Technik persönlich Dünn ist Kult

Christoph Drösser (CD) und Jens Uehlecke (JUE) haben zwei extrem flache Notebooks getestet

CD: Was hat man eigentlich davon, dass man das MacBook Air von Apple in einen Briefumschlag stecken kann?

JUE: Ganz ehrlich, ich tue das äußerst selten. Aber ich stecke meine Notebooks in die Tasche. Und da bleibt schon wesentlich mehr Luft, wenn ich das neue Apple-Notebook reinstecke.

CD: Das Windows-Notebook X300 von Lenovo, das ich getestet habe, ist genauso klein. Zugegeben, es hat nicht so einen »Wow«-Faktor – es sieht aus wie die alten IBM-ThinkPads, nur eben flacher und leichter.

JUE: Das Air ist an der dünnsten Stelle nur vier Millimeter dick!

CD: Das ist doch nichts weiter als ein optischer Trick – es am Rand dünner zu machen! Reden wir über harte Daten: Der X300-Bildschirm hat mit 1440 mal 900 Pixeln eine höhere Auflösung.

JUE: Ich finde das für einen 13-Zoll-Bildschirm eher unergonomisch. Ich hatte früher schon ein Notebook mit einer derart hohen Auflösung und fand es nach einer Weile unpraktisch. Apple hat auf ein internes DVD-Laufwerk verzichtet ...

CD: »Verzichtet« klingt ja heute sehr korrekt – aber was soll ich mit einem Notebook, in das ich keine DVD schieben kann? Wahrscheinlich kaufen fast alle das externe Laufwerk für 99 Euro dazu, und dann ist die Sache eine Mogelpackung.

JUE: Das Air wiegt dafür nur 1,36 Kilogramm ...

CD: Mit 50 Gramm mehr habe ich ein richtiges Notebook. Es ist ja nicht nur das Laufwerk – beim Air fehlen außer einem mickrigen USB-Port fast alle Anschlüsse. Zum Beispiel fürs Netzwerk.

JUE: Wer den braucht, muss einen Adapter kaufen, der kostet noch einmal 19 Euro extra.

CD: Und du kannst nicht mal den Akku austauschen – dabei weiß man doch, dass die nach einem Jahr intensiver Nutzung anfangen zu schwächeln.

JUE: Auch ein Minuspunkt, zugegeben. 129 Euro will Apple für den Austausch – und man muss das Gerät einschicken und ein paar Tage lang darauf verzichten. Dafür hält die Batterie länger: Die Kollegen vom amerikanischen Technikportal CNet haben beide Geräte getestet – das X300 kommt auf 223 Minuten Laufzeit, wenn es eine DVD abspielt, das MacBook auf 243 Minuten.

CD: Die 20 Minuten schenke ich dir! Letztlich erwarte ich von einem Notebook, das in der Ausstattung, die mit dem X300 vergleichbar ist, 3000 Euro kostet, dass es ein richtiger Computer ist. Ein kleines, abgespecktes Gerät für unterwegs kriege ich heute für ein Zehntel des Preises.

JUE: Ich glaube, es geht hier nicht um gut oder schlecht. Notebooks sind wie Jeans – entweder sie passen einem oder sie kneifen.

CD: Dann ist das MacBook Air eine teure Designerjeans, die an vielen Ecken kneift …

JUE: … und das X300 eine Bauarbeiterhose, die zwar praktisch ist, aber nicht für jede Gelegenheit passt. Und es kommt nicht nur auf die Hardware an. Das Mac-Betriebssystem ist vor allem für Einsteiger viel, viel einfacher zu bedienen – und außerdem kann man auch Windows installieren.

CD: Gut, der Punkt geht an dich: Wer das X300 kauft, muss halt mit Windows leben.

JUE: Für mich wäre das MacBook Air das perfekte Gerät, wenn es nicht noch Kinderkrankheiten hätte. In Foren berichtet eine Reihe von Käufern, dass das Gerät heiß wird, wenn man sich zum Beispiel ein YouTube-Video anschaut. Dann schaltet einer von zwei Prozessorkernen ab – und das Video ruckelt.

CD: Autsch. Also ziehen wir Bilanz: Das Lenovo X300 ist ein vollwertiges Notebook, das sogar einen stationären PC ersetzen kann. Wer an Windows gewöhnt ist und nicht auf Mac umsteigen möchte, für den ist das Lenovo die bessere Wahl.

JUE: Ich würde trotz aller Nachteile das Air kaufen – allerdings erst die zweite Generation, die wahrscheinlich im Sommer auf den Markt kommt.

Apple MacBook Air, ab 1699 Euro Lenovo ThinkPad X300, ab 2544 Euro

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service