Gut angelegtes Geld?

Am Ortseingang von Pejë, einer quirligen Stadt im Westen des Kosovos, stehen linker Hand der Straße aus Prishtinë die Gemäuer der Fabrik von Kosova Steel. Vor 40 Jahren arbeiteten hier 2.000 Menschen, jetzt sind es noch 200. Hinter dem Eingangstor erhebt sich ein vierstöckiges Gebäude, in dem nichts mehr geschieht. Kosova Steel ist beides: ein Symbol für die unsägliche Rückständigkeit des Landes und seine Ferne zur Modernität Westeuropas – aber auch für ein Unternehmertum, das aus dem Wenigen, was das Kosovo bietet, sehr viel mehr machen möchte.

In seinen Fabrikhallen, von deren Dächern bei Regen das Wasser tropft, stehen auf ölverseuchten Böden in langen Reihen Geräte, die nur noch für den Schrottplatz taugen. Aber direkt daneben lässt Sheqer Ukaj von findigen Facharbeitern und Ingenieuren eine Maschine bauen, mit der er demnächst sehr viel mehr Türen in sehr viel weniger Zeit fertigen kann. Aus der Fabrik kommen auch Autoteile für die Produktion des serbischen Zastava, österreichische und italienische Firmen gehören ebenfalls zu den Kunden

Die Supermärkte sind voll – aber nicht mit heimischen Produkten

Mark Culaj, Direktor von Kosova Steels, redet davon, dass er in diesem Jahr Waren für fünf Millionen Euro exportieren möchte, im nächsten eine Transportfirma und einen Industriepark gründen will, in dem Zulieferer und andere Kleinunternehmen ihren Platz finden. Aus dem leer stehenden Gebäude am Tor soll ein Technologie-Institut werden, schon im September sollen die ersten Auszubildenden und Studenten kommen. Beim Rundgang führt Culaj dann computergesteuerte Wunderwerke der Technik vor. Sie entstanden auf der Basis alter hydraulischer Geräte und wurden mit Erfindergeist in Präzisionsinstrumente verwandelt, die höchsten Ansprüchen genügen. »Wir müssen sehen, was wir selber machen können«, sagt der Chef.

Viel ist das nicht. Man kann sagen, bei Kosova Steel sei das Glas zu zwei Dritteln leer. Oder man findet, es sei zu einem Drittel voll.

So ist es auch im Rest des Landes. Schon als Teil Jugoslawiens war das Kosovo das Armenhaus des Vielvölkerstaats, ein rückständiger Landstrich, dessen Bewohner im Schnitt siebenmal weniger Geld zum Leben hatten als etwa die Slowenen. Die neunziger Jahre brachten völligen Stillstand, der Krieg 1998 und 1999 weitgehende Zerstörung. Zur Jahrtausendwende »herrschte Chaos«, sagt Khaldoun Sinno.