Reproduktionsmedizin Auf die Liebe kommt es anSeite 2/2
Golombok: Wir wissen aus Studien mit Adoptivkindern, dass es für Kinder besser ist, wenn sie ihre Herkunft kennen. Auch Spenderkinder sollten von ihren Eltern über die Umstände ihres Entstehens aufgeklärt werden.
ZEIT: Klären die Eltern ihre Kinder auf?
Golombok: Nur selten. Vor fünfzehn Jahren hatte so gut wie kein Elternpaar ihr Kind über die Umstände der Zeugung informiert. Viele Eltern haben Angst, dass ihr Kind sich ihnen entfremdet, wenn es erfährt, dass bei der Zeugung ein Dritter im Spiel war. Doch langsam ändert sich diese Einstellung. Bei unserer letzten Umfrage hatte rund ein Drittel der Eltern ihre Kinder aufgeklärt. Dabei zeigte sich: Die Furcht vieler Eltern, dass ihre Kinder sie weniger lieben würden, ist unbegründet. Je früher man es den Kindern erzählt, desto leichter akzeptieren sie die Wahrheit. Das gilt nach unseren bisherigen Erkenntnissen auch für Kinder, die mit Hilfe einer Leihmutter zur Welt gekommen sind.
ZEIT: Was wissen wir über das Wohlergehen sogenannter Retterkinder, die gezeugt wurden, um einem kranken Geschwisterkind zu helfen?
Golombok: Da es sich bislang nur um sehr wenige Fälle handelt, gibt es zu dieser Methode noch keine Studien. Wir wissen aber, dass die Eltern ihr Kind nicht als Ersatzteillager begreifen, dass sie es lieben wie ihre anderen Kinder auch. Ich vermute, dass die Schwierigkeiten woanders liegen, und zwar bei dem, was die sogenannten Helferkinder durchmachen müssen. Das hängt sehr von der Krankheit ab, unter der die Schwester oder der Bruder leidet. Ob nur die Nabelschnur benötigt wird, eine Blutspende ausreicht oder ob häufige Punktionen des Knochenmarks notwendig sind oder gar größere Operationen.
ZEIT: Welchen Schluss ziehen Sie insgesamt aus Ihren langjährigen Untersuchungen?
Golombok: Dass die Umstände der Zeugung relativ wenig Einfluss auf die Entwicklung eines Menschen zu haben scheinen. Was zählt ist vielmehr, welches Verhältnis die Eltern zu ihrem Kind aufbauen, ob sie es lieben. Das scheint bei der übergroßen Mehrzahl der Fälle von im Labor gezeugten Kindern der Fall zu sein.
Die Fragen stellte Martin Spiewak .
- Datum 01.10.2009 - 13:13 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.05.2008 Nr. 23
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