Gesellschaft Die Angst vor der Kirche

In Leipzig sprengten die Kommunisten vor 40 Jahren die älteste Universitätskirche Deutschlands. Nun errichtet die Hochschule eine Aula mit Andachtsnische

Noch ragen die Betonwände nackt in den Himmel. Noch dominieren Kräne, klaffen Zufahrten, wuchern Gerüste. Doch die hohen Fenster erinnern bereits an jene gotische Säulenhalle, die einst der Stolz Leipzigs war; und der holzverschalte Giebel gemahnt an die fein ziselierte Fassade der Universitätskirche, deren Abriss im Mai 1968, genau vor 40 Jahren, zur bleibenden Schande der Stadt wurde. Das staunende Publikum am Bauzaun könnte glauben, hier sei die große, längst fällige Geschichtsaufarbeitung, die sühnende Wiederherstellung des Gotteshauses im Gange.

Weit gefehlt. Denn die Kirche wird nicht wieder Kirche, sondern eine Aula. Wer dieser Tage im Rektorat versehentlich das Wort Paulinerkirche benutzt, wird barsch korrigiert. Man sei eine moderne Universität! Man lebe nicht mehr im Mittelalter, sondern vollziehe die Trennung von Kirche und Staat! Wollen Sie etwa zum Verfassungsbruch aufrufen? Der Ton lässt ahnen, dass die Leipziger Propagandisten »weltanschaulicher Neutralität« nervös sind, seit öffentlich wurde, dass sie einen Symbolbau der wiedervereinigten Republik neutralisieren, einen Akt politischer Wiedergutmachung sabotieren und eine der kostbarsten Kirchen Europas im Moment ihrer Auferstehung entkirchlichen wollen. Sie darf den Namen St. Pauli nicht wieder tragen, sondern soll Paulinum heißen. Weder die gerettete Barockkanzel aus dem Jahr 1738 noch der prächtige Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert werden aufgestellt. Eine mächtige Glaswand zwischen Schiff und Chor wird das Kirchenganze in einen profanen Hauptteil und ein mickriges sakrales Reservat namens Andachtsraum trennen.

Der Affront gegen das Geistliche ist auch ein Affront gegen das Geistige

Aber lässt sich überhaupt das Sakrileg heilen? Eine nationale Kulturbarbarei ungeschehen machen? Der Pfarrer Nikolaus Krause, der als Theologiestudent den Abriss erlebte, das Zusammenklappen des Gotteshauses wie das eines »alten Esels«, das ächzende Umsinken des Dachreiters und schmerzliche Sichverzerren der Giebelrosette, konnte sich eine Wiederherstellung nicht vorstellen. Vergebens hatte er seinerzeit Unterschriften gegen die Sprengung gesammelt, saß dann 20 Monate in Haft, haderte mit der DDR. Weil er um das Gebäude trauerte »wie um einen Verstorbenen«, wollte er nach der Wende, nunmehr Klinikseelsorger in Dresden, keine Rekonstruktion. Heute bereut er das. Es ist Mai 2008, und Krause absolviert seinen Ortsbesuch mit Tränen in den Augen: »Ich hätte 1989 nach Leipzig gehen und einen Wiederaufbau fordern sollen.«

Zu spät. Schon wird die Glaskonstruktion als »Terrarium für Christen« bespöttelt, man scherzt über die »Paula«, aber tatsächlich handelt es sich gerade bei der Trennung von Aula und Kirche um den entscheidenden Traditionsbruch: Denn das Gebäude, an das hier eigentlich erinnert werden sollte, war jahrhundertelang Kirche und Aula in einem. 1231 als Klosterkirche gegründet, 1545 von Martin Luther als Universitätskirche geweiht, diente es immer religiösen wie weltlichen Zwecken, wurde nach 1945 für Gottesdienste beider christlicher Konfessionen genutzt, versinnbildlichte also ein Toleranzideal, letztlich die Utopie des friedlichen Miteinanders.

Das ist es, wovon sich die Uni nun verabschiedet. Sie vergisst, wie untrennbar Wissenschaft und Religion in der abendländischen Geschichte verbunden waren. Sie übersieht, dass eine Glaswand nicht nur ahistorisch, sondern als künstliche Trennung zwischen Wissenschaft und Ethik auch ein fatales Zukunftssignal wäre. Der Affront gegen das Geistliche ist hier auch ein Affront gegen das Geistige, gegen kritische Vernunft und aufgeklärte Moral. Kein Wunder, dass die Universität in jüngster Zeit noch mit anderen Gesten ihrer peinlichen Unfähigkeit zur Vergangenheitsbewältigung Schlagzeilen machte: Das gigantische Marx-Relief will sie würdig aufstellen, aber dort, wo die von der DDR geschändeten Grablegen der Paulinerkirche waren, baut sie einen Fahrradkeller.

Diese Universität scheint anhaltend froh, dass Ulbricht die Kirche sprengen ließ, und rechtfertigt ihren militanten Säkularismus mit der Behauptung: Es war von Anfang an klar, dass wir nur eine Aula bauen. Vielen Gutgläubigen war es komischerweise nicht klar, dem Pfarrer Krause ebenso wenig wie seinem Landesbischof Jochen Bohl und dem Dekan der Theologischen Fakultät Rüdiger Lux, dem Universitätsprediger Martin Petzoldt, dem Gewandhauskapellmeister Herbert Blomstedt und all den anderen, die jetzt eilends Protestbriefe schreiben. »Kann sein, dass der Rektor schon immer die Kirche ausräumen wollte, aber das hat er nicht gucken lassen«, schimpft in zornigem Sächsisch der Wendepfarrer Christian Führer, Galionsfigur der friedlichen Revolution.

Führer versteht nicht, dass Kirche ausgerechnet in Leipzig als Bedrohung für die Demokratie empfunden wird, nachdem sie den Weg aus der Diktatur ebnete. Mag sein, man hätte die Strategiepapiere der Uni genauer studieren sollen. Ihm schwant, es gab da ein Informationsdefizit – in Sachsen leider üblich bei heiklen Themen wie Flutgeldern, Landesbank, Waldschlösschenbrücke. Während Führer gegen Hartz IV und Irakkrieg demonstrierte, entging ihm, was vor der Haustür rumorte, kaum fünf Gehminuten von seiner Nikolaikirche entfernt. »Offen für alle« ist das Motto von St. Nikolai, doch St. Pauli wird stilisiert zur Zentrale der Gegenaufklärung.

Deshalb hat Führer nun eine Demo angemeldet für den 30. Mai. »Wir mauergeschädigten Menschen wollen keine Glaswand. Wir protestieren dagegen, dass der Zerstörungsakt von vor 40 Jahren heutige Duldung erfährt.« Führers berühmte Bürstenfrisur steht kampflustig zu Berge. Warum er nie für einen Wiederaufbau eintrat? »Wir wollten keinen Machterweis der Kirche.« Aufgeklärte Theologie, protestantische Demut, Widerwille gegen den Rechristianisierungskurs der Katholiken: Vielleicht ist Toleranz manchmal Schwäche. Vielleicht war Führer zu dankbar, dass überhaupt gebaut wird am Ort der Zerstörung.

Weil Ende nächsten Jahres die Uni Leipzig ihr 600jähriges Bestehen feiert, begann 2005 im Herzen der Stadt ein wildes Abreißen, Aufbaggern, Umbauen. Die Bürger sahen es als Zeichen gegen den brachialsozialistischen Plattenbaufortschritt. Weg mit der früh verrotteten Karl-Marx-Universität! Vorwärts, aber nicht vergessen! Nach vielem Streit hatte 2004 der Rotterdamer Architekt Erick van Egeraat mit einem Wettbewerbsentwurf gesiegt, der anstelle der Universitätskirche eine verfremdete Hülle vorsah, den gotischen Innenraum jedoch kopierte. Diesen Kompromiss akzeptierte sogar der Paulinerverein, nachdem er jahrelang für einen Wiederaufbau gestritten hatte. Endlich schien sich ein würdiger Raum für die geretteten Kirchenschätze von St. Pauli aufzutun.

Deren hektische Bergung innerhalb zweier Tage im Mai 1968 ist Legende: Während draußen schon Sprenglöcher in den Kirchensockel gebohrt wurden, meißelte man drinnen kostbare Epitaphien von den Wänden. Steinmetze hatten die traurige Aufgabe, eine Auswahl zu treffen. Hilfsarbeiter zerlegten die Kanzel, schraubten vorsichtig die Orgelpfeifen ab, um sie dann scheppernd ins Kirchenschiff zu werfen, weil die Zeit nicht mehr reichte. Dieses Weltuntergangsdröhnen hat sich den Dabeigewesenen eingeprägt.

»Der Innenraum hat den Charme eines sowjetischen Standesamtes«

Die anderen, die jenseits der Absperrung ausharrten und am 30. Mai 1968 Punkt 10 Uhr die Staubwolke schluckten, wollen nun dringend wissen, was übrig blieb. Weil die Stasi systematisch die Erinnerung an St. Pauli auslöschte, indem sie Gemälde abhängte und Archive flöhte, müsste man heute das Geschehene umso lauter benennen, das Gerettete möglichst vollständig zeigen. Achtzig Ausstattungsstücke blieben erhalten, zumeist Epitaphien, aber auch Grabplatten aus dem 15. Jahrhundert, Holzstatuen aus dem 14. Jahrhundert, ein Kruzifix, 18 liturgische Gerätschaften. Leider passt nur ein Bruchteil all dessen in den Andachtsraum. Warum darf es nicht in die Aula?

Weil die Aula sonst komplett klimatisiert werden müsste, sagt die Universität, das sei zu teuer. Tunlichst verschweigt man, dass die Glaswand weit teurer werden könnte, zumal sie plötzlich verschiebbar sein soll, ein Zugeständnis an die erzürnte Leipziger Kirchenmusiklobby. Die große Orgel wird nämlich in der großen Halle hängen. Für den kleinen Andachtsraum waren zuerst nur kleine Konzerte vorgesehen. Dann kursierte die Idee einer Art Tür, aber irgendwer erkannte wohl noch rechtzeitig das Schildbürgerhafte dieses Plans: Musik durchs Nadelöhr quetschen wäre ganz ähnlich wie Licht in Säcke verpacken, um es in eine fensterlose Kirche zu tragen.

Apropos Licht. Dass beim Egeraatschen Innenraummodell die Sonne von Norden einfällt, kann man als Flüchtigkeitsfehler entschuldigen. Doch dass keine einzige achteckige Säule vorkommt, die für die Montage der Kanzel geeignet wäre, hat Methode. Sie besteht in der freizügigen Auslegung unklarer Beschlüsse. Man könnte es auch arglistige Manipulation eines Siegerentwurfs nennen, wobei ununterscheidbar bleibt, ob sie eher vom Architekten oder von der Universität ausgeht.

»Der arme Architekt hat noch nie eine Kirche gebaut, aber darf sich nun selbst verwirklichen«, spottet der Emeritus für Missionswissenschaft und Ökumenik Christoph Haufe. Er gehört zu denen, die die Katastrophe kommen sahen. »Stadt, Land und Uni hielten schon während der Ausschreibung hermetisch zusammen und gewährten der Bürgerbewegung keinen Einblick in die Debatte.« Tatsächlich präsentierte man erst nach der Siegerkür die Bewerberentwürfe. Haben die Universität als Grundbesitzer und das Land als Bauherr je begriffen, dass die Erinnerung an die Kirche nicht der Universität gehört und dass hier für 53 Millionen Euro kein Kaufhaus entsteht, sondern ein Mahnmal von höchstem öffentlichem Interesse?

Das Land Sachsen, immerhin, beschloss Anfang der Neunziger mal einen Wiederaufbau, intervenierte Anfang der 2000er Jahre in diesem Sinne, aber da pochten die jeweiligen Rektoren (erst ein in Moskau studierter ostdeutscher Chemiker, dann ein katholischer westdeutscher Jurist) auf die Hochschulautonomie. Haufe wundert sich nicht, dass nun eine Aula »mit dem Charme eines sowjetischen Standesamtes« entsteht. Und selbst das ist ein Fortschritt, verglichen mit dem Klotz ohne Kirche, der ursprünglich gebaut werden sollte. Dass dieses schändliche Monument eines »steinzeitlichen Wissenschaftsoptimismus« verhindert wurde, verdankt Leipzig nach Haufes Meinung allein dem Paulinerverein.

Seit fünf Jahren gibt es im Internet ein dreidimensionales Modell der Kirche

Der Paulinerverein kämpft seit 1993, er besteht aus tapferen Leute ohne Mandat wie dem Geophysiker Ulrich Stötzner und dem Germanisten Thorsten Reich, dem Ingenieur Christian Jonas, dem Experimentalphysiker Manfred Wurlitzer und dem Kulturwissenschaftler Wieland Zumpe. Mit lächerlichen 10000 Euro Jahresetat unterlaufen sie das Desinformationsmonopol der Entscheider. Die Pauliner verteilen Flyer und drucken Broschüren. Sie boten eine Spende zur Restaurierung jener Kanzel an, neben der schon Johann Sebastian Bach dirigierte – doch das Geld wurde bis heute nicht angenommen, die Kanzel versauert in der Kustodie. »Wir sind nur das Volk«, sagen die Ehrenämtler in Anspielung auf eine Wendeparole. Zu glauben, die Mächtigen würden Bürgern Gehör schenken, bloß weil Demokratie herrscht!

So naiv konnte nur Wieland Zumpe sein, der zu DDR-Zeiten lernte, das »humanistische Kulturerbe« müsse bewahrt werden, und nach der Wende dachte, das gelte jetzt auch für Kirchenschätze. In mühevoller Kleinarbeit bastelte der Mann ein 3-D-Modell von St. Pauli. Er holte Informationen aus Archiven, fütterte seinen Computer. Per Mausklick kann man das Ergebnis betreten. Die Adresse lautet www.paulinerkirche.org. Und plötzlich steht man unterm weiten Kreuzrippengewölbe. Golden schimmert die Kanzel. Vom Altar herab grüßt Paulus. Hier hat also Luther gepredigt. Dort oben im hohen Chor saßen während der Promotionen die Rektoren. So viele Epochen auf engem Raum. Das Computerprogramm, entschuldigt sich Zumpe, sei etwas veraltet. Vor fünf Jahren bot er an, sein Wissen weiterzugeben an die Architekten des Wettbewerbs, die keine genauen Pläne der Kirche zur Verfügung hatten. Abgelehnt. Vor fünf Jahren informierte er die Hochschulrektorenkonferenz über die Geschichtsvergessenheit seiner Oberen. Seither hat er Hausverbot an der Universität.

Zumpe hat mittlerweile ein paar Theorien zu dem merkwürdigen Nachwende-Revisionismus der Universität, der zunächst nicht leicht erklärbar scheint. Denn die Genossen wurden entmachtet, die Linkspartei ist bloß Opposition, wichtige Apparatschiks wurden durch Westbeamte ersetzt. Ja, aber, gibt Zumpe zu bedenken, wer sitze denn in der zweiten, dritten Reihe? Wo, bitte, wenn nicht in CDU und SPD, flöten die DDR-Blockflöten? Und wohin seien 1990 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion sämtliche Akten der SED-Kreisleitung verschwunden, die an der Karl-Marx-Universität lagerten? Habe nicht der sächsische Innenminister Heinz Eggert 362 Stasispitzel und 161 Hauptamtliche eingestellt? Was tun heute die sogenannten B-Kader des Ministeriums für Staatssicherheit, für den Verteidigungsfall rekrutierte Nicht-SED-Mitglieder und Nicht-IMs?

Wo der Staat Vergangenheit vergisst und die Universität in der kirchenfeindlichen Logik der SED agiert, gedeihen Verschwörungstheorien. Aber selbst wenn sie zuträfen, wären nicht alle entscheidenden Westdeutschen im Osten Marionetten der Stasi. Der Autoritarismus des Leipziger Rektors wirkt jedenfalls authentisch. Deshalb hat einer seiner prominentesten Kontrahenten, der Pfarrer der Thomaskirche Christian Wolff, der sich selbst als »lupenreinen Wessi« bezeichnet, noch andere Erklärungen parat. »Alte Ordinarienherrlichkeit« sei der Grund für mangelnde Diskussionsbereitschaft. Hinzu komme das Duckmäusertum der Untergebenen, »diese Angst zu widersprechen, die schon zu den beiden deutschen Diktaturen geführt hat«.

Wolff predigt jeden Sonntag mit dem Rücken zum Paulineraltar, der bei ihm Asyl hat. Und er predigt fast immer auch über St. Pauli, am liebsten gegen das akademische Neutralitätsgerede. Ausgerechnet heute, da die Wissenschaft immer mehr ethische Fragen aufwerfe, erzeuge man Fachidioten. »Wir klagen in Sonntagsreden Werte ein und erziehen Führungskräfte in einem neutralistischen Vakuum.« Universitätskirche heute, ob in Heidelberg, Freiburg oder Cambridge, maße sich ja kein Bestimmungsrecht über die Forschung an wie zu Zeiten Galileo Galileis, sondern sei geeignet, einer Verabsolutierung der Wissenschaft vorzubeugen. Kürzlich, in einer Ansprache, hat Wolff das Thema ironisch durchdekliniert: »Stellen wir uns vor, der Oberbürgermeister unserer Stadt weist den Thomaskantor an, dass ab sofort die Motette nur noch im Alten Rathaus gesungen werden darf. Denn schließlich handelt es sich beim Thomanerchor seit der Reformationszeit um eine städtische Einrichtung. Darum muss der Chor sich in Zukunft weltanschaulich neutral verhalten. Das Weihnachtsoratorium ist zur Buchmesse aufzuführen und die Johannespassion im Gewandhaus…« Was so absurd klang, war eine präzise Interpretation der neuen Intoleranz, die sich als Überkonfessionalität gebärdet.

Den akademischen Willen zur Indifferenz kann man auch bei einer Baustellenführung besichtigen. Nur nicht zu viel kirchliche Anmutung! Bitte wertfrei! Wenn man von Osten her ins Innere tritt, hat man zwar das Gefühl, durch ein Portal zu gehen. Gar nicht übel, denkt man, aber der Baustellenleiter erklärt, dass das hier nur die Zufahrt sei, die werde noch geschlossen, und Andachtsraumbesucher müssten dann durch diese Tür links an der Seite. Es ist eine Art Mauseloch, den Dimensionen des »Christenterrariums« angemessen. Hier verlaufe übrigens die Glaswand. Und was kostet die nun? Komme ganz drauf an, sagt der Baustellenleiter. Je filigraner, desto teurer. Am aufwendigsten sei aber die Klimatisierung der Dachgeschosse. Ja, Sie haben richtig gehört, über den Kirchenraum kommen noch mehrere Geschosse mit Seminarräumen. Nein, nicht für die Theologen. Ins Paulinum ziehen die Mathematiker und Informatiker. Noch Fragen? Natürlich zur Klimatisierung des Andachtsraums. Der werde nur belüftet, wohingegen die Aula klimatisiert werde wegen der bis zu 700 Leute. Wie bitte? Der Baustellenleiter bestätigt geduldig, dass der Andachtsraum definitiv nicht klimatisiert werde, empfindliche Epitaphien kämen in eine separate Klimakammer. Das ist mal eine Überraschung. Beruht also der seit Monaten brodelnde Trennungsstreit auf einem Irrtum? Wieso nicht gleich das Ganze klimatisieren und Kirche nennen und als Aula nutzen?

Der Rektor Franz Häuser ist auch überrascht von dieser Neuigkeit, obwohl er nur wenige Schritte weiter in der Ritterstraße residiert. Er hat übrigens für die Restaurierung der Kirchenschätze gespendet. Wenn er schimpft, dass es die Theologen gewesen seien, die die Kanzel, »das barocke Scheißding«, nicht haben wollten, schwingt sogar etwas wie Missbilligung mit. Aber in der Klimafrage bleibt er cholerisch, ruft aus: »Jetzt ist mal egal, wie, es sind zwei unverträgliche Klimaszenarien! Und die Glaswand darf man nicht zu lange öffnen, weil sonst alles zusammenbricht.«

Zusammenzubrechen droht derzeit in Leipzig vor allem das Kartenhaus funktionalistischer Argumente. Zum Vorschein kommt eine Effizienz-Uni. In deren Aula soll alles Mobiliar beweglich sein, sogar die Akustik durch Vorhänge variabel bleiben. Man hat nämlich einen Kooperationsvertrag mit der Messegesellschaft. »Wir machen uns deren Logistik zunutze, und wenn die etwas Attraktives veranstalten wollen, werden wir nicht im Wege stehen.« Attraktiv sein könnten Bankette. Auch Modenschauen? Man munkelt von Laufstegen; und der Paulinerverein bekam bei einer Baustellenbegehung zu hören, die Glaswand sei nötig, weil Aulanutzer beim Tanzen schwitzten. Tanzen? Der Katholik Häuser gibt zu bedenken, dass Christen, um Zeugnis abzulegen, keine Kirche brauchen. »Schauen Sie doch mal in die Diaspora: Da finden Gottesdienste in Gaststätten statt, wo vorher Tanzveranstaltungen waren.« Aus westdeutscher Perspektive ist das protestantische Kernland eben Diaspora, und die Sachsen können froh sein über den Andachtsraum.

Das Leipziger Beispiel lehrt, wohin verordnetes Effizienzdenken an den Unis führt: zu einer Akademia der Geldbeschaffer, zu Kulturverachtung neuen Typs und Kirche als Ornament. »Wir wollen eine festliche Aula, die ihre Festlichkeit aus der Anmutung des Vorgängergebäudes bezieht.« Die Paulinerkirche ein bloßes Vorgängergebäude? Diese historische Leichtfertigkeit könnte noch Anlass zu gröberen Debatten geben. Der Kustos der Universität, der zugleich Vorsitzender der Kunstkommission ist, wird solcher Kritik nicht den Stachel nehmen. Auch Rudolf Hiller von Gaertringen benutzt gern das Wort »wertfrei«, etwa in Bezug auf Werner Tübkes monumentales Wandgemälde Arbeiterklasse und Intelligenz. Es wurde für den sozialistischen Neubau der Karl-Marx-Universität in Auftrag gegeben und prangte im Rektoratsflur: ein buntes Tableau sozialistischer Helden, die aus dem Schatten der Geschichte treten. »Man muss das Kunstwerk mal objektiv betrachten«, sagt von Gaertringen, der zwar in einem Aufsatz zeigte, dass Tübke seinen Auftraggebern half, ihr Tun am Ort der gesprengten Kirche zu verklären. Aber der Maler habe auf plakative Indoktrination verzichtet. Deshalb empfahl die Kunstkommission »dringend«, das Wandbild in den neuen Campus zu übernehmen.

Als wäre künstlerisch wertvolle Propagandakunst keine Propagandakunst. Als könnten die Zeitgenossen von 1968 Tübke unparteiisch betrachten. Das Jubelbild soll wiederaufgehängt, aber die Kirche darf nicht wiederaufgebaut werden – von Gaertringen versteht bis heute nicht den Protest, der sich an der historischen Ungleichbehandlung entzündet. Der berühmte Schriftsteller und einstige Student der Karl-Marx-Universität Erich Loest, wegen Unbotmäßigkeit sieben Jahre in Bautzen eingesperrt, heute Ehrenbürger Leipzigs, fühlt sich verhöhnt. Er spricht von »rüpelhaftem Vergessen« und »traditionslosem Geplärre ohne Kenntnis dieser Stadt und ohne Liebe zu ihr«. Denn auf dem Tübke-Bild sind die Kirchensprengmeister verewigt: der damalige Erste Sekretär der SED-Bezirksleitung Paul Fröhlich, der Vorsitzende des Rates des Bezirkes Erich Grützner und der Oberbürgermeister Walter Kresse. Sie stehen im Hintergrund, aber durchaus im Mittelpunkt des Gemäldes – und weiterhin im Zentrum der Universität?

Manchmal kommt einem die Wendestadt Leipzig vor, als sei die Wende ein Zwischenfall ohne Folgen gewesen. Loest schlug vor, das bronzene Marx-Relief, das nach der Sprengung als Begrüßungskunstwerk an die Stelle des Altars gesetzt wurde, einzuschmelzen. Aber für den Umgang mit Tübke hatte er eine mildere, geradezu salomonische Idee. Warum nicht auch die düstere Seite der Universitätsgeschichte bebildern? Loest gab ein zweites Wandgemälde in Auftrag. Es ist nicht bunt-bewegt, sondern blaugrau und strahlt die Atmosphäre einer politischen Eiszeit aus. Es ist die Stimmung der fünfziger Jahre. Der Maler Reinhard Minkewitz, selbst aus der Leipziger Schule stammend, hat das Prinzip Hoffnungslosigkeit dargestellt. Man sieht Loests einstige Lehrer Ernst Bloch und Hans Mayer, kritische Marxisten, die vor dem Parteidogmatismus gen Westen flohen. Außerdem setzt Minkewitz drei mutigen Studenten ein Denkmal, die gegen die Diktatur opponierten und mit harten Haftstrafen büßten: Georg-Siegfried Schmutzler, Wolfgang Natonek und Werner Ihmels, der in Bautzen starb.

Die Uni hat leider kein Interesse an einem solchen Bild. Erst signalisierte sie dem Maler, es sei kein Geld da. Jetzt heißt es, man habe nicht so viele freie Wände. Von Gaertringen findet, »Kunst ist nicht das richtige Mittel der Aufarbeitung«. Im Übrigen sei der Universität »bisher nichts angeboten worden« – obwohl Kustos, Rektor, Maler im August 2007 mit dem Leipziger Regierungspräsidenten zusammentrafen. Man kann eine Sache auch entscheiden, indem man sie nicht entscheidet.

Wohin verschwanden die Grabbeigaben? Wohin die Leichen?

Aber man kann die Wahrheit nicht dauerhaft hinter Bauzäunen verbergen. Letzten Sommer, als am Augustusplatz gebaggert wurde, kamen Bögen des Dominikanerklosters und Reste menschlicher Skelette zum Vorschein. St. Pauli war ja Grablege gewesen für Adlige, Honoratioren, Rektoren. In den Mainächten 1968 wurden unter heimlich die Bodenplatten der Kirche herausgerissen, um die Grabbeigaben zu plündern. Hilfsarbeiter erinnern sich noch an den Gestank beim Verpuffen der Leichengase, aber auch an die Pracht der Gewänder und des Schmucks.

Etwa 800 Tote müssen sich in der dreistöckigen Gruft befunden haben. Wohin die Kostbarkeiten verschwanden? Wohin die Leichen? Nicht die Universität erforscht es, sondern Manfred Wurlitzer vom Paulinerverein. Leider wurden letzten Sommer die Fundstellen in der Baugrube zubetoniert und verschüttet. Die Bauleitung beruft sich auf das Urteil von Archäologen, die allerdings erst auftauchten, nachdem Wieland Zumpe von der Grube Fotos gemacht und ins Internet gestellt hatte. Woher das Desinteresse an der unheilvollen DDR-Geschichte kommt, Wurlitzer kann es auch nicht genau sagen, er weiß nur aus seiner Arbeit beim demokratischen Umbau der Universität Anfang der neunziger Jahre, dass damals »nicht alle Macher abgesägt« wurden. Der letzte DDR-Rektor, nachdem er im Herbst 1989 zum Boykott der Demos aufrief, wurde bis ins neue Jahrtausend weiterbeschäftigt. Der persönliche Referent des langjährigen Nachwenderektors war bei der Stasi gewesen. Ein wichtiges Mitglied der heutigen Kunstkommission promovierte und habilitierte sich ausgerechnet über DDR-Architektur in Leipzig. Die Arbeiten waren, sagt Wurlitzer, der sie gelesen hat, keine eben kritischen.

Bis die Diktatur wirklich überwunden ist, muss noch viel gegraben werden in Leipzig. Vielleicht gibt es ja irgendwann den politischen Willen, die Trümmer der Kirche zu bergen, die in eine Sandgrube am Rande Leipzigs gekippt wurden. Mancher schlich damals ans Loch und stahl ein Erinnerungsstück, ein junger Geophysiker barg eine Helmzier. Heute ist Ulrich Stötzner Vorsitzender des Paulinervereins, manchmal fährt er hinaus nach Probstheida, zur Sandgrube, die jetzt ein grasüberwachsener, vom Grün üppiger Büsche umwehter Hügel ist. Tonnenweise Schutt wurde über die Kirchenreste getürmt, auf dass sie für immer begraben blieben. Man rechnete nur nicht mit der Hartnäckigkeit Stötzners. Der hat mittlerweile den »Hügel der Schande« geophysikalisch vermessen. Dreizehn Meter unter Gelände, sagt er, beginne die Kirche, wobei die großen Bruchteile natürlich ganz unten liegen. Aber sie liegen trocken. Ihre Bergung würde zwei Millionen Euro kosten, das klingt viel, aber wenn man bedenkt, dass ein Wiederaufbau auf 25 Millionen veranschlagt wurde, während der Neubau nun mehr als das Doppelte verschlingt…

Blickt man vom Grabhügel der Kirche in Richtung Völkerschlachtdenkmal, dann schrumpft die Gegenwart auf ihr Maß und erscheint weniger hoffnungslos. Über 700 Jahre alt wurde die Paulinerkirche, 600 Jahre wird bald die Universität. Der sozialistische Brachialbau währte kaum 40 Jahre. Gut möglich, dass auch die »Paula« nicht ewig steht.

 
Leser-Kommentare
  1. Haben wirklich die Kommunisten die Kirche gesprengt? War es nicht die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands und hatte die nicht mehrheitlich Mitglieder aus der Sozialdemokratie?
    Im Übrigen scheint mir der Artikel als eine üble Schmähschrift der Gegenaufklärung, die es einfach nicht verwinden kann, dass Wissenschaft nach Galilei  Gottes Segen als sekundär ansieht. Das ist der Vormarsch der Religionen, der eben nicht nur in Allahs Namen vorangetrieben wird.

  2. Wie in der BilderSerie eines der Fotos unterschrieben ist: "Die rechte Figur ohne Kopf steht für den Glauben".Was hier verschwiegen wird, ist, dass die linke Figur, mit Kopf, wahrscheinlich für das Wissen steht:http://www.zeit.de/online...Klar ?

  3. Da wird es einem ja richtig gruselig!
     
    Ich versuche mal eine Zusammenfassung.
    "... die jeweiligen Rektoren (erst ein in Moskau studierter ostdeutscher Chemiker, dann ein katholischer westdeutscher Jurist)..." verhindern den Nachbau der Paulinerkirche. Warscheinlich an der Lomonossow Universität studiert. Stellt sich sofort die Frage, war Lommonossow etwa auch ein bolschewistischer Stasi Agent und was hat das damit zu tuen das der heutige Rektor katholisch ist. Das er aus "dem Westen" kommt scheint der Autorin besonders verdächtig zu sein!
     
    Dann haben wir noch die böse Regierung des Freistaates Sachsen und eine dämonische Messegesellschaft welche in der Aula tanzen will. Eben in der Aula und nicht in einer Kirche!
     
    Zum Schluss hat auch noch der Teufel in Gestalt der Staaaaasi! seine Hand im Spiel. Von diesem sind nämlich die Funktionsträger der Uni besessen, weil sie früher "Blockflöten" gewesen sein sollen.
     
    Die einzigen die warhaft gut und edel sind, sind die Mitglieder des Paulinervereins! Allerdings habe ich noch nichts davon gehört, dass wegen der Parität dann auch ein muselmanischer Gebetsraum, ein jüdischer Gebetsraum und ein buddistischer Schrein gefordert werden.
     
    "... aus der Kirche ehrwürdiger Nacht sind sie alle ans Licht gebracht..." Gott seis getrommelt und gepfiffen, dass wir nicht mehr in die Hände frömmelnder Fanatiker fallen! 

    • Anonym
    • 30.05.2008 um 15:55 Uhr

    Kennen Sie den Film "Planet der Affen" (Teil 1, mit Charlton Heston in der Hauptrolle, USA 1967)? Aber unabhängig von der Romanvorlage, schon der Film im Duktus des Drehbuchs (Michael Wilson/Rod Serling)  belehrt durch seine Satire - Dank auch der guten Schauspieler und des Regiesseurs (Fraklin J. Schaffner)  - selbst den Begriffsstutzigsten noch. Deutschland "quo vadis?"

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    • Anonym
    • 30.05.2008 um 15:57 Uhr

    In der Überschruft müsste es "Flim" heißen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    • Anonym
    • 30.05.2008 um 15:57 Uhr

    In der Überschruft müsste es "Flim" heißen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    • Anonym
    • 30.05.2008 um 15:57 Uhr

    In der Überschruft müsste es "Flim" heißen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  4. Dieser Artikel (besser: Hetzschrift gegen die Uni Leipzig) ist eine Zumutung und reiht sich ein in die seit Jahren andauernde Propagandabeschallung von Paulinerverein, Erich Loest und Bild-Zeitung. Fast scheint der Artikel vom Paulinerverein diktiert worden zu sein.

    Es ist immer bemerkenswert, wie die Kirchenfreunde meinen, das Interesse aller Leipziger zu vertreten. Ziemlich dreist. Ich wohne auch in Leipzig und die Mehrheit derer, die ich kenne (ich behaupte nicht, dass das repräsentativ wäre), möchte eine Aula für die aus allen Nähten platzende Uni und keinen Sakralbau, der den Triumph der Religion über die Wissenschaft demonstrieren soll. Zumal der Bedarf für eine christliche Kirche aus Kirchgängersicht nicht da ist - die Stadt ist weitgehend atheistisch und die bestehenden Gemeinden klagen nicht gerade über Überfüllung.

    Zur Geschichte der Paulinerkirche gehört auch ihre Sprengung. Das kann man nicht einfach ausradieren und die Kirche historisierend wieder an den gleichen Platz setzen. Im Übrigen ist mir schleierhaft, warum bei dem Sprengakt so getan wird, als sei es das Barbarischste, was jemals auf Erden passiert sei. Man sollte nicht vergessen, dass in den 60er und 70er Jahren in beiden Teilen Deutschlands sakrale wie auch vor allem weltliche Bauten abgerissen wurde - das war damals nun eben im Trend. Das mag ein Fehler gewesen sein, aber Unrecht wird nicht durch neuerlichen Unsinn besser.

    Wenn die prochristlichen Propangandaaktivisten eine Kirche haben wollen, sollen sie ein Grundstück kaufen und ein Ding bauen. Aber die Frechheit, mit der sie der Uni vorschreiben wollen, wie jene ihren Neubau zu gestalten ist, ist reichlich dreist.

    Angesichts der nicht ganz makellosen christlichen Geschichte - um es vorsichtig auszudrücken - ist es bereits mit dem jetztigen Bauvorschlag eine Zumutung für nichtchristliche Studenten, dass sie in einer Aula lernen sollen, die die typisch christlich erdrückende Atmosphäre aufweist. Es ist bekannt, dass es in Deutschland keine Trennung von Kirchen und Staat gibt. Dennoch gibt es sowas wie Religionsfreiheit und auch die christlichen Missionierer müssen sich damit abfinden, dass sie nicht allein das Monopol auf Weltanschauung und Wertediskussion haben.

  5. Geschichtsrevisionismus hat noch nie etwas gebracht. Dass die Paulinerkirche gesprengt wurde, ist ein furchtbares Verbrechen, das nicht vergessen werden darf. Erinnerung heißt aus meiner Sicht aber nicht, einen Wiederaufbau zu fordern. Dadurch würde nichts, aber auch gar nichts besser. An der Stelle, wo früher die Kirche stand, ist jetzt das Zentrum einer Universität mit über 30.000 Studierenden (zu denen ich gehöre) und der Neubau sollte eigentlich vor allem ihren Bedürfnissen entsprechen. Für mich ist bereits der jetzt entstehende Bau schwer erträglich. Eine Aula, die aussieht, wie eine Kirche? Wie werden sich dort wohl nicht-christliche Studierende fühlen? Ja, Kirche und Universität waren in ihren Anfangszeiten untrennbar miteinander verwoben, aber das ist lange vorbei. Es wäre schön gewesen, wenn die Autorin auch Studierende zu ihrer Sichtweise befragt hätte. Und ich hätte mir einen ausgewogenen Artikel gewünscht, der alle Seiten zu Wort kommen lässt und nicht nur ins selbstgerechte Horn des Paulinervereins bläst. Sehr schade.

  6. selten so einen mist wie diesen artikel gelesen. ihre autorin hat doch überhaupt keine ahnung, worüber sie schreibt.da wird sich darüber empört, dass an der ostseite ein "portal" noch zugemauert werden soll und die leute dann durch "eine art mauseloch" ins gebäude müssten. was ihre fachkraft nicht begriffen hat: das entspricht genau der historischen situation. die kirche grenzte früher an die stadtmauer, an der ostseite hatte es nie ein portal gegeben. was regt die sich darüber auf, wenn es jetzt wieder so gebaut wird? nur weil es ihr in den kram passt! an fakten scheint die gar nicht interessiert zu sein. hat die sich jemals mit dem jury-text zum wettbewerb auseinander gesetzt. offenbar nicht. vielleicht war sie einfach zu faul dazu. fazit: peinlich ist vor allem, dass so ein quark als "zeit"- artikel veröffentlicht wird. wenn das das level sein soll, dann lasst es lieber ganz sein.(Anmerkung: Bitte bleiben Sie in Ihrer Kritik sachlich. Vielen Dank! Die Redaktion/jk)

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    • Anonym
    • 31.05.2008 um 7:58 Uhr

    Wer beruflich des Schreibens wegen unterwegs, sollte zumindest wissen, über was er schreibt. Eine Unterlage sei meist hilfreich.Schönes Wochenende - gute ZEIT mit der ZEIT!
    debrasseur

    http://kommentare.zeit.de...

    Ich gehe doch mal davon aus, dass Sie diese Mahnung - im Nachhinein beschämt darüber, eine weitere typisch unverschämt einseitige Evelyn-Finger-Suada veröffentlicht haben - entweder an Ihre Autorin oder die Redaktionkonferenz gerichtet haben, nicht wahr? Besonders ärgerlich sind die auf Sachsen bezogenen Artikel dieser Dame nämlich nicht nur wegen ihres hetzerischen Charakters (man denke auch an ihre Äußerungen zur Waldschlösschenbrücke in Dresden), sondern weil sie zusammenfallen mit einer notorischen Ost-Blindheit (oder bleiben wir fair: Ost-Schwachsichtigkeit) der "ZEIT" allgemein, sofern es nicht um nicht zu leugnende negative Aspekte geht:
    - Wo war der Hinweis (bspw.) auf Dresden, als es um das Thema "Straßenbahnen" ging? Um ein vorbildliches ÖPNV-Netz darzustellen, braucht man nicht ins Ausland zu schauen.
    - Wo war der Hinweis auf Dresden, als kürzlich auf der "Deutschlandkarte" Aktionen mit Tierskulpturen im öffentlichen Raum dargestellt wurden? In Dresden gab es das schon vor einigen Jahren mit bunten Pferden.
    - Warum erschien Dresden nicht in der Übersicht der Großstädte, in denen man des Nachts noch gut Essen gehen kann (o.ä.) - reichen über 500.000 Einwohner (über die auch Leipzig verfügt) als Qualifikationskriterium nicht aus?
    - ...
    Wer achtet bei der "ZEIT" eigentlich auf Ausgewogenheit? Mal abgesehen davon, dass Ausfälle wie die Artikel von Frau Finger nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der "ZEIT" beitragen - schade.
     
    JoshWolf, SLDD

    Ich kann einfach nur zustimmen. Die Autorin legt nicht nur eine völlig einseitige Betrachtungsweise an den Tag, sondern hat für ihren Artikel wohl in keinster Weise recherchiert. Sie spricht von einem "ahistorischen" Verhalten der Entscheidungsträger hier in Leipzig, dabei sollte sie doch erstmal nachschlagen, wie historisch definiert wird! Eine abgerissene Kirche, so furchtbar die Zerstörung von St. Pauli durch die SED auch war, wieder aufzubauen, ist keine historische Aufarbeitung des Geschehenen. Wenn wir so anfangen würden, dann sollten wir uns mal Gedanken machen, wie wir die ganzen halbverfallenen mittelalterllichen Burgen wieder aufbauen. Denn nur so können wir nach der Meinung dieser Autorin historsch aufarbeiten. Wenn man ihre unsinnige Argumentation etwas verfolgt, kommt man schnell zu dem Schluß, dass der Artikel diesen Paulinerverein und die Kirche in ein allerheiligstes Licht stellt. Jedoch stellt sich mir sofort die Frage, wo können die Studenten anderer Konfessionen hingehen, wenn unsere neue Aula eine Kirche wäre? Vielleicht sollte sich mal jemand von der Presse die Mühe machen und die Menschen dieser Stadt sowie die Studenten, Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern der Universität über ihre Meinung zu befragen, was sie von einem Wiederaufbau halten. Wahrscheinlich wären sie erschüttert, wie viele von denen gegen einen Wiederaufbau der Kirche wären. Vermutlich würde diese sogenannte Autorin, deren Namen ich gleich wieder aus meinem Gedächtnis löschen werde, wohl 90% der Leipziger als "ahistorisch" oder vielleicht sogar als verkappte Kommunisten bezeichnen.Zum Ende möchte ich noch kurz bemerken, werte Frau Autorin, nicht die Kirche und Pfarrer Führer haben die friedlichen Wende bewirgt, sondern die Leipziger und alle die damals auf die Strasse gegangen sind.

    • Anonym
    • 31.05.2008 um 7:58 Uhr

    Wer beruflich des Schreibens wegen unterwegs, sollte zumindest wissen, über was er schreibt. Eine Unterlage sei meist hilfreich.Schönes Wochenende - gute ZEIT mit der ZEIT!
    debrasseur

    http://kommentare.zeit.de...

    Ich gehe doch mal davon aus, dass Sie diese Mahnung - im Nachhinein beschämt darüber, eine weitere typisch unverschämt einseitige Evelyn-Finger-Suada veröffentlicht haben - entweder an Ihre Autorin oder die Redaktionkonferenz gerichtet haben, nicht wahr? Besonders ärgerlich sind die auf Sachsen bezogenen Artikel dieser Dame nämlich nicht nur wegen ihres hetzerischen Charakters (man denke auch an ihre Äußerungen zur Waldschlösschenbrücke in Dresden), sondern weil sie zusammenfallen mit einer notorischen Ost-Blindheit (oder bleiben wir fair: Ost-Schwachsichtigkeit) der "ZEIT" allgemein, sofern es nicht um nicht zu leugnende negative Aspekte geht:
    - Wo war der Hinweis (bspw.) auf Dresden, als es um das Thema "Straßenbahnen" ging? Um ein vorbildliches ÖPNV-Netz darzustellen, braucht man nicht ins Ausland zu schauen.
    - Wo war der Hinweis auf Dresden, als kürzlich auf der "Deutschlandkarte" Aktionen mit Tierskulpturen im öffentlichen Raum dargestellt wurden? In Dresden gab es das schon vor einigen Jahren mit bunten Pferden.
    - Warum erschien Dresden nicht in der Übersicht der Großstädte, in denen man des Nachts noch gut Essen gehen kann (o.ä.) - reichen über 500.000 Einwohner (über die auch Leipzig verfügt) als Qualifikationskriterium nicht aus?
    - ...
    Wer achtet bei der "ZEIT" eigentlich auf Ausgewogenheit? Mal abgesehen davon, dass Ausfälle wie die Artikel von Frau Finger nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der "ZEIT" beitragen - schade.
     
    JoshWolf, SLDD

    Ich kann einfach nur zustimmen. Die Autorin legt nicht nur eine völlig einseitige Betrachtungsweise an den Tag, sondern hat für ihren Artikel wohl in keinster Weise recherchiert. Sie spricht von einem "ahistorischen" Verhalten der Entscheidungsträger hier in Leipzig, dabei sollte sie doch erstmal nachschlagen, wie historisch definiert wird! Eine abgerissene Kirche, so furchtbar die Zerstörung von St. Pauli durch die SED auch war, wieder aufzubauen, ist keine historische Aufarbeitung des Geschehenen. Wenn wir so anfangen würden, dann sollten wir uns mal Gedanken machen, wie wir die ganzen halbverfallenen mittelalterllichen Burgen wieder aufbauen. Denn nur so können wir nach der Meinung dieser Autorin historsch aufarbeiten. Wenn man ihre unsinnige Argumentation etwas verfolgt, kommt man schnell zu dem Schluß, dass der Artikel diesen Paulinerverein und die Kirche in ein allerheiligstes Licht stellt. Jedoch stellt sich mir sofort die Frage, wo können die Studenten anderer Konfessionen hingehen, wenn unsere neue Aula eine Kirche wäre? Vielleicht sollte sich mal jemand von der Presse die Mühe machen und die Menschen dieser Stadt sowie die Studenten, Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern der Universität über ihre Meinung zu befragen, was sie von einem Wiederaufbau halten. Wahrscheinlich wären sie erschüttert, wie viele von denen gegen einen Wiederaufbau der Kirche wären. Vermutlich würde diese sogenannte Autorin, deren Namen ich gleich wieder aus meinem Gedächtnis löschen werde, wohl 90% der Leipziger als "ahistorisch" oder vielleicht sogar als verkappte Kommunisten bezeichnen.Zum Ende möchte ich noch kurz bemerken, werte Frau Autorin, nicht die Kirche und Pfarrer Führer haben die friedlichen Wende bewirgt, sondern die Leipziger und alle die damals auf die Strasse gegangen sind.

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