Suchen Netz voller Wahrheiten
Wie man im Internet nicht auf falsche Informationen hereinfällt
Im April 2004 sicherte sich ein Spaßvogel für knapp zehn Dollar die Internetdomain www.world-cnn.com . Später stand dort zu lesen: »Kanada klagt Präsidenten wegen Kriegsverbrechen an – Bush festgenommen«. Angeblicher Grund: die Vorfälle im irakischen Abu-Ghraib-Gefängnis. Die Fälschung war gut gemacht. Die Seite ahmte nicht nur die Internetadresse des Nachrichtensenders CNN nach, sie sah auch dessen Homepage zum Verwechseln ähnlich. Und alle Links auf ihr führten zu Original-CNN-Seiten.
Noch schmerzhaftere Konsequenzen können geschickt gefälschte eBay- oder Bankseiten haben, mit denen Betrüger an Benutzernamen und Passwörter und damit an das Geld unvorsichtiger Surfer kommen. Auch Börsianer sind vor Betrug nicht gefeit. 1999 stand auf einer gefälschten Bloomberg-Nachrichtenseite, die Firma Pairgain Technologies werde für ihren doppelten Marktwert verkauft. Bis herauskam, dass dahinter ein Mitarbeiter steckte, der seine Aktien möglichst gut verkaufen wollte, war der Kurs der Telekommunikationsfirma um 31 Prozent in die Höhe geschnellt.
Wer die Wahrheit will, muss sich mühen. Erster Grundsatz: Traue niemals nur einer Quelle! Ist eine Information nur auf einer einzigen Seite zu finden, sollte man in Erwägung ziehen, dass sie vielleicht nicht wahr ist.
Ein weiteres Kriterium, um die Qualität von Gefundenem zu beurteilen, ist der Name des Autors. Ist er angegeben? Wenn ja, ist der Herr oder die Dame bekannt, vielleicht gar für Äußerungen dieser Art? Googeln hilft, mehr zu erfahren. Auch das Alter der Information ist wichtig: Ist der gefundene Text vielleicht schon fünf Jahre alt, also längst überholt? Wann wurde die Seite, auf der er steht, das letzte Mal aktualisiert (auf vielen Websites ist das irgendwo klein vermerkt). Manchmal nutzt ein Blick in den Quelltext, den jeder Browser unter »Ansicht« zeigen kann. Auch tote Links auf der Seite sind ein deutliches Zeichen, dass sich schon lange niemand mehr um den Inhalt kümmert.
Gegenüber Wikipedia-Einträgen empfiehlt sich eine prinzipielle Skepsis. Der Wikipedia-Eintrag zu Kasachstan war beispielsweise eine Zeit lang gesperrt, da immer wieder Fans des Komikers Borat dort ihre Spuren hinterließen und Borat beharrlich zum kasachischen Staatsoberhaupt ernannten. Glücklicherweise kann man aber mit ein paar Klicks erkennen, ob um ein Thema seit Wochen ein Krieg verschiedener Fraktionen im Gange ist – oder ob ein Text gar gesperrt wurde, um Veränderungen und Vandalismus zu verhindern. Dank des »Wikiscanners« lässt sich sehen, ob ein Eintrag von einer interessierten Organisation geändert wurde.
Um eine Website einschätzen zu können, hilft manchmal ein Blick ins Impressum. Dort müssen kommerzielle Anbieter unter anderem einen Verantwortlichen angeben und wie man ihn persönlich erreichen kann. Gibt es kein Impressum, verrät das Network Information Centre mehr über den Urheber der Seite: Jede Domain ist irgendwo registriert worden. Für deutsche Seiten (.de) erfährt man Näheres bei der Denic.
Linksammlung:
www.archive.org
archiviert seit der Internet-Steinzeit (1996) Webseiten, auch längst gelöschte
http://wikiscanner.virgil.gr
sucht nach verdächtigen Einträgen in Wikipedia-Artikeln, z. B. nach »Verschönerungen« durch Parteien oder Firmen
www.denic.de
führt in Deutschland registrierte Webadressen – mit Namen und Anschrift des Besitzers
http://news.nic.com/cgi-bin/whois
zeigt, wer hinter internationalen Webadressen steckt
- Datum 08.05.2008 - 12:37 Uhr
- Serie Internet-Spezial
- Quelle DIE ZEIT, 01.05.2008 Nr. 19
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren