DIE ZEIT: Die Musikindustrie singt seit Jahren ein Klagelied. Liest man Ihr neues Buch Musik 2.0 , sieht die Zukunft nicht so schlecht aus.

Gerd Leonhard: Die Industrie hat sich daran gewöhnt, mit wenig Aufwand Kopien zu verkaufen – Platten, CDs oder Downloads. Aber heute ist die Kopie nicht mehr viel wert. Es ist eine andere Welt, in der man nicht mehr durch Knappheit Geld verdient, sondern durch Überfluss.

ZEIT: Sie schlagen vor, die Plattenfirmen zu Wasserwerken umzubauen.

Leonhard: Musik wird künftig eine Dienstleistung sein. Man wird angeschlossen an die Versorgung mit Musik wie an eine Wasserleitung. Und die Firmen werden alles um die Musik herum verkaufen, nur nicht mehr Kopien wie jetzt. Die Kopien werden billiger oder sind sogar für den Hörer umsonst. Alles andere lässt man sich bezahlen: die Auswahl der Songs, das Format, Authentizität, den direkten Kontakt des Hörers zum Künstler, die Community. Die bisherigen Nebengeschäfte werden zum Hauptgeschäft.

ZEIT: Das klingt ja toll. Bisher hat die Industrie nicht einmal den Schritt ins Netz selber geschafft; Apple musste es vormachen.

Leonhard: Vor zehn Jahren gab es das Angebot von Napster an die Industrie, für Rechte bis zu 20 Milliarden Dollar im Voraus zu zahlen. Da haben die Plattenfirmen gesagt, wir wollen 200 Milliarden. Ebendieses System, das seit zehn Jahren diskutiert wird, bekommen wir jetzt bei Warner Music in Amerika: eine Flatrate.

ZEIT: Für fünf Euro im Monat alle Musik bekommen?