Politsches Buch Sternenbanner in Rot-Grün
Was Amerikaner an Joschka Fischer fasziniert
I ’m not convinced!«: Joschka Fischers Ausruf auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2003 ist in die amerikanische Politiksprache eingegangen. Bis heute ist dies die klassische Formulierung für die Skepsis, die Europa – old Europe – dem Irakkrieg entgegenbrachte. Zugleich war es dieser Auftritt, der viele Amerikaner überhaupt erst mit Deutschlands damaligem Außenminister und Vizekanzler bekannt machte.
Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Nicht für Donald Rumsfeld und nicht für die »schweigende Mehrheit« der Amerikaner im Binnenland zwischen Ost- und Westküste. Michael Kelly, ein konservativer Kolumnist, »entdeckte« bald, dass Fischer kein Verbündeter traditionellen Typs war, sondern ein studentischer Rebell, ein Straßenkämpfer, ein Studienabbrecher und Führer einer grünen Partei. Also auf unbestimmte Weise antiamerikanisch, vielleicht antiisraelisch und sicher auf der falschen Seite im Kulturkampf.
Das Buch von Paul Hockenos, Joschka Fischer and the Making of the Berlin Republic, die erste Fischer-Biografie für ein amerikanisches Publikum, widerlegt einige der irregeleiteten Ideen über den früheren Außenminister und seine Partei, die in den Vereinigten Staaten verbreitet sind. Aber Hockenos gelingt mehr als das: Er übersetzt Fischers Anziehungskraft in die Sprache des amerikanischen Mainstreams. Er hat ein Buch geschrieben, das viele Amerikaner dazu bringen könnte, den Linksliberalismus von Deutschlands rot-grünen Jahren nicht nur zu akzeptieren, sondern zu bewundern. Das ist keine geringe Leistung.
Dafür musste Hockenos die herkömmliche amerikanische Lesart des Kalten Krieges mit der Kritik durch Deutschlands mythische 68er-Generation konfrontieren. Fischer und die Grünen, so das Buch, verkörpern die Demokratie, die Amerika in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zum Leben erwecken wollte. Jemand musste die schmutzige Arbeit übernehmen, das deutsche Staatswesen von den Resten autoritären Denkens zu befreien. Die Studentenproteste waren ein Zeichen, dass die amerikanischen politischen Lektionen verinnerlicht waren; ebenso Deutschlands Nein zum Irakkrieg.
Faszinierender noch als die großen Linien seiner Gesellschaftsanalyse ist es, wie Hockenos Fischers politischen Erfolg so darstellt, dass Amerikaner ihn verstehen und wiedererkennen können. In einem Augenblick, da die Vereinigten Staaten im Präsidentschaftswahlkampf stehen, gibt dieses Buch Gelegenheit zum Nachdenken über die Qualitäten, die Bürger in ihren Politikern suchen. Fischer, wie ihn Hockenos charakterisiert, legt mehr Wert auf konkrete Leistungen als auf Ideologie, mehr Wert auf Flexibilität als auf Idealismus. Seine fundamentale Skepsis lässt ihn auf Abstand gehen zu jeder Gruppe, zu der er gehört, auch zur grünen Partei. Amerikaner werden erleichtert hören, dass er nie, wie Petra Kelly, den moralischen Zeigefinger geschwungen hat.
Hockenos zieht die Aufrichtigkeit von Fischers politischen Positionen nicht in Zweifel, aber das Buch porträtiert einen Menschen, dessen stärkste Überzeugung es war, dass er Chef sein müsse. Fischer blüht auf im Angesicht von Widerstand – ob es nun darum geht, sein Übergewicht zu besiegen oder die Gegner in der eigenen Partei. Amerikanische Leser mögen sich von diesem Selfmademan mit Charisma an Bill Clinton um 1992 erinnert fühlen. Vielleicht auch an weniger erfreuliche Züge des Expräsidenten. Clinton musste in den letzten Monaten entdecken, dass viele führende Parteifreunde seine Ära an der Spitze der Demokraten als abgeschlossen betrachteten. Wie er ist Fischer jemand, der unter politischen Insidern Respekt, aber wenig Zuneigung erworben hat. Mehr und mehr wirkt Fischer wie einer, der Leute bei der Stange halten konnte, solange er an der Macht war, der sie aber verloren hat, seit er nicht mehr im Amt ist. Viele Grüne sind froh über das Ende der Ära Fischer und zeigen es auch.
Ein optimistischerer amerikanischer Leser könnte freilich auch Parallelen mit zum Medienliebling dieses Jahres finden, zu Barack Obama. Wie Fischer brauchte Obama eine Weile, um sich selbst zu finden, und scheint aus dieser Zeit einen außerordentlichen Grad von Selbsterkenntnis mitgebracht zu haben. Die Umwege, auf denen Obama und Fischer in die große Politik gekommen sind, haben beiden jene Authentizität und rhetorische Intensität verschafft, mit deren Hilfe sie ein Publikum wirklich gewinnen können – jedenfalls solange sie sprechen.
So wie er bei Hockenos erscheint, mag Fischer sogar für eine politische Karriere in den Vereinigten Staaten taugen. Die enge Beziehung zwischen Persönlichkeit und Erfolg ist hier eine Selbstverständlichkeit, die Biografie spielt in der Politik immer eine zentrale Rolle. Vielleicht sollte Fischer nach Kalifornien umziehen und 2012 gegen Arnold Schwarzenegger um das Gouverneursamt kandidieren?
- Datum 17.05.2008 - 09:40 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.05.2008 Nr. 21
- Kommentare 7
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obama ein unideologischer pragmatiker ? und hitler war ein gutmensch ganz wie sein bester freund stalin ...
Bei allem notwendigen Respekt, mit diesem Kommentar
überschreiten Sie die die Grenzen des Anstands.
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bei jemandem, der den sinn des wortes "anstand" nicht einmal ansatzweise zu begreifen in der lage ist, an selbigen zu appellieren. erklär mal einem tauben beethovens fünfte ... das elend mit dummen menschen ist, daß sie ihren eigenen zustand nicht begreifen können. je eingeschränkter die fähigkeit zu einem halbwegs rationalen gedanken ist, um so lauter und entschiedener erklären sie sich zum maßstab. frauimmond ist wahrscheinlich einer von diesen verbitterten (männlichen) underdogs, die zu viel zeit haben, weil sie für keinen job jenseits von straßenfegen geeignet sind, und deren einziges "vergnügen" darin besteht, sich eine weibliche identität zuzulegen, in foren herumzu-troll-en und andere leute mit ihren geistigen "ergüssen" zuzumüllen. präkox, wenn du mich fragst.
bei jemandem, der den sinn des wortes "anstand" nicht einmal ansatzweise zu begreifen in der lage ist, an selbigen zu appellieren. erklär mal einem tauben beethovens fünfte ... das elend mit dummen menschen ist, daß sie ihren eigenen zustand nicht begreifen können. je eingeschränkter die fähigkeit zu einem halbwegs rationalen gedanken ist, um so lauter und entschiedener erklären sie sich zum maßstab. frauimmond ist wahrscheinlich einer von diesen verbitterten (männlichen) underdogs, die zu viel zeit haben, weil sie für keinen job jenseits von straßenfegen geeignet sind, und deren einziges "vergnügen" darin besteht, sich eine weibliche identität zuzulegen, in foren herumzu-troll-en und andere leute mit ihren geistigen "ergüssen" zuzumüllen. präkox, wenn du mich fragst.
bei jemandem, der den sinn des wortes "anstand" nicht einmal ansatzweise zu begreifen in der lage ist, an selbigen zu appellieren. erklär mal einem tauben beethovens fünfte ... das elend mit dummen menschen ist, daß sie ihren eigenen zustand nicht begreifen können. je eingeschränkter die fähigkeit zu einem halbwegs rationalen gedanken ist, um so lauter und entschiedener erklären sie sich zum maßstab. frauimmond ist wahrscheinlich einer von diesen verbitterten (männlichen) underdogs, die zu viel zeit haben, weil sie für keinen job jenseits von straßenfegen geeignet sind, und deren einziges "vergnügen" darin besteht, sich eine weibliche identität zuzulegen, in foren herumzu-troll-en und andere leute mit ihren geistigen "ergüssen" zuzumüllen. präkox, wenn du mich fragst.
Joschka "fasziniert" durchaus nicht alle Amerikaner, sondern -- ebenso wie hier bei uns -- lediglich die Achtundsechziger-Nostalgiker. So erklärt sich auch Frau Clintons Popularität bei gewissen Senioren, und zugleich ihr Unvermögen, die junge Generation für sich zu gewinnen. Hillarys alte Fotos als Radikale von 68 mit erhobener Faust, Kopf- und Armbinde wären im Wahlkampf zweifellos wieder aufgetaucht. Ohne diese Art von "Vergangenheit" dürfte Obama vielleicht bessere Chancen haben.
... ein Artikel in der, der Werbung macht für ein Buch, das gerade erst erschienen ist, und das wiederum Werbung macht für einen Politiker, der als solcher zwar schon in längst in Rente ist, aber als Kolumnist noch eine große Zukunft für sich beansprucht, und zwar in ebendieser Qualitätswochenzeitung, in der der Artikel erschienen ist!
Wenn das mal nicht nach schleichender Eigenwerbung stinkt. (Mit Verlaub gesagt).
P.S.: Und wie erklärt der Buchautor den Amis, daß Fischer fünfmal geheiratet hat?
und so darf man es dem Medienkonzern Holtzbrinck nicht verdenken, seine Investition zu bewerben.Wie ZEIT-Herausgeber Schmidt jüngst schrieb, erlebt der Westen gerade eine Propagandawelle. Hier soll Fischer zur Leitfigur aufgebaut werden.http://kommentare.zeit.de...Eine Professur hat er schon und ist Gründungsmitglied und Vorstand des European Council on Foreign Relations, die von dem Milliardär und Mäzen George Soros finanziert wird.Nur habe ich persönlich eine Aversion gegen Führer und Autoritäten -- der frühe Fischer hätte wohl gesagt: "Zuviel Macht korrumpiert".(Anmerkung: Bitte versuchen Sie, die Verschwörungstheorie-Quote in Ihren Kommentaren in einem vernünftigen Rahmen zu halten. Die Redaktion/jk)_______________________________________________________
EU: Staatsstreich durch Ermächtigungsvertragsverordnung
http://www.welt.de/welt_p...
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