Weblogs Bloggen mit dem PräsidentenSeite 2/2
Auch Hossein Derakhshan ( www.hoder.com ) erreicht man aus Iran nicht mehr. Er ist für viele der Vater des iranischen Blogs. Der heute 33-Jährige schrieb im Jahr 2000 auf Persisch eine Anleitung, wie man einen Blog einrichtet. Der Journalist – Themen »Internet« und »Digitale Kultur« – veröffentlichte, als seine Zeitung verboten wurde, zuerst im Internet. Als die Polizei ihn bedrohte, emigrierte er nach Kanada. Trotzdem widerspricht er denen, die leichtfertig behaupten, das Regime in Iran übe im Netz systematisch Zensur aus: »Wenn es um Iran geht, wartet man die Bestätigung solcher Meldungen gar nicht erst ab, sondern hält sie ad hoc für glaubwürdig!« Das Regime geht vielmehr willkürlich gegen Blogger vor, doch scheint diese Unberechenbarkeit System zu haben. Die Botschaft: Wir können jeden jederzeit treffen.
Das Internet an sich hält das Regime keineswegs für Teufelszeug, auch nicht seine konservativsten Anhänger. Es gibt kaum einen Ajatollah, der nicht der Welt seine Meinung auf seiner eigenen Webseite mitteilt. In den religiösen Schulen Irans sitzen täglich Hunderte Studenten an ihren Computern, um ihre theologischen Forschungen zu betreiben – nur eine Bestätigung für den Ruf des iranischen Volkes, allem Neuen gegenüber aufgeschlossen zu sein.
Die Bedeutung des Internets für Iran hat Nasrin Alavi in ihrem Buch Wir sind der Iran wohl am besten beschrieben: »Es ist geradezu eine Revolution in der Revolution. Seit der Tragödie vom 11. September stehen politische Bewegungen in der islamischen Welt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Es scheint möglich, dass der Iran, der vor einem Vierteljahrhundert einer verblüfften Welt den radikalen Islam vorstellte, diese Welt jetzt noch einmal überraschen könnte.«
Linksammlung
www.ahmadinejad.ir
Der mit drei Botschaften im Jahr 2007 nicht übermäßig engagierte Blog von Mahmud Ahmadineschad
www.hoder.com
Weblog von Hossein Derakhshan, »Vater des iranischen Blogs«
- Datum 14.05.2009 - 15:11 Uhr
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- Serie Internet-Spezial
- Quelle DIE ZEIT, 08.05.2008 Nr. 20
- Kommentare 2
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waren Sie jemals verliebt? Haben Sie jemals verträumt
in das tiefe Rot des Weines geblickt, während ihre Küsse noch auf Ihren
Augenlidern brannten? Haben Sie schon einmal getanzt?Solche Fragen kann man genauso gut an die Herrscher dieses Landes stellen. Und auch hier gibt es unzählige Unzufriedener.Was mir beim Iran auffällt, ist, dass die "freidenkerische" Jugend nur von Sex und Wein träumt. Für mich ist das nur ein Haufen nichtsnütziger, pubertierender xxx. Das braucht natürlich ein starke Hand. Naja, wenn das alles mal zusammengebrochen ist und sie sich zusaufen können wie sie wollen und mit Louis Vitton Handtaschen herumrennen können, mal schauen wie glücklich sie dann sein werden.
Das ist schon lustig, dass gerade solche Dinge hervorgehoben werden, aber ich denke, dass von rebellischen und antiautoritären Bloggern überall die Dinge hervorgehoben werden, die im jeweiligen Kulturkreis offiziell verpönt sind. Sollte der Iran so liberal werden, dass sogar die Vorschriften des Iran zum Thema Alkohol aufgeweicht werden, dann werden Sex und Wein (nur hoffentlich keine Drogen) so alltägliche Themen sein, dass sich der rebellische und antiautoritäre Blogger anderen Themen zuwenden muss, um seinem Ruf gerecht zu werden.
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