Internet Niemals ohne Pseudonym!
Der Datenschutzaktivist padeluun erzählt, wie man sich am besten im Netz bewegt
DIE ZEIT: Was sollte man beachten, um seinen Ruf im Netz zu schützen?
padeluun: Man sollte sich vornehm zurückhalten und so wenig wie möglich preisgeben. Wenn ich etwas mitteile, dann nur gegenüber den Menschen, die ich liebe, denen ich vertraue – und nicht öffentlich für alle. Nur so kann ich das Geschwätz über mich im Internet im Zaum halten und vermeiden, zum Spielball fremder Interessen zu werden. Wenn ich schon unbedingt Profile anlegen oder in Foren unterwegs sein muss, dann auf keinen Fall unter meinem echten Namen. Am besten lege ich mir einen gängigen Namen als Pseudonym zu, zum Beispiel Karl Müller. Der ist so verbreitet, dass man, gibt man ihn in eine Suchmaschine ein, Tausende von Fundstellen bekommt. So kann niemand wissen, wer ich eigentlich bin.
ZEIT: Und wenn aber andere etwas über mich im Internet veröffentlichen – aus Achtlosigkeit oder um mir absichtlich zu schaden?
padeluun: Stehen diese Informationen einmal im Internet, stehen sie für immer dort. Also muss ich vorbeugen, indem ich von vornherein so wenige persönliche Informationen wie möglich preisgebe. Ich sollte schon in der Schule und im Sportverein darauf bestehen, dass weder Daten noch Bilder von mir veröffentlicht werden.
ZEIT: Es gibt Unternehmen, die anbieten, in solchen Fällen im Nachhinein und gegen Geld das Internetprofil ihrer Kunden »aufzuräumen«.
padeluun: Aus dem Cache von Google und anderen Suchmaschinen werden sie diese Einträge vorerst nicht entfernen können. Ich will aber nicht ausschließen, dass es möglich ist, die Anzahl von Treffern einzuschränken oder besonders böswillige Sachen zu tilgen. Manchmal geht das aber wiederum nur über Anwälte und Gerichte, was sehr viel Geld, Kraft und Zeit kosten kann.
ZEIT: Bedeutet das gezielte Freigeben der eigenen Daten im Netz nicht eine Chance? Schließlich kann ich meine Identität auf Facebook, MySpace oder in anderen Sozialen Netzwerken ja auch bewusst gestalten.
padeluun: Was nützt mir eine retuschierte Darstellung im Netz, wenn ich eigentlich ein armer Hansel bin und Pickel habe. Ich muss doch lernen, mit dem klarzukommen, was ich bin, und trotzdem meine Stärken zu erkennen – in der wirklichen wie in der virtuellen Welt.
ZEIT: Sie haben also selbst kein Profil in einem Sozialen Netzwerk?
padeluun:
Nein, und ich halte diese Netzwerke auch nicht für sozial. Auf MySpace oder Facebook geht es ja nicht darum, Menschen eine Plattform zu bieten, sondern um rein kommerzielle Interessen.
Die Fragen stellte Chris Köver
- Datum 09.05.2008 - 02:00 Uhr
- Serie Internet-Spezial
- Quelle DIE ZEIT, 01.05.2008 Nr. 19
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Interessant!
In diesem Sinne... weiterhin viel Spaß!
Euer Karl Müller
(Hihi: Eigentlich heiße ich Fritz Schmidt)
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