Die Details müssen stimmen, welcher Schwindler wüsste das nicht. Auch der brave Redakteur tastet, so denn Zeit bleibt und keine Dokumentation als Gegencheckanlage vorhanden, beim Umbruch noch einmal Zeile für Zeile ab, stets in zitternder Angst vor dem donnernden Brief, der da kommen wird. Ganz gewiss wird der kommen: »Der Schwarze Bärenorden mit kleinem Stern wurde von 1840 bis 1842 nur in der Zweiten Klasse verliehen!! Wenn schon das nicht stimmt, was stimmt dann überhaupt an diesem Machwerk von Zeitläufte-Artikel?!! Hiermit kündige ich mein Abonnement. Endgültig.«

Details, teuflische Details. Aber schließlich gibt es für die klitzekleinen Fakten, die allerfeinsten Faktensplitter die großen, die allerdicksten Fachbücher und Lexika. Die sogenannten Nachschlagewerke – was für ein schönes, wotanisch deutsches Wort! Da wird nachgeschlagen, dass die Schwarte kracht.

Das heißt: Es wurde. Denn jetzt sind ja Google da und Wikipedia. Die sind nur einen Klick entfernt, da braucht man sich nicht einmal zu erheben aus warmem Sesselpfühle, da schaut man schnell mal vorbei, auf einen wissenschaftlichen Seitensprung sozusagen. Denn wir seriösen Redakteure, Wissenschaftler, Kenner, wir wissen ja, was wir von Wikipedia zu halten haben, nicht wahr?

Da darf doch jeder. Und die Tendenz von manchen dieser »Artikel«. Und ihre Dürftigkeit. Und überhaupt.

Trotzdem: Wie hieß eigentlich Pablo Neruda, der chilenische Dichter und Nobelpreisträger, 1904 bis 1973, mit bürgerlichem Namen? Diese enorm wichtige, wenn nicht gar zentrale Frage wäre zu klären, und zwar rasch. Wikipedia sagt: »Neftalí Ricardo Reyes Basoalto«. Wikipedia!

Wir greifen zum blauen Großen Wilpert, dem Lexikon der Weltliteratur, das ehrwürdige Exemplar des großen Kollegen Rolf Michaelis, Alfred Kröner Verlag 1975, 1793 Seiten. Wie das beim Öffnen schon ex cathedra knarrt! Wie das beim Blättern schon wissend raschelt! Promoviert, habilitiert jedes Komma. Neruda, lesen wir hier, war ein geborener Reyes Basualto.

Na bitte. Wollte uns Wikipedia mal wieder ein o für ein u vormachen! Doch es bleibt ein professioneller Rest Zweifel, denn es könnte ja sein... Ein Druckfehler im Großen Wilpert? In der zweiten, erweiterten Auflage? Ausgeschlossen.