MEINUNG Mittelklasseväter
Immer unterhaltsam, wenn Familienministerin Ursula von der Leyen jungen Spiegel-Redakteuren ein pointiertes und doch strenges Interview gibt. Da fallen nicht einmal mehr dem Leser Widerworte ein. Sie kündigt an, in Zukunft müssten sich Väter länger als acht Wochen Vollzeit um den Nachwuchs kümmern, damit 14 Monate staatliches Elterngeld bewilligt werden. Ihre Begründung: Die verschärfte Väterkomponente zwänge dann die Wirtschaft, die Arbeitswelt familienfreundlich zu flexibilisieren und zweitens wollten Männer ja »fürsorgliche« Männer sein. Das belege auch eine Umfrage. Gut.
Nun war das Elterngeld mal ein kostspieliges Anreizsystem, um die Geburtenziffer zu erhöhen. Vielleicht wirkt es sogar. Aber wenn die Ministerin die Möhre immer höher hängt, zeigt sie, dass es um Kinder weniger geht als um gesellschaftliche Leitbildsetzung in der Mittelklasse, genauer dem Angestelltenmilieu. Es geht um mehr Gleichberechtigungsgerechtigkeit dort, wo materielle Gerechtigkeit nicht das ganz große Thema ist. Wenn es also wegen der Väterzeit mal nicht klappt mit dem Arbeitgeber, ruhig das Interview vorzeigen. Dem sublimen Missionarismus der Ministerin wird sich künftig kein fürsorglicher Chef verschließen.
- Datum 01.05.2008 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.19 vom 30.04.2008, S.15
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