Eine Kuh ist eine wundersame biochemische Fabrik: Sie wandelt Pflanzen in Fleisch um – ein Kunststück, das der Mensch mit all seiner Biotechnik bis heute nicht vollbringt.

Allerdings hat diese Umwandlung ihren Preis. Um Fleisch mit dem Brennwert von einer Kilokalorie zu erzeugen, braucht die Kuh pflanzliche Nahrung mit etwa zehn Kilokalorien. Das heißt: Mit der gleichen Anbaufläche, die ein Fleischesser benötigt, kann man zehn Vegetarier satt machen. Immer mehr Waldgebiete werden in Weideflächen umgewandelt, schon heute wird ein Viertel der Landoberfläche der Erde landwirtschaftlich genutzt. Und ein Großteil der Getreideproduktion wird an Tiere verfüttert.

Der Flächenverbrauch ist aber nicht die einzige Nebenwirkung der Fleischproduktion. Die Viehzucht ist ein Klimakiller, wie die Welternährungsorganisation FAO jüngst in einem Report feststellte. Die gesamte Landwirtschaft der Menschheit erzeugt 22 Prozent der globalen Treibhausemissionen, mehr als der Verkehrssektor. Vier Fünftel davon entfallen auf die Tierproduktion. Das liegt auch daran, dass Rinder und andere Wiederkäuer in ihren Mägen große Mengen Methan erzeugen – ein Gas, das 23-mal so klimaschädlich ist wie Kohlendioxid. Und mit dem Anstieg der Weltbevölkerung auf neun Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 wird das Problem noch wachsen.

Die FAO errechnet, dass wir den Fleischkonsum auf 90 Gramm pro Person und Tag beschränken müssen, um die Emissionen aus der Landwirtschaft auch nur konstant zu halten – für die Deutschen würde das bedeuten, nur noch halb so viel Fleisch zu essen wie heute. Gesünder wäre es allemal. Christoph Drösser

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