Spielen Schach
Vor zehn Jahren ist Ernst Jünger im Alter von 103 Jahren gestorben, fast bis zuletzt schien er den Gesetzen der Hinfälligkeit zu trotzen. So wurde er im biblischen Alter von 102 Jahren auf einer Antiquitätenmesse beim Kauf eines Gehstocks beobachtet. Doch Jünger verließ die Messe beschwingten Schrittes – mit dem Stock als Geschenk verpackt unterm Arm.
Wie Michael Ehn und Ernst Strouhal in der Schachkulturzeitschrift Karl berichten, begegnete Jünger dem Schachspiel noch vor dem Ersten Weltkrieg. Schachspieler waren in seinem Elternhaus häufig zu Gast, sein Schachlehrer war kein Geringerer als Gersz Rotlevi, der im Romanischen Café in Berlin mit Partien um 50 Pfennig Einsatz seinen Lebensunterhalt bestritt, ausgerechnet aber wegen seiner herrlichen Verlustpartie gegen Rubinstein (»Rubinsteins Unsterbliche«) im kollektiven Schachgedächtnis fortlebt.
Das Spielen war Jünger zeitlebens sehr wichtig. »Was könnte der allerletzte Mensch auf Erden in seiner Einsamkeit Besseres tun als spielen?!« Schach im Besonderen scheidet er nicht eindeutig vom Leben und vom Krieg, man solle es wie sein eigenes Leben betrachten. Als Metapher passt es sich zudem perfekt in sein soldatisches Welt- bild ein, hier wie dort leiten Regeln und Rituale den Einzelnen. So sind auch in seinen Erzählungen viele Schachspieler Soldaten außer Dienst.
Jünger selbst war ein guter Schachspieler, gewann zwischen 1910 und 1916 einige Turniere. Mit welchem »Bombenzug« konnte er als Schwarzer 1915 in Clausthal ein Matt in spätestens sieben Zügen gegen einen gewissen Braune ankündigen?
Helmut Pfleger
Lösung aus Nr. 18:
Welcher eigenartige Zug gewann für Weiß siegbringend Material? Nach dem verblüffenden Springerrückzug
1.Sc1!
war sowohl der Läufer d3 als auch der Turm e8 angegriffen. Schwarz kann Materialverlust nicht vermeiden, zum Beispiel
1…Txe1,
und nun erobert die Springergabel
2.Sxd3!
auch noch den Turm e1 zurück
- Datum 06.05.2008 - 05:32 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 01.05.2008 Nr. 19
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