Stimmt's

Landfresser Fleisch

Ilona Mennerich aus München fragt: Verbraucht die Tierzucht wirklich mehr Weideland als der Pflanzenanbau?

Eine Kuh ist eine wundersame biochemische Fabrik: Sie wandelt Pflanzen in Fleisch um – ein Kunststück, das der Mensch mit all seiner Biotechnik bis heute nicht vollbringt.

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Allerdings hat diese Umwandlung ihren Preis. Um Fleisch mit dem Brennwert von einer Kilokalorie zu erzeugen, braucht die Kuh pflanzliche Nahrung mit etwa zehn Kilokalorien. Das heißt: Mit der gleichen Anbaufläche, die ein Fleischesser benötigt, kann man zehn Vegetarier satt machen. Immer mehr Waldgebiete werden in Weideflächen umgewandelt, schon heute wird ein Viertel der Landoberfläche der Erde landwirtschaftlich genutzt. Und ein Großteil der Getreideproduktion wird an Tiere verfüttert.

Der Flächenverbrauch ist aber nicht die einzige Nebenwirkung der Fleischproduktion. Die Viehzucht ist ein Klimakiller, wie die Welternährungsorganisation FAO jüngst in einem Report feststellte. Die gesamte Landwirtschaft der Menschheit erzeugt 22 Prozent der globalen Treibhausemissionen, mehr als der Verkehrssektor. Vier Fünftel davon entfallen auf die Tierproduktion. Das liegt auch daran, dass Rinder und andere Wiederkäuer in ihren Mägen große Mengen Methan erzeugen – ein Gas, das 23-mal so klimaschädlich ist wie Kohlendioxid. Und mit dem Anstieg der Weltbevölkerung auf neun Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 wird das Problem noch wachsen.

Die FAO errechnet, dass wir den Fleischkonsum auf 90 Gramm pro Person und Tag beschränken müssen, um die Emissionen aus der Landwirtschaft auch nur konstant zu halten – für die Deutschen würde das bedeuten, nur noch halb so viel Fleisch zu essen wie heute. Gesünder wäre es allemal. Christoph Drösser

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
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Leser-Kommentare

    • 08.05.2008 um 16:35 Uhr
    • iDog

    volle zustimmung, dem artikel ist in seiner kuerze nichts hinzuzufuegen - er ist treffend und beschreibt ansatzweise die marschrischtung. paul mccartney stellte anlaesslich dieser verheerenden okobilanz der fleischindustrie die tage folgendes fest: ein nicht vegetarier kann sich in keinem fall als umweltschuetzer bezeichen. da haben wir den salat - der mann hat recht und weiss wovon er redet.die riesigen reisanbaugebieter der welt (tendenz steigend) steuern leider auch sehr viel des treibhausgases methan bei. der reis wird aber gluecklicherweise nicht erst an mastvieh verfuettert, sondern geht direkt an den menschen in laendern, wo eine sehr viel hoehere prozetzahl der bevoelkerung kulturell bedingt vegetarier sind.

  1. Auch der Mensch wandelt "Pflanzen in Fleisch" um. Sonst könnte niemand als Vegetarier überleben. Gemeint ist hier wohl, daß Kühe durch die speziellen Verdauungsmechanismen in ihrem Pansen Zellulose aufspalten und verwerten können. Dazu ist der Mensch tatsächlich nicht in der Lage.

    • 09.05.2008 um 8:34 Uhr
    • gquell

    In Deutschland wird sehr viel Schweine- und Geflügelfleisch gegessen. Wie sieht hier eigentlich die Erzeugung von Treibhausgasen aus?Viel schlimmer ist, daß beispielsweise der Urwald in Südamerika gerodet wird, damit für ein paar Jahre Rinder dort weiden können. Hier ist die Ökobilanz einfach katastrophal.

  2. Lieber Herr Drössler,Sie schreiben: "Um Fleisch mit dem Brennwert von einer Kilokalorie zu erzeugen, braucht
    die Kuh pflanzliche Nahrung mit etwa zehn Kilokalorien." Das stimmt! Das heißt aber nicht, dass man "Mit
    der gleichen Anbaufläche, die ein Fleischesser benötigt, ... zehn
    Vegetarier satt machen" kann. Welcher Mensch isst schon Gras oder Heu? Wiederkäuer, zu denen auch die Kuh zählt, sind die einzigen Lebewesen, die aus für Menschen nicht verwertbarem Material hochwertiges Protein synthetisieren können.Da ein Großteil der Nahrung aus Grundfutter - Gras usw. (in den Entwicklungsländern ausschließlich!!) und eben nicht aus Kraftfutter (Getreide) besteht, kann ich die Flächenkonkurrenz zu Nahrungsmitteln für Menschen nicht erkennen. Selbst in Deutschland gibt es ausgewiesene Rinderhaltungsregionen, meist auf sog. Grenzertragsstandorten (Allgäu, Norddeutschland), wo sich Ackerbau i.d.R. überhaupt nicht lohnt.Problematisch erscheint mir dagegen die ökologische Rinderhaltung. Professor Ken Green von
    der Manchester Business School hat in einer soeben veröffentlichten Studie
    gezeigt, dass man bei der Bio - Produktion und den CO-2-Emissionen genauer hinsehen sollte
    Für die Studie wurden die 150 umsatzstärksten Bio - Lebensmittel in
    ihrer Umweltwirkung genauer analysiert. Hierbei wurde der Weg vom
    Anbau, über den Transport und die Verarbeitung bis zum Konsumenten
    betrachtet. Unterstützung bekommt Professor Green vom Umwelt -
    Staatssekretär David Miliband, der "Bio" als "lifestyle choice"
    bezeichnete. Auch der wissenschaftliche Chefberater der britischen
    Regierung Professor Sir David King hatte sich kürzlich zurückhaltend
    über die angeblichen Umweltvorteile einer Bio-Landwirtschaft geäußert.
    Die Studie steht im Internet unter http://www.defra.gov.uk/environment/business/scp/research/themes/food.htmAus meiner Sicht erscheint der Bioanbau verschwenderisch. Weil die Tiere langsamer wachsen, benötigen Sie mehr Futter und Wasser und "pupsen" und schei...en natürlich auch mehr. Unter Nachhaltigkeit verstehe ich etwas anderes.Mit freundlichen GrüßenDer Landwirt

  3. Ob sich durch verminderten Fleischkonsum alleine der Hunger in großen Teilen der Weltbevölkerung einschränken ließe halte ich für fraglich, da eine ungerechte Lebensmittelverteilung das Hauptproblem darstellt und nicht (nur) die Quantität. Die Einflüsse vom Biospritanbau und anderen Agrarwirtschaftsformen sind auf das Klima sind eben auch nicht unwesentlich.

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  • Von Christoph Drösser
  • Datum 8.5.2008 - 23:56 Uhr
  • Serie Stimmt's
  • Quelle DIE ZEIT, 08.05.2008 Nr. 20
  • Kommentare 5
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