Allerdings ist auch Trepça nur eine traurige Hülle früherer Größe, Stan Tërg nur ein Schatten einstiger Wirtschaftskraft. Die Technik in der Mine sei überwiegend ein halbes Jahrhundert alt, sagt Hyseni, 30 bis 40 Millionen Euro würden gebraucht, um neue Vorkommen zu erschließen. Für die Modernisierung des ganzen Konzerns werden mindestens 200 Millionen Euro veranschlagt – und das schließt nicht die riesigen Schulden ein, die auf dem Konglomerat lasten.

Zudem ist Trepça politisch umstritten. Ein Teil seiner Bergwerke liegt nördlich der entlang des Ibar-Flusses durch Mitrovicë laufenden Demarkationslinie, die den serbisch dominierten Norden des Kosovos vom albanischen Süden trennt. Noch immer stehen an der Brücke über den Ibar Posten der Vereinten Nationen, nach wie vor geht kaum ein Fußgänger von Süd nach Nord oder von Nord nach Süd. Als Serbien am 11. Mai ein neues Parlament wählte, schickte es die Menschen auch in den serbischen Enklaven des formal eigenständigen Staates Kosovo an die Urnen. Der Norden Mitrovicës wählte dabei jene Parteien, die ein unabhängiges Kosovo nie anerkennen wollen.

Ein erfahrener europäischer Wirtschaftsexperte, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, hat das registriert – und bleibt dennoch optimistisch. Abends, bei gebratener Forelle und Bier in einem der vielen Lokale am Südufer des Ibar, spricht er davon, dass die Welt vor zehn Jahren noch über die Flüchtlingsströme auf dem Balkan berichtet habe, heute dagegen rede man »über die Einhaltung von EU-Standards«. Er lobt den Unternehmergeist der Kosovaren, er sagt, die junge Bevölkerung des Kosovos sei kurzfristig eine Belastung, aber langfristig ein Plus. Der neue Staat werde einmal ein Mitglied der Europäischen Union werden, ist der Wirtschaftsmann überzeugt – »natürlich, was denn sonst?«

Das denkt auch der 25-jährige Software-Experte Kushtrim Xhakli in Prishtinë. Xhakli träumt vom Kosovo als Standort einer die Region versorgenden Internetindustrie und ist regelmäßig in Europa unterwegs, um dafür zu werben. Europa sei das Ziel, sagt auch Haidar Korbi, der 29 Jahre alte Chef der volkswirtschaftlichen Abteilung im Finanzministerium; »dafür werden wir alles tun«. Die Union müsse das Kosovo jetzt auf dem Weg von der Unabhängigkeit zur EU-Mitgliedschaft begleiten, ergänzt der Ökonom Shpend Ahmeti – begleiten, nicht regieren. »Wir selbst müssen die Verantwortung übernehmen«, sagt Ahmeti. »Niemand lernt schließlich Fahrrad fahren, wenn einem sechs Menschen das Rad halten.«

Und was, sorgt sich ein EU-Mann, wenn das Kind andauernd stürzt?

Das wird Europa wohl auszuhalten haben. Die Union war der Geburtshelfer des Kosovos, jetzt wird sie dieses europäische Entwicklungsland dabei begleiten müssen, erwachsen zu werden – notfalls mit sehr viel Geld. Vater und Mutter zu sein ist eben ein anstrengender und mitunter sehr teurer Job.