Reproduktionsmedizin Auf die Liebe kommt es an

Künstlich gezeugte Kinder entwickeln sich ganz normal. Aber sie wollen um ihre Herkunft wissen. Ein Gespräch mit der britischen Psychologin Susan Golombok.

DIE ZEIT: Frau Golombok, seit 1985 vergleichen Sie in einer Langzeitstudie im Labor gezeugte Kinder mit solchen, die normal gezeugt wurden.Wie sehen die Ergebnisse aus?

Susan Golombok: Sie sind durchweg positiv. Es gab ja anfangs große Besorgnisse. Da die Eltern sich viele Jahre vergeblich Nachwuchs gewünscht hatten und die Kinder unter schwierigen Umständen zur Welt kamen, fürchtete man zum Beispiel, dass die Eltern überhöhte Erwartungen an sich oder ihre Kinder stellen oder ihre Kinder zu sehr verwöhnen würden. Beides hat sich nicht bewahrheitet. Die Eltern kümmern sich in den ersten Jahren zwar etwas intensiver als andere um ihre Kinder, später normalisiert sich dieses Verhalten jedoch. Insgesamt ist die Beziehung zwischen Eltern und Nachwuchs weder besser noch schlechter als in anderen Familien.

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ZEIT: Zeigen diese Kinder sonst irgendwelche Auffälligkeiten?

Golombok: Wir konnten keine feststellen. Wir haben zu drei Zeitpunkten – als die Kinder sechs, zwölf und achtzehn Jahre alt waren – ihre seelische und soziale Entwicklung sowie das Verhältnis zu ihren Eltern untersucht. Die im Labor gezeugten Kinder sind psychisch stabil. In der Schule entwickeln sie sich ebenso normal wie in Bezug auf Freundschaften. Kurzum: Sie unterscheiden sich nicht von anderen Kindern.

DIE ZEIT: Gilt das genauso für Kinder, die mit Hilfe einer Samen- oder Eizellspende gezeugt wurden?

Golombok: Hier existierten zusätzliche Sorgen, weil bei dieser Art der Fortpflanzung einem Elternteil die genetische Verbindung zum Kind fehlt. Dennoch zeigen auch diese Kinder keine sozialen oder emotionalen Auffälligkeiten. Probleme kann aber das Tabu verursachen, das die Samen- oder Eizellspende umgibt.

ZEIT: Inwiefern?

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