Schmal ist der Grat zwischen sinnvoller Bildungsförderung und unverhohlener Werbung, wenn Unternehmen ihr Herz für die Schulen entdecken. Sicher ist nur eins: Die Zahl der Kooperationen zwischen Firmen und Schulen wächst rasant.

Es begann 1996 mit TheoPrax , einer Initiative des Werkstoffkundlers Peter Eyerer. Das Projekt sollte Partnerschaften zwischen Schulen, Hochschulen und Firmen fördern. Heute sind daran über 60 Schulen, mehr als 60 Industriefirmen und nahezu ebenso viele Professoren beteiligt.

Inzwischen gibt es weitere Netzwerke: Die Robert-Bosch-Stiftung fördert in ihrem »NaT-Working«-Programm Partnerschaften zwischen Schulen und Wissenschaftlern, der Verband Deutscher Ingenieure (VDI) will Jugendliche für den Ingenieurberuf begeistern, die Fraunhofer-Gesellschaft hat »Talent Schools« aufgelegt. Und rund 60 Unternehmen, darunter BASF, Siemens und ThyssenKrupp, haben sich in der »Wissensfabrik Deutschland« zusammengeschlossen und inzwischen etwa 1000 Bildungspartnerschaften ins Leben gerufen.

Wer könnte denn etwas dagegen haben, wenn Firmen den unterfinanzierten Schulen mit frischen Ideen unter die Arme greifen? Wenn allerdings Kaugummihersteller »fächerübergreifende Unterrichtsmappen« anbieten (Motto: »Kau dich schlau!«) oder Mineralwasserfirmen Schülern erklären, warum Trinken im Unterricht erlaubt sein sollte, dann ist der pädagogische Nutzen fraglich.

Was fehlt, ist eine ordnende Hand, die den Schulen klare Kriterien für solche Kooperationen anbietet und die dafür sorgt, dass die Erfahrungen der Bildungsinitiativen auch weitergegeben werden. Bislang wird nämlich das Rad immer wieder neu erfunden. Und häufig fehlt es an einer engen Verzahnung der Firmen-Initiativen mit den Bedürfnissen des Schulunterrichts. Wenn der Unterricht nur einmalig für kurze Highlights unterbrochen wird – den Ausflug ins Weltraumlabor, das Mitschrauben an einer Fantasiemaschine – und danach wieder der alltägliche Trott herrscht, schlägt die anfängliche Schülerbegeisterung schnell in umso größeren Frust um.