Internet Das Web kann laufen

Dank Apples iPhone wird das Internet nun tatsächlich mobil

Das Zusammenwachsen von Mobilfunk und Internet war technisch schon lange möglich. Doch Realität wurde es erst im vergangenen November, als ein Außenseiter den Markt aufrollte: Apples iPhone bewies, dass man mit einem kleinen Taschengerät richtig Spaß im Netz haben kann. Das Jahr 2008 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem das Internet Beine bekam.

Das iPhone ist mit einem Monatstarif bei T-Mobile von mindestens 50 Euro nicht gerade billig. Aber man surft per Flatrate und muss sich über Dauer und Datenvolumen keine Gedanken machen. Neben fest eingerichteten Diensten wie Googles Landkarten und Apples eigenem iTunes-Musikladen gibt es einen Browser, der endlich wirklich fast das gesamte Internet so anzeigt, wie es auch zu Hause aussieht. Mit zwei Fingern zoomt man sich in die Seite hinein und kann so auch kleine Texte mühelos lesen.

Die Konkurrenz beginnt sich gerade erst vom iPhone-Schock zu erholen. Zwar zeigt inzwischen auch der Handy-Marktführer Nokia einen iPhone-Klon als Prototyp, aber einen Stichtag zur Markteinführung gibt es noch nicht. Allerdings werden im Laufe des Jahres alle führenden Hersteller mit neuen Internethandys aufwarten, die dem iPhone teilweise überlegen sein werden – etwa weil sie den schnelleren UMTS-Standard unterstützen, die Aufnahme von Videos ermöglichen oder per GPS navigieren können.

Alle wollen von diesem Boom profitieren. Fragt sich nur, wie: Der Handyhersteller kassiert nur einmal, wenn der Kunde das Gerät kauft – es sei denn, er ist dreist wie Apple, vergibt seine Handys nur an einen Provider und kassiert von dem einen Anteil am mobilen Umsatz (die Zahl von 30 Prozent steht undementiert im Raum). Nokia versucht es mit einem Onlineportal namens Ovi, wo die Nutzer unter anderem Musik kaufen können.

Das Dilemma der Mobilfunkunternehmen dagegen ist es, dass sie in einem frei zugänglichen Internet nur noch die Leitungen stellen, über die der Datenstrom läuft. Und mit denen lässt sich aufgrund des Tarif-Preiskampfs in der Branche im Moment nicht viel Geld verdienen. Die Gewinner werden die Anbieter digitaler Dienste sein. Yahoo eröffnet gerade ein Portal namens Yahoo! Go, auf dem sich der User seine persönliche Startseite konfigurieren kann. Geld wird mit Werbung verdient.

Das gilt auch für die neuen GPS-Handys, die mobile Navigationsgeräte komplett ersetzen können. Mit einem GPS-Satellitenempfänger oder mit einer Ortung, die sich an Funkmasten und WLAN-Netzen orientiert, bieten sie ortsabhängige Informationen: Wo finde ich hier ein Hotel? Wo ist das nächste China-Restaurant? Nokia hat im vergangenen Jahr die Firma Navteq gekauft. Die Erwartungen an das Geschäft mit Navihandys sind offenbar groß: Für den Kartendienst bezahlten die Finnen 5,7 Milliarden Euro.

Im Internet

http://de.mobile.yahoo.com/go
Eigene Internet-Startseite fürs Handy mit E-Mails, Hochladen eigener Fotos, Karten, Aktienkurse und News

 
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    • Serie Internet-Spezial
    • Quelle DIE ZEIT, 01.05.2008 Nr. 19
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