Bildungsforschung Schulforscher, aufgepasst!
Manchmal stiften Untersuchungen wie die Pisa-Studie mehr Verwirrung, als dass sie Klarheit schaffen. Schuld daran sind auch die Wissenschaftler, die sie verfassen.
Erst kürzlich löste eine Studie über die Berliner Grundschulen mehr Verwirrung aus, als dass sie Klarheit schuf. Der Autor der Studie, ein angesehener Bildungsforscher, und der Berliner Bildungssenator, ein erfahrener Politiker, interpretierten die vorgelegten Zahlen diametral entgegengesetzt (ZEIT Nr. 18/08). Unterstützung bekam Letzterer wiederum von anderen renommierten Bildungsforschern.
Spätestens jetzt muss die Debatte um die wissenschaftliche Basis geführt werden, auf der die Kultusminister aller 16 Bundesländer seit ein paar Jahren ihre Politik gründen, mit weitreichenden Folgen für die Schulen. Die sogenannte empirische Bildungsforschung – ihr Schmuckstück, die Pisa-Studie, zieht alle in ihren Bann – ist in Gefahr, aus großer Höhe abzustürzen. Und zwar zu einem erheblichen Teil selbstverschuldet.
Welche Schüler gehören denn nun zur »Risikogruppe«, und wie viele sind es?
Im Sommer 2006 legte die Kultusministerkonferenz ihre »Gesamtstrategie« zur Beobachtung des Bildungssystems (»Bildungsmonitoring«) vor. Mit dieser Strategie verfolgt sie das Ziel, mit neuen Formen der Beobachtung Wissen über Ergebnisse schulischen Lernens und über Ursachen für unbefriedigende Ergebnisse zu gewinnen und zur Grundlage der politischen Steuerung zu machen. Zentrale Instrumente, die im Rahmen dieser Strategie eingesetzt werden, sind Ländervergleiche auf der Basis zentraler Leistungsmessungen, landesweite Vergleichsarbeiten, die gemeinsame Bildungsberichterstattung von Bund und Ländern sowie internationale Leistungsstudien des Typs Pisa.
Diese Gesamtstrategie bündelt eine Tendenz der Bildungspolitik, die sich seit Mitte der neunziger Jahre bundesweit durchsetzt. Bildungs- und insbesondere Schulpolitik soll stärker als in früheren Jahren auf belastbare Informationen über das Bildungssystem gestützt, soll evidenzbasiert werden. Dieser Politikansatz holte die Vertreter der empirisch orientierten Erziehungswissenschaft aus der Randständigkeit heraus, die sie jahrzehntelang im Schatten der rein geisteswissenschaftlich ausgerichteten Pädagogik einzunehmen gewohnt waren. Die empirische Bildungsforschung hat seither einen zuvor ungeahnten Höhenflug angetreten.
Weshalb läuft sie nun Gefahr abzustürzen? Und inwiefern ist das selbstverschuldet? Selbstverschuldet insbesondere deshalb, weil in der Ergebnispräsentation in verwirrender Weise Definitionen und die Auswahl der Indikatoren gewechselt werden, weil Zweifel an der Repräsentativität der Ergebnisse aufkommen können und auch die Interpretationen der Daten nicht immer über jeden Zweifel erhaben sind. Die Pisa-Studien – aber nicht nur sie – zeigen dies.
Ein Beispiel für den irritierenden Umgang mit Definitionen ist der Gebrauch des Begriffs »Risikogruppe«. Kaum ein Begriff aus dem Vokabular der Pisa-Studien hat eine vergleichbare Karriere gemacht. Er schlug ein, weil mit ihm auf ein schwerwiegendes Problem des deutschen Schulsystems aufmerksam gemacht wurde. Seit der ersten Studie sagen die Pisa-Autoren, »dass Jugendliche, die den entsprechenden Anforderungen nicht gewachsen sind, erhebliche Schwierigkeiten beim Übergang in das Berufsleben haben werden«. Irritierend ist jedoch zweierlei: Zum einen findet sich in den Veröffentlichungen der Pisa-Konsortien an keiner Stelle ein Hinweis darauf, wie sie zu der Grenzziehung gekommen sind, unterhalb derer sie junge Menschen der Risikogruppe zurechnen. Zum anderen verblüfft, dass diese Grenzziehung willkürlich wechselt: In der Pisa-2000-Veröffentlichung werden etwa mit Blick auf die Lesekompetenz »15-Jährige, die die Kompetenzstufe I nicht erreichen, im Hinblick auf ihre Aussichten als Risikogruppe definiert«; diese Schüler sind de facto Analphabeten. In der Pisa-2003-Studie werden dann auch diejenigen Jugendlichen zur Risikogruppe gerechnet, die auf der Kompetenzstufe I verharren; dazu gehören dann auch Schüler, die einzelne Wörter erkennen, aber nicht im Sinnzusammenhang einordnen können.
Demnach zählen im Jahr 2000 zehn, drei Jahre später jedoch 22 Prozent der Fünfzehnjährigen zur Risikogruppe – ohne dass die vorgenommene Definitionsausweitung mitgeteilt oder gar begründet würde. Dies ist nicht nur wissenschaftlich problematisch, sondern zeitigt auf dem Ausbildungsplatzmarkt schwerwiegende Folgen: Wenn die renommierte Bildungsforschung den Anbietern von Ausbildungsplätzen die Erkenntnis liefert, dass nicht bloß zehn, sondern mehr als zwanzig Prozent der Jugendlichen über die für eine Ausbildung erforderlichen Kompetenzen nicht verfügen, so erhalten diese Anbieter auf bequeme Weise eine Legitimation für ihre Weigerung, Ausbildungsplätze in bedarfsdeckender Anzahl bereitzustellen. Übrigens: In der Pisa-2006-Veröffentlichung taucht der Begriff »Risikogruppe« nicht mehr auf.
Nicht minder verwirrend sind die Indikatoren, die in den Pisa-Studien zur Darstellung des Zusammenhangs von sozialer Herkunft und Bildung angeboten werden. Grundsätzlich gilt: Es ist ein nicht hoch genug einzuschätzendes Verdienst der Studien, darauf aufmerksam gemacht zu haben, dass dieser Zusammenhang besteht und dass er in Deutschland besonders stark ausgeprägt ist. Aber: In den Studien werden drei verschiedene Maße zur Bestimmung der sozialen Lage der Familien verwendet. Auch für die Indikatoren, die den Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Bildung beschreiben, bieten die Studien drei unterschiedliche Indikatoren an. Daraus ergeben sich theoretisch neun verschiedene Varianten der Darstellung des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Bildung. Da die Autoren in den bisher vorliegenden Studien dieses Darstellungspotenzial unterschiedlich ausschöpfen, lassen sich einzelne Indikatoren nicht von Studie zu Studie verfolgen. So wurde – um ein Beispiel zu geben – in der ersten Studie dieser Zusammenhang unter anderem dadurch dargestellt, dass die Leistungsdifferenz im Leseverständnis zwischen dem sozial stärksten und dem sozial schwächsten Viertel als Indikator gewählt wurde. Diese Differenz wies für Deutschland den international höchsten Wert aus und begründete seinen Ruf als Spitzenreiter im Feld der sozialen Ungleichheit. Eine vergleichbare Darstellung findet sich in der Studie 2003, aber jetzt für Mathematik. Das Ergebnis ist ähnlich verheerend. In der Studie 2006 nun wird mit einem anderen Indikator gearbeitet. Dieser neue Indikator zeigt für 2006 an, dass die soziale Disparität in fünf Ländern, darunter Frankreich, ausgeprägter als in Deutschland ist; in drei weiteren Ländern, darunter die Niederlande, befindet sie sich genau auf dem deutschen Niveau. Geht es also in Deutschland neuerdings gerechter zu?
Die Frage, ob die Stichproben so gezogen sind, dass sie ein für Deutschland repräsentatives Bild bieten, wurde schon bei den ersten Studien vorgebracht. Bei der Pisa-2006-Untersuchung stellt sie sich – mit Blick auf die Jugendlichen mit Migrationshintergrund – erneut. Zwar muss anerkannt werden, dass erst der Wechsel vom Ausländer- zum Migrantenkonzept, der durch die Pisa-Studien durchgesetzt wurde, das ganze Ausmaß der Schwierigkeiten, die das deutsche Schulsystem in diesem Feld offenbart, sichtbar gemacht hat. Statt nur Jugendliche gesondert zu betrachten, die keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, nimmt man nun vernünftigerweise jene Schüler ins Auge, deren Väter oder Mütter zugewandert sind. Gleichwohl verblüfft eine Angabe in der Pisa-2006-Untersuchung: Wie die Autoren mitteilen, macht der Anteil der Fünfzehnjährigen mit Migrationshintergrund an allen Fünfzehnjährigen der getesteten Schüler 19,4 Prozent aus. Für das gleiche Jahr gibt dagegen der deutsche Mikrozensus für die Altersgruppe der Zehn- bis unter Fünfzehnjährigen einen Anteilswert von 27,3 Prozent und für die Fünfzehn- bis unter Zwanzigjährigen einen Wert von 23,7 Prozent an. Für die Fünfzehnjährigen, die im Mikrozensus nicht gesondert ausgewiesen werden, darf daher von etwa 25 Prozent ausgegangen werden. Der Migrantenanteil in der deutschen Pisa-Studie ist also deutlich unterrepräsentiert. Wenn aber die Schülergruppe, die insgesamt eher schwächere Leistungen erbringt, in der Stichprobe zu gering vertreten ist, hat das verbessernde Folgen für das Leistungsbild der getesteten Population insgesamt. Dies lässt Zweifel daran aufkommen, dass, wie die Pisa-2006-Analysen es darstellen, gerade die schwächeren Jugendlichen gegenüber den Studien von 2000 und 2003 besser geworden sein sollen.
Widersprüchliche Interpretationen von Daten haben Folgen für die Politik
Die Tendenz, auf Befunde, die im Kontext der eigenen Arbeit Relevanz haben, nicht einzugehen, wurde besonders im Umfeld der Präsentation der Pisa-2006-Studie offenkundig. Auf die Frage, ob Deutschlands Schülerinnen und Schüler in den Naturwissenschaften gegenüber den früheren Studien leistungsstärker geworden seien, gab das deutsche Konsortium eine klare Antwort: In denjenigen Teilbereichen der Naturwissenschaften, die schon durch die Aufgaben der vorangegangenen Studien abgedeckt wurden, habe es für die Jahre zwischen 2003 und 2006 einen signifikanten, also einen bedeutsamen Anstieg gegeben. Die gleiche Frage beantwortet die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgelegte Auswertung dieser Aufgaben gegenteilig: Es gebe keine signifikante Leistungssteigerung. Nun mag es zwar angehen, dass aufgrund unterschiedlicher methodischer Ansätze auch sich widersprechende Dateninterpretationen angeboten werden. Problematisch aber ist, dass weder das deutsche Konsortium noch die OECD-Wissenschaftler in ihren Veröffentlichungen darauf hinweisen, dass sie zu diametral entgegengesetzten Ergebnissen kommen. Schon gar nicht liefern sie Erklärungen für die unterschiedlichen Interpretationsangebote. Dies ist nicht geeignet, das Vertrauen in die Belastbarkeit empirisch gewonnener Aussagen zum Schulsystem zu festigen.
Die mangelnde Kontinuität in der Analyse wie auch bei der Präsentation von Untersuchungsergebnissen, Zweifel an der Repräsentativität der Stichproben und nicht zuletzt widersprüchliche Interpretationen desselben Datensatzes können politisch folgenreich werden. Sie geben all denen, die bei der Konzipierung von Bildungspolitik lieber auf hergebrachte Überzeugungen als auf belastbares Wissen setzen, willkommene Argumente dafür, den gerade eingeschlagenen Weg evidenzbasierter Politik wieder zu verlassen. Die Bildungsforschung würde dann auf die Funktion zurückgedrängt, die Forschung nur zu oft für die Politik hat – nämlich die der Legitimierung einer »bauchbasierten« Steuerungspolitik. Das wäre schade.
- Datum 29.05.2008 - 14:06 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.05.2008 Nr. 21
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





die Du nicht selbst gefälscht hast!Der Autor bezieht sich in seiner Diskussion der PISA-Zahlen unter anderem auf die Zahlen des deutschen Mikrozensus. Nun ist mir noch gut in Erinnerung, dass die Methoden zur Erhebung dieser Zahlen (pikanterweise in dieser Zeitung) einer beträchtlichen Kritik ausgesetzt waren. Hier allerdings ist von dieser Kritik nichts mehr zu spüren: Selbstverständlich stimmt der Mirkozensus! Und die PISA-Zahlen können nicht stimmen!Nein, Statistik ist kein einfaches Teilgebiet der Mathematik. Erst recht, wenn politisch motivierte Interpretationen ins Spiel kommen.
Ich bin jetzt ehrlich gesagt Neugierig was am Mikrozensus bemängelt wurde. Ich habe die Dikussion nicht verfolgt. Könnten Sie Quellen nennen und kurz zusammenfassen was bei der Erhebung des Mikrozensus bemängelt wurde? Dies wäre für die Betrachtung dieses Artikels sicher interessant.
Ich weiß, man soll nicht aus dem Gedächtnis zitieren, sondern nur, wenn man die Quelle greifbar hat. Hier habe ich gegen diese Regel verstoßen, kann also die genaue Quelle nicht (mehr) nennen. Mea culpa! Aber ich erinnere micht, daß es ein ZEIT-Artikel war (wenn ich mich nicht täusche, über die Bevölkerungsentwicklung/Geburtenziffern in Deutschland), in welchem auf methodische Mängel der Datenerfassung beim Mikrozensus hingewiesen wurde.
Dennoch bleibt das Grundproblem bestehen, auf welches ich aufmerksam machen wollte: Wenn man zwei Statistiken miteinander vergleicht und die eine aufgrund der anderen in Zweifel zieht, muss diese "andere" natürlich fehlerfrei sein. Und um das festzustellen, muss man wohl doch beide Erhebungen sorgfältig prüfen; ein bloßes "Aufrechnen" der einen gegen die andere erscheint mir ungenügend.
Ich weiß, man soll nicht aus dem Gedächtnis zitieren, sondern nur, wenn man die Quelle greifbar hat. Hier habe ich gegen diese Regel verstoßen, kann also die genaue Quelle nicht (mehr) nennen. Mea culpa! Aber ich erinnere micht, daß es ein ZEIT-Artikel war (wenn ich mich nicht täusche, über die Bevölkerungsentwicklung/Geburtenziffern in Deutschland), in welchem auf methodische Mängel der Datenerfassung beim Mikrozensus hingewiesen wurde.
Dennoch bleibt das Grundproblem bestehen, auf welches ich aufmerksam machen wollte: Wenn man zwei Statistiken miteinander vergleicht und die eine aufgrund der anderen in Zweifel zieht, muss diese "andere" natürlich fehlerfrei sein. Und um das festzustellen, muss man wohl doch beide Erhebungen sorgfältig prüfen; ein bloßes "Aufrechnen" der einen gegen die andere erscheint mir ungenügend.
Ich weiß, man soll nicht aus dem Gedächtnis zitieren, sondern nur, wenn man die Quelle greifbar hat. Hier habe ich gegen diese Regel verstoßen, kann also die genaue Quelle nicht (mehr) nennen. Mea culpa! Aber ich erinnere micht, daß es ein ZEIT-Artikel war (wenn ich mich nicht täusche, über die Bevölkerungsentwicklung/Geburtenziffern in Deutschland), in welchem auf methodische Mängel der Datenerfassung beim Mikrozensus hingewiesen wurde.
Dennoch bleibt das Grundproblem bestehen, auf welches ich aufmerksam machen wollte: Wenn man zwei Statistiken miteinander vergleicht und die eine aufgrund der anderen in Zweifel zieht, muss diese "andere" natürlich fehlerfrei sein. Und um das festzustellen, muss man wohl doch beide Erhebungen sorgfältig prüfen; ein bloßes "Aufrechnen" der einen gegen die andere erscheint mir ungenügend.
Lieber Exsoeldner, 1. stimme ich mit Ihnen überein, dass der Vergleich von Statistiken eine komplizierte Angelegenheit ist. Es lauern unzählige (methodisch/methodologische) Fallen.2. Die ZEIT-Volltextsuche ergibt folgendes Ergebnis, wenn für "Mikrozensus" gesucht wird: http://www.zeit.de/suche/...3. Sie erinnern sich wahrscheinlich an einen Artikel aus folgender Serie: http://www.zeit.de/themen...4. Hier sind zwei Artikel, die passen: http://www.zeit.de/online...http://www.zeit.de/online...
Lieber Exsoeldner, 1. stimme ich mit Ihnen überein, dass der Vergleich von Statistiken eine komplizierte Angelegenheit ist. Es lauern unzählige (methodisch/methodologische) Fallen.2. Die ZEIT-Volltextsuche ergibt folgendes Ergebnis, wenn für "Mikrozensus" gesucht wird: http://www.zeit.de/suche/...3. Sie erinnern sich wahrscheinlich an einen Artikel aus folgender Serie: http://www.zeit.de/themen...4. Hier sind zwei Artikel, die passen: http://www.zeit.de/online...http://www.zeit.de/online...
Wissenschaftler gehen da ran wie das eben Wissenschaftler tun, alles unter dem Diktum des Status Quo. Also, dass es für einen Menschen für die Personlichkeit als auch den Beruf am sinnvollsten ist möglichst viel Faktenwissen in seinem Verstand zu vereinen, das wird nicht in Frage gestellt. Alle Schulsysteme werden nur daraufhin beurteilt, wie gut sie das in welcher Zeiteinheit unter welchem Ressourceneinsatz bewerkstelligen. Wir müssen dieses alte Bildungsideal aus dem 19. Jahrhundert der omnipotenten Grundbildung aber gänzlich auf den Prüfstand stellen. Dazu ist die Welt zu komplex, sind die Wissensgebiete zu umfangreich, um wirklich in allem auch nur eine Basis zu erreichen die auch von Dauer ist. Jeder kennt das und das ist auch in jedem Land der Erde im Prinzip das selbe, je länger der Abschluss der Schule zurück liegt je mehr hat man alles vergessen. Drei Jahre nach dem Abschluss kann fast keiner mehr auch nur eine quadratische Gleichung lösen. Egal wo auf der Welt! Das liegt an unserem Verstand, der ganz automatisch alles aussortiert was wir nicht (mehr) brauchen. An anderen Punkten widerrum versagen offensichtlich alle Schulsysteme. Unsere Kinder auf diese komplexe Welt vorzubereiten, die Probleme gleichen sich in jedem Land auf erstaunliche Weise heutzutage. Und gleichen sich immer mehr an, wird unter Europäern immer noch gern mit albernen Klischees kokettiert was der typische Deutsche, Engländer etc. sei so ist es inzwischen so dass die britischen Jugendlichen den russischen inzwischen ernste Konkurrenz machen was Alkoholexzesse und sterblichkeit an deren Folgen angeht. Ohne das die Regierung weiß was sie tun soll, absolut ratlos. Niemand weiß wirklich, warum dem so ist. Alle klassischen Antworten die man früher gab greifen nicht, auch soziale Erklärungen nicht. Die kommen aus allen Schichten der Einkommen, gute Elternhäuser bis Verwahrlosung, alles dabei. Auch alle Bildungsschichten, und "Unwissen" ist es auch nicht. Die WISSEN was sie tun, aber tun es dennoch oder gerade deswegen. Es ist ihnen einfach "wurscht". Das sind Dinge die man in jedem Land findet, auch in den "PISA Musterstaaten" wo z.B. in der finnischen Hauptstadt (was ja nun wirklich keine Metropolis ist im internationalen Vergleich) Obdachlose zusammengeschlagen werden von Jugendlichen, aus "Spaß". Und so weiter und so fort.. Schule muss sich wandeln in dieser komplexen Welt und dafür gibt es einfach nirgends echte Vorbilder in der Welt. Ich hab auch keine Antwort darauf. Aber ich bin Überzeugt, der Status quo und die bisherigen Prioritäten müssen fallengelassen werden. Gegenbeispiel: in Bayern besuchen derzeit über 30% eines Jahrganges die Hauptschule, erhalten in der Regel auch problemlos eine gute Lehrstelle im Anschluß und erhalten danach ein gutes Facharbeitergehalt. Im Norden dagegen verlangen viele Ausbildungsbetriebe schon mittlere Reife für Lehrstellen die wirklich simple Tätigkeiten beinhalten, Lehrstellen sind im Norden derart vakant dass es darüber sogar schon Reality-TV-Shows gibt in denen Lehrstellen an den "Gewinner" der sich am besten schlägt vergeben werden, Bizzar. Da muss man sich schon fragen für welchen Selbstzweck Schule und Bildungsabschlüsse verfolgt. Den, einen Start ins Leben zu ermöglichen oder den Phallusvergleich der internationalen Bildungspolitik?
Ich frage (nicht nur) mich schon seit Jahrzehnten, wozu die herrschende Wissenschaft (die damit gar nichts auf dem Hut hat) dient. Mir scheint, da schafft man sich eine neue Art von Heldentum, wo immer noch tollere Wissenschaftler in immer noch tolleren Studien mit immer noch tolleren Ergebnissen nur von einem abzulenken suchen: dass sie nämlich selber in der Praxis noch nie auch nur ein einziges Problem konkret lösen konnten und können. Mit diesem Ansatz bekommen wir immer noch perfektere Pseudolösungsvorgaben in Form immer noch perfekterer Schablonen, in die man uns immer noch früher immer noch perfekter zu zwängen sucht. Ergebnis: hochgradige Zwangsneurose.
Mit der neuen Ich-kann-Schule kann man den umgekehrten Weg gehen: Zuerst wird mal ein Problem konkret angeschaut und konkret gelöst und dann noch eins und dann immer mehr. Und dann spricht sich das rum unter den Problemen, dass es auf dieser Welt doch noch eine Chance gibt, nicht bloß bearbeitet, in den Griff gekriegt, bekämpft usw. sondern GELÖST zu werden. Daraus kann etwas WACHSEN, was sonst nur künstlich aufgebaut oder, besser gesagt, nach Papiervorgaben hochgestapelt wird. Wer von mir als Forscher ernstgenommen werden will, sollte wenigstens schon zwei bis drei Probleme gelöst haben. Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe
Lieber Exsoeldner, 1. stimme ich mit Ihnen überein, dass der Vergleich von Statistiken eine komplizierte Angelegenheit ist. Es lauern unzählige (methodisch/methodologische) Fallen.2. Die ZEIT-Volltextsuche ergibt folgendes Ergebnis, wenn für "Mikrozensus" gesucht wird: http://www.zeit.de/suche/...3. Sie erinnern sich wahrscheinlich an einen Artikel aus folgender Serie: http://www.zeit.de/themen...4. Hier sind zwei Artikel, die passen: http://www.zeit.de/online...http://www.zeit.de/online...
http://www.zeit.de/2008/2...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren