www.eukidsonline.net
Eine vergleichende Studie über die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen in Europa
www.mpfs.de
Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest hat die Kinder- und Jugendstudien zur Mediennutzung erstellt, aus der die Zahlen in diesem Text stammen: JIM (Jugend, Information (Multi-)Media) und KIM (Kinder + Medien, Computer + Internet)
www.zappen-klicken-surfen.de
Zappen, klicken, surfen Familien leben mit Medien. Eine Broschüre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Institut für Medienpädagogik
- Datum 08.05.2008 - 12:40 Uhr
- Serie Internet-Spezial
- Quelle DIE ZEIT, 01.05.2008 Nr. 19
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Das Internet stellt für viele Jugendliche DIE leitgebende Plattform dar. Ob MMOs, Chatrooms, Online-Communities, das Internet prägt diese Menschen. Umsowichtiger ist es, dass die Eltern mit den Kindern diesen Weg beschreiten und ihnen einen gesunden Umgang mit diesem Medium vermitteln.Doch die wenigsten Eltern begleiten sie auf diesem Weg, ob aus zeitlichen Grunden, aus fehlender Erfahrung oder, noch schlimmer, aus reinem Desinteresse und Ignoranz vor einem leitendem Medium. Frei nach der Devise "Gab es früher nicht, braucht man auch heute nicht!".So schreitet in Teilen der Gesellschaft eine mediale Verwahrlosung voran. Diese Menschen sind ganz auf sich alleine gestellt und oft ohne konkreten Ansprechpartner. In meinem Falle habe ich die richtigen Leute im worldwideweb und im Elternhaus gehabt, doch Glück und Zufall sind nicht wirklich Faktoren auf die man sich verlassen sollte.Was mich aber am meisten verwundert ist, dass dieses Medium nicht für die Pädagogik genutzt wird. Denn nichtswoanders wird einem spielerischer die Grundlagen einer heutigen Gesellschaft beigebracht, ob nun über Communities, Chatrooms oder einem MMO, wo eine eigene Ökonomie drinsteckt. Menschen, die im wirklichen Leben gefrustet sich in virtuelle Welten fallen lassen, erleben dort durch die Spieler und deren Anerkennung eine gewisse Form von Selbstheilung, die sie zwar eine (längere) Zeit an diese Welt bindet, doch irgendwann geheilt und motiviert ins "wirkliche" Leben entlässt.Klar, ein extessiver Gebrauch dieses Medium ist nicht gesund, aber genausogut ist übermäßiges TV, Essen, Rauchen, Trinken, Drogenkonsumieren und Sport betreiben genauso ungesund. Denn wie schon Paracelsus Ende des 15. Jahrhunderts wusste: „All Ding’ sind Gift und nichts ohn’ Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“
Schon nach der ersten Seite sieht man wieder das altbekannte Problem - der Autor hat nicht wirklich Ahnung von dem was er da schreibt - gerade noch geht es um Internet, dann wird "Die Sims" als Beispiel angeführt, welches ein reiner Offlinetitel ist. Als vor 15 Jahern die Ursünde DOOM verkauft wurde, war das Internet noch ein spärlich besiedelter Ort voller piepsender Modems, und mit Counterstrike hat das erstgenannte Spiel auch nicht wirklich viel gemein...NajaIch lese hier mal weiter und schaue was noch kommt :)
...den fand ich ja gar nicht so übel.Nur um es der Vollständigkeit halber gesagt zu haben :)
Ist schon lange durch direkte Befragungen erwiesen das sogut wie alle Internetkontakte gerade Jugendlicher und Kinder nur aus Freunden besteht die sie schon im realen Leben, Schule Clique etc,. haben. Die Kommunikation hat sich eben nur z.B. vom früheren stundenlangen Telefonat in den Chat verlagert oder anstatt in die Spielhalle oder zum Billiard zu gehen wird nun eben zusammen im Rollenspiel gezockt. Alles andere ist halt wieder Berührungsangst der Elterngeneration der "das mit dem Internet" halt suspekt ist.
#4 (Flexy):Absolut richtig. So gesehen fördert das Internet die Kommunikation durchaus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich (ohne Internet) jeden Tag kumuliert mehrere Stunden mit diversen Freunden oder Bekannten telefonieren würden. Dank Instant Messengern funktioniert das viel unkomplizierter, außerdem kann man sich einfacher mit mehreren Leuten gleichzeitig unterhalten. Und abseits des Computers sehe ich meine Freunde mindestens genauso häufig wie in Vor-Internet-Zeiten - bestimmt auch deshalb, weil es unkomplizierter ist, eine Poker-, Fußball- oder Billard-Runde zusammen zu kriegen, wenn man 15 Leute gleichzeitig direkt online ansprechen kann und anstatt alle der Reihenfolge nach abzutelefonieren, nur die wenigen, die gerade nicht online sind, anrufen muss.
Der Computer als Lernhilfe mag Vorteile haben. Doch Vorteile gegenüber wem oder was? Gegenüber Menschen, die Inhalte vermitteln, und dem Üben von Lerninhalten in der wirklichen Lebensrealität. Gibt es diese Möglichkeiten nicht, könnte man argumentieren, ist der Computer als Lernpartner besser als nichts. Richtig? Nein! Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass mit dem Computer mehr gespielt als gelernt wird. Und was dort gespielt wird, ist der Beachtung wert.
Computerspiele erlauben ein persönliches Eingreifen in den Verlauf der dargebotenen Handlung. Jetzt könnte man meinen, dies sei besser als das passive Zusehen. Keine Frage, es werden hier mehr Sinne angeregt. Was aber lernen Kinder bei einem Ego-Shooter-Spiel, bei dem sie 1000 Gegner töten? Die ständige Wiederholung schafft Verhaltensmuster, zu denen auch die Abstumpfung gegenüber Gewalt gehört, bei gleichzeitig erhöhter Aggression.
Interessant ist aber auch zu sehen, wie sich die Schulleistung durch Computernutzung verändert. Bei zunehmender Internet-Nutzung sinken Schulleistungen!
Hallo Gregor Szalay!
Ich bin alles andere als ein Experte auf dem Gebiet "Psychologie der Internetnutzung", aber bisher habe ich überwiegend gelesen, dass ein Zusammenhang zwischen "Ballerspielen" und Gewaltbereitsschaft wissenschaftlich nicht nachweisbar sei. Das hat mich zwar überrascht, aber ich hätte das so akzeptiert, wenn das dem wissenschaftlichen Konsens entspricht!
Nun haben Sie aber ganz andere Erkenntnisse! Können Sie mir sagen, auf welche Quellen Sie sich beziehen? Das wäre sehr interessant! Vielen Dank im Voraus!
Mit freundlichen Grüßen,
Eridon25
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