Zurückgelehnt sitzt Ingo Rechenberg auf seinem Klappstuhl inmitten von Grün und Blümchen wie ein Rentner im Schrebergarten. Auf dem Schoß hält der Bionikingenieur eine Fernbedienung, mit der lässt er ein winziges Flugobjekt an den Köpfen der Zuschauer vorbeischwirren. Ein Junge im Grundschulalter reißt den Mund auf und schnappt nach dem Minihubschrauber. Verschlucken kann man den zwar nicht, aber mit weniger als zehn Zentimeter Propellerdurchmesser ist er der kleinste der Welt, sagt Rechenberg.

»Wofür ist das denn gut?«, fragt ein Mädchen. »Um den Nachbarn auszuspionieren«, antwortet der Professor gut gelaunt. »Nee, eher um Terroristen oder Geiselnehmer zu beobachten oder Hooligans im Fußballstadion.« Der ältere Herr hat den Winzschrauber entwickelt, jetzt sitzt er in Halle 4 der Stuttgarter Messe, genießt sichtlich das Staunen des Publikums und erklärt seine Erfindung.

Den deutschen Firmen fehlen Ingenieure, rund 70.000 sind es jetzt, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft zusammen mit dem Verein Deutscher Ingenieure ermittelt. Wie viele andere Firmen ( siehe Kasten ) bemüht sich auch ThyssenKrupp um den Nachwuchs, mit der Initiative Zukunft Technik Entdecken und dem IdeenPark, in dem sich auch Partner aus Universitäten, Hochschulen, Bildungseinrichtungen und Unternehmen präsentieren. Die dritte Technik-Erlebnisschau ist am vergangenen Sonntag in Stuttgart zu Ende gegangen, 290.000 Besucher waren gekommen. Mehr als zehn Millionen Euro ließ sich ThyssenKrupp die Mischung aus Physikbaukasten, Abenteuerspielplatz und Berufsberatung kosten.

Nur selten wirft sich ein frustrierter Kleinforscher heulend auf den Teppich

Forscher und Ingenieure stellten persönlich ihre Arbeit vor, das gehört zum Prinzip des IdeenParks. Die meisten waren ähnlich begeistert dabei wie der Bioniker Rechenberg, doch nach stundenlangen Warum-Fragen, etwa zur Supraleitung, gab der eine oder andere entnervt auf: »Das kann ich dir jetzt nicht erklären. Da musst du Physik studieren.« Auch eine Art der Motivation.

Das Problem, mit dem Lara und Tom kämpfen, ist da etwas übersichtlicher. Die Achtjährige müht sich mit einer Vakuumpumpe ab, die im Deckel eines Einmachglases steckt. Im Glas hat die Versuchsleiterin einen Schokokuss deponiert, Laras zwei Jahre jüngerer Bruder erläutert das Experiment: »Die pumpt die Luft da raus, und deshalb wird der Schokokuss ganz groß.« Als Lara das Ventil öffnet, sackt das Schaumgebilde wieder in sich zusammen. Die Geschwister kichern.

Zum ersten Mal hatten die Organisatoren Mitmach-Experimente in einer Stadt der Bildung, der Schlaulopolis, zusammengefasst. Mit erstaunlicher Ausdauer erforschten hier schon Vorschulkinder die Grundlagen der Physik, nur selten warf sich ein frustrierter Kleinforscher heulend auf den Teppich. Für Schüler ging es um Biotechnologie und Fusionsforschung – und um praktische Fähigkeiten: Im Azubi-Trainingscamp wurde der Meister im Kabelentisolieren und Löcherbohren ermittelt.

Um zumindest ein bisschen von dem Experimentierspaß in den oft drögen Schulalltag herüberzuretten, bot Schlaulopolis auch ein paar Seminare für Lehrer und Erzieher an. »Gerade in der Grundschule, wo viele Frauen unterrichten, wird oft ein Bogen um Technik und Naturwissenschaften gemacht«, sagt der Organisator Dirk Strubberg. Alle Workshops, auch die für Schüler, seien ausgebucht gewesen, und das Sicherheitspersonal habe die Stadt der Bildung zeitweise für zusätzliche Besucher abgeriegelt, damit die Kinder drinnen nicht genervt vor den Experimenten warten mussten.