Vor der Abreise aus Brasilien müssen sich Touristen neuen Sicherheitsvorkehrungen unterziehen: Viele Airlines versprühen Insektizide in der Flugkabine – aus Angst, Dengue-Fieber übertragende Moskitos könnten als blinde Passagiere an Bord sein. In Rio de Janeiro und Umgebung haben sich fast 50000 Menschen infiziert, über 70 sind schon daran gestorben. Die Seuche mit den grippeähnlichen Symptomen trifft Urwald- und Slumbewohner ebenso wie Gäste von Luxushotels.

In Zeiten von Last-Minute-Angeboten werden die Vorbereitungen auf Reisen immer kürzer – bei zunehmender Abenteuerlust der Touristen. So haben es die Erreger leichter, selbst in der Welt herumzukommen. Auch der globale Klimawandel nährt die Angst, dass uns nicht nur die tropischen Temperaturen, sondern auch die Tropenkrankheiten immer näher rücken.

Muss man nun befürchten, dass die Mücke Aedes aegypti, Überträgerin des Dengue-Virus, auch nach Deutschland eingeschleppt wird? Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg kommt zu dem Schluss: Wenn die globale Erwärmung fortschreitet und die Temperaturen bis zum Jahr 2100 um vier Grad ansteigen, wächst auch das Risiko, dass sich viele Erreger rascher entwickeln. »Es droht jedoch keine akute Gefahr, dass sich die Dengue-Überträger bei uns vermehren«, sagt der Insektenspezialist Andreas Krüger, der im Auftrag der Bundeswehr am Bernhard-Nocht-Institut forscht.

Auch die Malaria – in Deutschland bis 1950 nachgewiesen – wird vermutlich nicht zurückkehren. Es mangelt an Sumpfgebieten. Bei Rückkehrern aus den Tropen, die sich unterwegs infiziert haben, wird die Krankheit rasch diagnostiziert und umgehend behandelt. Anders als in Afrika, wo Patienten unterversorgt sind und die Mücken viel mehr Gelegenheiten haben, Erreger zu tanken und sie zu verbreiten.

Doch die Experten warnen vor anderen Moskito-Arten, die den Ausbruch von Tropenkrankheiten in Europa begünstigen könnten. Seit den neunziger Jahren ist beispielsweise Aedes albopictus auf dem Vormarsch aus dem Süden. Vereinzelt wurde die kleine gestreifte Tigermücke – tagaktiv und besonders auf Menschen aus – bereits in Deutschland gesichtet. Im vergangenen Jahr passierte das, was Tropenmediziner befürchtet hatten. »In Italien steckten sich etwa 200 Menschen mit dem Chikungunya-Fieber an«, sagt Bernhard Fleischer, einer der Direktoren des Bernhard-Nocht-Instituts. Ein Reisender aus Indien mit einer akuten Infektion dieser Tropenkrankheit war nach seiner Heimkehr von einer Tigermücke gestochen worden, die das Virus dann auf andere Menschen übertrug. Symptomatisch für die Krankheit sind starke Gelenkschmerzen, was den Namen Chikungunya erklärt. Der stammt aus der afrikanischen Makonde-Sprache und bedeutet »der gekrümmt Gehende«.

Der Tropenmediziner Fleischer warnt: »Die Tigermücke kann auch das Dengue-Virus in Umlauf bringen.« Deshalb herrscht Alarmbereitschaft in den Südstaaten der USA, wo sich sowohl Aedes albopictus als auch Aedes aegypti angesiedelt haben. Dort kann eine Dengue-Epidemie ausbrechen, wenn die Insekten einen bereits Infizierten angreifen und den Erreger weiter verbreiten. Die USA haben schon früher erlebt, dass sich tropische Viren plötzlich bei ihnen heimisch fühlen. 1999 spritzten Helikopter sogar Insektizide über Manhattan, um die Culex-Mücke auszurotten. Trotzdem breitete sich das West-Nil-Virus rapide von Osten nach Westen aus, weil die Eigenart der übertragenden Culex-Mücke darin besteht, nicht nur Menschen, sondern auch Vögel zu stechen. Und die transportierten das Virus flugs in andere Regionen. Fiebrige Grippen und Hirnhautentzündungen traten gehäuft auf. Europa blieb bisher davon verschont. »Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis der Erreger auch bei uns ankommt«, sagt Bernhard Fleischer.

Weil tropische Infektionen sich auch innerhalb der Reisegebiete verlagern, sind Touristen gut beraten, stets die aktuellen Empfehlungen der reisemedizinischen Dienste zu beachten. Fleischer sagt: »Goa galt beispielsweise bis vor Kurzem als malariafrei, doch das hat sich in letzter Zeit geändert.« Auch Great Exuma – die größte Insel der Bahamas, auf der die Anophelesmücke ausgerottet schien – meldete kürzlich zwei Fälle von Malaria tropica.