Ein beliebtes Vorurteil geht so: Rechtsextreme tragen Springerstiefel, haben keine Haare, dafür aber eine Dose Bier in der Hand – und ihre Bildungskarriere gerät schon deutlich vor dem Hauptschulabschluss ins Stocken.

Leider ist das bloß ein Vorurteil, und es stimmt nicht. Auch Rechtsextreme studieren. Die Führungskader der NPD und ihrer Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) haben zu einem guten Teil Universitäten besucht – oder besuchen sie noch heute.

Ihre politischen Ideen mögen sich auf ein kurzes »Ausländer raus!« verkürzen lassen, aber dahinter steht eine fein verästelte und in sich geschlossene Ideologie, in der sie sich eloquent bewegen können. Ein schlichtes »Nazis raus!« reicht als Gegenargument nicht.

Es sind nicht viele, die sich an den Universitäten offen zum Rechtsextremismus bekennen. Aber auch hier gibt es eine kleine Gruppe, die für ihre Parolen anfällig ist. So glauben zum Beispiel rund sieben Prozent der deutschen Studenten laut einer Untersuchung des Hochschul-Informations-Systems Folgendes: »Deutschland ginge es wirtschaftlich besser, wenn nicht so viele Ausländer hier leben würden.«

Es muss nicht jeder ein Rechtsextremismus-Experte werden, um solchen Tendenzen entgegenzutreten. Aber jeder sollte wissen, wo die Widersprüche der rechtsextremen Ideologie liegen. Deshalb muss man sich mit ihr beschäftigen.

Auch wenn es unangenehm ist: Ruhig mal das NPD-Parteiprogramm lesen. Denn Argumente muss man kennen, um sie zu widerlegen. Und zwar sachlich. Gut gemeinte Empörung bei rechtsextremen Parolen reicht heute leider nicht mehr.