Bildung Das Lernen lernen

Neugierde, Freiheit und Verantwortung statt Leistungsdruck: Die Laborschule in Bielefeld erprobt seit Jahrzehnten, was guter Unterricht ist. Sie ist eines der wichtigsten Modelle für die Bildungsreformen in Deutschland – und eine Gesellschaft im Kleinen

Vor Kurzem waren sie das erste Mal in ihrem Leben in einer normalen Schule. Zur Probe gewissermaßen. Eine Woche lang verbrachten sie Stunden in geschlossenen Räumen. Sie saßen in geordneten Reihen. Sie hörten Lehrer lange reden. Gefallen hat es ihnen nicht. »Irgendwie ungemütlich«, fand Marleen. Die Klassenräume sahen alle gleich aus. Außerdem habe es Schüler gegeben, berichtet Rabea erstaunt, die »im Unterricht kein einziges Wort sagten«. Die beiden Mädchen sind in der zehnten Klasse. Die Schnupperwoche an der fremden Schule verbrachten sie, weil sie bald an ein solches »normales« Gymnasium wechseln werden, um ihr Abitur zu machen. Wenn die beiden 15-Jährigen darauf zu sprechen kommen, hört sich das ein wenig so an, als stünde ihnen die Vertreibung aus dem Paradies bevor.

Ihr Paradies liegt am Rand des Teutoburger Waldes und trägt einen seltsamen Namen: Laborschule Bielefeld. Rein äußerlich ein hässlicher Zweckbau auf dem Campus der Universität, die noch größer und hässlicher ist, zusammengebaut aus Beton, Stahl, Asbest. Hier haben Marleen und Rabea ihre bisherigen Schuljahre verbracht und dabei an einem Experiment teilgenommen, das seit Jahrzehnten zu den ambitioniertesten bildungspolitischen Reformprojekten der Bundesrepublik gehört. Es ist noch heute so kühn und ungewöhnlich, dass die beiden Mädchen Nachbarkindern ihre Schule immer wieder erklären mussten. Die wollten nicht glauben, dass dort niemand sitzen bleiben kann, die Rektorin von allen geduzt wird und es sogar einen Zoo gibt.

Der Gründer der Laborschule, Deutschlands Altmeister der Pädagogik Hartmut von Hentig, wollte hier den Traum einer Schule wahr machen, in der Kinder gerne lernen und leben und wo sie an eigenen Erfahrungen wachsen, statt von Erwachsenen belehrt zu werden. Die Schüler sollen das Tempo, in dem sie sich die Wirklichkeit erschließen, selbst bestimmen, statt im Gleichschritt dem Lehrplan hinterherzulaufen. Die Laborschule sollte eine Art Polis im Kleinen sein, wie der Altphilologe von Hentig es nannte, ein »Zipfel besserer Welt« – und damit ein Gegenentwurf zu den anderen Lehranstalten im Land, in denen den Kindern die natürliche Neugier eher abtrainiert als nahegebracht werde. So war das vor mehr als 34 Jahren in den bildungsbewegten Siebzigern. Und so ist es heute, wo die Zeichen in Schulen und Universitäten erneut auf Wandel stehen. »Viele der Hentigschen Prinzipien sind moderner denn je«, sagt die heutige Schulleiterin Susanne Thurn. Das stimmt. Und es ist gleichzeitig falsch.

Nichts in der Schule ist so alt wie der Ruf nach Neuerungen

Denn kaum etwas im modernen Unterrichtswesen ist so alt wie der Ruf nach Neuerungen. Bildung und Reform sind gerade in Deutschland in doppelter Weise eng verknüpft. Die Gesellschaft durch Bildung zu verbessern in Institutionen, die dieser Aufgabe nicht gewachsen sind und selbst der Verbesserung bedürfen: Diese Vorstellung findet man schon bei Friedrich Schleiermacher Ende des 18. Jahrhunderts. Wilhelm von Humboldt (1767 bis 1835) machte sie zu konkreter Politik und legte in Preußen die organisatorischen Fundamente für Schulen und Universitäten.

Seither sind Bildungsreformen das Lieblingsthema der deutschen Nation. Kaum ein anderes Land hat so viele Reformpädagogen hervorgebracht: Friedrich Wilhelm August Fröbel (Kindergarten), Rudolf Steiner (Waldorfschulen), Peter Petersen (Jena-Plan-Schulen). Durchsetzen konnte sich keiner. Vielmehr haben sich die Bildungsinstitutionen in erstaunlicher Weise als resistent gegen Veränderungen erwiesen. Das Lernen im 45-Minuten-Takt, die Kategorisierung der Welt in Fächer (siehe Interview), die Hierarchie von einfachen Schulen bis zur »höheren« Schule, dem Gymnasium, das zum Studium führt: Sie gab es damals wie heute. Und würde man verschiedene Berufsgruppen – Ärzte, Architekten, Ingenieure, Lehrer – mit einer Zeitmaschine aus der Vergangenheit ins Jahr 2008 beamen, Lehrern käme ihr Arbeitsplatz am vertrautesten vor.

Es sei denn, sie landeten an der Laborschule. Lisa hat sich heute zuerst mit krakeligen Buchstaben ins Gruppenbuch eingetragen. Kerim kam zuletzt und setzte seinen Namen in schöner Schrift daneben. Nun sitzen sie mit der »Gruppe grün« versammelt auf dem Teppich – einige in Socken, andere in Hausschuhen – und besprechen den Vormittag. Die fünfjährige Lisa möchte Buchstaben ausschneiden, Kerim die Rechenaufgaben fortsetzen, bei denen er gestern nicht besonders weit gekommen ist. Kurze Zeit später sucht sich jeder aus der Runde einen Platz. Die einen am großen Gruppentisch, die anderen auf dem Sofa.

Ganz ungesteuert geschieht dies nicht. Lehrerin Olga Petrow-Gieselmann hat am Tag zuvor das Lernangebot für jeden Schüler vorbereitet. Während der Lernzeit pendelt sie zwischen ihren Schützlingen hin und her, erklärt, lobt, fordert. Zwei »Nuller«, so heißen die Vorschüler, entscheiden sich für die Spielfläche. Dort warten schon Kinder aus der »Gruppe blau«, deren Teppichkreis nur zehn Meter entfernt stattgefunden hat.

Zwölf Klassen lernen im Haus eins der Laborschule unter einem Dach. Die Gruppen sind nur durch Galerien, dünne Stellwände und Regale mit Büchern und Spielzeugen getrennt. Experimentierecken wechseln sich ab mit kissengepolsterten Lesenischen, eine Hängematte schwingt neben einer Druckmaschine. Leises Stimmengemurmel liegt über der Bildungslandschaft. Kaum zu glauben, dass an diesem Morgen gleichzeitig 180 fünf- bis siebenjährige Kinder in einem fußballfeldgroßen Raum lernen.

In den Gebäuden der älteren Jahrgänge sieht es ähnlich aus, wenn auch nicht ganz so heimelig. Klassenräume sucht man in Bielefeld ebenso vergeblich wie ein Lehrerzimmer. Jeder Pädagoge hat den Schreibtisch dort, wo seine Schüler sind. Der Schule ihre Schranken zu nehmen war eines der Hentigschen Ziele. Weder gelten die herkömmlichen Einteilungen nach Altersstufen noch nach Fächern oder Begabungen.

Diese Freiheit verlangt von den Schülern eine große Verantwortung für das Selbststudium. An der Laborschule wird dies von Beginn an geübt. Etwa durch den sogenannten Wochenplan, mit dem sich die jungen Schüler ihre Lernzeit selbst einteilen. Oder im Rahmen von Projektarbeiten, in denen die älteren jedes Jahr »etwas großes Eigenes« anfertigen – sie basteln ein Werkstück, nähen ein Kleid, drehen ein Video oder schreiben ein Buch.

Warum aber lernen Schüler? Die juristische Antwort lautet: Weil sie es müssen. Die Schule ist eine Zwangsveranstaltung. Jeder hat die Chance zum Lernen, aber auch die Pflicht. Nirgendwo sonst greift der Staat so nachhaltig ins Selbstbestimmungsrecht ein, hierzulande gar mit besonderer Konsequenz. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern gilt nicht nur Unterrichts-, sondern auch Schulpflicht. Dass Eltern ihre Kinder selbst unterrichten, ist nicht erlaubt.

An der Laborschule verficht man die optimistische Gegenposition. »Kinder lernen aus Einsicht und Kommunikation«, sagt Schulleiterin Thurn. Auch deshalb verzichtet man bis zum Schluss auf Noten. Thurn zieht Zeugnisse des vergangenen Jahres hervor; Lernberichte heißen sie hier. Mehr als ein Dutzend Seiten beschreiben detailliert, was die Klasse gemacht und der Schüler geleistet hat. Dabei ist die Spannung eines herkömmlichen Zeugnistages in Bielefeld unbekannt: Schüler wie Eltern kennen den Befund bereits. Sie haben ihn zuvor mit dem Lehrer ausgehandelt. Parallel dazu wird als Leistungsnachweis in der Laborschule viel Eigenes präsentiert. Ständig gibt es Ausstellungen und Aufführungen, trägt jemand etwas vor.

Halb elf in Haus zwei, der Heimat der Acht- bis Zehnjährigen. »Gruppe türkis« trifft sich zum Arbeitsfrühstück. Während die Klassenkameraden ihre Brote auspacken, lesen zwei Mädchen mit verteilten Rollen eine selbst geschriebene Geschichte vor. Am Ende gibt es Applaus, aber auch Kritik. Zu leise sei der Vortrag gewesen, die Rollen hätten mehr Leidenschaft vertragen, monieren die Mitschüler.

»Seit Pisa können wir uns vor Besuchern nicht mehr retten«

Am Rand sitzt Monika Rühl, eine Lehrerin aus Butzbach bei Frankfurt. Sie ist eine von rund zweitausend Besuchern im Jahr. Um des Ansturms Herr zu werden, hat die Laborschule offene Besuchstage eingerichtet. »Spielen wir wieder Zoo?«, fragen die Kinder dann schon mal. Rühl ist mit dem ganzen Kollegium zur pädagogischen Wallfahrt nach Bielefeld gekommen. In Hessen werden die Kinder knapp. Da wollen die Lehrer wissen, wie man Schüler unterschiedlichen Alters in einer Klasse unterrichten kann.

Viele Interessierte treibt nicht reformpädagogischer Eifer nach Bielefeld, sondern die Notwendigkeiten. Die Demografie zum Beispiel, oder Schüler, die mit dem traditionellen Unterricht nichts mehr anfangen können. Seit einiger Zeit ist es auch die Globalisierung. Sie brach zur Jahrtausendwende über die Schulen herein. »Seit Pisa können wir uns vor Besuchern nicht mehr retten«, sagt Klaus-Jürgen Tillmann, Pädagogikprofessor an der Universität und wissenschaftlicher Leiter der Laborschule.

Bildungssysteme sind traditionell national. Sie sind fest in den sozialen Verhältnissen, den Mentalitäten und politischen Machtkonstellationen eines Landes verwurzelt. Und sie haben ihre Leitinstitutionen: in England das Internat, in Frankreich die nationalen Wettbewerbsprüfungen, in Deutschland das Gymnasium. Seit Bildung zur wichtigsten Ressource im Kampf ums wirtschaftliche Bestehen erklärt wurde, drängt der Wettbewerb auf Angleichung. Für die Hochschulen ist die amerikanische Universität zum Leitstern geworden. Für die Schule fehlt ein gültiges Modell. Doch auch hier zwingt der globale Leistungsvergleich die nationalen Systeme zum Wandel. So ist es kein Zufall, dass die Pisa-Studie von der OECD angeregt wurde, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Schon Georg Picht, der mit seinem Buch Die deutsche Bildungskatastrophe (1964) den ersten Aufbruch von Schulen und Universitäten initiierte, begründete seinen Ruf nach Reformen mit dem Mangel an qualifiziertem Nachwuchs für die Unternehmen.

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die Laborschule vom Pisa-Fieber profitiert. Denn die Messbarkeit von Bildung, oder, wie es modern heißt, von Kompetenzen, ist von Hentig wie den meisten Bielefelder Lehrern ein Graus. Um die eigene Leistungsfähigkeit zu belegen, unterwarf sich das Kollegium dennoch der Pisa-Logik und nahm mit einem Schülerjahrgang an der Studie teil. Anders als von den Skeptikern erwartet, schnitten die Laborschüler beim Lesen und in den Naturwissenschaften gut ab. Nur ihr mathematisches Verständnis ließ zu wünschen übrig. Hier versagte das Konzept des interdisziplinären Lernens. Für von Hentig war die Mathematik eine Sprache, die keinen gesonderten Ort braucht, sondern sich durch den ganzen Unterrichtstag zieht. Anfangs gab es darum kein Fach Mathematik. Die Annahme, wenn man etwas überall lernen kann, lernt man es irgendwo richtig, erwies sich als Irrtum. Herausragend war die Laborschule dagegen in der Charakterbildung – der Bereitschaft der Schüler, Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren. An der Schule herrscht eine innige Atmosphäre. Überall wird geherzt, gelobt, geduzt.

Von Hentig definierte sein Idealbild von Schule als Gesellschaft im Kleinen, in der jeder seinen Platz finden soll. Aus diesem Grund nimmt die Laborschule alle auf, vom Einwandererkind bis zum Professorenspross, egal ob lernbehindert oder besonders begabt. Das unterscheidet sie auch von der herkömmlichen Gesamtschule, die von der siebten Klasse an in unterschiedliche Leistungsstufen trennt.

Am meisten profitierten die leistungsstarken Schüler von dem System, sagt Lehrerin Sabine Geist. Sie suchen sich ihre Herausforderungen selbst – und ziehen am Ende den schwächeren Schülern weiter davon. Bildungsparadox heißt das Phänomen unter Erziehungswissenschaftlern. Wird jedes Kind nach seinen individuellen Talenten gefördert, vergrößert das den Abstand zwischen guten und schlechten Schülern. Ähnliches gilt für das System insgesamt.

Ohne Abitur keine Karriere, mit Abitur aber auch nicht immer

Die Expansion höherer Schulabschlüsse – die wichtigste Veränderung der vergangenen 100 Jahre – hat das allgemeine Kenntnisniveau angehoben. Für mehr Gleichheit sorgte sie aber allenfalls zwischen Mädchen und Jungen. Wenn alle nach oben rücken, bleiben die Abstände nämlich gleich. Gleichzeitig entwertet der Aufstieg immer größerer Bevölkerungsgruppen die Abschlüsse. Ohne Abitur gelangt heute kaum noch jemand zu Status und Einkommen, mit Abitur aber nicht notwendigerweise. So wirkt die Herkunft bei den Laborschülern genauso stark auf die Leistungen ein wie überall in Deutschland.

Schulen erneuern sich langsamer als Kirchen, lautet eine bildungshistorische Weisheit. Denn Bildungsreformen benötigen einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Auch deshalb hat die Laborschule keine Nachahmer gefunden. Zu sehr widerspricht ihre Philosophie der herkömmlichen Schule, zu unbescheiden ist das Konzept.

Auch was die Kosten angeht. Die Laborschule darf sich nicht nur alle Lehrer selbst aussuchen und vom staatlichen Curriculum abweichen. Ihre kleineren Lerngruppen – im Schnitt zwanzig Schüler – würden auch das Budget jeder anderen staatlichen Schule sprengen. Die Privilegien der Laborschule waren stets das schärfste Argument gegen sie.

Folgenlos blieb sie dennoch nicht. Sie wirkte eher subtil wie viele Veränderungen in Schulen, die sich langsam und stetig statt mit einem Ruck Geltung verschaffen. Ob Englischunterricht in der Grundschule oder die frühe Einschulung, ob altersübergreifende Klassen oder Lernen im Ganztagsbetrieb, ob spezielle Jungenförderung oder die Abschaffung des Sitzenbleibens: Was andere Schulen gerade mühsam lernen, lebt die Laborschule seit 34 Jahren vor. Wie stark ihre Philosophie in den pädagogischen Mainstream eingeflossen ist, belegt das neue nordrhein-westfälische Schulgesetz. In Paragraf eins nennt es als Hauptziel die »individuelle Förderung«.

Das größte Pfund der Laborschule sind jedoch ihre Absolventen. Birgit Kottmeier gehörte zum ersten Jahrgang. Sie erinnert sich gut an ihre Schulzeit, an das Lampenfieber vor den großen Theateraufführungen, das Gefühl der Gemeinschaft auf den Klassenfahrten und an die Kamerateams, die schon damals durch die Gänge zogen. Bis heute fühlt sie »so etwas wie Dankbarkeit«. Und das nicht allein, weil sie nur eine Empfehlung für die Hauptschule hatte und am Ende doch Jura studiert und sogar promoviert hat. Die Laborschule habe ihr ein »Grundvertrauen ins eigene Lernen« geschenkt. Als ihr Sohn ins schulpflichtige Alter kam, musste sie nicht lange überlegen, wo sie ihn anmeldete.

Literatur zum Thema:

Franz-Michael Konrad: Geschichte der Schule
Von der Antike bis zur Gegenwart;
C. H. Beck 2007; 128 S., 7,90 €

Hartmut von Hentig: Mein Leben – bedacht und bejaht; Schule, Polis, Gartenhaus, Bd. 2;
Hanser 2007; 664 S., 25,90 €

 
Leser-Kommentare
  1. Paul Watzlawick hat uns einmal darauf aufmerksam gemacht, dass wir nicht nicht lernen können. Das heißt anders rum: Wir lernen immer. Lebenslang. Vom ersten Atemzug bis zum letzten. Auch Lernen lernen. Von selbst.
    Und nun sollen wir von besonders fortschrittlichen Schulen "Lernen lernen", weil besonders rückschrittliche Schulen unseren natürlichen Lernprozess irritiert und blockiert bis chaotisiert haben? Statt drittklassige Kopien vom Leben sollen wir erstklassige Kopien einüben?
    In der neuen Ich-kann-Schule sieht man das anders. Da LEBT man erst einmal und Leben ist immer original. Da schaut man sich den Lernprozess seiner Talente an und agiert als ihr Partner und Freund. Und wenn ein Talent - aus welchem Grund auch immer - Schwächen zeigt, dann stellt man ihm nicht den Legastöhnikerpass aus und schiebt es im Rollstuhl durch alle Klassen bis ins Altersheim, sondern man stärkt es und geht voran und zeigt, wie man sich entwickelt. Mit mitreißendem Beispiel vorausgehen, das ist LEHREN, und ehe man das nicht kann, sollte man kein Wort zu anderen über LERNEN verlieren. Ich grüße herzlich.
    Franz Josef Neffe, Deutsches Coué-Institut

  2. Ein schönes Besipiel - ein ermutigendes Beispiel.Für alle, die Lernen mit dem Anhäufen einer Datenbank verwechseln, ein lehrreiches Vorbild, wie aus Phantasie Können wird. Keine der großen Erfindungen wäre ohne ein verrücktes Ausbrechen aus dem "Reich" der wissenschaftlichen "Tastachen" möglich geworden.Wenn Kinder sich als Schaffende erfahren, erfahren sie die Vorzüge ihrer persöhnlichen Eigenheiten. Kein Lob kann das ersetzen. Wenn Kinder gestalten, erfahren die Lehrenden etwas von der Begabung ihrer Schützlinge und lernen, dass man ein Schiff steuern aber nicht selbst bewegen kann.

    • ben_
    • 01.06.2008 um 9:41 Uhr

    Also da hat mir die Redaktion aber eine große Freude gemacht. Dass Bielefeld überhaupt im Bildungskanon ist und dann auch noch mit Bildung freut mich sehr.Über die Laborschule kann ich allerdings nicht ganz soviel gutes erzählen, habe ich doch mehrere Jahre direkt im Wohnheim neben der Schule auf dem Universitätscampus gewohnt. Sich von 10 Jährigen mittags um Hasch anbetteln zu lassen (wenn auch im Spaß) ist etwas verstörend. Wobei ich zugeben muss, dass ich nicht weiß, ob das inzwischen normal ist.
    --
    der geist in der maschine

  3. Danke liebe Zeitredaktion!!! Die Bielefelder Laborschule liefert viele Anstöße und alternative Ideen zum akutellen Schulleben. Entscheidend sehe ich die Aussagen der beiden Schülerinnen zu Beginn. Es ist tatsächlich so, dass in der normalen Schule meistens eine Klasse von schweigenden Schülern sitzt, die sich beriseln lassen. Daraus stechen dann je nach Klasse ein- oder zwei mündlich sehr aktive Schüler heraus, und den ein oder anderen Gelegenheitsmelder. Natürlich ist das jetzt sehr polemisiert, es gibt auch Ausnahmen. Aber so richtig aktive Klassen sind erfahrungsgemäß nicht die Regel. Bielefeld zeigt, dass es nicht so sein muss. Das Schüler, Achtung:, Spaß an der Schule, Freude am Lernen haben. Das wird ihnen durch das aktuelle System systematisch genommen. Dazu gehört auch, dass Eltern und die Gesellschaft dem Lernprozess die Freude, die ihm eigentlich zueigen ist, absprechen. Man muss nicht die Bielefelder Laborschule überall einführen, damit wäre nichts gewonnen, wenn nicht endlich umgedacht, was Bildung angeht. Es geht eben nicht um auswendiggelerntes Fachwissen, sondern um Kompetenzen. Es gibt viele Schulen, die erproben, wie man dem am besten gerecht werden kann. Weitere Beispiele sind die IGS Nordend in Frankfurt, eine Schule in Wiesbaden, deren Schwerpunkt auf "Theater" liegt und deren Name mir soeben entfallen ist oder auch, hier mit Abstrichen, die Odenwaldschule. Dort ist zu beobachten, wie Schule sein kann und vor allen Dingen welche Chancen wir unseren Kindern und Enkeln nehmen durch die oft noch verkalkte Regelschule. Am deutschen Schulsystem ist nicht alles schlecht, aber es besteht noch viel Bedarf es zu verbessern. Ob eine voranschreitende Ökonomisierung und Zentralisierung dies leisten kann, wage ich in Frage zu stellen.

  4. Hier muss widersprochen werden:„Am meisten profitierten die leistungsstarken Schüler von dem System, sagt Lehrerin Sabine Geist. Sie suchen sich ihre Herausforderungen selbst – und ziehen am Ende den schwächeren Schülern weiter davon. Bildungsparadox heißt das Phänomen unter Erziehungswissenschaftlern. Wird jedes Kind nach seinen individuellen Talenten gefördert, vergrößert das den Abstand zwischen guten und schlechten Schülern. Ähnliches gilt für das System insgesamt.“Meines Erachtens handelt es sich hier nicht um ein „Bildungsparadox“*, sondern vielmehr um eine „Bildungsanomalie“. Denn normalerweise, und das ist hierzulande seit vielen, vielen Jahrzehnten bekannt, behindert die Gegenwart leistungsschwacher Schüler in derselben Klasse den Leistungsfortschritt der stärkeren Schüler, weshalb auch das dreigliedrige Schulsystem eingeführt wurde. Es würde sicher lohnen, diese Anomalie einmal näher zu untersuchen. Es könnte sich zeigen, dass es sich nur scheinbar um einen Abweichung vom Normalfall handelt und dass leistungsschwache Schüler generell den Lernerfolg der Leistungsstarken nicht behindern. Wenn nicht, dann wäre es höchst wichtig zu erfahren, was in der Bielefelder Laborschule zu dieser Anomalie geführt hat und wie man sie in Zukunft vermeiden kann. ---------*Wikipedia: „Der Ausdruck Bildungsparadox oder Qualifizierungsparadox bezeichnet den Effekt, dass durch eine Erhöhung des Bildungsniveaus einer Gesellschaft die damit angestrebte Erhöhung der Berufschancen nicht erreicht wird. Traditionelle Privilegien bessergestellter Familien bleiben erhalten und werden dadurch sogar verstärkt.“

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    Ich würde Ihnen einen Besuch an der Integrierten Gesamtschule Nordend in Frankfurt empfehlen. Dort lernen behinderte Kinder mit nichtbehinderten Kindern zusammen, es gibt keine Schulstufen, die Differenzierung, wenn sie denn überhaupt passiert, wird durch unterschiedliche Leistungsanforderungen in den Tests oder andere Mechanismen gewährleistet. Nach der zehnten Klasse wechseln die Schüler dieser Schüler in eine allgemeine Oberstufe. DIe Abiturientenquote dieser Schule liegt meines Wissens über dem Durchschnitt. Ich war da, um einen Tag zu hospitieren und ich wurde sehr positiv überrascht.

    Ich würde Ihnen einen Besuch an der Integrierten Gesamtschule Nordend in Frankfurt empfehlen. Dort lernen behinderte Kinder mit nichtbehinderten Kindern zusammen, es gibt keine Schulstufen, die Differenzierung, wenn sie denn überhaupt passiert, wird durch unterschiedliche Leistungsanforderungen in den Tests oder andere Mechanismen gewährleistet. Nach der zehnten Klasse wechseln die Schüler dieser Schüler in eine allgemeine Oberstufe. DIe Abiturientenquote dieser Schule liegt meines Wissens über dem Durchschnitt. Ich war da, um einen Tag zu hospitieren und ich wurde sehr positiv überrascht.

  5. Ich denke schon, dass es einen Umbruch in der Struktur der Bildungseinrichtungen und dem Lehrplan geben sollte. Ich halte es ebenso für nötig die Übergänge zwichen Kindergarten, Vorschule, Schule und Hochschule/Ausbildung besser zu koordinieren und abzustimmen. Desweiteren würde ich über eine "Kindergartenpflicht", im Anbetracht zunehmender Singularisierung der Gesellschaft, zumindest nachdenken. Ich erachte es für wichtig den Kindern und Jugendlichen Hilfe und Führung bei den Übergängen in die verschieden Lebensphasen anzubieten. Neben dem vermitteln von faktischem Wissen müsste es meiner Meinung nach ein verstäktes Interesse an der Vermittlung von körperlichen Fähigkeiten, sprich Sport, und Geisteswissenschaften geben. Speziell des Rüstzeug zum "wissenschaftlichen Arbeiten" und die Fähigkeit auch unbekanntes für sich selbst erarbeiten zu können. Vielleicht ist es auch sinnvol ein Fach wie Philosophie und Soziologie in den Lehrplan zu integrieren.

  6. lieber balanus? "Denn normalerweise, und das ist hierzulande seit
    vielen, vielen
    Jahrzehnten bekannt, behindert die Gegenwart leistungsschwacher Schüler
    in derselben Klasse den Leistungsfortschritt der stärkeren Schüler,
    weshalb auch das dreigliedrige Schulsystem eingeführt wurde." Das
    können Sie so sagen? Woher ist "uns" das seit vielen Jahren bekannt,
    wenn ich fragen darf? Vielleicht ist mir da ja was ganz Wesentliches
    entgangen? Klären Sie mich bitte auf.
    Aber im Ernst: Autor Spiewak fragt sich und uns:"Warum aber lernen Schüler? Die juristische Antwort lautet: Weil sie es
    müssen. Die Schule ist eine Zwangsveranstaltung. Jeder hat die Chance zum
    Lernen, aber auch die Pflicht. Nirgendwo sonst greift der Staat so nachhaltig
    ins Selbstbestimmungsrecht ein, hierzulande gar mit besonderer Konsequenz. Im
    Gegensatz zu den meisten anderen Ländern gilt nicht nur Unterrichts-, sondern
    auch Schulpflicht. Dass Eltern ihre Kinder selbst unterrichten, ist nicht
    erlaubt. An der Laborschule verficht man die optimistische Gegenposition. »Kinder
    lernen aus Einsicht und Kommunikation«, sagt Schulleiterin Thurn. " (Zitatende)
    Richtig gefragt! Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen. Wer
    das gesagt hat? Es ist der erste Satz aus der Metaphysik de
    Aristoteles. Immerhin ist der Satz also schon gut und gern seine 2000
    Jahre alt.
    Und um diesen Satz zu überprüfen, musste sich Herr Spiewak nun eigens
    auf den beschwerlichen Weg nach Bielefeld machen, wo die rotzfrechen
    Gören die Anwohner der Labirschule fragen, ob sie eine Tüte Hasch dabei
    haben? Das lernen die da nun... Schwamm drüber, anscheinend lernen sie
    ja doch noch was Anderes, wie uns Herr Spiewak berichtet. Wer lesen
    kann, ist im Vorteil, Herr Spiewak. Er kann oft in recht betagten
    Büchern nachlesen, was sonst nur durch eine Forschungreise ins Land der
    Bildung und der Experimente ans Tageslicht kommt. Immerhin kommt es
    dann doch endlich mal heraus, man ist ja nicht undankbar... Aber 34
    Jahre hat es schon auch gedauert, bis die Bildungredaktion der guten
    alten Zeit den Aufbruch ins Land der bildungpolitischen Utopie gewagt
    hat. Immerhin, denn auch Mut gehört ja zum Wissen. Lesen konnte man
    übrigens auch davon schon in ziemlich frühzeitigen Publikationen zur
    Frage: Reformiert sich die Schule kaputt? Diese sind
    anno 1971 vom eigens zur Behebung der demnach also damals schon (und
    nicht erst seit dem PISA-Schock zur Jahrtausendwende!) vorhandenen
    Bildungsmisere vom Deutschen Bildungsrat als Ergebnis mehrjähriger
    Forschungen unter dem Titel "Gutachten und Studien der
    Bildungskommission" erschienen. 1971. Vielleicht mag
    Herr Spiewak das auch noch zu seinen Lektüre-Empfehlungen nehmen, für
    die ich im übrigen danken möchte. Wie gesagt: Wer lesen kann, ist klar
    im Vorteil. Und zu der Frage: Reformiert SICH die Schule kaputt? möchte
    ich Ihnen antworten: Davon war in den gut 30 Jahren meiner Tätigkeit
    als Lehrer wenig zu bemerken. Ich würde sagen: Es war nicht der Fall.
    Die Reformtätigkeit war auch meist weniger von einem Mehr an Bildung
    und Wissen motiviert, als davon, möglichst wenig dafür auszugeben. Das
    Reflexivpronomen scheint nämlich andeuten zu sollen, die wirklich
    Schuldigen am Zustand der Schule seien dort selbst zu finden: Wenn ich
    Ihre Aufmerksamkeit noch einmal auf einen denkwürdigen Satz aus diesem
    denkwürdigen Bericht lenken dürfte? Da heißt es treuherzig:
    "Ihre (gemeint ist die Laborschule) kleineren Lerngruppen – im Schnitt
    zwanzig Schüler – würden auch das
    Budget jeder anderen staatlichen Schule sprengen. Die Privilegien der
    Laborschule waren stets das schärfste Argument gegen sie." Warum
    eigentlich ist das so? Es scheint ja wieder eine ganz natürlich Folge
    zu sein.
    Wessen Argument war das?  Das der Schule selbst? Dann hätte SICH die Schule wirklich selbst kaputt reformiert.
    Ist also das Schicksal schuld am Zustand der Schulen? Auch das scheint der Autor ernsthaft in Betracht zu ziehen:
    "Es ist eine Ironie des Schicksals, dass
    ausgerechnet die Laborschule vom Pisa-Fieber profitiert."
     Ich würde dem Autor aber empfehlen, sich, bevor die Redaktion
    sich wieder einen solchen Schnellschuss leistet, eine Reise an eine
    beliebige andere Schule im Land zu unternehmen,
    reisen bildet, und dort forschungshalber einmal nachzufragen, welche
    Eindrücke dort von der Reflexivität der Schuld oder über das Schicksal
    als Verursacher der schulischen Kaputtness bestehen.
    Ein guter Rat: Wenn man es denn unbedingt behaupten will, bitte
    möglichst auf der Hut sein vor unwirschen, übereilten oder gar
    bösartigen Reaktionen unmittelbar Betroffener...
    Mit freundlichen Grüßen,
    montaigne

  7. Ich würde Ihnen einen Besuch an der Integrierten Gesamtschule Nordend in Frankfurt empfehlen. Dort lernen behinderte Kinder mit nichtbehinderten Kindern zusammen, es gibt keine Schulstufen, die Differenzierung, wenn sie denn überhaupt passiert, wird durch unterschiedliche Leistungsanforderungen in den Tests oder andere Mechanismen gewährleistet. Nach der zehnten Klasse wechseln die Schüler dieser Schüler in eine allgemeine Oberstufe. DIe Abiturientenquote dieser Schule liegt meines Wissens über dem Durchschnitt. Ich war da, um einen Tag zu hospitieren und ich wurde sehr positiv überrascht.

    Antwort auf "„Bildungsparadox“?"
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    dass die in Frankfurt so erfolgreich sind. Bei einem vernünftigen Unterricht sollten Leistungsunterschiede innerhalb einer Klasse keine Rolle spielen. Ist ja meine Rede :-)

    dass die in Frankfurt so erfolgreich sind. Bei einem vernünftigen Unterricht sollten Leistungsunterschiede innerhalb einer Klasse keine Rolle spielen. Ist ja meine Rede :-)

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