Investivlohn Staatlich verordneter Kapitalismus»Hätten die Mitarbeiter

Die Deutschen sind Aktienmuffel. Nun will die Regierung die Arbeitnehmer zur Beteiligung an ihren Firmen ermuntern.

Wer herausfinden will, wie die größte Gewerkschaft der Welt den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit überwinden will, muss Babette Fröhlich kennenlernen. Bis Anfang der neunziger Jahre war sie Investmentbankerin, heute ist sie die Fachfrau der Metaller für den globalen Kapitalismus. Früher organisierte sie Börsengänge, heute unterstützt sie Betriebsräte, deren Unternehmen von Finanzinvestoren übernommen werden sollen.

In der Frankfurter IG-Metall-Zentrale beschäftigt sie sich mit dem Plan der Bundesregierung, aus möglichst vielen Arbeitnehmern kleine Kapitalisten zu machen – durch die Beteiligung an ihren Unternehmen. Am Konzept von SPD-Chef Kurt Beck hat sie sogar mitgearbeitet. Dabei hat die Gewerkschafterin Fröhlich darauf geachtet, dass die Beteiligung nicht durch Lohnverzicht der Arbeiter erkauft wird. Und die ehemalige Bankerin Fröhlich fand es wichtig, dass die Beschäftigten nicht nur Anteile der eigenen Firma bekommen. »Jeder private Anleger versucht doch auch, das Risiko zu streuen«, sagt sie. Sonst sei bei einer Firmenpleite alles auf einmal weg: der Job, das Vermögen, die Altersvorsorge. Alles eben.

Die Idee, Arbeiter und Angestellte zu Miteigentümern ihrer Betriebe zu machen, wird in Deutschland seit mehr als fünfzig Jahren diskutiert. Doch nun, so scheint es, handelt eine Regierung: Union und SPD haben sich Anfang der Woche im Koalitionsausschuss über ein Projekt verständigt, das die Parteichefs Angela Merkel und Kurt Beck als historische Weichenstellung verstehen: Es geht um die Versöhnung von Arbeit und Kapital.

Geht es meinem Betrieb gut, dann geht es mir auch gut, lautete früher die Gewissheit der Arbeitnehmer. Sie stimmt nicht mehr. Zuletzt stiegen die Firmengewinne in Deutschland fast doppelt so schnell wie die Löhne. Nur noch 15 Prozent der Deutschen halten die ökonomischen Verhältnisse im Land für gerecht. Und während der Anteil der Unzufriedenen in früheren Aufschwungphasen immer zurückging, bleibt er nun konstant. Konstant hoch.

Wenn die Globalisierung dazu führt, dass die Kapitalrenditen steigen, die Arbeitseinkommen dagegen nicht, dann – so das Kalkül der Koalition – müssen eben mehr Arbeiter zu Kapitalisten werden. Sogar der Bundespräsident hat gefordert, mit Investivlöhnen »der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken«, während die Deutschen bisher wenig unternehmen, um an Firmengewinnen zu partizipieren. Nur sieben Prozent von ihnen besitzen Aktien, aber 17 Prozent der Finnen, 22 Prozent der Dänen und sogar 37 Prozent der Schweden.

Als Horst Köhler noch ein kleiner Ministerialbeamter in Bonn war, wollte schon einmal einer die Arbeiter zu Kapitalisten machen: Gemeint ist Kurt Biedenkopf. Wenn der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen denken und schreiben will, zieht er sich in sein Haus nahe des Chiemsees zurück, in sein Arbeitszimmer mit hohen Bücherwänden und einer alten Standuhr. In den Siebzigern war Biedenkopf CDU-Generalsekretär. Die Union war für ihn die Partei der Marktwirtschaft, aber eine, die auch von Arbeitern gewählt werden wollte. So kam es, dass Biedenkopf gemeinsam mit Georg Leber, dem Chef der Baugewerkschaft, darüber nachdachte, die Arbeiter stärker an ihren Betrieben zu beteiligen, und beide dafür auch Vorschläge machten. »Wir wollten die Gegensätze zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern abbauen«, sagt Biedenkopf. »Daran hatte aber die IG Metall kein Interesse.« Seither stand die Mitarbeiterbeteiligung in vielen Programmen von CDU und CSU. Sie wurde aber nie Gesetz.

»In anderen Ländern wurde währenddessen gehandelt«, sagt Biedenkopf. In Großbritannien zum Beispiel. »Ein Land der Aktionäre« wollte Margaret Thatcher in den Achtzigern aus der Insel machen. Die großen staatlichen Betriebe wurden privatisiert, die Anteile breit gestreut. Thatcher sagte damals ganz offen, dass sie auf diese Weise nicht nur Einkommen steigern, sondern auch die Macht der Gewerkschaften brechen wollte. Die Menschen denken anders über den Kapitalismus, wenn sie selbst Kapitalisten sind.

Als sich in anderen Ländern eine neue Aktionärskultur entwickelte, machten Biedenkopf und Leber einen letzten Versuch. Eine politische Stiftung lud die beiden Männer Mitte der achtziger Jahre gemeinsam mit Gewerkschaftsführern ein, das Thema anzuschieben – wieder ohne Erfolg. »Vielleicht lassen sich Arbeit und Kapital heute leichter zusammendenken, weil die klassischen Industriearbeitsplätze seltener sind«, sagt Biedenkopf mit Blick auf die Koalitionspläne.

Allerdings sind in Deutschland die meisten Menschen nicht mit den Regeln des neuen, globalen Kapitalismus vertraut. Vor allem mit den eigenen Ersparnissen gehen viele heute noch genauso um wie ihre Eltern. Selbst weite Teile der Mittelschicht halten noch immer Sparbuch und Festgeld für die besten aller Geldanlagen. Tatsächlich scheuen mehr als vier Fünftel der Bundesbürger laut einer Umfrage der Allensbacher Demoskopen Anlageformen, die mit der Konjunktur atmen.

Diese Furcht führt dazu, dass ihre Renditen im Schnitt der Jahre gering bleiben. Es lässt die Ungleichheit in Deutschland weiter steigen. Nicht etwa die Einkommen, sondern vor allem die privaten Vermögensverhältnisse klafften in Deutschland besonders weit auseinander, mahnte kürzlich der ökonomische Sachverständigenrat der Regierung. Selbst in den Vereinigten Staaten, einem Land mit großen Ungleichheiten, sind die Kapitalvermögen ebenmäßiger verteilt als hier.

Vater Staat könnte das korrigieren, indem er die Beteiligung der Mitarbeiter ausbaut – wenn die Förderung so üppig ausfiele wie in anderen Ländern. Doch so weit geht die Große Koalition nicht. Sie will nur die alte Förderung der privaten Vermögensbildung geringfügig ausweiten. Wenn ein Arbeitnehmer 400 Euro pro Jahr für Beteiligungen nutzt, soll er künftig eine Zulage von 20 Prozent erhalten, maximal 80 Euro – bisher lag der Höchstbetrag bei 72 Euro. Außerdem, das ist die wichtigere Neuerung, bleiben Leistungen des Unternehmens für die Mitarbeiter in größerem Umfang steuer- und abgabenfrei. Beteiligte sich ein Arbeitnehmer etwa mit 200 Euro am Unternehmen und erhielt dafür vom Arbeitgeber einen Zuschuss, blieb dieser nur abgabenfrei, wenn er unter 135 Euro lag. Inzwischen liegt die Obergrenze bei 360 Euro.

Außerdem will Berlin künftig Branchenfonds fördern, die sich dann an vielen Unternehmen beteiligen. In sie können auch kleine Firmen einzahlen, die nicht als Aktiengesellschaft organisiert sind und deswegen ihre Mitarbeiter auch nicht über eigene Aktien beteiligen können. Die Unternehmen selbst bekommen von den Fonds zudem noch vergleichsweise günstig Eigenkapital.

Ein großer Wurf ist das alles nicht – dafür sind die geplanten Förderbeträge zu klein. Beide Volksparteien wollen wohl vor allem zeigen, dass sie überhaupt noch gemeinsame Projekte beschließen können – und dass ihnen zur Debatte über soziale Gerechtigkeit mehr einfällt als kleine Leistungserhöhungen für Rentner und Arbeitslose. Deshalb soll es den neuen Volkskapitalismus schon zu Beginn des Wahljahres 2009 geben. So früh, dass Union und SPD sich mit dem Konzept schmücken können. So spät, dass es für erste Bilanzen beim Wahltermin noch zu früh ist.

Mehr kam nicht heraus, weil Schwarze und Rote im Grunde ganz unterschiedliche Dinge wollen. Die Union möchte die Beschäftigten direkt an ihren Unternehmen beteiligen, um die Identifikation zwischen den Leuten und Firmen zu fördern. Die SPD will einen Fonds dazwischenschalten, damit das finanzielle Schicksal der Arbeitnehmer nicht nur an einem, an ihrem Unternehmen hängt. Das Ergebnis ist typisch für die Große Koalition: Man einigt sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner – und wird eben beide Modelle umsetzen. Direkte Beteiligungen werden gefördert, Branchenfonds für Mitarbeiter auch. »Ein Einstieg« sei das, schrieb Arbeitsminister Olaf Scholz an die SPD-Fraktion. Ein Einstieg, der dem Sieger der nächsten Bundestagswahl ermöglicht, sein Konzept dann ganz umzusetzen und das andere zu kippen.

Wenn Julius Rohm mit Unternehmern über die Beteiligung von Mitarbeitern an ihrem Betrieb spricht, geschehen meist zwei Dinge: Erst sind seine Zuhörer interessiert. Und dann fallen ihnen Argumente ein, warum in ihrer Firma alles beim Alten bleiben sollte. »Ich kenne die Vorbehalte«, sagt Rohm. »Aber ich verstehe sie nicht«. Julius Rohm ist selbst Unternehmer, seine Fabrikhallen stehen in einem Industriegebiet nahe Ulm, und seine Mitarbeiter sind seit 24 Jahren beteiligt. Rohm gehört die Seeberger KG, – Deutschlands größte Importfirma von Nüssen und Trockenfrüchten. Seit 160 Jahren mischt Seeberger Rosinen und Nüsse zu Studentenfutter, verkauft getrocknete Datteln, Feigen oder Aprikosen. Seeberger zahlt ein zusätzliches Monatsgehalt als Prämie, in besonders guten Jahren auch mehr. Ausgefallen ist diese Sonderzahlung noch nie.

Ein halbes Monatsgehalt bleibt insgesamt in der Firma, die Mitarbeiter erwerben dafür Genussrechte, also den Anspruch, am künftigen Gewinn beteiligt zu werden. Die Verzinsung dieses Mitarbeiterkapitals orientiert sich an der Verzinsung des Gesellschafterkapitals.

Für Seeberger lohnt sich das Modell. Das Unternehmen kommt auf diese Weise günstig an Kapital, und die Mitarbeiter sind dem Chef zufolge zufriedener: »Unsere Fluktuation liegt praktisch bei null.« Auch andere Effekte stellen sich ein. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hat Betriebe mit und ohne Mitarbeiterbeteiligung verglichen und herausgefunden: Beteiligungsbetriebe sind innovativer, ihre Wertschöpfung liegt über dem Branchendurchschnitt.

Die Mitarbeiter am Kapital zu beteiligen ist für Mittelständler noch aus einem anderen Grund attraktiv: Ohne Beteiligungsmodelle sind sie für höher qualifizierte Beschäftigte als Arbeitgeber weniger interessant. Aktiengesellschaften können ihre Mitarbeiter hingegen per Belegschaftsaktien ganz einfach zu Kapitalisten machen. 21 der 30 größten Aktiengesellschaften Deutschlands beteiligen ihre Mitarbeiter längst am Unternehmenserfolg. Sie bekommen zwischen 25 und 120 Prozent eines Monatsgehalts – und können mit diesem Geld vergünstigt Belegschaftsaktien kaufen. Der Autohersteller Audi, ein Teil des VW-Konzerns, schüttet in diesem Jahr an jeden der 45.000 Beschäftigten knapp 5.300 Euro zusätzlich aus. Siemens gibt seit 1969 Belegschaftsaktien aus, die Allianz seit 1964, der Energiekonzern RWE sogar schon seit 1958. Bundesweit seien rund 1,4 Millionen Arbeitnehmer im Besitz von Belegschaftsaktien, heißt es bei der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP) in Kassel.

Da sind die Großen einsame Spitze. Zwar gibt es inzwischen in jedem dritten Unternehmen in Deutschland am Jahresende irgendeine Form von Sonderzahlung oder Prämie, wenn die Geschäfte gut liefen. Aber nur in jedem fünfzigsten Unternehmen haben die Beschäftigten die Möglichkeit, über Beteiligungen auch am künftigen Gewinn teilzuhaben. AGP-Geschäftsführer Heinrich Beyer nennt einen Grund dafür: »Viele Mittelständler fürchten, sie müssten gegenüber den Angestellten dann ihre Zahlen offenlegen.«

Nicht nur die Unternehmer sträuben sich. Eigentlich gehört auch die IG Metall bis heute nicht zu den Fans von Beteiligungsprojekten. Sie will lieber die Löhne steigern und höchstens zusätzlich Beteiligungen einführen. Und die Beschäftigten sollen zunächst in ihre Altersvorsorge investieren – schließlich fördere der Staat ja Riester- und Betriebsrenten. Außerdem finden die meisten Gewerkschafter, dass der Staat die Einkommensverteilung durch Steuern gerecht machen sollte – etwa durch höhere Abgaben für Vermögen oder höhere Erbschaftsteuern. Der dritte Grund ist die Angst vor der Spaltung der Arbeitnehmerschaft. »Wir wollen nicht, dass Beteiligungen die Belegschaften in zwei Gruppen spalten«, sagt Babette Fröhlich. Einige Mitarbeiter würden Entlassungen für ein notwendiges Übel halten, andere würden darunter leiden. Da aber heute für viele Arbeitnehmer der Reallohn sinkt, wird der Investivlohn zum Mittel gegen statt für die Spaltung. Also öffnet sich die Gewerkschaft der Idee.

Dass starke Anreize durch den Staat dann einen regelrechten Boom an Beteiligungsmodellen auslösen kann, zeigt die Erfahrung in anderen Ländern.

In Frankreich beteiligen mehr als 80 Prozent der größeren Unternehmen ihr Personal am Kapital. Bis zu 4.600 Euro im Jahr können steuervergünstigt investiert werden.

In Großbritannien bleiben Gewinne aus der Kapitalbeteiligung steuerfrei. Jede zweite Firma beteiligt ihre Mitarbeiter am Kapital.

In Österreich sind Mitarbeiterbeteiligungen bis zu 1453 Euro jährlich von Steuern und Sozialabgaben befreit.

In den Niederlanden können sich Arbeitnehmer mit bis zu 1226 Euro im Jahr steuerfrei am eigenen Unternehmen beteiligen.

Welches Potenzial im Thema steckt, zeigt das Beispiel BASF. »Hätten die Mitarbeiter seit den sechziger Jahren die Beteiligungsprogramme voll gezeichnet«, sagt der frühere Vorstandschef Max-Dietrich Kley, »dann würde ihnen heute mehr als ein Drittel der BASF-Aktien gehören.« Sie wären um 13 Milliarden Euro reicher.

Aber man muss eben wissen, wann und wo man investiert. Und das fällt vor allem vielen Deutschen schwer.

Alexandra Thom hat die Szenen noch vor Augen. Die langen Schlangen in der Sparkassenfiliale, die ungeduldig wartenden Rentner, Hausfrauen und Studenten. Ganz Deutschland wollte damals Infineon-Aktien haben. Die Bild- Zeitung bejubelte die »I-Aktie«. Abends in den Tagesthemen wurde ernsthaft diskutiert, ob es angesichts des Ansturms von Interessenten nicht ein Grundrecht auf Aktienzuteilung geben müsse. Es war Anfang März 2000, die Hochphase des Internetbooms. Alexandra Thom absolvierte gerade eine Banklehre bei der Berliner Sparkasse. Wenige Tage später stürzten die Aktienkurse ab.

Heute arbeitet Thom als Kundenberaterin in einer Filiale im Berliner Stadtteil Treptow. Zu ihr kommen Berufsanfänger mit wenig Geld und langjährige Angestellte, die viel verdienen. Sie betreut Studenten und Senioren. In gewisser Weise ist die Arbeit der 29-Jährigen repräsentativ für die Arbeit in den Bankfilialen der Republik: Den meisten Deutschen muss man nach den Erfahrungen des 2000er Crashs mit Aktien erst gar nicht mehr kommen. »Manche Kunden haben mehrere Zehntausend Euro auf dem Sparbuch liegen und wollen da auf keinen Fall ran«, sagt die Beraterin. »Die vermeintliche Sicherheit geht vielen Kunden über alles.«

Als der Deutsche Aktienindex (Dax) im Frühjahr 2000 zum ersten Mal überhaupt auf mehr als 8.000 Punkte kletterte, kauften euphorisierte Bürger massenhaft überteuerte Aktien – und mussten dann erleben, wie sich ihr Kapital pulverisierte. Also blieben sie der Börse fern. Auch als der Dax wieder zu steigen begann. »Natürlich sind die Arbeitnehmer zu wenig am Produktivkapital beteiligt«, sagt Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim. Nur wohin mit seinem Geld?

In der Sparkassenfiliale in Berlin-Treptow hat Alexandra Thom mit Kunden zu tun, die genau diese Frage irrational beantwortet haben. Siemens ist in dieser Gegend ein großer Arbeitgeber, und viele Sparkassenkunden besitzen Belegschaftsaktien. Einige haben am Ende des Berufslebens fast ihr ganzes Geld in Siemens-Aktien investiert, obwohl es geradezu fahrlässig ist, die Altersvorsorge an nur eine Aktie zu koppeln. Das alles heißt nicht, dass eine Kapitalbeteiligung am eigenen Unternehmen falsch wäre. Aber Aktien oder Genussrechte können nur ein Baustein sein. Und vorsorgen können damit ohnehin nur diejenigen, die Geld zum Sparen übrig haben. Also die Mittelschicht, nicht etwa Geringverdiener.

All das ist auch den Berliner Koalitionären klar. Sie wissen auch: So sinnvoll es wäre, aus mehr Arbeitnehmern Anteilseigner zu machen – das neue Gesetz wird dabei höchstens ein wenig helfen. »Vermögensbildung kann man lernen«, sagt ein Merkel-Berater aus dem Kanzleramt und schwärmt von einer »anderen Kultur der Vorsorge«, die allmählich entstehen solle. Sie sei dringend nötig, weil der Sozialstaat in einer gealterten Gesellschaft weniger leisten könne. Es klingt, als solle das Beteiligungsgesetz vorerst mehr in den Köpfen der Deutschen ändern als auf ihren Konten.

 
Leser-Kommentare
  1. Alles gut und schön. Wenn es sich um Standard-Werte des Dax 30 handelt. Aber gedacht wurde eher an alle Aktien-Gesellschaften. Es gibt aber mehrer Probleme, von denen ich eines anführen möchte: Es gibt seit einigen Jahren verstärkt die sogenannten Wetten auf steigende und fallende Kurse, auch Put und Call genannt. Daraus geht bei  näherem Hinsehen ein beträchtliches Risiko aus. Man kann es Drehen und Wenden, wie man will; die Arbeitnehmer bleiben Kleinaktionäre und somit Spielball dieser Wetten. Und das nicht nur an den Verfall-Tagen. Durch Großaktionäre wird ohne Probleme jeder gewünschte Aktien-Kurs nach eigenem Gustho manipuliert. Durch die massenhaft auftretende Kleinaktionäre wird den Institutionen im Grunde genommen weiteres Kapital als Spielmasse zur Verfügung gestellt.Solitaire

  2. Solange Manager die ihnen anvertrauten Milliardenbeträge ungestraft halbieren (Daimler) oder verhuren (VW) sowie als Schmiermittel weitergeben (Siemens) dürfen, ist kein Bürger so blöd, seine paar Groschen dort zu investieren!Man lese bloß "Über die Verflechtung korrupter Manager mit der Politik" vom Insider Prof. Selenz, die untätige Justiz nicht zu vergessen und schon ist man von der Idee geheilt, daß unsere parasitären Eliten jemals das Gemeinwohl fördern würden.http://www.freace.de/arti..._______________________________________________________
    EU: Staatsstreich durch Ermächtigungsvertragsverordnung
    http://www.welt.de/welt_p...

  3. Also fließen wieder Steuern bzw. Subventionen indirekt an große und mittelständische Unternehmen, diese werden quasi bei der Entlohnung ihrer Mitarbeiter unterstützt.
    Zahler sind dann u.a.Selbstständige, kleine Unternehmen und deren Angestellte. Selbst wenn kleine Unternehmen sich über Fonds theoretisch an diesem System beteiligen können, so wird das ja ganz bestimmt total unbürokratisch gestaltet.
    Naja, kleine Unternehmen sind halt nicht so wichtig, es kann ja jeder gleich mit mindestens 100 Mitarbeiter und ein paar Millionen starten.  
     

  4. Friedrich Flick, der Kapitalist der Bonner Republik hat einmal gesagt, wo ich mein Geld einsetze, will ich auch das Sagen haben. Seine Investitionen hat er durchgängig nach diesem Motto getätigt.

    Was hat denn nun ein Kleinkapitalist in seinem Betrieb zu sagen? In welcher Weise kann er an der Firmenpolitik teilhaben – beispielsweise bei Siemens?

    Diese Art des Kapitalismus schwächt letztendlich die „Mitarbeiterkapitalisten“ denn wer streikt schon gegen sich selbst? Den Gewerkschaften wird die Arbeit noch weiter erschwert, um faire Arbeitsbedingungen notfalls durch Streik durchzusetzen.

    Ist der Kleinkapitalist gegen Verlust seines Kapitals gesichert? Haftet er mit für Bestechungsgelder, Hurenlohn und sonstige förderlichen Ausgaben?

    Noch eine Frage. Wovon zahlt denn der Betrieb die Kapitalbeteiligung, wenn sie nicht durch Lohnverzicht geleistet wird? Kann er das Geld nicht besser in ausreichenden Löhnen oder Einmalzahlungen verteilen?. Die Lohnempfänger wissen dann schon was sie damit anfangen können.

    Die Attraktivität von Beteiligungen könnte der Staat ja mal testen indem er seinen Angestellten und Beamten statt Lohnerhöhung Beteiligungen an z. B. der Bahn, der Post anbietet um so die Last der späteren Altersversorgung, jedenfalls zum kleinen Teil, auf die so oft propagierte Kapitalbasis zu stellen.

    Übrigens, was bedeuten schon Beteiligungen des Volkes von 22 % in Schweden, es gab einmal einen Staat da lag die Beteiligung der werktätigen Bevölkerung am Produktivkapital bei 100%. Der Staat hieß DDR.

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    als ich in einer berliner Post etwas erledigen wollte und die Warteschlange bis jenseits der Eingangstüre reichte.Mir fällt es immer schwerer, die Vorteile des Kapitalismus zu erkennen, da helfen auch keine Volksaktien!_______________________________________________________
    EU: Staatsstreich durch Ermächtigungsvertragsverordnung
    http://www.welt.de/welt_p...

    als ich in einer berliner Post etwas erledigen wollte und die Warteschlange bis jenseits der Eingangstüre reichte.Mir fällt es immer schwerer, die Vorteile des Kapitalismus zu erkennen, da helfen auch keine Volksaktien!_______________________________________________________
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    • a k d
    • 02.05.2008 um 8:31 Uhr

    "wer streikt schon gegen sich selbst"
     
    das problem bzw. system besteht doch schon. arbeitnehmer werden in arbeitsgruppen dazu aufgefordert bessere arbeitsmethoden fuer den betrieb mitzuentwickeln - sie geben einen teil ihrer selbst in den betrieb ein. bei absegnung der erarbeiteten leistung durch den betrieb kommt es zu einem erfolgsgefuehl - die eigene arbeit wurde als wichtig anerkannt.
    im endeffekt wird der betrieb jedoch nichts absegnen, was ihm schaden wuerde.
    das unternehmen hat sich hier aber arbeitnehmer geschaffen, welche denken, sie haetten irgendwelche mitbestimmungsrechte - ihre kritischen meinungen und eingebrachte arbeit wirke sich auf die unternehmenspolitik, arbeitnehmerqualitaeten aus.
    pustekuchen:
    das unternehmen hat durchgedrueckt, was es ohnehin durchdruecken wollte, um die produktivitaet der arbeitnehmer zu erhoehen und die arbeitnehmer haben durch ihre eigene arbeitsbeteiligung die noetige kritische distanz zu den aenderungen verloren, um sich arbeitsverbesserungen erstreiken zu koennen.
     
    hier der verweis zur zitierten madame thatcher, welche auf die gleiche art und weise versucht die wichtige und noetige kritische distanz gegenueber dem kap. system zu brechen.
    hat es aber ein system noetig, welches ja als emminent wichtig fuer eine freie gesellschaft angepriesen wird, mit derart plumpen mitteln der verschleierung zu arbeiten?

  5. Auf den ersten Blick mag sich der "Investivlohn" ja als naheliegende Möglichkeit anhören, auch Arbeitnehmer von der strukturellen Bevorteilung des Kapitals profitieren zu lassen. Allerdings ergeben sich bei näherer Betrachtung doch mehrere Probleme:1. Hier werden Gelder, die auch anderweitig gebraucht werden können, in ein de facto Förderprogramm für Finanzdienstleister, Unternehmen und Mittelschicht gesteckt. Gerade der von prekären Verhältnissen betroffene Teil der Bevölkerung wird dadurch keine Förderung erhalten.2. Ein solches Programm bedeutet auch für seine "Profiteure" unter den Arbeitnehmern erstmal keine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. Wahrscheinlich wird es in Zukunft auch als Argument gegen Lohnsteigerungen herhalten - dann sitzen endlich alle, wie es schon hin und wieder versuchsweise behauptet wurde, wenn die Rendite auf Kosten der Arbeitnehmer gesteigert werden sollte, als Anteilsbesitzer in einem Boot. 3. Der Investivlohn wird die Privatisierung der Vorsorge beschleunigen und dazu beitragen, diese verstärkt in die Hände der Finanzdienstleister zu legen. Ganz abgesehen davon, dass dies keineswegs eine so sichere und renditestarke Sache ist, wie gerne suggeriert wird, dürfte dies bedeuten, dass solidarische Leistungen unter Verweis auf die Arbeitnehmerbeteiligung weiter gekürzt werden. Wer diese nicht bezieht, wird also doppelt gestraft.4. Letztlich wird hier das Primat des Kapitalmarkts gestärkt. Es wird weiteres vagabundierendes Kapital geschaffen und die Solidarität und die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer untergraben.Ein Danaergeschenk, dessen Implikationen der SPD eigentlich bewusst sein sollten. Sehr bedenklich, dass sie es trotzdem derart unterstützt. 

  6. als ich in einer berliner Post etwas erledigen wollte und die Warteschlange bis jenseits der Eingangstüre reichte.Mir fällt es immer schwerer, die Vorteile des Kapitalismus zu erkennen, da helfen auch keine Volksaktien!_______________________________________________________
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  7. Noch eine Frage. Wovon zahlt denn der Betrieb die Kapitalbeteiligung, wenn sie nicht durch Lohnverzicht geleistet wird? Kann er das Geld nicht besser in ausreichenden Löhnen oder Einmalzahlungen verteilen?. Die Lohnempfänger wissen dann schon was sie damit anfangen können.

    Schrieb weiter oben "amadeusw" und von Danaergeschenk schreibt die HoldeNuss - und Recht haben sie.

    Die größeren bis ganz Großen haben damit überhaupt kein Problem. Die legen neue Aktien auf, die die Mitarbeiter bekommen, die sie praktisch nichts kosten und die Altaktionäre dürfen dann nachschiessen, wenn sie ihre prozentuale Anteilshöhe am Unternehmen behalten wollen.

    Nur kleinere Firmen werden wahrscheinlich wirklich Geld in die Hand nehmen müssen für Investivlohn.

    Aber für die Arbeitnehmer bedeutet es schlicht erneute Lohnkürzung mit ungewissem Effekt in der Zukunft - denn handelbau werden diese Papiere erst sehr viel später und das Risiko zusammen mit dem arbeitsplatz auch diese Vermögensanteile zu verlieren ist gewaltig.
    Die anderen Probleme wurden ja bereits angesprochen. Investivlohn halte ich schlicht für eine neuerliche Masche, das Lohndumping auf höherem Niveau fortzusetzen und sich gleichzeitig die ArbeitnehmerInnen zu verpflichten. Auch die sogenannten "Lohnnebenkosten" werden wieder einmal sinken, da sich auch das sozialversicherungspflichtige Einkommen reduziert
    Die Menschen bekommen also noch weniger Geld in die Hand, aber dafür eine vage Zukunftsperspektive auf chic bedrucktem Papier versprochen.

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