Gewalthaltige Computerspiele stehen immer wieder in der Diskussion: Sind sie nun schuld an der Gewalttätigkeit von Jugendlichen? Oder sind die "Gamer" in Wirklichkeit freundliche und gesellige Menschen, denen es vor allem um strategische Herauforderungen geht? Fest steht: Über die Hälfte aller Siebenjährigen spielt regelmäßig Computerspiele, und dabei haben sogenannte Killerspiele einen hohen Stellenwert: Laut einer neuen Harvard-Studie über das Spielverhalten in den USA ist die Zahl der Jugendlichen, die ein nicht altersangemessenes Spiel regelmäßig spielen, schon auf fast 80 Prozent gestiegen. In einer Längsschnittstudie mit Berliner Schülern zur Wirkung von Computerspielen spielte bereits knapp die Hälfte der Jungen in der sechsten Klasse solche Spiele

Maria von Salisch, Entwicklungspsychologin an der Leuphana Universität Lüneburg, die Leiterin der Studie, konnte allerdings in der von ihr untersuchten Altersgruppe der Acht- bis Zwölfjährigen keine Wirkung durch Gewaltspiele feststellen: Kinder, die ohnehin aggressiver waren als die anderen, spielten zwar verstärkt Spiele wie Egoshooter, wurden aber dadurch nicht nachweislich noch aggressiver. Von Salisch fordert nun "eine bundesweite Längsschnittstudie, die bis ins Jugend- oder Erwachsenenalter reicht".

Langzeitstudien über Medienwirkung, die sich über mindestens 15 Jahren erstrecken, gab es bislang nur fürs Fernsehen. In einer US-Studie zeigte sich beispielsweise, dass der intensive Konsum von gewalthaltigen Fernsehsendungen in der Kindheit durchaus verstärkte Aggression im Erwachsenenalter zur Folge hatte. Für die sich rasch entwickelnden interaktiven Medien fehlen solche lange laufenden Studien bisher.

In Befragungen von Schülern der siebten und achten Klasse haben die Potsdamer Psychologinnen Ingrid Müller und Barbara Krahé 2003 bis 2006 allerdings durchaus einen Zusammenhang zwischen Gewalt-Computerspielen und Aggression festgestellt: Je intensiver ihr Gewaltkonsum durch Spiele ausfiel, desto eher sahen die Schüler Aggression als normal und akzeptabel an. Das führte wiederum dazu, dass sie stärker dazu neigten, anderen feindselige Absichten zu unterstellen. Dazu stellten Müller und Krahé bei ihnen eine leichte Zunahme von aggressivem Verhalten fest: Mediengewalt sei nur einer von vielen möglichen Faktoren, die zur Gewaltbereitschaft beitragen, so die Psychologinnen. Doch es sei einer.

In einer Studie wollen sie nun bis 2012 untersuchen, ob sich die Vorliebe für Killerspiele und aggressives Verhalten bei den Jugendlichen nun wechselseitig verstärken. Augenmerk legen die Wissenschaftlerinnen dabei auch auf den Bereich der Empathie – was also passiert mit unserem Mitgefühl, wenn wir dauerhaft Gewaltspiele spielen? Eine Frage, der bereits der Neurowissenschaftler Professor Klaus Mathiak aus Aachen mit Hilfe der Kernspintomografie nachgegangen ist. Er untersuchte erwachsene Intensivspieler und stellte fest, dass diese bei Killerspielen jene Bereiche im Gehirn, die für Empathie zuständig sind, regelrecht "herunterregulierten". Ob die Probanden gelernt haben, dies auch im realen Leben zu tun, will Mathiak noch untersuchen.