Treffen Sozialräume im Netz

Onlinetreffpunkte werden immer populärer. Gesehen zu werden ist hier wichtiger als Datenschutz

Ein Leben ohne Soziales Netzwerk im Internet? Wohl für die meisten Jugendlichen und viele junge Erwachsene ist ein Alltag ohne solche Fixpunkte im Web nicht mehr vorstellbar. Der hierzulande populärste Anbieter kommt nicht aus den USA wie Facebook, sondern ist ein deutsches Angebot namens StudiVZ.

Gegründet von drei Studenten, gehört StudiVZ seit Anfang des Jahres 2007 zur Verlagsgruppe Holtzbrinck, in der auch die ZEIT erscheint. Das Angebot hat inzwischen mehr als fünf Millionen registrierte Mitglieder, von denen die wenigsten Karteileichen sind – glaubt man den Angaben des Unternehmens. Ihnen zufolge ruft jedes zweite Mitglied seine persönliche Seite bei StudiVZ täglich auf, und im Laufe eines Monats schauen weit mehr als 80 Prozent der registrierten Mitglieder vorbei.

Noch angesagter ist der Ableger SchülerVZ für Teenager ab zwölf Jahren. Innerhalb eines Jahres haben sich dort mehr als drei Millionen Mitglieder angemeldet, und laut offizieller Branchenstatistik ist es das mit Abstand am intensivsten genutzte Internetangebot in Deutschland. Im März zählte die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) dort neue Rekordstände bei aufgerufenen Seiten (6,4 Milliarden) und der Zahl der Besuche (127 Millionen). Für ältere User kam kürzlich noch der Ableger MeinVZ hinzu.

Problemlos haben die Gründer und Manager von StudiVZ ihr rasantes Wachstum nicht bewältigt. Ende des vergangenen Jahres gab es beispielsweise heftige Nutzerproteste, weil das Management von StudiVZ die Nutzungsbedingungen änderte. Hintergrund ist der Wunsch, künftig die Werbung auf den persönlichen Internetseiten zu verstärken und durch vier Kategorien (Alter, Geschlecht, Studienort und Studienfach) zu personalisieren.

Doch die erste Version der neuen Datenschutzbestimmungen war missverständlich. Zudem wollte StudiVZ auch Werbung auf die Handys jener Mitglieder schicken dürfen, die ihre Handynummer im Netzwerk veröffentlicht hatten.

Letzteres wurde nach Protesten zurückgenommen, die Datenschutzregeln wurden neu formuliert. Letztlich sind im Zuge der Debatte einige Tausend Mitglieder ausgetreten, was angesichts der Millionen Mitglieder ein verschwindend geringer Anteil ist. Mehr als 90 Prozent haben die neuen Datenschutzregeln akzeptiert.

Alternativen zu StudiVZ gibt es, doch sie haben deutlich weniger deutsche Mitglieder und bilden deshalb den persönlichen Freundeskreis vieler Jugendlicher und junger Erwachsener nicht umfassend ab. Sie heißen Kaioo, Facebook, auch Google hat ein eigenes Soziales Netzwerk namens Orkut, das aber vor allem in Lateinamerika populär ist. Hinzu kommen regionale Netzwerke und solche, in denen sich frühere Klassenkameraden wiedertreffen können. Zu den international verbreitetsten Netzwerken gehören High5 und Bebo. Die meisten registrierten Nutzer überhaupt hat MySpace: weit über 100 Millionen.

Anziehungskraft besitzt MySpace vor allem, weil es unter jungen Bands und Musikern die beliebteste Plattform geworden ist, um auf sich aufmerksam zu machen. Man kann durchaus sagen, dass MySpace für die Musikszene das ist, was die Musiksendungen im Radio in den sechziger bis achtziger Jahren und später das Musikfernsehen MTV waren. Gleichzeitig hat MySpace mit einem gravierenden Imageproblem zu kämpfen: Es gibt viele nur halb versteckte Sexdienste. Und es sind einzelne Fälle bekannt geworden, in denen sich Pädophile hinter Pseudonymen verstecken.

Linksammlung

www.myspace.com
Größtes Soziales Netzwerk der Welt, bunt, chaotisch

www.xing.com
Netzwerk für Geschäftskontakte, börsennotiert

www.studivz.de
5 Mio. Studenten gruscheln hier (grüßen und kuscheln)

www.schuelervz.de
Für 2 Mio. Schüler Treffpunkt nach der Schule

www.poppen.de
Deutsche Sozialnetze, Platz 14: Hier geht es ausschließlich um Sexkontakte

 
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    • Serie Internet-Spezial
    • Quelle DIE ZEIT, 01.05.2008 Nr. 19
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    • Schlagworte Google | USA | MTV
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