Naturschutz Planwirtschaft im Paradies
Im Sumpfgebiet Rhinluch lassen sich die Konflikte im Naturschutz beispielhaft studieren. Das trockengelegte Moor wird wieder vernässt. Tiere und Pflanzen profitieren, die Bauern ärgern sich.
Die Plattform auf der Siegessäule bei Fehrbellin bietet einen grandiosen Blick auf die Niedermoore Brandenburgs: im Norden das bogenförmige Rhinluch, das im Osten in das Kremmener Luch übergeht, im Süden das große Havelländische Luch. Kaum etwas in dieser Idylle aus blühenden Rapsfeldern und Wiesen, aus Wäldern und Dörfern erinnert daran, dass hier einst gefährliches Moor dominierte. Und Blut in Strömen floss. Den Schweden wurde das Rhinluch 1675 zum Verhängnis – der Sumpf versperrte ihnen die Flucht aus dem Kanonenfeuer der Preußen. Die Schlacht von Fehrbellin begründete den Aufstieg des siegreichen Preußens.
Nach den Schweden besiegten die Preußen auch die Sümpfe. Sie legten sie durch ein Netz aus Gräben und Kanälen trocken. Die Massen an Fröschen und Sumpfschildkröten waren willkommene Bereicherungen der kargen Kost. Schildkröten wurden später als Delikatessen fuhrwerkweise exportiert, an Höfe und Klöster, besonders zur Fastenzeit. Fromme Katholiken hatten sie der Kategorie Fisch zugeordnet, somit war Schildkrötenfleisch, ebenso wie Biberfleisch, sündenfreie Fastenspeise.
Die Bedrohung kommt aus der artenreichsten Gegend: Berlin
Melioration (»Verbesserung«) der Sumpfgebiete, Hunger und Jagd bewirkten, dass Schildkröten, Biber, Birkhühner, Großtrappen und andere Arten im 20. Jahrhundert aus dem Luch verschwanden. Selbst robuste Großvögel wie Kranich und Adler machten sich rar. Den letzten Meliorationsschub brachte die DDR-Planwirtschaft, ein Dutzend Pumpstationen entwässerten die Region, die Milch und Fleisch für Berlin lieferte. Die Geschichte dieses Luchs ist ein Lehrstück. Es zeigt, wie der Mensch eine wilde Naturlandschaft gezähmt, ausgebeutet und ihren Artenreichtum zerstört hat.
Aber vieles lässt sich wiedergutmachen. Denn 1989 kommt die Wende. Der Produktionsdruck lässt nach. Die EU hat Milch und Fleisch im Überfluss. Und so wandelt sich die Einstellung zum Luch: Bedrohte einst das Moor den Menschen, gilt nun der Mensch als größte Bedrohung des Moors. Es erfährt zunehmend Schutz. Der zweite Teil des Lehrstücks zeigt, wie sich Ökologie mühsam mit Ökonomie verbindet. Alte und neue Interessenten ringen darum, den Torfboden weiter auszutrocknen oder wieder zu vernässen. Außerdem wird das Luch zum Touristenziel: Die Lebensvielfalt kehrt zurück, allmählich.
Beispiel für das neue, heikle Verhältnis zwischen Mensch und Moor ist das Dorf Linum, an dessen Luchgrenze entlang einst die Schweden flüchteten. Bei Ausflugswetter fallen dort die Berliner ein, rattern mit Vans, Jeeps und Bikes über das Pflaster der Deutschen Alleenstraße, die das »Storchendorf« durchzieht. Hier nistet ein gutes Dutzend Storchenpaare, das feuchte Luch bietet reichlich Futter für die Aufzucht der Jungen. Neugierige Zweibeiner zeigen ihrem Nachwuchs die Klapperstörche, informieren sich im Naturschutzzentrum Storchenschmiede des Nabu und sorgen für Umsatz in der Storchenklause und der Landpension Adebar.

Epizentrum des Naturschutzes ist die ehemalige Linumer Dorfschule gegenüber der Kirche. Auf beiden Bauten klappern Brutpaare. Hier unterhält das Land Brandenburg die Naturschutzstation Rhinluch. Deren Aufgabe: »Natur wiederbeleben, erforschen, nahebringen«. Ihre größten Schätze sonnen sich im Hinterhof: prächtige heimische Smaragdeidechsen und Sumpfschildkröten. Beide Arten sind stark bedroht. »Wir züchten hier Jungtiere, um die extrem schwachen Restbestände zu stärken«, erklärt Manfred Wolf, Senior der drei fest angestellten Stationsmitarbeiter.
- Datum 03.06.2009 - 18:36 Uhr
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- Serie Umwelt
- Quelle DIE ZEIT, 15.05.2008 Nr. 21
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Der arme Waschbär. Zunächst muß er sich Schneeeule titulieren lassen und dann soll er auch noch für die vom Aussterben bedrohte heimische Tierwelt anschaulich herhalten. - Vielleicht hat ja ein Redakteur vom Dienst Erbarmen mit der Kreatur.
Liebe ZEIT-Online Redaktion,Leider hat die Verbesserung eine Verschlimmerung nach sich gezogen.Während die nie abgebildete, aber in der Bildunterschrift zunächst genannte Schneeeule tatsächlich unter der ansteigenden Temperatur leidet, also in der Art gefährdet ist und so eigentlich, neben die Kreuzotter auf das Bild gehört, kann man dies vom immer abgebildeten, aber in der Unterschrift zunächst nicht genannten Waschbären nicht behaupten. Der fühlt sich nämlich bei Erwärmung wohl und verbreitet sich, zum Schaden geschützter, kälteliebender Tiere. Wenigstens stimmt der Text für die Kreuzotter in der Bildunterschrift mit der tatsächlich beobachtbaren Ökologie überein.Vielleicht kann der Chef vom Dienst, falls schon eingestellt, nochmals tätig werden?Grüße und guten MittagChristoph Leusch
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