Ich habe einen Traum Gwyneth Paltrow
Die Schauspielerin sagt: "Bis heute treffe ich im Traum meinen Vater, der vor fünf Jahren gestorben ist"
Ich habe lebendige Träume, besonders in den Morgenstunden. Kurz bevor ich aufwache, träume ich am meisten – häufig von wiederkehrenden Dingen, etwa von Häusern. Oft befinde ich mich in einem mir bekannten Raum, dessen Existenz ich vergessen hatte. In einem Geheimzimmer, es kann auch ein Zimmer sein, das bei der Renovierung vergessen wurde. Immer wieder diese Träume von Häusern. Mal Villen, mal Apartmenthäuser. Ich weiß nicht, was es bedeutet. Ich würde es gern verstehen.
Manchmal treffe ich meinen Vater im Traum. Das sind meist Albträume. Sein Tod vor fünf Jahren war traumatisch für mich. Ich glaube, ich versuche noch immer, den Schock zu verarbeiten, den der Verlust ausgelöst hat. Es passierte in Italien, wir machten dort Ferien. Ich war allein mit ihm. Er wurde krank, kam ins Krankenhaus – und nie wieder heraus. Er wurde einfach krank und starb an einer Lungenentzündung. Es ging alles unfassbar schnell. Selbst jetzt, fünf Jahre danach, arbeite ich mich noch immer an diesem Verlust ab. Er war die Liebe meines Lebens. Bis ich meine eigene Familie gründete.
Drei Wochen nachdem mein Vater gestorben war, habe ich meinen Mann kennengelernt. Diese Zeit war ein Wendepunkt für mich. In meiner Jugend hatte ich lange nach dem Sinn des Lebens gesucht. Bevor mein Vater starb, hatte ich das Leben vollkommen anders verstanden.
Aber dann begriff ich, wie wichtig es ist, da zu sein für die Menschen, die einem wichtig sind. Wie kostbar Zeit ist. Sie rinnt uns durch die Finger. Mein Vater war ein sehr zuverlässiger Mann. Er konnte bei der Arbeit hartnäckig sein, er erwartete Perfektion, aber bei ihm hatte man nie das Gefühl, dass ein Mensch wichtiger war als ein anderer. Er brachte allen den gleichen Respekt entgegen. So empfinde ich es auch: Ich empfinde Respekt für jeden, der seinen Job gut macht, egal, ob er einen Scheinwerfer bedient oder der Präsident der Vereinigten Staaten ist.
Unsere Familie war schon immer im Unterhaltungsgeschäft. Ich sah meiner Mutter bei Theaterproben zu, sie war eine Naturgewalt. Ich begleitete meinen Vater ins Studio, wo er Fernsehshows produzierte. Das war jedes Mal, als würde ich eine andere Welt betreten. Diese Atmosphäre ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.
Filmedrehen ist für mich wie Fahrradfahren: Man verlernt es nicht. Aber am Ende des Tages kehre ich zu meinem eigenen Selbst zurück. Ich sehe das nüchtern. Nicht nur, weil ich muss oder wegen der Kinder. Ich war schon immer so. Mir haben schon viele Leute gesagt: »Gerade noch reißt du Witze, und zwei Sekunden später bist du die Heldin in einem britischen Drama.« Ich kann das einfach an- und ausknipsen. Damit bin ich groß geworden. Wenn man arbeitet, arbeitet man. Und wenn man zu Hause ist, dann ist man zu Hause.
Viele Menschen mögen denken, ich hätte ein perfektes Leben. Aber natürlich gibt es auch in meinem Leben Schwierigkeiten. Es ist nicht perfekt. Ich glaube, oft verstellt uns der Neid den Blick. Es ist leicht, Dinge auf andere Menschen zu projizieren.
»Wenn ich nur dieses oder jenes hätte.«
»Ich will auch dieses oder jenes erreichen.«
Ich glaube, wenn wir einen Gang herunterschalten und präsenter in der Gegenwart leben würden, könnte uns bewusst werden, dass jeder Mensch auf seine Art ein wunderbares Leben haben kann. Die Fähigkeit dazu ist jedem gegeben.
Gwyneth Paltrow, 35, wurde als Tochter des TV-Produzenten Bruce Paltrow († 2002) und der Schauspielerin Blythe Danner in Los Angeles geboren. Bekannt wurde sie 1995 an der Seite von Brad Pitt in »Sieben«. Ihr neuer Film »Iron Man« kommt diese Woche ins Kino. Paltrow lebt mit ihrem Mann Chris Martin, Sänger der Band Coldplay, und ihren beiden Kindern in London
Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke
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- Datum 05.05.2008 - 11:27 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.04.2008 Nr. 19
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