Bei den Simpsons gibt es eine Szene, die unter Studenten traurige Berühmtheit erlangt hat: Ein Footballspieler wird verletzt, Dr. Hibbert teilt ihm mit, dass seine Karriere vorbei ist, und versucht zu trösten: »Aber Sie haben ja immer noch Ihren Abschluss in…« Er schaut in seine Unterlagen, liest »Kommunikations- wissenschaft« und vollendet den Satz mit: »Oh Gott!«

Das belegt eindrucksvoll die Problematik der Medienstudiengänge: Niemand weiß so recht, was die Studenten da eigentlich machen und was sie später damit anfangen sollen. Sie selbst oft auch nicht – »irgendwas mit Medien« eben. Was sie immer öfter auch bekommen. »Es gibt ja immer mehr Berufe, die tatsächlich ›irgendwas mit Medien‹ zu tun haben«, sagt Siegfried Weischenberg, Direktor des Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft in Hamburg.

Ähnlich diffus ist das Studienangebot. »Das eine Fach gibt es nicht«, betont Romy Fröhlich, Vorstand des Münchner Instituts für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, »es gibt viele verschiedene Fächer, und die darf man nicht in einen Topf werfen.« Im Dickicht der Begrifflichkeiten können sich nicht einmal die Unis einigen: In Hamburg heißt es Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft, in Leipzig für Kommunikations- und Medienwissenschaft, und Mainz bleibt bei der schon fast aus der Mode gekommenen Publizistik. In München ist der Zusatz »und Medienforschung« erst vor einigen Jahren hinzugekommen.

Die Berufsaussichten sind gut – vor allem in der PR-Branche

So attraktiv sei der Begriff »Medien«, geben selbst die Professoren zu, dass sich Unis gern damit schmückten. »Das ist teilweise eine Modeerscheinung: Fast jede FH richtet irgendeinen medienwissenschaftlichen Studiengang ein«, sagt Weischenberg. Aber nicht überall, wo Medien draufsteht, ist auch Medien drin. »Im Rahmen der Streichkonzerte an den Universitäten wurden schnell wenig stringente Konzepte gestrickt. Es ist leicht, mit diesem schillernden Begriff an Geld zu kommen«, erklärt Fröhlich. »Angesichts der steigenden Zahl von Studierenden, die nicht genau wissen, was sie wollen, wird das Wort ›Medien‹ vorangestellt, von dem sie magisch angezogen werden.«

Die Nachfrage steigt: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Studierenden im Bereich Medien verdoppelt. Und die mehr als 400 Angebote, die das Onlineportal Medienstudienführer verzeichnet, sind offenbar noch nicht genug: Die meisten Studiengänge sind zulassungsbeschränkt, haben entweder hohe NCs oder führen Eignungsprüfungen durch.

Trotzdem sind viele enttäuscht, wenn sie feststellen, dass die Uni aus ihnen keine Starreporter macht. Immer noch gibt es Studienanfänger, die nur eine sehr vage Vorstellung von ihren Fächern haben. »Ein Teil der Studierenden kommt mit falschen Erwartungen«, sagt Hans Mathias Kepplinger, Leiter des Mainzer Instituts, »die wollen in die Medien und eine Journalistenausbildung machen – das ist hier aber nicht der Fall. Mit der Konsequenz, dass dieser Teil das, was wir anbieten, langweilig findet.«