Der Verfassungsrechtler Lawrence Lessig von der kalifornischen Stanford Law School schreibt in seinem Buch Code: Version 2.0 , das Netz werde immer mehr zu einer Technologie, »mit deren Hilfe Staat und Wirtschaft alle Aspekte unseres Lebens durchdringen«. Aber wenn wir nicht aufpassen, gehört das Netz demnächst zuallererst der Wirtschaft.

Das Internet – das sind zunächst einmal Unmengen an Kupfer- und Glasfaserkabeln. Sie gehören fast ausschließlich Telekommunikationsunternehmen. Diese können damit nicht völlig frei verfahren, hierzulande unterliegen die Leitungsnetze beispielsweise der Kontrolle der Regulierungsbehörde. Doch die Netzbetreiber entscheiden, wem sie Zugang zum Internet gewähren.

Das tun sie auf höchst unterschiedliche Weise. Fast jeder vierte Nutzer in Deutschland verfügt über einen superschnellen DSL-Anschluss. Der Anteil liegt damit höher als in den USA. Allerdings: Rund 42 Prozent der deutschen Dörfer sind immer noch stark unterversorgt. Weil es sehr teuer ist, Kabel in diese Regionen zu legen, wird sich daran so schnell nichts ändern.

Die Zugangsanbieter entscheiden so über die Qualität unserer Internetverbindung. Das verschafft ihnen erstaunliche Manipulationsmöglichkeiten. So hätten es Musik- und Filmindustrie, die unter illegalen Downloads leiden, gern, wenn den Usern dieser Spaß vermiest würde. Das wäre ein Leichtes: Die Netzbetreiber könnten die Übertragungsgeschwindigkeit bei missliebigen Downloads bremsen – das Runterladen würde zur Qual.

Und tatsächlich wird schon an den Übertragungsgeschwindigkeiten gedreht. So nehmen es die meisten User als technisch gegeben hin, dass ein Download viel schneller funktioniert als ein Upload. Jeanette Hofmann, die am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung zu Formen der Willensbildung im Internet forscht, sagt: »Dahinter verbirgt sich eine neue Konzeption des Netzes, wie sie sich manche Unternehmen vorstellen.« Ein durch und durch kommerzielles Netz sähe demnach so aus: »Millionen von Konsumenten – und wenige Anbieter.«

Dass die Differenz zwischen Down- und Uploadgeschwindigkeit keineswegs ein Naturgesetz ist, beweisen kleine unabhängige Zugangsanbieter. Zum Beispiel die Firma SpaceNet von Sebastian von Bomhard, einem der Gründer der deutschen Internetadressverwaltung Denic. Sein Grundsatz ist: »Das Netz gehört dem, der es verwendet.« Weshalb er jedem Kunden einen möglichst guten Zugang zum Internet verschaffen will.

Ist schon die Technik der Leitungsnetze fast ausschließlich fest in der Hand großer Konzerne, so haben diese doch wenigstens keinen Einfluss auf die Grundprotokolle des Webs, die Voraussetzung jeder Onlinekommunikation. Die Frage, wer bestimmt, welche Internetadresse welche Website hat, führt allerdings immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Formal entscheidet die Internetverwaltungsorganisation Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) über die wichtigsten Top Level Domains (TDL) wie .com oder .org und lässt neue Endungen zu, beispielsweise .ag für Aktiengesellschaften.