Zeitläufte Vom Ende einer Art
1858 brachen zwei englische Vogelkundler auf, um auf Island die letzten Riesenalke zu finden. Doch ihre Suche blieb vergeblich
Geräuschlos verschwinden immer mehr Tier- und Pflanzenarten von der Erde. Ihre Lebenswelt wird durch den Menschen zerstört; schon länger ist vom Großen Artensterben die Rede. Dass Tiere bis zum letzten Exemplar eigenhändig ausgerottet werden, kommt heute allerdings kaum noch vor. Und doch begann einst auf diese Weise jener Prozess, der unumkehrbar geworden zu sein scheint.
Einige der vernichteten Arten sind wohlbekannt. So »verschwand« um 1780 die Dronte von unserem Planeten, ein flugunfähiger Vogel, der auf der Insel Mauritius vor Madagaskar lebte. Er wurde – in heutigen Worten formuliert – ein Opfer der expandierenden Seefahrerei. Aber auch große Populationen hatten mitunter keine Chance. Die Schwärme der Wandertaube verdunkelten einst Nordamerikas Himmel. Um 1850 geriet die Jagd auf diese Tiere zu einem wahren Volkssport. 1896 erlegten Sonntagsjäger Zigtausende der schönen Vögel an einem einzigen Tag – im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass sie auf den letzten verbliebenen Schwarm losgingen; 1914 starb die letzte Wandertaube im Zoo von Cincinnati. Besonders wenig Zeit blieb der Stellerschen Seekuh nach der Entdeckung durch den deutschen Naturforscher Georg Wilhelm Steller. Der sichtete und beschrieb 1741 erstmals die bis zu zehn Meter langen Wassersäugetiere, die in großen Herden an den Küsten des Beringmeeres lebten. Nur 27 Jahre später erschlugen Robbenjäger das letzte dieser sanften Geschöpfe.
Weniger bekannt ist das Schicksal des Riesenalks, Alca impennis. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts galt der pinguinähnliche Vogel als ausgerottet. Zwei Ornithologen zweifelten allerdings daran und machten sich auf den Weg nach Norden, um die letzten Exemplare zu suchen: John Wolley (1824 bis 1859) und Alfred Newton (1829 bis 1907).
Im Frühsommer 1858 erreichten sie die Halbinsel Reykjanes, den südwestlichen Landzipfel Islands. Hier wollten sie alles über das vermeintliche Ende der Art in Erfahrung bringen und den Ort erkunden, an dem die letzten Riesenalke angeblich getötet worden waren. Bei gutem Wetter hätte man ihn erkennen können, diesen Felsbrocken, zwanzig Kilometer vor der Küste. Mit seinem angeschrägten Hochplateau sieht er aus wie ein gewaltiger Hackklotz. Bis zu siebzig Meter steigen die Klippen in die Höhe, die Isländer nennen das Eiland »Mehlsack«, der offizielle Name »Eldey« bedeutet so viel wie »Feuerinsel«. Doch das Wetter in jenem Frühsommer 1858 blieb schlecht, immer wieder zogen schwere Regenwolken über die Küste hin, und die Fischer weigerten sich, die beiden Engländer überzusetzen.
Eldey gilt bis heute als letzte Zufluchtsstätte des Riesenalks, der ursprünglich an etlichen Orten Nordamerikas und Nordeuropas lebte. Er war der größte Wasservogel der nördlichen Hemisphäre. 80 Zentimeter maß ein erwachsenes Tier. Vom schwarzen Gefieder setzten sich in scharfem Kontrast der weiße Bauch und zwei Flecken nahe den Augen ab. »Auf den Felsen saßen sie gerade aufgerichtet«, schreibt Alfred Brehm in seinem berühmten Illustrirten Thierleben. »Sie gingen oder liefen mit kleinen, kurzen Schritten aufrecht einher wie ein Mensch und stürzten bei Gefahr vier bis fünf Meter hinab in die See. Ein Geräusch erschreckte sie eher als eine Erscheinung, welche sie durch das Gesicht wahrnahmen. Mitunter ließen sie ein schwaches Krächzen vernehmen. Niemals hat man bemerkt, daß sie ihre Eier vertheidigten; wenn sie aber angegriffen wurden, wehrten sie sich mit heftigem Beißen.«
Bevor die Riesenalke ausgerottet wurden, hatten Zoologen ihnen bereits ihre ursprüngliche Bezeichnung als »Pinguin«, Pinguinus impennis, weggenommen. Tatsächlich sind sie mit diesen Tieren nicht verwandt. Dennoch war auch ihr Körper ganz zum Schwimmen geschaffen; das Gehen fiel ihnen schwer, und zu fliegen erlaubten ihre Flügelstummel nicht. Im Frühsommer waren die Riesenalke besonders gefährdet: Wenn die Weibchen an Land gingen, um zu brüten – wie die Königspinguine legten sie nur einziges Ei –, blieben sie Verfolgern wehrlos ausgeliefert. Anfangs waren es die örtlichen Fischer und Jäger, im Norden Amerikas die Indianer, die ihnen nachstellten. Später kamen Seefahrer aller Länder hinzu.
Einer der ersten Europäer, der über die nordamerikanischen »Pinguine« berichtete, war der französische Kapitän Jacques Cartier. 1534 hatte er im königlichen Auftrag eine Expedition unternommen, um die Nordwestpassage zu finden. Cartier beschrieb eine Insel, wo sich im Frühjahr Tausende brütender Vögel regelrecht auf den Füßen standen. Ein paar kräftige Schläge mit dem Ruder, so schreibt er, hätten genügt, um eine ganze Schiffsmannschaft mit fettreichem Vogelfleisch zu versorgen.
Generationen von Seeleuten folgten Cartiers Beispiel. Manche Besatzungen wollten länger als nur für einen Tag frisches Fleisch bekommen, also nagelten sie die Tiere mit den Füßen an die Schiffsplanken, sodass die Vögel noch einige Tage qualvoll weiterlebten. Auch bot der Alltag an Bord wenig Abwechslung und erzeugte viele Spannungen – da war eine »Jagdpartie«, ein Massaker unter wehrlosen Vögeln, eine willkommene Abwechslung.
Auf Funk Island, jener Insel, die Cartier seinen Kapitänskollegen empfohlen hatte, und auf vielen anderen Eilanden rund um Neufundland entwickelte sich im 18. Jahrhundert ein florierender Handel mit Eiern und Federn; die Daunen waren als Kissenfüllung begehrt. Jäger trieben die Tiere in steinernen Einfriedungen zusammen und erschlugen sie zu Tausenden. Bereits 1785 warnte der Kaufmann und Seefahrer George Cartwright eindringlich vor dem Verschwinden des Riesenalks. 1786 wurde ein Jagdverbot ausgesprochen, aber der Gouverneur zeigte sich nicht in der Lage, es durchzusetzen. Um 1800 galt das Tier in Nordamerika als ausgerottet.
John Wolley, der britische Vogelkundler und Eiersammler, kannte diese Geschichten. Schon seit Jahren hatte er alle Nachrichten und Gerüchte über das Schicksal des Riesenalks studiert. 1855, während eines Zusammentreffens mit seinem Kollegen Alfred Newton in der norwegischen Finnmark, entstand der Reiseplan: Baldmöglichst wollten die beiden nach Island fahren.
Wolley hatte ursprünglich Jura, dann Medizin studiert. Seine eigentliche Passion aber galt den Vögeln und ihren Eiern. Unter den zahlreichen Hobby-Ornithologen des viktorianischen England war er eine der schillerndsten Figuren. Halb Forscher, halb Abenteurer, lag er tagelang im schottischen Hochland auf der Lauer, um das Brut- und Jagdverhalten des Steinadlers zu studieren. Wolley finanzierte seine Reisen durch den Verkauf von Vogelgelegen, die auf Auktionen hohe Preise erzielten.
Brehms akribische Beschreibung der Riesenalk-Eier lässt erahnen, mit welcher Besessenheit manche Sammler den seltenen Trophäen hinterherjagten: »Die dicke Schale ist glanzlos mit tiefen Poren, ihre Grundfärbung graulichweiß, mehr oder weniger ins Gelbliche oder Grünliche ziehend, die Zeichnung wie auf Lummen- und Tordalkeneiern verschieden und vielgestaltig vertheilt, da sie braune und schwarze, rundliche oder lang gezogene Flecke, geschlängelte Linien oder ähnliche Zeichen bildet.«
John Wolleys Vogeleier-Sammlung gehörte zu den bedeutendsten ihrer Zeit – in Zeitungen konnte man europaweit davon lesen. Über seine Exkursionen schrieb er Berichte, die unter anderem von der British Association for the Advancement of Science veröffentlicht wurden. Die Reise nach Island indes sollte er nur um ein Jahr überleben. Er starb innerhalb kürzester Zeit, wohl an einem Hirntumor.
So blieb es seinem Freund Alfred Newton überlassen, seine Aufzeichnungen auszuwerten. Obwohl nur fünf Jahre jünger als Wolley, gehörte Newton schon einer neuen Wissenschaftler-Generation an: 1866 wurde der weltweit tätige Feldforscher zum ersten Professor für Zoologie und vergleichende Anatomie in Cambridge ernannt. Früh schon erkannte er die Bedeutung von Darwins Schrift Die Entstehung der Arten. Vögel blieben sein Spezialgebiet, sein hochgelobtes Dictionary of Birds dokumentiert seine umfassende Kenntnis der Vogelwelt. Nicht nur im Fall des Riesenalks war er den letzten Exemplaren einer Art dicht auf der Spur: 1872 ließ er sich von seinem Bruder aus Mauritius ein Exemplar des Rodrigues-Sittichs schicken, um den Vogel erstmals wissenschaftlich beschreiben zu können. Seit etwa 1875 gilt diese Art ebenfalls als ausgestorben.
Was Newton und Wolley antrieb, war eine eigenartige Mischung aus Forschergeist, Jagdlust und der Sorge um den unwiederbringlichen Verlust einer Spezies. Ökologen im heutigen Sinne des Wortes waren sie gewiss nicht. Sie kannten die Bedrohung der Art, wollten auf eigene Jagdtrophäen aber keineswegs verzichten.
Wissen und Handeln der damaligen Feldforscher erscheinen aus heutiger Perspektive merkwürdig widersprüchlich. Alfred Newton schrieb später, er hoffe, dass es in der Wüste des Ozeans noch unbekannte Inseln gebe, auf denen die Riesenalke ein weniger trauriges Leben führen könnten als auf den bekannten. Und seine Überlegungen zur Einführung einer close time, die er 1872 erstmals publizierte, dienten später als Grundlage für die Einführung gesetzlicher Schonzeiten während der Brut. Dennoch: Der Wissenschaftler Newton war zugleich eine Art Agent, Teil eines Netzwerks aus Museen, Privatsammlern, Zwischenhändlern, Forschungsreisenden und Jägern, das den Untergang der Riesenalke zwar nicht ausgelöst, aber in der letzten Phase beschleunigt hat. Der uns heute selbstverständliche Blick auf das gesamte Ökosystem war dem Professor fremd. Er sah das Einzelne, nicht das Ganze, nicht den Zusammenhang.
Die Auskünfte der Fischer auf Reykjanes waren wenig ergiebig. Weil die Ereignisse, um die es ging, bereits mehr als zehn Jahre zurücklagen, widersprachen sich die Zeugen erheblich. In welchem Kalenderjahr welche Expedition stattgefunden hatte – das war für die Fischer, deren Leben sich am Rhythmus der Natur orientierte, nicht so wichtig.
Unstrittig ist die Vorgeschichte, die Wolley und Newton aufzeichneten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die Riesenalke einen vergleichsweise sicheren Rückzugsraum südwestlich von Island gefunden. Es war Geirfuglasker, eine schwer zugängliche Vulkaninsel, etwa sechzig Kilometer von der Küste entfernt. Sie wurde von den abergläubischen Isländern gemieden, denn eine düstere Sage aus dem 14. Jahrhundert umgab den einsamen Ort. Ihr zufolge verbrachte dort ein Mann namens Thorwaldur einmal einsam und allein einen Winter. Wie es ihm gelang zu überleben, darüber schwieg er, als er im Frühjahr zurückkehrte. Es heißt, die Inselgeister hätten sich um ihn gekümmert. Später verfiel er dem Wahnsinn, stürzte sich von einer Klippe ins Meer und verwandelte sich in einen Wal.
Die schützende Kraft der Sage half 1830 jedoch nicht weiter, als ein Vulkanausbruch Geirfuglasker komplett verschwinden ließ. Die überlebenden Riesenalke fanden in den folgenden Jahren auf Eldey einen neuen Brutplatz, der aber weitaus gefährlicher war.
Jahr für Jahr wurden sie dort von Jagdexpeditionen heimgesucht. Ein gewisser Goudmundsson tat sich durch mehrere solcher Beutezüge hervor. Einmal waren es zwölf Exemplare, die getötet wurden, dann wieder nur acht. 1833 fielen den Häschern 24 Tiere zum Opfer, einige wurden lebend abtransportiert und konnten eine Weile in Gefangenschaft gehalten werden. Ein Jahr später wurden noch neun Vögel erlegt, im Jahre 1840 oder 1841 nur noch drei. Und dann folgte jener angeblich letzte Jagdzug, der das Schicksal des Riesenalks besiegelt haben soll.
Obwohl die befragten Zeugen auch hier über Details stritten, verdichteten sich die von Alfred Newton veröffentlichten Aufzeichnungen zu einer Geschichte. Sie wurde bald als gültig betrachtet und ist bis heute verbreitet.
Laut Newtons Recherchen hatten sich am Morgen des 3. Juni 1844 drei Mitglieder einer vierzehnköpfigen Bootsbesatzung Eldey genähert. Schon vom Wasser aus konnten sie deutlich die Konturen zweier aufrecht sitzender Vögel erkennen und wagten deshalb das gefährliche Landemanöver. Während Jón Brandsson schnell eines der Tiere erlegte, verfolgten Sigurdur Islefsson und Ketil Ketilsson das zweite, das einen Abhang hinauflief. Ketilsson gab die Jagd jedoch zunächst auf und kehrte zu der Stelle zurück, an der die Männer die beiden Tiere entdeckt hatten. Er sagte später, er habe dort nur noch ein zerbrochenes Ei gefunden. Der britische Wissenschaftshistoriker Jeremy Gaskell, welcher der Ausrottung des Riesenalks 2000 ein spannendes Buch gewidmet hat (Who Killed the Great Auk?), bezweifelt diese Aussage allerdings. Er vermutet, dass sich die Geschichte etwas anders zugetragen hat: Ketilsson sei in seiner Aufregung das Ei wohl aus den Händen gerutscht und zu Boden gefallen.
Nachdem es Islefsson gelungen war, auch das zweite Tier zu erlegen, kehrten die Männer in den Heimathafen zurück. Ein Apotheker habe die Vögel konserviert, ein dänischer Sammler sie übernommen und später weiterverkauft. Vermutlich gingen sie an das Kopenhagener Naturkundemuseum, zu dieser Zeit ein wichtiger Umschlagplatz für Tierpräparate. Dort werden bis heute die Eingeweide der beiden vermeintlich letzten Riesenalke aufbewahrt, in Alkohol eingelegt. Der Verbleib der Bälge ist unbekannt.
In Büchern über ausgestorbene Tierarten, in Ausstellungskatalogen und Lexika wird diese Geschichte mit kleinen Abweichungen immer wieder nacherzählt. Dass die beiden am 3. Juni 1844 erlegten Exemplare wirklich die letzten waren, lässt sich nicht beweisen. Es gibt glaubwürdige Berichte aus späteren Jahren, nach denen andernorts noch einzelne Tiere gesehen worden sind. Vielleicht braucht die Nachwelt so eine Geschichte, vielleicht ist ein Unglück wie dieses leichter zu ertragen, wenn es einen Ort und einen Zeitpunkt gibt, an dem es sich zugetragen hat.
Heute befinden sich noch etliche ausgestopfte Riesenalke in naturhistorischen Sammlungen, darunter auch in Leipzig. Es ist eines der letzten Tiere, erlegt 1841. Insgesamt soll es etwa achtzig erhaltene Exemplare weltweit geben. Das zeigt, wie begehrt die Vögel bei Sammlern schon damals waren. Dabei beschleunigte das unerbittliche Wechselspiel von Angebot und Nachfrage noch die Ausrottung. Je seltener die Tiere wurden, umso höher stiegen die Preise, und umso größer waren auch die Prämien, die den örtlichen Jägern geboten wurden. »Früher«, merkt Alfred Brehm dazu resigniert an, »diente dieser Vogel den Isländern und Grönländern zur Speise, gegenwärtig wiegt man seinen Balg kaum mit Golde auf.«
Die Aura des Besonderen und Seltenen lebte weiter, auch nachdem die letzten Riesenalke getötet worden waren. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts verkaufte ein Unternehmen aus Liverpool unter der Markenbezeichnung Great Auk’s Head Ingwerwein; auch handgefertigte Zigaretten der Sorte Great Auk gingen in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg über die Ladentheke. 1972 wurde in London ein ausgestopfter Riesenalk versteigert, der nachweislich aus Island stammte. Von dort kamen dann auch die erfolgreichen Bieter, die das Tier schließlich für den Gegenwert eines Einfamilienhauses erwarben.
John Wolley und Alfred Newton war es wegen des Wetters 1858 nicht mehr vergönnt gewesen, hinauszufahren zum »Mehlsack«, um die Felsen zu inspizieren, auf denen die vermeintlich letzten beiden Riesenalke ihr Leben gelassen hatten. Sie mussten ihre stille Hoffnung begraben, vielleicht doch noch einige der wunderlichen Vögel zu finden.
Hätten sie nach allem, was sie inzwischen wussten, diese Tiere wirklich gefangen oder gar erlegt? Regen und Wind bewahrten sie davor, diese Entscheidung treffen zu müssen. Fast zwei Monate lang wanderten sie am Ufer von Reykjanes auf und ab – dann war die Brutsaison vorbei, und die beiden kehrten nach England zurück.
Der Autor ist Schriftsteller und Publizist und lebt in Hannover
- Datum 03.06.2009 - 18:39 Uhr
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- Serie Umwelt
- Quelle DIE ZEIT, 08.05.2008 Nr. 20
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Ähnlich erging es dem Apollofalter in Baden-Württemberg. Nicht nur, dass die Gebiete verbuschten. Vielmehr wurde ein systematischer Handel mit den Tieren betrieben. Kaum wurde eine neue Unterart beschrieben, verfolgten Männer mit Keschern bis zum letzten Stück den großen Falter. Heute gibt es in Baden-Württemberg kein Vorkommen mehr, an der Mosel noch ein kleines einer Unterart. Die eigentümliche Jagd nach seltenen Lebewesen ist kaum ökonomisch, sondern fast nur durch psychosexuelle Vorgänge zu erklären. Zwar ist den Wilderern von Tigern und Löwen durchaus ein wie auch immer berechtigtes Profitinteresse zu unterstellen, die Nachfrage wird allerdings durch die vielversprechende Aufwertung und angebliche Potenzförderung durch Tigerpräparate bestimmt. Ähnlich hervor taten sich die Söhne aus mitunter gutem Hause, sie individuierten sich durch das Erlegen von wilden Raritäten und befriedigten dadurch sowohl aggressive Impulse gegenüber den Eltern als sie auch im Verfolgen einer Angst aus dem Wege gingen, bzw. durch das systematische Erschlagen von wehrlosen Tieren einem Widerholungszwang Folge leisteten. Die sexuelle Ersatzbefriedigung, die das Jagen versprach, resultiert letztlich dann aus einer Verschiebung auf ein anderes Objekt. Heute werden in China und in subtropischen und tropischen Gebieten Schmetterlinge in Massen gefangen, um aus ihnen Kitsch zu fertigen, den sich völlig Unkundige an die Wand hängen. http://myblog.de/nichtide...
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