RechtsextremismusNazis mit Diplom

Argumente muss man kennen, um sie zu widerlegen. Deshalb reicht es eben nicht, sich über Rechtsradikale an Universitäten nur zu empören. von Philipp Schwenke

Ein beliebtes Vorurteil geht so: Rechtsextreme tragen Springerstiefel, haben keine Haare, dafür aber eine Dose Bier in der Hand – und ihre Bildungskarriere gerät schon deutlich vor dem Hauptschulabschluss ins Stocken.

Leider ist das bloß ein Vorurteil, und es stimmt nicht. Auch Rechtsextreme studieren. Die Führungskader der NPD und ihrer Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) haben zu einem guten Teil Universitäten besucht – oder besuchen sie noch heute.

Ihre politischen Ideen mögen sich auf ein kurzes »Ausländer raus!« verkürzen lassen, aber dahinter steht eine fein verästelte und in sich geschlossene Ideologie, in der sie sich eloquent bewegen können. Ein schlichtes »Nazis raus!« reicht als Gegenargument nicht.

Es sind nicht viele, die sich an den Universitäten offen zum Rechtsextremismus bekennen. Aber auch hier gibt es eine kleine Gruppe, die für ihre Parolen anfällig ist. So glauben zum Beispiel rund sieben Prozent der deutschen Studenten laut einer Untersuchung des Hochschul-Informations-Systems Folgendes: »Deutschland ginge es wirtschaftlich besser, wenn nicht so viele Ausländer hier leben würden.«

Es muss nicht jeder ein Rechtsextremismus-Experte werden, um solchen Tendenzen entgegenzutreten. Aber jeder sollte wissen, wo die Widersprüche der rechtsextremen Ideologie liegen. Deshalb muss man sich mit ihr beschäftigen.

Auch wenn es unangenehm ist: Ruhig mal das NPD-Parteiprogramm lesen. Denn Argumente muss man kennen, um sie zu widerlegen. Und zwar sachlich. Gut gemeinte Empörung bei rechtsextremen Parolen reicht heute leider nicht mehr.

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Leserkommentare
  1. Das fängt bei den Burschenschaften mit deren alten Herren an und zieht sich überall hin, wo es die ausstudierten Nazizs später dann schaffen.Dabei wird am Anfang nicht unbedingt sofort die ganze Persönlichkeit konvertiert, sondern der Samen wird eingepflanzt und entwickelt sich mit der Zeit.Beleg, dass höchste Kreise Deutschlands nicht immun dagegen sind:http://www.wsws.org/de/20...

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    Ich verstehe nicht, warum manche Leute unbedingt Wirtschaftslobbyisten mit Nazis in einen Topf werfen müssen.  Gerade beim Thema Einwanderung vertreten beide doch völlig entgegengesetzte Richtungen?!Diese weit gefasste Definition von Rechtsextremismus stösst mir auch deshalb so übel auf, weil sie letzlich alles relativiert und von den Problemen mit den "echten" Nazis ablenkt.

    Zur Verteidigung der BurschenschaftenDie ganz grosse Mehrheit der Burschenschaften tritt seit fast 200 Jahren traditionell für Freiheit und Einigkeit, für Demokratie und Meinungsfreiheit ein.    Ohne diese elementaren Werte waren und sind Buschenschaften nicht vorstellbar.Hierzu informativ die Website der Deutschen Burschenschafthttp://www.burschenschaft.de/http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_BurschenschaftDeshalb ist es nicht sinnvoll, verallgemeinernd Burschenschaften in diesen "rechten" Kontext zu stellen. "Die" Burschenschaften sind genausowenig wie "die" Deutschen rechts. Eintreten für eine Nation, z.B. hier Deutschland ist nicht automatisch "rechts".Ohne gesundes Geschichtsbewusstsein gibt es keine Orientierung, sondern nur langsames Entgleiten in mögliche übersteigerte extremistische Ausrichtungen. Dazu gehört es auch, dass wer will, auf seine eigenen, auch traditionellen nationalen Werte wie Nation oder klassisch auf Symbole wie die Fahne der eigenen Nation stolz sein darf. Stolz sein auf Deutschland bedeutet auf keinen Fall, übersteigert stolz auf andere Menschen herabschauen zu dürfen und dabei andere herabsetzen und erniedrigen zu dürfen. Ein solcher gesunder Stolz auf die Nation braucht auch keine falschen Feindbilder um sich selbst zu definieren.^^-o-^^

  2. was ist eigentlich aus der geworden ? Wenn in einem Land freie Meinungsäußerung erlaubt ist, muss man eben auch solche Meinungen akzeptieren, die einem nicht gefallen. Dieses Netzt gegen Nazis is übrigens auch sehr bedenklich [...] (Bitte unterlassen Sie derlei Unterstellungen. Die Redaktion /ft )

  3. wen's interessiert, der kann sich in Wikipedia mal schlau machen, wer in unserem gesellschaftlichen Leben, so alles korporiertes Mitglied einer Studentenverbindung ist. Da wundert vielleicht so manchen, der die Welt bis jetzt nicht verstanden hat, gar nichts mehr. ..Unter den Studentenverbindungen gibt es mehr oder weniger radikale. Der Unterschied ist jedoch nur ein gradueller. Neue Mitglieder werden darauf gedrillt, auch sinnloseseste Anweisungen auszuführen. Bei Veranstaltungen, die "Kneipe" heißen, werden die neuen Mitglieder darauf gedrillt, auch sinnloseste Regeln zu befolgen. Wer sich zu blöd anstellt, muss "strafsaufen" oder sich öffentlich auf einem Tisch sitzend vor aller Augen schämen, und was dergleichen reaktionäre "Erziehungsmethoden" mehr sind.Da redet man immer davon, dass man ein Auge auf die Koranschulen haben muss, da man nicht weiß, was jungen Leuten hier beigebracht wird. Völlig richtig- aber warum stehen Burschenschaften und Studentenverbindungen nicht auch unter Kontrolle? Auch das, was sich hier abspielt, geschieht unter Ausschluss der Öffentlichkeit.Es ist eine Tatsache, dass die "Alten Herren" sehr einflussreiche Positionen im öffentlichen Leben, sei es in der Politik, sei es in den Medien, z. B. auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, einnehmen. Durch ihre Seilschaften hiefen sie immer wieder neue Angehörige von Korporationen auf wichtige Positionen. Da sie im öffentlichen Leben hohe Ämter einnehmen, betreffen ihre Entscheidunngen uns alle!

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    Ich muss mich doch schon stark wundern, woher Sie Ihr Bild von Studentenverbindungen haben. Von Wikipedia, wie Sie es hier anführen? Waren Sie schon einmal auf einer Veranstaltung einer Studentenverbindung? Kennen Sie Mitglieder persönlich? Wahrscheinlich nicht, wenn Sie hier solche pauschalen Anschuldigungen herbei fantasieren.Innerhalb der Studentenverbindungen gibt es eben nicht nur "mehr oder weniger radikale" (die wahrscheinlich sowieso in der Minderheit sind), sondern auch ganz normale Verbindungen als Vereinigungen von jungen Männern und Frauen. Das ist sicherlich nicht Jedermanns Sache, aber weit entfernt von dem Bild, das Sie hier zeichnen.Studentenverbindungen pauschal mit extremistischen Koranschulen gleichzusetzen ist eine Frechheit und zeugt von Unwissen. Es gibt eine Hand voll Studentenverbindungen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, aber bei 99,9% aller Studentenverbindungen wäre dies vollkommen ungerechtfertigt. Manche Verbindungsstudenten mögen merkwürdige Trinkgewohnheiten haben, dies findet man aber auch bei anderen Studenten und in der gesamten Gesellschaft. In der Regel sind die meisten Verbindungsveranstaltungen auch für Gäste offen. Davon, dass die Öffentlichkeit hier ausgeschlossen wird, kann also nicht die Rede sein.Studentenverbindungen fördern und fordern das akademische und
    gesellschaftliche Engagement ihrer Mitglieder, wodurch
    Schlüsselqualifikationen und fakultätsübergreifende Fähigkeiten ihrer
    Mitglieder verbessert werden. Natürlich entstehen dort (nützliche) Kontakte, dies könnte man aber auch dem örtlichen Sportverein oder einem Freundeskreis vorwerfen. Niemand wird auf einen höheren Posten gehievt, nur weil er Mitglied bei einer Studentenverbindung ist. Wenn jemand nichts drauf hat, wird er es auch nicht weit bringen, egal ob Koporierter oder nicht. Nicht jeder "Alte Herr" bekleidet ein hohes oder einflussreiches Amt. Viele haben einen guten Job, keine Frage, aber das ist wohl bei den meisten Akademikern so.

  4. Ich verstehe nicht, warum manche Leute unbedingt Wirtschaftslobbyisten mit Nazis in einen Topf werfen müssen.  Gerade beim Thema Einwanderung vertreten beide doch völlig entgegengesetzte Richtungen?!Diese weit gefasste Definition von Rechtsextremismus stösst mir auch deshalb so übel auf, weil sie letzlich alles relativiert und von den Problemen mit den "echten" Nazis ablenkt.

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    @sonnenbrille: Die WirtschaftsLobyisten wollen zwar Einwanderer, aber nur bestimmte: Die ArbeitsPferdchen.Und bevorzugt aus Kulturen, wo die Leute nicht gewöhnt sind, Rechte zu haben, und mittels derer man entsprechend die LeistungsSchraube anziehen kann, ohne unbedingt mehr Lohn zahlen zu müssen.Dass die NPD vielleicht gegen _alle_ Einwanderer ist, scheint ein kleiner Wiederspruch zu sein an der Stelle. Aber die NPD ist ja auch nur das FussVolk, und die Tendenz stimmt jedenfalls.Das ganze mündet dann wieder, wenn man nichts dagegen unternimmt, in Faschismus, wo die Leute alle quasi-versklavt sind (noch mehr als heute schon).Wer unter Nazis, die nach 1945 nicht abgestraft worden sind (wie in den alten BundeLändern), aufgestiegen ist, hat jedenfalls eine eher braun-verträgliche GesinnungsHaltung als eine rot-verträgliche.Hier nochmal ein Zitat von d. og. Link:-------------------------------------------------------------------Der Vorsitzende des Konvents ist Roman Herzog, der von 1994 bis 1998
    Bundespräsident war. Als junger Mann studierte Herzog
    Rechtswissenschaft an der Universität München und war von 1958 bis 1964
    Assistent des führenden Rechtsgelehrten Theodor Maunz. Maunz’s eigene
    juristische Karriere begann in den frühen 1930er Jahren, als er die
    Nationalsozialisten juristisch beriet. In der gesamten Zeit bis zum
    Ende des Zweiten Weltkriegs zählte Maunz zu den begeisterten Anhängern
    der Faschisten und spielte als Juraprofessor in Freiburg eine führende
    Rolle dabei, der Arbeit der deutschen Polizei unter den Nazis einen
    legalen Rahmen zu schaffen.------------------------------------------------------------------------http://www.wsws.org/de/20...

  5. für alles und jedes sind jetzt nicht mehr Juden oder Ausländer. Wer Geld hat, ist immer willkommen...Heute geht es gegen Kranke, Alte, Arbeitslose, Geringverdiener...Gegen alle, die kein Geld haben, und Unterstützung von Seiten der Gesellschaft angewiesen sind. Von da her sehe ich da schon auch Parallelen. So versucht man davon abzulenken, wie sich die "Elite" auf Kosten der Allgemeinheit bereichert. Von dem her gesehen, finde ich, könnte sich der Zentralrat der Juden schon auch mal einschalten, und zu den derzeitigen Vorgängen Stellung beziehen. Das Muster ist doch dasselbe. Aber wer weiß, vielleicht tun sie's ja und es berichtet nur niemand darüber.

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    In den 50ern waren dies Kinder von mittellosen Familien, denen man die Bücher, gebraucht wohl gemerkt, zur Verfügung stellte. Ich will damit sagen, daß der Stempel schon in früherer Zeit nur anders aussah.Ich bin sicher, das Letztere was Sie in Ihrem Kommentar ansprachen, wird der Fall sein. Es passt einigen wahrscheinlich nicht in die Landschaft.Schönes Wochenende - gute ZEIT mit der ZEIT!
    debrasseur

    http://kommentare.zeit.de...

    • dkoe
    • 31. Mai 2008 15:34 Uhr

    haben sie einen, wenn sie da parallelen sehen ( ähnlich wie der chefboss )Da wohl bisher keiner zeit hatte, übernehme ich es mal das auszuprechen.Die alten Nazis haben Millionen Menschen wie objekte behandelt und vernichtet und die neuen nazis verharmlosen das.Die "wirtschafslobbyisten" möchten höchstens, dass die millionen, die versorgt werden, etwas mehr selber tun, so sie es denn können.Zum eigtl. Thema ließe sich auch noch was sagen, evtl. später.Kleiner Kommentar zur Zeit: Wenn man hier ähnlich beleidigende und absurde Aussagen über andere Minderheiten als Burschis oder Wirtschaftsführer macht, dann werden die meist editiert. Finde ich nicht unbedingt verkehrt, aber gibt es  gute und schlechte "Minderheiten" ?

  6. In den 50ern waren dies Kinder von mittellosen Familien, denen man die Bücher, gebraucht wohl gemerkt, zur Verfügung stellte. Ich will damit sagen, daß der Stempel schon in früherer Zeit nur anders aussah.Ich bin sicher, das Letztere was Sie in Ihrem Kommentar ansprachen, wird der Fall sein. Es passt einigen wahrscheinlich nicht in die Landschaft.Schönes Wochenende - gute ZEIT mit der ZEIT!
    debrasseur

    http://kommentare.zeit.de...

  7. Sicher ist das, was Sie schildern, sehr bedenklich. Verstehen kann ich es aber schon, wenn sich jemand dem  ideologischen Diktat von Feminismus und politischer Korrektheit entzieht, das uns von Medien, Parteien, Kirchen und Verbänden aufoktroyiert wird. Es wird immer Menschen geben, die andere Auffassungen vertreten, als die Obrigkeit verlangt!

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    Man kann noch so von seinem Umfeld geimpft sein, schlußendlich entscheidet immer noch die eigene Person und die bleibt einzig auf der Welt. Selbst geklonte können nur Abziehbilder sein, mehr nicht.Schönes Wochenende - gute ZEIT mit der ZEIT!
    debrasseur

    http://kommentare.zeit.de...

  8. Man kann noch so von seinem Umfeld geimpft sein, schlußendlich entscheidet immer noch die eigene Person und die bleibt einzig auf der Welt. Selbst geklonte können nur Abziehbilder sein, mehr nicht.Schönes Wochenende - gute ZEIT mit der ZEIT!
    debrasseur

    http://kommentare.zeit.de...

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