Internet Schokolade macht dick!

Miss Bimbo ist ein Onlinespiel für Mädchen. Die üben schon mal: Brust vergrößern, reiche Männer angeln, schlank bleiben. Eltern und Ärzte fürchten um die Gesundheit der Spielerinnen

Onlinespiele wie das populäre World Of Warcraft , ein sogenanntes Massive Multiplayer Online Game, sind Jungen- und Männersache. Die Hersteller von Unterhaltungssoftware wollen das ändern und nehmen jetzt zunehmend Frauen und weibliche Jugendliche ins Visier. Dies ist die Zielgruppe von Miss Bimbo . Miss Bimbo, zu Deutsch etwa »Fräulein Tussi«, spricht vor allem Mädchen im Alter zwischen 9 und 16 Jahren an, ist seit Wochen der Renner in Großbritannien, hat in Frankreich bereits über eine Million registrierte User. Und polarisiert in beiden Ländern – eine deutschsprachige Version gibt es bislang nicht – offenbar noch weit mehr Leute. Denn in dem Onlinespiel geht es spindeldürren Püppchen mit üppiger Oberweite einfach nur darum, die »heißeste, coolste und berühmteste Tussi« zu werden.

Damit ist Miss Bimbo schon eine Ausnahme unter den Onlinegames für Mädchen. Meist finden weibliche Teenager im Netz allenfalls sogenannte Dress-up-Games, Anziehspiele wie die populäre Barbie Fashion Show . Im Gegensatz zu Miss Bimbo sind diese Spiele allerdings ziemlich eintönig: Die Spielerinnen können lediglich Kleidung und Schminke ausprobieren, eine Mission, also eine Aufgabe wie bei Jungsspielen, gibt es nicht. Anders bei Miss Bimbo, doch erschöpft sich diese im Beste-Tussi-Werden. Zu den täglichen Aufgaben gehören Shoppen und Feiern, wer etwas werden will, sollte auch Facelifting und Brustvergrößerungen in Betracht ziehen. Laut Anleitung ist Essen nicht so wichtig. Besondere Vorsicht gelte bei Schokolade: Übermäßiger Verzehr lässt die Zahl der »Glücklichkeitspunkte« sinken, die man sammelt.

Die Diätpillen haben die Spielemacher wieder vom Speiseplan gestrichen

Bis vor Kurzem standen sogar Diätpillen auf dem Speiseplan. Doch das haben die Macher aufgrund der »überraschenden Medienaufmerksamkeit« geändert. Times Online berichtet, dass Eltern und Ärzte heftig gegen Miss Bimbo protestieren: Sie fürchten um die Gesundheit der Spielerinnen. Einem Bericht des britischen Nachrichtensenders BBC zufolge warnt die Vereinigung Beat, die Menschen mit Essstörungen hilft, vor einer Erziehung der Miss-Bimbo-Spielerinnen zum Schlankheitswahn.

Die Sorge der Erwachsenen erscheint berechtigt. In Großbritannien entwickeln Kinder, so das britische Onlinemagazin weiter, schon im Alter von sechs Jahren akute Essstörungen. Außerdem zeigen neueste Studien, dass die Zahl der jugendlichen Mädchen, die sich operativ die Brust vergrößern lassen, zunimmt.

Heftig kritisiert wird auch das sehr konventionelle Frauenbild, nach dem die digitalen Puppen programmiert sind. Mädchen in der Orientierungsphase greifen offenbar auch im Internet nach den Angeboten, die die krassesten Geschlechterstereotypen präsentieren. Für Entwicklungspsychologen ist das jedoch ein ganz normaler Vorgang: Die Beschäftigung mit Rollenbildern und -klischees hilft Mädchen – wie auch Jungen –, ihre Persönlichkeit zu entwickeln.

»Hört auf! Das ist nur ein Spiel!«

Die Miss-Bimbo-Community selbst wehrt sich heftig gegen den Vorwurf der Jugendgefährdung. Im Forum verkündet eine »Misfit Roxy«: »Hört auf, diese Seite für die Probleme der Welt verantwortlich zu machen. Wenn eine Puppe ein Mädchen dazu verleitet, magersüchtig zu werden, dann läuft bei dem Mädchen etwas falsch. Wacht auf! Das ist nur ein Spiel!« Die Spielerinnen verbitten sich auch Vergleiche zur realen »Übertussi« Paris Hilton. Dies sei eine Beleidigung für alle Miss Bimbos. Denn die gingen schließlich auf die Universität oder nähmen an Schachturnieren teil.

Tatsächlich zeigt ein kurzer Selbsttest: Es geht in der pinkfarbenen Welt der Miss Bimbo nicht ausschließlich um Schlankheitswahn und Brustoperationen. Miss Bimbo ist nämlich nicht nur heiß und cool, sondern auch unabhängig und intelligent. Schon zu Beginn des Spiels muss sie sich einen Job suchen und wird im Spielverlauf immer wieder aufgefordert, sich weiterzubilden. Ihren IQ kann sie dabei immerhin durch Bibliotheksbesuche und knifflige Spiele erhöhen.

Den überwiegenden Teil ihrer Zeit in Bimbo-Town ist die Tussi jedoch damit beschäftigt, ihr Aussehen zu verschönern, um sich mit anderen Miss Bimbos zu messen. Dazu sind Friseur- und Fitnessstudiobesuche vonnöten sowie Geschick beim virtuellen Gelderwerb. Hierfür kann sie in einer Bäckerei arbeiten, auf dem lokalen Fashion-Markt Sachen verkaufen oder aber sich von einem reichen Freund aushalten lassen. Am einfachsten aber ist der Weg zur Bank, was allerdings echtes Geld kostet. Per PayPal kann jede Teilnehmerin ganz einfach ihr Miss-Bimbo- Konto via SMS aufladen. Und wie im richtigen Leben mit Geld vielleicht das eine oder andere Defizit wettmachen.

Denn wenn jede Woche im Bimbo-Forum die erfolgreichste Tussi gekürt wird, kommt es für einen guten Platz auf dem Podium nicht nur auf möglichst viele Popularitätspunkte auf dem Konto an, sondern auch auf eine Menge Bimbo-Dollar.

Linksammlung

Barbie Fashion Show
Mit dem PC-Spiel »Barbie Fashion Show« können Mädchen die heißesten Modedesignerinnen der Welt werden. Versprochen!

www.youtube.com/watch?v=Zrc7AkIPf14
Video einer Miss-Bimbo-Diskussion auf MSNBC

 
Leser-Kommentare
  1. Wozu sind Computerspiele überhaupt gut?Es geht, wie i.d.R. z.B. beim Fernsehen, um Ablenkung, Abschalten. Allein das zeigt schon, warum "elternfreundliche", die Intelligenz, schulische Leistungen,... fördernde Spielchen eben nie den selben Kultstatus wie WOW und Konsorten erlangen.werden. Ich spiele selbst keine PC-Spiele, dafür fehlt mir die Zeit. Frage mich aber: Wozu die Aufregung? Ein ganzes Stück weit spiegelt "Miss Bimbo" doch einfach nur unsere Gesellschaft wider. Jetzt zu sagen "das Spiel führt Mädchen in Essstörungen" wäre identisch mit einer Forderung nach dem Verbot sämtlicher Frauenzeitschriften - wo sonst werden so konsistent so dermaßen viele Diäten verherrlicht, Anti-Cellulite-Tipps und Adressen für Schönheitsoperationen geboten und Kalorien gezählt?Ich finde Tendenzen wie dieses Spiel nicht gefährlich, sondern einfach nur: Doof :-)

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    Spielen ist total kindisch und unproduktiv, da sollte man lieber seine Schulaufgaben machen, sonst wird man nie ein wertvoller Angestellter. Oder worum geht es im Leben? Früher (ja, ja) haben Kinder auf der Strasse gesessen und mit Autoquartetten oder Puppen gespielt, ohne dass die Eltern Angst hatten, die Polizei die Bildung einer kriminellen Jugendbande vermutete und ein Schulpsychologe, der zufällig des Wegs kam, alle zwangstherapieren liess, weil eine der Puppen nackt (!!!) herumlag.Heute weiss die Presse nicht, ihre Seiten zu füllen, weil Westeuropa für so was viel zu sicher geworden ist und wir müssen derlei Mist lesen, von selbsterklärten Fachleuten, über die Gefahren der virtuellen Welt. Die echte Welt gibt einfach nicht genug her. Beispiel: Im Hessen-Wahlkampf vermittelte uns die Boulevard- vulgo Gossenpresse den Eindruck, das Land befinde sich im Ausnahmezustand, belagert von Migrantenkindern, die Rentner misshandeln. Gäbe es 365 von der Sorte und würde jeder nur einen Rentner pro Jahr attackieren, hätten wir jeden Tag was für die Seite 1. Gibt es aber nicht. Seit Februar ist kein Teutscher Rentner mehr von einem "Hergelaufenen" traktiert worden, egal wie oft die alle Counterstrike spielen.Das Resümee: Spielen ist total kindisch, Computerspiele darüber hinaus auch noch gefährlich und morgen im Audioblog hören Sie, was für bedrohliche Geräusche das Gras beim Wachsen macht. Also: Einschalten!Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

    Spielen ist total kindisch und unproduktiv, da sollte man lieber seine Schulaufgaben machen, sonst wird man nie ein wertvoller Angestellter. Oder worum geht es im Leben? Früher (ja, ja) haben Kinder auf der Strasse gesessen und mit Autoquartetten oder Puppen gespielt, ohne dass die Eltern Angst hatten, die Polizei die Bildung einer kriminellen Jugendbande vermutete und ein Schulpsychologe, der zufällig des Wegs kam, alle zwangstherapieren liess, weil eine der Puppen nackt (!!!) herumlag.Heute weiss die Presse nicht, ihre Seiten zu füllen, weil Westeuropa für so was viel zu sicher geworden ist und wir müssen derlei Mist lesen, von selbsterklärten Fachleuten, über die Gefahren der virtuellen Welt. Die echte Welt gibt einfach nicht genug her. Beispiel: Im Hessen-Wahlkampf vermittelte uns die Boulevard- vulgo Gossenpresse den Eindruck, das Land befinde sich im Ausnahmezustand, belagert von Migrantenkindern, die Rentner misshandeln. Gäbe es 365 von der Sorte und würde jeder nur einen Rentner pro Jahr attackieren, hätten wir jeden Tag was für die Seite 1. Gibt es aber nicht. Seit Februar ist kein Teutscher Rentner mehr von einem "Hergelaufenen" traktiert worden, egal wie oft die alle Counterstrike spielen.Das Resümee: Spielen ist total kindisch, Computerspiele darüber hinaus auch noch gefährlich und morgen im Audioblog hören Sie, was für bedrohliche Geräusche das Gras beim Wachsen macht. Also: Einschalten!Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

  2. Spielen ist total kindisch und unproduktiv, da sollte man lieber seine Schulaufgaben machen, sonst wird man nie ein wertvoller Angestellter. Oder worum geht es im Leben? Früher (ja, ja) haben Kinder auf der Strasse gesessen und mit Autoquartetten oder Puppen gespielt, ohne dass die Eltern Angst hatten, die Polizei die Bildung einer kriminellen Jugendbande vermutete und ein Schulpsychologe, der zufällig des Wegs kam, alle zwangstherapieren liess, weil eine der Puppen nackt (!!!) herumlag.Heute weiss die Presse nicht, ihre Seiten zu füllen, weil Westeuropa für so was viel zu sicher geworden ist und wir müssen derlei Mist lesen, von selbsterklärten Fachleuten, über die Gefahren der virtuellen Welt. Die echte Welt gibt einfach nicht genug her. Beispiel: Im Hessen-Wahlkampf vermittelte uns die Boulevard- vulgo Gossenpresse den Eindruck, das Land befinde sich im Ausnahmezustand, belagert von Migrantenkindern, die Rentner misshandeln. Gäbe es 365 von der Sorte und würde jeder nur einen Rentner pro Jahr attackieren, hätten wir jeden Tag was für die Seite 1. Gibt es aber nicht. Seit Februar ist kein Teutscher Rentner mehr von einem "Hergelaufenen" traktiert worden, egal wie oft die alle Counterstrike spielen.Das Resümee: Spielen ist total kindisch, Computerspiele darüber hinaus auch noch gefährlich und morgen im Audioblog hören Sie, was für bedrohliche Geräusche das Gras beim Wachsen macht. Also: Einschalten!Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

    Antwort auf "Die Frage ist doch:"

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