Ich war in Italien!« Überraschung, aufgerissene Augen, aaah und oooh bei den Spielkameraden. »…mit dem Finger auf der Landkarte!« Ach so! Blödmann!

Kindereien in den sechziger Jahren. Heute fliegen die Kinder Manhattan, Paris oder eine Südseeinsel über den virtuellen Globus Google Earth an. Eine gehobene Form des Internetreisens ist der virtuelle Urlaub im beliebten Alpenhotel vuedesalpes.com (Zimmer frei erst wieder ab März 2009). Doch wenn es um Überraschungen, echte Erlebnisse und Bildung durch Reisen geht, ist die Internet-Surfreise unübertroffen. Sie beginnt gern unvermutet. Man besteigt eine Suchmaschine – und plötzlich hebt sie ab. Einzige Bedingung: Man muss drinbleiben, darf nicht das Netz verlassen, nicht die Ebene wechseln, sondern muss sich von Link zu Link hangeln, so wie sich Tarzan in Vor-Internetzeiten von Liane zu Liane schwang. Also los!

Ich googele den Begriff »hacken«. 5,49 Millionen Treffer! Ich überfliege niederländische Studenten, die elektronische Verkehrsschilder gehackt haben, passiere einen Beitrag über Pay-TV-Hacker, stolpere über »hohe Hacken« und suendige-mode.de nach Hongkong. Zu »Hacken Lee«.

Herrn Lees Website liefert ausschließlich chinesische Schriftzeichen und Fotos. Ich klicke auf das Bild eines Mannes, der wie ein Scientologe aussieht, wähle ein Schriftzeichen, das an ein Haus mit zwei Dächern erinnert, lande auf dem Newsportal dahe.cn aus der Provinz Henan und finde unter »community news« das Bild von einem Menschen, der wie eine Masse Fleisch beim Metzger aussieht. Aber der immerhin ein lachendes Kind hochhält. Ich gelange über eine züchtige Unterwäschen-Modenschau zur Henan Newspaper und von dort ins China Internet Illegal Information Reporting Centre. Dahinter steckt das Innenministerium, das für »Ordnung im Internet« sorgt und 2007 insgesamt 44000 Pornoseiten gesperrt hat. Weitere Erfolgsmeldungen: Im Zusammenhang mit Unordnung im Internet wurden 868 Leute verhaftet und knapp eine halbe Million E-Mails gelöscht.

Ich versuche geschlagene 15 Minuten lang, über irgendeinen Link wieder aus China zu verschwinden. Doch nicht einmal der Flughafen in Peking ermöglicht die Ausreise. Selbst die chinesische Botschaft in Berlin verweist mich stets nur nach China zurück. Erst die chinesische Olympia-Website verlinkt, vermutlich war das Pflicht, auf London2012.com. Von hier schleiche ich mich über einen Blog nach Yorkshire, wo der Billigflieger jet2.com abhebt. Ich lande erschöpft in dem Hamburger Hotel Zleep Inn.

Reisen bildet. Sogar im Internet. Ich habe heute gelernt, dass Chinas Internet umzäunt ist. Und dass Links Zeichen der Freiheit sind.