HipHop Attacke aufs KinderzimmerSeite 6/6
Der Staatsanwalt ist jetzt 44 und hört zu Hause Hip-Hop, Kanye West und Eminem. Sein 17-jähriger Sohn findet es »superärgerlich«, dass der Vater fast die gleiche Musik mag wie er. Auf seinen Laptop hat der Sohn nun ein Foto von Blokkmonsta als Hintergrundbild geladen. Er lässt demonstrativ die Tür offen stehen, sobald er in seinem Zimmer die Titel laut dreht, die sein Vater anklagt. Wenn sich sein Vater darüber aufregt, ist es ein perfekter Tag.
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- Datum 27.07.2009 - 13:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.05.2008 Nr. 19
- Kommentare 4
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... das ist das einzige, was mich immer wieder so richtig ärgert an dieser ganzen Debatte.Grundsätzlich halte ich die ganze Debatte ja für gut und wichtig, auch die Ausführlichkeit mit der sich die Zeit hier dem Thema widmet ist eigentlich eine positive Seltenheit. Nur wird leider - mal wieder - ein Bild von HipHop verbreitet, das der Subkultur nicht im Geringsten gerecht wird. Dadurch bekommen Menschen, die sich nur oberflächlich mit dem Thema beschäftigen, ein völlig falsches Bild vermittelt. In der Konsequenz bin ich meistens froh, wenn ich auf Leute treffe, die sich gar nicht damit beschäftigen, da ich von denen wenigstens nicht wie ein Aussätziger behandelt werde, nur weil gerne Baggys trage.Das eigentliche Thema wäre ja schon schlimm genug. Gewaltverherrlichung, sprachliche oder sexuelle Verrohung und was auch immer der Gangsterrap noch mit sich bringt sind mit Sicherheit nicht schön, aber auch nicht repräsentativ für HipHop. Ich würde es eher als eine Art schwarzes Schaaf der Familie ansehen. Außerdem ist es das jüngste Schaaf der Familie, denn HipHop stand lange Zeit - und tut dies für viele immernoch - für völlig entgegengesetzte Werte. Eine multikulturelle Gemeinschaft, Toleranz und Gewaltlosigkeit sind neben Party und guter Laune die Dinge, die ich an HipHop zu schätzen gelernt habe. Vor noch nicht einmal 10 Jahren ging das noch sehr vielen Leuten so.Der deutsche Gangsterrap hat es dagegen erst seit noch nichteinmal 5 Jahren aus den Berliner Hinterhöfen geschafft. Entgegen landläufigen Ansichten hat er den positiven HipHop allerdings nicht verdrängt. Es gibt sie noch, die guten MCs, nur ungerechterweise seltener in den Charts.Womit wir zum eigentlich Problem kommen könnten.Richtigerweise wird im Artikel ja das "zugespitzte Marketing" von Aggro-Berlin erwähnt. Die haben es geschafft das Provokationspotenzial von Gangsterrap im großen Stil zu nutzen und da die Musikindustrie sowieso gerade im Sterben liegt, sind sie natürlich gerne mit auf den Zug aufgesprungen. Damit arbeiten nun Labels und Rapper Hand in Hand daran orientierungslosen Jugendlichen das Taschengeld abzuknöpfen. Wie das passiert ist im Artikel ja bereits beschrieben und so lange noch Tabus da sind, die gebrochen werden können, wird das wohl auch noch so weitergehen. Dummerweise nutzen sich Tabus sehr stark ab, wenn sie so sehr zertrümmert sind, dass sich kaum noch einer an sie erinnert. Das zwingt die Protagonisten zu immer extremeren Sachen, um an das Taschengeld der Kids zu kommen.Ich kann auch nicht sagen, ob Schüsse pünktlich zum Album-Release echt sind, aber überraschen würde es mich nicht. Es sind die Geister, die diese Personen gerufen haben. Sie versuchen die Hauptrollen in einem real gewordenen Gangsterfilm zu übernehmen, um ihren Marktwert zu steigern.Und nicht viel anders sehe ich das inzwischen auch. Die Musik, die sie machen, und das Image, das sie sich aneignen, sind dumpfe Unterhaltung mit Knarren und Weibern und viel Verbrechen. Die B-Movies der Musik-Branche sozusagen. Von HipHop ist da nicht mehr viel übrig.Diese Leute ziehen diese Show ab, um an leichte Kohle zu kommen. Mein Mitleid hält sich in Grenzen, wenn sie das Umfeld, in das sie sehenden Auges hineinspaziert sind, wieder einholt. Im Kino wird so etwas allerdings ab 18 serviert. Deshalb tut es mir um die jungen Leute Leid, die sich von dem Blödsinn beeindrucken lassen, weil sie niemanden haben, der ihnen hilft das alles richtig einzuordnen.Ich rege mich über diese Gestalten nicht mehr sonderlich auf. Abschaffen kann ich sie sowieso nicht. Stattdessen tue ich das, was verantwortungsbewusste Erwachsene auch bei Filmen und Computerspielen machen: Ich versuche den Kids wo immer möglich zu helfen zu erkennen was real ist und was Show.Das einzige, was mich wirklich ärgert, ist dass dieses Trauerspiel im Namen der HipHop-Kultur aufgeführt wird, denn diese hat es wirklich nicht verdient nur noch mit dem Umfeld von Aggro-Berlin und ihren drittklassigen Nachahmern in Verbindung gebracht zu werden. Und ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige bin, den das aufregt.
Ein sehr guter Kommentar zu einem sehr guten Artikel.
Ein sehr guter Kommentar zu einem sehr guten Artikel.
Ich schliesse mich meinem Vorkommentator auf jeden an ;) Hip Hop und Rap ist nicht ausschließlich "Gangstershit". Richtiger Hip Hop macht Spass, hat eine fette Info und gibt ein ehr familiäres Gefühl, als dass er zur Aggresivität aufruft. Es ist eine, man sollte eigentlich meinen, mit Intelligenz verbundene Musik, da mitunter (neben dem Funfaktor) politische, philosophische und geschichtliche Themen verarbeitet werden. Um mal ein paar Beispiel zu nennen Freundeskreis "Schiene der Geschichte", Curse&Gentleman "Wiederstand", Fantas "Krieger". (Für die, die sich auskennen) Ich weiss, das is nur die Spitze des Eisbergs, es gibt noch viel mehr gute Mc's (Dendemann, die Massiven, Beginner, Clueso, Blumtentopf, ...) aber nicht einer schlägt solche "Töne" an, wie diese "Gangstarapper". Nicht einer versucht sein Umfeld für die Scheiße, in der man steckt, verantwortlich zu machen. Nein, vielmehr drücken sie mit ihrem Hip Hop aus, dass man Spass am Leben haben soll, nciht aufgeben, weitermachen, versuchen glücklich zu werden, vielleicht sogar die Welt zu retten... Aber auf der anderen Seite,..was erwartet man denn von einem Gangster,..das er mir schlechten Shit für viel Geld verkauft,..u naja das scheinen sie gut hinzubekommen.;D ana spinozagroße Macht bringt große Verantwortung
In Berlin braucht es schon zensierte Songs, damit die Staatsanwaltschaft zu arbeiten anfängt. In Giessen arbeitet die Staatsanwaltschaft bereits seit zwei Jahren an einem Verfahren wegen Anleitens zu Straftaten gegen die Musiker von Mono für Alle! und das obwohl ihre Songs von der Prüfstelle unbeanstandet durchgewunken worden sind. Es sind also nicht die Berliner Gangsta Rapper die ersten Musiker in Deutschland, die sich im Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft befinden.
Ein sehr guter Kommentar zu einem sehr guten Artikel.
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