Stammzellforschung Wilde MischungLyle Armstrong
Der britische Forscher Lyle Armstrong vereint die Zellen von Mensch und Kuh. Die Aufregung um seine Experimente kann er nicht verstehen
Frankensteins Labor ist ein beengtes Büro im zweiten Stock des International Centre for Life im nordenglischen Newcastle. Jemand hat seine hellbraune Cordjacke nachlässig über eine Stuhllehne geworfen. Ein runder Resopaltisch wackelt unkontrollierbar auf einem maroden Sockel. Neonröhren flimmern. Das wenige natürliche Licht fällt durch Scheiben der gegenüberliegenden Büros und die offen stehende Tür in den fensterlosen Raum.
Dies ist die Werkstatt des Mannes, der »Mischwesen aus Mensch und Kuh« erzeugt – ein in der vergangenen Woche vom Unterhaus mit 336 gegen 176 Stimmen sanktioniertes Verfahren der Grundlagenforschung. Das Ziel: die Gewinnung von menschlichen Stammzellen.
Lyle Armstrong, 43 Jahre alt, aufgeschlossen und höflich, hat einen ganz normalen englischen Werdegang hinter sich. Er kommt in Morpeth auf die Welt, einem Marktflecken in der Grafschaft Northumberland, er geht in Ashington zur Schule und wird sich später an todlangweilige Unterrichtsstunden über die Mendelsche Vererbungslehre erinnern. Er studiert Chemie in Sheffield und driftet eher zufällig in die Biologie; in seiner Doktorarbeit geht es um biologisch-chemische Markierungsmethoden.
Nach dem Studium gründen Armstrong und ein Freund eine der Northumbria University angegliederte Firma, die Testverfahren für das französische Medizinunternehmen bioMérieux entwickelt und bakterielle Ölanalysen für Shell durchführt. Die Geschäftsroutine ermüdet ihn, im Jahr 2000 verkauft er seine Hälfte des Betriebs an seinen Partner und nimmt seine heutige Stellung als Dozent an der Universität Newcastle an.
- Datum 01.10.2009 - 12:50 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.05.2008 Nr. 23
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