Robert Adelmann nimmt eine Müslipackung aus dem Supermarktregal, hält sein Handy darüber – und bekommt einen Warnton zu hören. Zusätzlich springt die Ampel auf dem Display seines Telefons auf Rot. Denn das Müsli enthält Erdnüsse, und Adelmann hat eine Erdnussallergie. Schnell stellt er die Packung zurück ins Regal.

Eine Szene aus der Vision »Internet der Dinge«. So heißt das Stichwort, unter dem Forscher seit bald zehn Jahren an der Integration der virtuellen Welt in das reale Leben arbeiten. Winzige Sensoren und Rechenchips ermöglichen die elektronische Kommunikation zwischen Mensch, Umwelt und Maschine ganz ohne Tastatur und Bildschirm. Und plötzlich weiß das Handy, was im Müsli steckt.

Wie das geht? »Die Kamera erkennt den Barcode auf der Packung«, erklärt Adelmann, der das Allergiker-Warnsystem an der ETH Zürich entwickelt hat. »Auf das Handy haben wir eine Software gespielt, die den Barcode auf dem Bild lesen kann und die darin versteckte Produktnummer über das mobile Internet an eine Datenbank der Supermarktkette sendet.« Dort sind die Inhaltsangaben aller Lebensmittelpackungen gespeichert. Und in Sekundenbruchteilen geht die Information über das spezielle Müsli zurück an Adelmanns Handy. Gemäß seiner Programmierung reagiert das Gerät bei der Zutat »Erdnüsse« mit einer Warnmeldung.

Noch ist das Ganze ein Forschungsprojekt in Kooperation mit der Schweizer Metro-Gruppe und dem finnischen Mobiltelefonkonzern Nokia. Der hat auch ein Spezialhandy gebaut, das die winzigen Funketiketten in den Kartons teurer Elektronikware, sogenannte RFID-Chips, auslesen kann. Ziel ist es, die Informationsvielfalt des Internets für das normale Leben jenseits des Bildschirms verfügbar zu machen. »Heute haben wir beim Onlineshopping viel mehr Informationen als früher in einem Ladengeschäft«, sagt Hannu Kauppinen, Chef der Nokia-Forschungsabteilung. »Im Internet finden wir Preisvergleiche, Kundenbewertungen, ausführliche Produktinformationen und Testergebnisse, im Laden nur einen Verkäufer.«

Und der kann es, selbst wenn er ein echter Weinkenner ist, nicht mit dem digitalen Sommelier aufnehmen, den Michael Schmitz am Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz entwickelt hat: Nimmt der Kunde eine Weinflasche aus dem Regal, wird sie automatisch von einem Minicomputer am Einkaufswagen erkannt. Auf dessen Flachbildschirm erscheint eine Website mit Hintergrundinformationen über Rebsorte, Anbaugebiet, Jahrgang, Abfüller. Nicht genug: Wird die Flasche gedreht, wechselt auch der Bildschirminhalt und zeigt, zu welchen Gerichten der Wein gut passt. Möglich macht das ein Funkchip unter dem Etikett. »Wir machen die Flasche zum intelligenten Produkt«, sagt Schmitz.

Die Kaufentscheidung will allerdings auch der gut informierte Kunde noch selber treffen. Deshalb hat es der Kühlschrank, der Milch und Butter automatisch nachbestellt, bevor sie zur Neige gehen, auch nie zur Marktreife gebracht. Ein intelligenter Kühlschrank jedoch, der im Internet auf Knopfdruck Rezepte zusammensuchen könnte, mit denen sich aus den Resten in seinem Inneren noch etwas zubereiten lässt, fände durchaus Liebhaber. Das hat der Berliner Psychologe Matthias Rothensee in einer Studie herausgefunden. Das Gleiche dürfte auch für eine Waschmaschine gelten, die den 60-Grad-Gang blockiert, weil sich ein Wollpulli in die Trommel verirrt hat. Oder für ein Auto, das abbremst, wenn ein vorausfahrendes Fahrzeug ein Stauende meldet. Oder aber eine implantierte Insulinpumpe für Diabetiker, die den Blutzuckerspiegel automatisch misst und reguliert.

Ein Auto, bei dem das Gaspedal blockiert, wenn es in eine Tempo-30-Zone einbiegt, dürfte hingegen auf wenig Gegenliebe stoßen. Oder ein Schuh mit integriertem RFID-Chip, der ein Bewegungsprofil seines Trägers erzeugt.