Sozialarbeit Die verhinderten Retter vom Jugendamt
Die Not in den Familien nimmt zu, staatliche Hilfen werden gekürzt. Wie viel Rationalisierung ist erlaubt, wenn es um das Leben gefährdeter und vernachlässigter Kinder geht? Ein Frontbericht aus Berlin-Wedding, wo »Case-Manager« den Sozialarbeiter ersetzen sollen
Es ist schon still auf den Fluren des Jugendamtes im Berliner Bezirk Wedding, als plötzlich das Krisentelefon klingelt. Klaus Wörsdörfer, der an diesem Tag der Mann für Notfälle ist, hat seit zehn Minuten Feierabend. Morgen ist Gründonnerstag, er zögert kurz, dann hebt er ab. In der Togostraße, meldet die Polizei, habe man in einer Wohnung ein schreiendes Baby gefunden, neben der Leiche seiner Mutter. Wörsdörfer nickt. »Wahrscheinlich eine Überdosis«, notiert er. »Säugling okay. Aufgebrachter Mann behauptet, Vater zu sein.«
Wörsdörfer könnte den Fall dem Kindernotdienst überlassen, aber er hat ein ungutes Gefühl. Seit 30 Jahren ist er als Sozialarbeiter beim Jugendamt in Mitte zuständig für Kinderschutz. Er hat drei Herzinfarkte hinter sich, aber er ist ein Mensch geblieben, der den Dingen nachgeht. Er greift sich seine Trekkingweste und das Diensthandy, dann wirft er noch schnell einen Blick in die Akte der Toten: Melanie Pohlmann, 35, heroinsüchtig und Klientin des Jugendamtes seit vielen Jahren.
»Wahnsinn, dass der Junge überlebt hat«, sagt er auf dem Weg zum Taxistand. »Ansonsten hätte es wohl wieder Schlagzeilen gehagelt.«
Als Wörsdörfer die Wohnung in einem unscheinbaren Klinkerbau im Wedding betritt, ist die Leiche bereits abtransportiert worden. Es wimmelt von Leuten. In der Küche tigert der Lebensgefährte der Toten auf und ab. Der Mann, der laut Akte Herr Schult* sein muss, drückt das schreiende Baby an seine Brust und flüstert: »Mikey, mein Mikey, du bleibst bei mir.« Wörsdörfer streckt ihm die Hand hin. »Wörsdörfer«, sagt er. »Vom Jugendamt. Setzen wir uns erst mal, Herr Schult.«
Schult ist ein schmächtiger Mann in einem übergroßen Sweatshirt, seine Augen sind verweint. »Sie nehmen mir meinen Sohn nicht weg«, ruft er erregt. »Den kriegt ihr nicht, niemals!«
Wörsdörfer weiß, er darf jetzt keine Diskussion aufkommen lassen. Er erklärt Schult, dass er Mike jetzt mitnehmen müsse. »Vorerst, Herr Schult«, sagt Wörsdörfer bestimmt. »Nicht für immer.« Schult schießen die Tränen in die Augen. Er schüttelt den Kopf. »Herr Schult«, fährt Wörsdörfer mit ruhiger Stimme fort. »Ich kenne Sie ja gar nicht. Ich weiß nicht, ob Sie der Vater sind. Sie stehen unter Schock, ich bin nicht sicher, ob Sie das Kind über das Wochenende versorgen können.«
Der Mann tut Wörsdörfer leid, aber er hat keine Wahl. Er fordert Schult jetzt auf, ein paar Dinge von Mike zusammenzupacken, sein Fläschchen, seine gewohnte Nahrung. Vorhin im Taxi hat Wörsdörfer eine Pflegemutter angerufen, die sich spontan bereit erklärte, das Kind über die Ostertage aufzunehmen. Eine Polizistin kommt in die Küche. »Muss das denn sein?«, murmelt sie. »Der Mann macht doch einen ordentlichen Eindruck.« – »Wenn es weg is, isses weg«, schaltet sich eine Nachbarin ein, »das kennt man doch!«
Wörsdörfer ist wieder mal der böse Mann vom Jugendamt. Er und seine Kollegen können es keinem recht machen. Entweder greifen sie zu früh ein oder zu spät. Nehmen sie die Kinder raus, heißt es, sie reagierten über; lassen sie sie drin, wirft man ihnen Fahrlässigkeit vor. »Herr Schult, verstehen Sie bitte«, sagt Wörsdörfer, »wenn Mike etwas zustößt, käme ich ins Gefängnis. Kommen Sie am Dienstag ins Jugendamt, dann sehen wir weiter.«
Die Angst geht um unter den Sozialarbeitern, und sie wächst mit jedem Kind, das irgendwo in Deutschland stirbt. Immer hat das Jugendamt etwas gewusst, in Bremen, wo man die Überreste des kleinen Kevin in einem Kühlschrank fand, in Hamburg, wo ein Mädchen namens Jessica in einer Hochhauswohnung verhungerte, und in Schwerin, wo die Großeltern der fünfjährigen Lea-Sophie vor deren Tod das Jugendamt noch gewarnt hatten, dass etwas nicht stimme. Nach dem Grundgesetz soll der Staat die elterliche Erziehung überwachen, und wenn ein Kind in Gefahr ist, muss er es schützen. Doch warum versagt er immer öfter? Was läuft schief in den Jugendämtern?
Fast immer, wenn es irgendwo zur Katastrophe kam, wurde später einzelnen Sozialarbeitern der Prozess gemacht. Aber sind Kevin, Jessica und Lea-Sophie tatsächlich nur tragische Einzelfälle? Oder sind sie die Folge eines immer maroder werdenden Systems der Jugendhilfe, das unter dem öffentlichen Sparzwang zusammenzubrechen droht? In Bremen hatte man vor Kevins Tod ein Drittel des Personals in der Abteilung »Junge Menschen« gekürzt, nachdem eine Unternehmensberatung ein Sparziel von fünf Millionen Euro verordnet hatte; in Schwerin hatte man innerhalb von zehn Jahren ein Viertel der Sozialarbeiter abgeschafft.
Überall sind die Kassen der Kommunen klamm, deshalb werkelt man in den Ämtern an den Strukturen, streicht Stellen und kürzt Leistungen, und dabei scheint es, als sei der Bedarf an Schutz und Hilfe nie so groß gewesen. Nach einem Bericht der Regierung leben in Deutschland 2,5 Millionen Kinder unter der Armutsgrenze, in Berlin ist es fast jedes dritte. Seit Anfang der Neunziger hat sich die Zahl der Familien, die vom Jugendamt betreut werden, versechsfacht. In Talkshows fordern Politiker gern neues Personal und bessere Frühwarnsysteme, tatsächlich aber müssen in den Jugendämtern immer weniger Mitarbeiter immer mehr Fälle bearbeiten.
Wohl nirgendwo ist das Budget so eng wie in der Hauptstadt, vielleicht ist deshalb das Jugendamt in Mitte so etwas wie ein Fernglas, durch das man sehen kann, wohin die Jugendhilfe steuert.
Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch in ihrem Bezirk ein Kind sterbe, sagen die Sozialarbeiter im Berliner Wedding. Im Februar haben sie dem Stadtrat deshalb ihre Überlastung angezeigt. Sie wollen rechtlich abgesichert sein, falls jemand sie belangen will. Die Kinderschutzmeldungen, schreiben sie in dem Papier, hätten sich mehr als verdoppelt. Sie wissen nicht mehr, wie sie diese Flut bewältigen sollen.
Es ist neun Uhr morgens, als die Sozialarbeiter in der Weddinger Ruheplatzstraße zu ihrer wöchentlichen Teamsitzung zusammenkommen. Am Karfreitag ist Klaus Wörsdörfer noch mal im Büro gewesen, um den Vermerk zum Pohlmann-Fall zu schreiben, am Samstag hat er verfolgt, ob die Zeitungen nicht doch irgendwas schreiben, aber zum Glück hatte die Polizei über die Feiertage keine Meldung herausgegeben.
- Datum 26.05.2008 - 08:39 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 21.05.2008 Nr. 22
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Ein sehr guter Artikel, der endlich mal zeigt, was "draußen" los ist und wie sehr der Staat sich mit seiner Kürzerei auf lange Sicht mal wieder ins eigene Fleisch schneidet. Allerdings vermisse ich etwas ganz wichtiges bei diesem Artikel. Das Gehalt und die zur Zeit hauptsächlich befristeten Verträge, die man heutzutage als Sozialabeiter bekommt, sind mehr als lächerlich im Vergleich zu der Verantwortung und dem Arbeitsaufwand, den man hat.
wie schlecht die Sozialarbeiter heutzutage bezahlt werden. Wenn es nach mir ginge, würden die viel besser bezahtl. Viel besser.Und den Armen, finde ich, sollten wir viel mehr geben. Denn nur so können wie die Opfer des StaMoKap aus der Armutsfalle befreien. Gerade mit den Rauschgiftsüchtigen, den Dummen und Faulen sollte die Gemeinschaft viel solidarischer sein. Denn Solidarität ist ganz wichtig. Noch wichtiger: Progression ist besser als Reaktion.Mummyo, vielen Dank für Ihr mutiges Posting. Wäre schön wenn es mehr gäbe, die so mutitg wie Sie heiße Eisen anpacken, unangenehme Wahrheiten aussprechen und sogar Tabus brechen.
Das Gehalt eines vergleichbaren angestellten Sozialarbeiters in Berlin, Vergütungsgruppe IV b, getrennt lebend, ein Kind, beträgt nach 30 Jahren ca. 1.650 € netto.
Es ist bekannt, dass Sozialarbeiter in Deutschland die am schlechtesten bezahlten Hochschul-Absolventen sind und das sagt mehr aus über den Stellenwert von Sozialarbeit in unserer Gesellschaft als jede wissenschaftliche Untersuchung. Man könnte auch sagen, das Renommé der Klienten spiegelt sich im Renommé der Sozialarbeiter. Man könnte auch sagen, Sozialarbeiter engagieren sich stark für andere und so gut wie gar nicht für sich selbst. Bei der derzeitigen Tarifauseinandersetzung in Berlin sitzen die meisten Sozialarbeiter brav an ihrem Schreibtisch und arbeiten, während die Kollegen aus anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes auf der Straße für ihre Interessen eintreten.
Befristete Verträge gibt es in Berlin kaum noch, einfach deshalb, weil seit vielen Jahren keine Sozialarbeiter mehr von außen eingestellt werden. Dafür werden Jugendämter bei frei werdenden Stellen bis heute vom Innensenat gezwungen, sogenannte Überhangkräfte aus anderen Bereichen einzustellen, die sich dann oft als ungeeignet und/oder überfordert erweisen. Schließlich erfordert diese Arbeit eine immens hohe psychische Belastbarkeit. Immerhin haben sich die Berliner Jugendstadträte jetzt gemeinsam dafür eingesetzt, diese fragwürdige Praxis zu ändern und endlich wieder Außeneinstellungen zu ermöglichen.
wie schlecht die Sozialarbeiter heutzutage bezahlt werden. Wenn es nach mir ginge, würden die viel besser bezahtl. Viel besser.Und den Armen, finde ich, sollten wir viel mehr geben. Denn nur so können wie die Opfer des StaMoKap aus der Armutsfalle befreien. Gerade mit den Rauschgiftsüchtigen, den Dummen und Faulen sollte die Gemeinschaft viel solidarischer sein. Denn Solidarität ist ganz wichtig. Noch wichtiger: Progression ist besser als Reaktion.Mummyo, vielen Dank für Ihr mutiges Posting. Wäre schön wenn es mehr gäbe, die so mutitg wie Sie heiße Eisen anpacken, unangenehme Wahrheiten aussprechen und sogar Tabus brechen.
Das Gehalt eines vergleichbaren angestellten Sozialarbeiters in Berlin, Vergütungsgruppe IV b, getrennt lebend, ein Kind, beträgt nach 30 Jahren ca. 1.650 € netto.
Es ist bekannt, dass Sozialarbeiter in Deutschland die am schlechtesten bezahlten Hochschul-Absolventen sind und das sagt mehr aus über den Stellenwert von Sozialarbeit in unserer Gesellschaft als jede wissenschaftliche Untersuchung. Man könnte auch sagen, das Renommé der Klienten spiegelt sich im Renommé der Sozialarbeiter. Man könnte auch sagen, Sozialarbeiter engagieren sich stark für andere und so gut wie gar nicht für sich selbst. Bei der derzeitigen Tarifauseinandersetzung in Berlin sitzen die meisten Sozialarbeiter brav an ihrem Schreibtisch und arbeiten, während die Kollegen aus anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes auf der Straße für ihre Interessen eintreten.
Befristete Verträge gibt es in Berlin kaum noch, einfach deshalb, weil seit vielen Jahren keine Sozialarbeiter mehr von außen eingestellt werden. Dafür werden Jugendämter bei frei werdenden Stellen bis heute vom Innensenat gezwungen, sogenannte Überhangkräfte aus anderen Bereichen einzustellen, die sich dann oft als ungeeignet und/oder überfordert erweisen. Schließlich erfordert diese Arbeit eine immens hohe psychische Belastbarkeit. Immerhin haben sich die Berliner Jugendstadträte jetzt gemeinsam dafür eingesetzt, diese fragwürdige Praxis zu ändern und endlich wieder Außeneinstellungen zu ermöglichen.
und ursächlich. Heute kann sich ein Drogenabhängiger, eine Drogenabhängige, der/die offenbar schon selbst nicht mit dem Leben zu recht kommt, ein Kind anschaffen wie jeder andere auch - die Gesellschaft muss dieses dann halt mehr oder weniger mit durchbringen, wo Leute darunter sind, die sich schon wegen wesentlich geringerer eigener Probleme kein Kind, oder nur eines anschaffen...! Das ist pervers. Und man kann und darf hier nicht immer nur die symptomatische Hilfe verbessern, ohne hier endlich auch mal die Prävention und einen Teil der Ursache anzugehen, auch wenn dies halt auch mal eine gewisse Härte verlangt - Härte dann eben nicht nur von denen, die zur Hilfe verdonnert sind oder werden, oder die sich dazu verpflichtet fühlen, zum Glück immer noch. Man wird deshalb m.E. nicht darum herum kommen, die Kinderunterstützung nicht völlig undifferenziert einem jedem zu garantieren - das verführt hier eben zur Leichtfertigkeit. Wenn es schief geht ist ja der Staat da, sind die anderen da - es ist ja ein Kind! Nein, ein jeder muss wissen - wenn ich mir ein Kind anschaffe, was heute ja eben schon auch planbar ist, dann sollte ich gewisse Grundvoraussetzungen mitbringen um von anderen garantiert unterstützt zu werden - sonst riskiere ich das Wohl meines Kindes aber auch das eigene. Wer schon selbst noch nie gearbeitet hat, der sollte nicht auch ein staatlich garantiertes nicht rückzahlbares Kindergeld einfordern können, welches mit der Zahl der Kinder auch noch ansteigt! Man sollte hier zwischen einer karitativen Kinderunterstützung, die auf das Mitgefühl der Bürger für gewisse Problemfälle setzt, unterscheiden, und dem, was solidarisch zwangsversichert werden sollte. Das Leben ist hart - nicht nur für Problembürger und Arme! Das muss so auch rübergebracht werden! Wichtig ist, dass für Problembürger und Arme die Verhütung kostenfrei ist! Wer offensichtlich Probleme schon mit der eigenen Lebensführung hat, der sollte einen kleinen Bonus für das eigene Leben (also Hartz 4) m.E. nur dann bekommen, wenn er keine Kinder hat. Schafft er sich welche an, belastet er so dann die Solidargemeinschaft oft noch zusätzlich, dann sollte ihm dieser Zuschlag wieder genommen werden! Das Geld dafür muss dann je eben gezielt für das Kind eingesetzt werden.
Hm, "Problembürger", warum nicht gleich so vorgehen wie mit "Problembären"?
Hm, "Problembürger", warum nicht gleich so vorgehen wie mit "Problembären"?
Hi @ll
Erst mal ist er Begriff Jugend "Amt" irreführend.
Es ist kein Amt mit Beamten sondern ein im rechtliches Konstrukt mit den Wurzeln im dritten Reich.
Jugend "Ämter" unterliegen keinerlei Fachaufsicht und können im Prinzip schalten und walten wie sie wollen, sie sind niemandem Rechenschaft pflichtig.
Google
Wormser Prozeß , ist ein Bsp. wo unfähige KinderschützerInnen im Verein mit StaatsanwältInnen und dem Wormser Jugend "Amt" Familien regelrecht zerstört haben.
Obwohl die beschuldigten Eltern rechtskräftig in allen Punkten freigesprochen wurden ignoriert das Jugend "Amt" diesen Freispruch bis heute und entzieht die Kinder nach wie vor den Eltern.
Ob es der der Fall Kevin war, oder all die anderen Kinder die in letzter Zeit erschlagen wurden, oder die einfach verhungerten weil restlos überforderte Elternteile mit ihren Kindern nicht klarkamen, fast immer war das Jugend "Amt" involviert.
Und genau diese Jugend "Ämtern" sollen noch mehr Rechte und Befugnisse eingeräumt werden?
Für was?
Die Jugend "Ämter" sind Teil des Problems und nicht der Lösung, im Volksmund werden sie nicht zu Unrecht Kinderklaubehörde genannt.
Diese Jugend "Ämter" gehören aufgelöst und es muß wieder die Verantwortung der Eltern (beider, Mutter und VATER) eingefordert werden.
Kommen die direkten Eltern nicht klar, dann sind die Großeltern in der Pflicht (wiederum beiderseits) und erst an allerletzter Stelle kommt eine STAATLICHE Stelle die sich um den "Rest" kümmert.
Ein Jugend "Amt" was vom Elend anderer lebt hat in einer entwickelten Gesellschaft keinen Platz, in der Fauna nennt man soi was Schmarotzer.
Gruss
Rene
so wie in den USA, wo die (vielfach privaten) Gefängnisse die Sozialpolitik ersetzen. Fragt sich, was weniger kostet-- an Geld und menschlichem Elend.
In der Tat müssen diese "Behörden" abgeschafft werden. Oder, man muss diese durche eine unabhängige Stelle überprüfen, wie die ihre Arbeit machen und diese auch im Notfall begründen. Betroffene Eltern (wie wir)
müssten sich auch besser zur Wehr setzen können.
unserer Seite
www.Jennifer-Manuela.de
so wie in den USA, wo die (vielfach privaten) Gefängnisse die Sozialpolitik ersetzen. Fragt sich, was weniger kostet-- an Geld und menschlichem Elend.
In der Tat müssen diese "Behörden" abgeschafft werden. Oder, man muss diese durche eine unabhängige Stelle überprüfen, wie die ihre Arbeit machen und diese auch im Notfall begründen. Betroffene Eltern (wie wir)
müssten sich auch besser zur Wehr setzen können.
unserer Seite
www.Jennifer-Manuela.de
Eine Politik, die im Jugendhilfe- und im Bildungsbereich, das Personal und das Wissen dieses Personals so, wie im Bericht beschrieben wird, ausdünnt, setzt falsche Prioritäten. Es ist eine Schande, wenn unsere verantwortlichen Politiker fordern junge Leute auszubilden und zu fördern, aber im Jugndhilfebereich gut ausgebildete Fachkräfte nicht einstellen. Im Gegenteil, selbst das bestehende Personal wird noch reduziert.Vielen Dank für diesen wichtigen Artikel.Alles Reden nützt nichts, wenn dem keine Taten folgen.Mein Vorschlag ist:1. Überprüfen wir bei allen politischen Entscheidungen die Auswirkungen auf unsere Kinder.2. In allen Bereichen des Jugendhilfe und der Kinderförderung sollte bei den Beschäftigten eine gesunde Alters- und Geschlechtermischung erreicht werden, damit ein gesunder Austausch über intelligente Lösungen stattfinden kann.3. Wir müssen die Generationen, die Alten und die Jungen mehr vernetzen, damit sich gegenseitige Achtung voreinander entwickeln kann.Wenn wir unser Wissen dafür einsetzen, diese Gesellschaft zu entwickeln und zu schützen, dann haben wir etwas gelernt. Wir sollten in unserem Denken alle geborenen Menschen schützen und ihnen die Möglichkeit geben, ein wichtiges Mitglied der zivilisierten Gesellschaft zu werden.Bitte mehr Informationen über unsere Kinder und die jungen Menschen. Vor allem mehr Informationen über die Möglichkeiten, die wir haben, die Dinge richtig zu machen.
Wenn ich den Artikel richtig verstehe, dann war von ca. Anfang der siebziger Jahre bis 2001 in der Berliner Jugendhilfe so ziemlich alles in Ordnung: Geld spielte keine Rolle, und die Sozialarbeiter konnten gestalterisch tätig werden, wie sie wollten. Geändert hat sich das erst 2001 mit der Pleite der Bankgesellschaft; seither muss gespart werden, und deshalb (und nur deshalb) haben die Sozialarbeiter jetzt Probleme.Die Jugendhilfe hat offenbar vorher das Elend teuer verwaltet, und verwaltet es nun billiger. Das drückt auf die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter. Nur: Die Jugendhilfe ist nicht dazu da, ihre Mitarbeiter zufrieden zu machen; sie ist dazu da, Kinder vor den Übergriffen und der Vernachlässigung durch Erwachsene zu schützen; das, und idealerweise auch das Familienleben der Klienten so zu gestalten, dass der Schutz gar nicht erst notwendig ist. Das letztere haben die Mitarbeiter der Jugendhilfe allerdings auch in den dreißig Jahren nicht hinbekommen, in denen das Geld sprudelte. Der Artikel macht ja sehr deutlich, dass sich im Grunde auch mit der Intervention der Jugendhilfe nichts geändert hat am Chaos und der Sucht. Warum also das Elend teuer verwalten, wenn's auch billiger geht?
Ich kann die Frage, die Sie am Schluß Ihres Beitrags stellen, gut nachvollziehen, auch wenn ich Sie selbst anders stellen und anders beantworten würde . Daß bei stetig wachsenden Problemen immer weniger Mittel (und vor allem Personal !) zur Verfügung stehen, ist schlimm, am meisten für die Mitarbeiter selbst. Die Situation heute erscheint mir, als wollte man mit der Gießkanne einen Waldbrand löschen. Auch in den 70er Jahren wird das Geld nicht unbedingt "gesprudelt" haben, aber es gab doch unvergleichlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Und da hätte ich einige Fragen an jemanden wie Herrn Wörsdörfer, der auch damals schon in der Jugendhilfe aktiv war. Seine Klienten von heute sind ja die Kinder (und Enkel) seiner Klienten von damals. Wie betrachtet er aus heutiger Sicht, was die Jugendhilfe den Kindern damals gebracht hat ? Was war eigentlich das Ziel für die Kinder damals ? Gab es eines ? Und wie sieht Herr Wörsdörfer die Zukunft der Kinder, um die er sich jetzt zu kümmern hat ? Wo von einer (kurzen !) Generation zur nächsten die Kompetenzen in der praktischen Lebensführung jedes Mal abnehmen (wer redet hier noch von "Bildung") ? Wird das Kind, das mit Tütensuppe ohne Wasser gefüttert wird, intellektuell überhaupt noch in der Lage sein, lesen zu lernen ? Und welche Rolle würde er hier einem Jugendamt zugestehen, wenn es gut bestückt und mit "ausreichend" (was immer das auch heißen mag) Mitarbeitern ausgestattet wäre ? Welchen Wert hat das "Vertrauen" zwischen einer Institution, deren Aufgabe es ist, Schaden von Kindern abzuwenden und Menschen, die Kindern Schaden zufügen ? Stehen die nicht ganz natürlich auf entgegengesetzten Seiten ? Ist es verantwortungsvoll, Kinder Menschen zu überlassen, die man selbst nicht für zurechnungsfähig hält ?
Ich kann die Frage, die Sie am Schluß Ihres Beitrags stellen, gut nachvollziehen, auch wenn ich Sie selbst anders stellen und anders beantworten würde . Daß bei stetig wachsenden Problemen immer weniger Mittel (und vor allem Personal !) zur Verfügung stehen, ist schlimm, am meisten für die Mitarbeiter selbst. Die Situation heute erscheint mir, als wollte man mit der Gießkanne einen Waldbrand löschen. Auch in den 70er Jahren wird das Geld nicht unbedingt "gesprudelt" haben, aber es gab doch unvergleichlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Und da hätte ich einige Fragen an jemanden wie Herrn Wörsdörfer, der auch damals schon in der Jugendhilfe aktiv war. Seine Klienten von heute sind ja die Kinder (und Enkel) seiner Klienten von damals. Wie betrachtet er aus heutiger Sicht, was die Jugendhilfe den Kindern damals gebracht hat ? Was war eigentlich das Ziel für die Kinder damals ? Gab es eines ? Und wie sieht Herr Wörsdörfer die Zukunft der Kinder, um die er sich jetzt zu kümmern hat ? Wo von einer (kurzen !) Generation zur nächsten die Kompetenzen in der praktischen Lebensführung jedes Mal abnehmen (wer redet hier noch von "Bildung") ? Wird das Kind, das mit Tütensuppe ohne Wasser gefüttert wird, intellektuell überhaupt noch in der Lage sein, lesen zu lernen ? Und welche Rolle würde er hier einem Jugendamt zugestehen, wenn es gut bestückt und mit "ausreichend" (was immer das auch heißen mag) Mitarbeitern ausgestattet wäre ? Welchen Wert hat das "Vertrauen" zwischen einer Institution, deren Aufgabe es ist, Schaden von Kindern abzuwenden und Menschen, die Kindern Schaden zufügen ? Stehen die nicht ganz natürlich auf entgegengesetzten Seiten ? Ist es verantwortungsvoll, Kinder Menschen zu überlassen, die man selbst nicht für zurechnungsfähig hält ?
Hm, "Problembürger", warum nicht gleich so vorgehen wie mit "Problembären"?
Aus der Sicht der Problembewältigung geht der Staat eindeutig in die falsche Richtung. Doch ist mit Moral hier nicht weiterzukommen, die Interessenlage der Gesellschaft ist indirekt eine Andere, weil die Verwerfungen des Systems die Handlungsspielräume gegen Null getrieben haben.Denn für den Staat stellt sich das Problem anders dar.Hier ist primär das haushaltstechnische Problem zu bewältigen, dass durch Korruption, Vorteilsnahme und Mißwirtschaft, sowie sorglosem Umgang mit Geld in der Vergangenheit entstanden ist.Die wesentlich durch die Verschuldung mitverusachte Mittelknappheit, die viel zu vielen Kostgänger in hohen und höheren Positionen, die sich für unverzichtbar halten, aber uns ebenso zu Tode verwalten, können nicht einfach wieder abgebaut werden, zuviele Existenzen und Macht hängen daran.Wie immer, wenn Strukturen sich von den Realitäten entfernen, müssen am Ende die Schwächsten den Preis dafür zahlen, da spielt es überhaupt keine Rolle, ob man im Sozialismus, im Kapitalismus oder im sonstwas lebt.Die Verantwortung dafür muss allen Parteien, inklusive der Linkspartei zugeschrieben werden.Es ist sicher nicht falsch das Wünschenswerte und Sinnvolle anzustreben, doch die vielfältige Ignoranz und finanzielle Maßlosigkeit, die Unfähigkeit Härten auszuhalten, weil ihre Berücksichtigung das Ganze gefährdet, haben am Ende die Möglichkeiten des Sozialstaates beschränkt und nicht erweitert.Die bitteren Folgen lassen sich an dem Artikel eins zu eins ablesen und werden noch lange den Alltag der Schwächsten in unserer Gesellschaft bestimmen.Berthold Grabe
so wie in den USA, wo die (vielfach privaten) Gefängnisse die Sozialpolitik ersetzen. Fragt sich, was weniger kostet-- an Geld und menschlichem Elend.
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