Erziehung »Oma, du bist mein Freund«

Die Großeltern sind unentbehrliche Babysitter, wenn die Eltern berufstätig sind. Aber konfliktfrei ist dieses Arrangement nicht

Was die Blumen betrifft, ist Annemarie Seifert nicht mehr zimperlich. Die müssen jetzt so wollen, wie sie will. Hält es eine Pflanze nicht aus, dass drei Tage in der Woche niemand zum Gießen da ist, fliegt sie eben raus.

Es ist Montag, und wie jeden Montag packt Annemarie Seifert Kleidung und Zahnbürste in ihren schwarzen Rollkoffer, noch ein letzter Blick ins Wohnzimmer: Telefon in der Basisstation, Fenster geschlossen, Handy eingesteckt? Mantel über den Blazer, dann geht es los. Strammen Schrittes zur Bushaltestelle, die Absätze klappern, das Rollköfferchen ruckelt hinterher. Wie eine Managerin auf Geschäftsreise – nur dass Frau Seifert aus dem Geschäftsreisealter längst raus ist. Sie ist 79 – und auf dem Weg zu ihren Enkelkindern.

»Ich sehe das als meine Aufgabe an, als ein Geschenk«

Jasper und Emil, fünf und drei, sind jetzt ihr Job, wenn man so will. Von Montagabend bis Donnerstagabend. Dafür reist sie wöchentlich mit Bus, Stadtbahn, ICE und S-Bahn – 2 Stunden, 30 Minuten von ihrer Haustür in Hannover zur Haustür nach Hamburg. Seit fünf Jahren.

Damit gehört Annemarie Seifert zu den 30 Prozent der Großmütter in Deutschland, die mindestens einmal pro Woche ihre Enkelkinder betreuen. Bei den Großvätern ist es etwa ein Viertel. Und weniger regelmäßig hüten fast 60 Prozent der Großmütter und mehr als die Hälfte aller Großväter innerhalb eines Jahres ihre Enkelkinder. Das haben Karsten Hank von der Universität Mannheim und Isabella Buber vom Demographischen Institut Wien in einer Studie zu Generationenbeziehungen im alternden Europa festgestellt. Ausgewertet wurden die Daten von mehr als 14500 Großeltern aus elf europäischen Ländern und Israel. Was die Betreuung begünstigt: In allen Ländern leben 85 Prozent der Großeltern nicht mehr als 25 Kilometer von ihren Kindern entfernt.

Die generationenübergreifenden Betreuungsmodelle sind verschieden: Es gibt die Großeltern, die einspringen, wenn die normale Betreuung nicht mehr ausreicht – bei Dienstreisen, am Wochenende oder längeren Krankheiten der Enkel. Es gibt die, die sich im Alter wieder Kinderstuhl, Wickelmatte und Plastiklöffel angeschafft haben, weil die Enkelkinder an festen Tagen in der Woche zu ihnen kommen. Und es gibt die Omas, die regelmäßig ihre Enkelkinder im Haushalt der Kinder betreuen – wie Annemarie Seifert.

Warum tut man sich das an? Feste Verpflichtungen, Tage oder Wochen voller Termine, Abhängigkeiten – jetzt, wo man sein Leben frei und unabhängig genießen könnte? Weil es an Kinderbetreuung fehlt? Weil Eltern immer Eltern bleiben und nie das Gefühl loswerden, ihre Kinder unterstützen zu müssen? Und: Kann verlässliche Betreuung innerhalb der Familie überhaupt funktionieren – oder sind Konflikte programmiert?

»Es werden einem Dinge vor die Füße gelegt. Ich sehe das als meine Aufgabe an, als Geschenk«, sagt Annemarie Seifert, verwitwet seit acht Jahren. Blaue Augen, Brille, die weißen Haare hochgesteckt, sitzt sie im Zug, am liebsten gegen die Fahrtrichtung. Sie erzählt, wie sie die Zeit mit ihrer Tochter genoss und wie schön es ist, jetzt Enkelkinder zu haben. Wie sie ganz selbstverständlich nach der Geburt ihrer Tochter zur Hausfrau wurde, dass man aber heute »nicht den Maßstab wie vor 40 Jahren anlegen kann« und sie volles Verständnis hat, wenn Mütter arbeiten.

So hat Annemarie Seifert sofort ihre Hilfe angeboten, als Tochter Antje Kruse, Managerin bei IBM, schwanger war. Zehn Monate nach der ersten Geburt arbeitete Kruse wieder 30 Stunden pro Woche. Am Montag hat sie frei, am Freitag ihr Mann, ein IT-Berater. Von Dienstag bis Donnerstag ist die Oma da. So funktionierte es von Anfang an und auch jetzt, da Kruse seit einem halben Jahr wieder Vollzeit arbeitet. Blonde kurze Haare, geblümter Mantel, große grüne Kette – die 39-Jährige steht mit den Kindern auf dem Bahnsteig und holt ihre Mutter ab.

Das Oma-Modell ist für die, die keine Oma zum Kinderhüten haben, Anlass zum Neid: Die Oma kostet nichts, die Oma hat keine Schließzeiten, die Oma ist keine fremde Bezugsperson, man kennt die Erziehungsmethoden. Die Oma als Zauberformel, die alle Betreuungssorgen löst.

Aber das Modell Oma hat auch Nachteile: Die Oma ist kein Dienstleister, bei dem man fünf Tage in der Woche verbindlich buchen kann, die Oma hat nicht nur 30 Urlaubstage im Jahr, sondern, theoretisch, 365. Man muss sie mit Geschwistern und deren Kindern teilen. Der Oma kann man ihren Sport, ihr Englisch nicht verbieten, nur weil man sie jetzt mal am Donnerstag braucht statt am Dienstag. Der Oma kann man nicht kündigen, wenn man mit irgendetwas unzufrieden ist. Das Oma-Modell ist ein Balanceakt. Bei den Kruses und anderswo.

Ingeborg Badach, zwei Töchter und vier Enkelkinder, sagt: »Ich bin glücklich, dass ich Enkelkinder habe. Ich fahre gern hin – aber auch gern wieder heim.« Mindestens einmal im Monat ist die 65-Jährige im Einsatz, manchmal bis zu zwei Wochen lang. Fährt mit dem Zug von Fulda nach München, zu Tochter Nummer eins, einer Pharmazeutin und Psychotherapeutin. Fährt mit dem Auto von Fulda nach St. Gallen, zu Tochter Nummer zwei, einer Tänzerin und Sportlehrerin. Im Kalender in der Küche stehen jetzt schon Termine bis weit in den Herbst. Wenn die Tänzerin mit ihrem Mann, einem Choreografen, ein Projekt in Augsburg oder Mainz hat, dann kommt Oma Badach mit. Auch wenn sie es nicht gut findet, dass ihre Tochter trotz Stillkind schon wieder arbeitet: »Das sage ich meiner Tochter auch, ich kann ja nicht zu allem Ja und Amen sagen.« Sie verwöhnt die zwei kleinen Enkel mit »Törtli oder Eis« – »aber nicht der Mama erzählen«. Die Kinder verraten es dann doch. »Und meine Tochter findet dann, das ist zu viel Süßes. Aber ich mache mich da nicht so verrückt – ich sage: Ich bin ja nicht oft da!«

Sie wird ja noch in München gebraucht, bei der älteren Tochter: Deren Kinder sind zwar schon sieben und neun, können aber auch kein ganzes Wochenende allein bleiben, wenn der Vater, ein Musiker, Termine hat und die Mutter Seminare hält. Und dann brauchen beide Töchter die Mutter am gleichen Wochenende, und dann heißt es unter den Schwestern schon: »Ich brauch die Mami auch mal!« Oder »Die Mami ist ja immer nur bei euch in der Schweiz!« Auch der Schwiegersohn sagte schon: »Wenn wir dich mal brauchen, bist du auf Kreuzfahrt.«

Familie ja, helfen ja, das haben Badachs eigene Eltern auch schon gemacht – aber nicht bis zur Selbstaufgabe: Konzert, Klassentreffen oder Kreuzfahrt geht vor. Zehn, zwölf Tage am Stück Enkelsitten, mehr nicht. »Ich habe ja hier auch noch mein Leben und meinen Mann. Der ist nicht sehr häuslich. Wenn ich weg bin, koche ich vor und bitte die Nachbarn, den Müll rauszustellen.«

Es gibt Fälle, in denen sich Großeltern ihr eigenes Leben komplett versagen – Ingeborg Badach erzählt von ihrer Bekannten, die seit neun Jahren Tag für Tag die Enkelkinder betreut, eigene Hobbys völlig aufgegeben hat. Es kommt vor, dass die einen Enkelkinder den Großeltern näherstehen als die anderen. Zum Beispiel dann, wenn die drei Generationen unter einem Dach leben. Tägliche Betreuung, rund um die Uhr Enkelsitten, kein Problem – aber die anderen Kinder, die weiter weg wohnen, sind neidisch, fühlen sich ungerecht behandelt und sehen die eigenen Eltern ausgenutzt.

Heribert Engstler, Diplom-Soziologe am Deutschen Zentrum für Altersfragen, sagt: »Je klarer Großeltern regeln, wie ihre Zeitblöcke aussehen und welche Aufgaben sie übernehmen, desto einfacher ist es für alle.« Wie für jede zwischenmenschliche Beziehung aber gilt: »Ein gewisses Maß an Reziprozität muss gewährleistet sein.« Wer nimmt, muss auch geben. Trotzdem gelten in Familien etwas andere Regeln, weiß Engstler, der am Alterssurvey mitarbeitet, den das Familienministerium in Auftrag gegeben hat: »Der soziale Austausch innerhalb einer Familie ist anders als zwischen Bekannten oder auf dem Arbeitsmarkt. Es ist eben kein möglichst austariertes Modell. Die Großeltern geben mehr – Geld und Hilfe.«

Die Tochter fragt sich oft, ob sie ihrer Mutter zu viel zumutet

Antje Kruse entlastet ihre Mutter, wo es geht: Die Kinder essen im Kindergarten, dann muss die Oma nicht kochen. Wenn Antje Kruse oder ihr Mann freitags auf Dienstreise muss, versuchen sie das ohne Omas Hilfe zu regeln – wenn es irgendwie geht: »Wir fragen meine Mutter gar nicht, weil ich weiß, dass sie am Donnerstagabend k. o. ist. Da habe ich eine Hemmschwelle«, sagt die IBM-Managerin. Am Donnerstag führt sie die wöchentliche Telefonkonferenz um 15.30 Uhr von zu Hause, damit der Übergang nahtlos ist, wenn um 17 Uhr ihre Mutter zur Heimreise aufbricht. (Die Fahrkarte bezahlt selbstverständlich die Tochter.) Sie guckt, dass sie zum Abendessen daheim ist, hat ein schlechtes Gewissen, wenn sie bis spät in die Nacht arbeitet und keine Zeit für ihre Mutter hat. Sie ist dankbar, dass ihre Mutter wäscht und putzt, aber gleichzeitig findet sie, ihre Mutter solle sich am Vormittag lieber Ruhe gönnen. Trotzdem ist da nicht ständig das Gefühl, sich revanchieren zu müssen. »Ich habe gelernt, Geschenke anzunehmen und auch, mich auf andere zu verlassen.«

Antje Kruse mag nicht daran denken, was ist, wenn die Mutter krank wird und all das nicht mehr kann: mittags zu Fuß zum Kindergarten und im Bus mit Emil und Jasper zurück. Sandburgen bauen und Pirat spielen. Nasen putzen und Streit schlichten. »Da würde eine Welt zusammenbrechen – aber ich lasse Probleme auf mich zukommen und suche dann eine Lösung. Ich mache mich ja sonst völlig verrückt.«

Das Modell Oma ist für viele Eltern nicht nur das praktischste und preisgünstigste, es steckt auch eine gewisse Ideologie dahinter: Es ist eben die Oma, zu der die Kinder eine enge Beziehung aufbauen, und keine fremde Person. Die Kinder schon als Babys in eine Krippe zu geben, das hätte Antje Kruse nicht gewollt.

Als sich Annemarie Seifert auf ihren neuen Job einließ, war sie 74. Ob sie je bereute, was sie sich da auflud? Sie schweigt ein wenig, die Bäckchen werden rosa, dann sagt sie: »Wenn Jasper sagt, ›Oma, du bist mein Freund‹, da geht einem das Herz auf. Das ist immer der Mühe wert.« Und ihre Tochter muss einfach damit klarkommen, dass die Kinder am Freitag »Oma« zu ihr sagen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Die Großeltern als dauerhafte und kostenlose Kinderbetreung sind ein Auslaufmodell. Die Generationen im Artikel (Oma um die 80, Mutter um die 40) sind wohl die letzten, mit denen das Modell Großeltern als dauerhafte, kostenlose Kindererziehung noch großflächig möglich ist. Denn das für Annemarie Seifert noch selbstverständliche Hausfrauendasein ist für viele jüngere Omis eben nicht mehr selbstverständlich. Und Mütter, deren Mütter aus der "Hausfrauengeneration" stammen, sind spätestens in 10 Jahren aus dem gebährfähigen Alter raus.  
    Wenn eine Frau heute mit 25-35 Jahren ein Kind bekommt, arbeitet die frischgebackene Großmutter im Zweifelsfall mindestens 30 Stunden in der Woche, und steht zur Kiderbetreung nur gelegentlich zur Verfügung.

    • Anonym
    • 05.06.2008 um 17:40 Uhr

    Es wird sich wohl nicht so radikal ändern, wie man vermuten könnte.
    Es gibt immer mehr Frauen und Männer, die sich eine Reduzierung oder sogar Aufgabe ihrer Berufstätigkeit vorstellen können.
    Vor allem, wenn es mit der Karriere nicht so doll ist oder das Ende der Fahnenstange erreicht wurde. wenn dann die eigenen Kinder aus dem Hause sind, entfällt nicht selten der Grund für die Berufstätigkeit. Was häufig noch bleibt ist die Furcht vor intellektueller oder sozialer Austrocknung. Hier hängt es mehr denn je von der eigenen Souveränität und Fantasie ab, ob einen das zur Arbeit drängt.
     Am wenigsten leisten können sich das die Eltern direkt, die relative Geldknappheit der Familien hat sich ja eher noch verschärft.
    Berthold Grabe  

  2. Viele "Muttis" sind heutzutage so alt, dass die "Omis" (falls sie berufstätig waren) schon wieder in Rente sind, wenn sie Oma werden.

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    • Emmie
    • 08.06.2008 um 3:19 Uhr

    Meine Kinder sind 2 und 4 - meine Mutter ist 50 Jahre und hat ihr Berufsleben erst hinter sich wenn meine Kinder schon Ihre eigenen Wege gehen. Nicht jeder kann es sich leisten seinen Broterwerb aufzugeben um sich um die Enkel zu kümmern, und wir könnten es uns auch nicht leisten die Oma finanziell zu unterstützen - obwohl wir verdienen. Kinder kosten Geld. Darüber hinaus ist es heutzutage nicht mehr die Regel dass die Enkel in der Nähe wohnen. Ich habe '98 mein Abitur gemacht, und ca. 70% der Absolventen meines Abiturjahrganges wohnt mittlerweile mehr als 30 km entfernt. Das ist der Kompromiss unserer Zeit: Entweder flexibel und der Arbeit nach, auch mit Kindern, aber ohne Oma. Oder im Kreise der Familie und arbeitslos.

    • Emmie
    • 08.06.2008 um 3:19 Uhr

    Meine Kinder sind 2 und 4 - meine Mutter ist 50 Jahre und hat ihr Berufsleben erst hinter sich wenn meine Kinder schon Ihre eigenen Wege gehen. Nicht jeder kann es sich leisten seinen Broterwerb aufzugeben um sich um die Enkel zu kümmern, und wir könnten es uns auch nicht leisten die Oma finanziell zu unterstützen - obwohl wir verdienen. Kinder kosten Geld. Darüber hinaus ist es heutzutage nicht mehr die Regel dass die Enkel in der Nähe wohnen. Ich habe '98 mein Abitur gemacht, und ca. 70% der Absolventen meines Abiturjahrganges wohnt mittlerweile mehr als 30 km entfernt. Das ist der Kompromiss unserer Zeit: Entweder flexibel und der Arbeit nach, auch mit Kindern, aber ohne Oma. Oder im Kreise der Familie und arbeitslos.

  3. Angelika Dietrich schreibt: Warum tut man sich das an? ..... jetzt, wo man sein Leben frei und
    unabhängig genießen könnte? Weil
    Eltern immer Eltern bleiben und nie das Gefühl loswerden, ihre Kinder
    unterstützen zu müssen?Angelika Dietrich tut grad so, als wäre der Beruf der Sinn des Lebens und die Betreuung der Kinder eine lästige Pflicht, die man möglichst los sein will. Sie irrt. Für viele ist Beruf notwendig um das Essen für die Kinder kaufen zu können und was man sonst noch so braucht. Wer Glück hat, hat einen Beruf den er als Berufung empfindet. Trotzdem. Die Kinder sind immer noch das Wichtigere, das eigentliche Leben. Enkel sind auch die eigenen Kinder. In einer Beziehung der bezahlten Kinderbetreuung sind Betreuer und Kinder jederzeit austauschbar, da ist nichts Einzigartiges.Aber die Oma ist die Oma uns sonst ist niemand die Oma. Selbst wenn die Oma eines Tages nicht mehr kann und doch eine bezahlte Betreuung engagiert wird, wird die Oma immer noch die einzigartige Oma bleiben. Natürlich können auch Großväter, Tanten oder Onkeln diese Rolle einnehmen.Diese individuelle einzigartige Beziehung innerhalb der Familie ist für ein heranwachsendes Kind notwendig, um sich zu einer individuellen einzigartigen Persönlichkeit entwickeln zu können. Vermutlich wird es bald immer weniger Menschen geben, die es niemals kennengelernt haben, eine einzigartige nicht austauschbare Persönlichkeit zu sein.Massenware ist ja für Politiker viel leichter zu dirigieren. Also ab mit der Oma nach Mallorca und die Kind in die Krippe, Gleichschritt marsch.

  4. Wie viel eigene Erfahrungen haben Sie eigentlich mit Krippen oder Kindergärten? Mein Sohn hat seit seiner Geburt eine sehr enge und liebevolle Beziehung zu seinen Großeltern, die am gleichen Ort wohnen. Seitdem er 6 Monate als ist, übernachtet er regelmäßig dort und fährt bis heute (11 Jahre) einmal im Jahr mit Oma & Opa in den Urlaub. Seine Oma ist seine Oma, sein Opa sein Opa und beide sind einzigartig so wie er für sie.Mein Sohn war auch seit dem Alter von 18 Monaten in einer Krippe und dann im Kindergarten. Die Betreuerinnen besucht er heute noch. Seine geliebte Erzieherin aus dem Hort, in dem er von der ersten bis zur vierten Klasse war, ruft er regelmäßig an oder besucht sie.Seine Großeltern genießen ihre Ruhestand. Sie sind vielfältig engagiert als ehrenamtlicher Reiseleiter, in der Telefonseelsorge und in einem Austausch mit Kindern aus Tschernobyl, sie pflegen ihre langjährigen Freundschaften bei Wandertouren, Reisen, Konzertbesuchen. Sie sind, mit anderen Worten, interessierte, wache Menschen, die ihre Freundschaften und Hobbys pflegen. Ich bewundere sie dafür und wäre niemals auf den Gedanken kommen, sie mit moralischem Druck zu verpflichten, das alles für die Betreuung meines Sohnes aufzugeben. Glücklicher Weise ist die Welt nicht mehr so, das das soziale Leben mit dem Eintritt in die Rente endet und ich bin sehr froh, dass mein Sohn in seinen Großeltern ein Vorbild hat, wie man sich unabhängig vom Alter für die Welt und seine Mitmenschen interessieren und engagieren kann.Abgesehen von der Liebe seiner Eltern und der seiner Großelten haben die
    vielen Jahren mit anderen Kindern und zugewandten, interessierten
    Erzieherinnen meinen Sohn zu einem sozial kompetenten, freundlichen,
    offenen und einzigartigen Menschen gemacht. Möchten Sie meinem Sohn das
    absprechen, weil er nicht rund um die Uhr von Familienmitgliedern
    betreut wurde?In diesen verkitschten Darstellungen von Familien als Orten, in denen immer Liebe und Harmonie regieren und die Kinder gedeihen wie in einem emotionalen Gewächshaus, fehlt leider auch der Hinweis darauf, dass für viele Kinder ihre Familien die Orte von Gewalt, Aggression und Gleichgültigkeit sind.Selbstverständlich kann es für alle Beteiligten auch wunderbar sein, das eigene Kind von der Großmutter betreuen zu lassen. Ihre dogmatische Behauptung aber, dass nur die familiäre Betreuung ein
    Kind zu einer individuellen und einzigartigen Persönlichkeit macht, ist
    nicht nur Unfug, sondern beleidigend - für Kinder, für Erzieherinnen, für Eltern.

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    @ 5 Merantau  Wie viele Kinder hat die geliebte Erzieherin ihres Sohnes im Laufe ihrer Berufstätigkeit betreut? Ruft jedes dieser Kinder öfter bei der Erzieherin an? Fühlt sich jedes dieser Kinder von dieser Erzieherin besonders geliebt? Es ist keine Beleidigung sondern eine Frage der Menge. Die beste Betreuerin ist nicht in der Lage 500 oder mehr Kinder ihr ganzes Leben lang individuell zu lieben und eine individuelle Beziehung aufzubauen. Jede besondere Zuwendung die ihr Sohn bekommen hat, hat ein anderes Kind nicht bekommen. Ich behaupte nicht, dass die Erzieherinnen schlechte Menschen sind. Ich behaupte nur, dass keine Erzieherin zu allen von ihr betreuten Kindern eine lebenslange individuelle positive Beziehung aufbauen kann.Es mag ja sein, dass Ihr Sohn ein besonders liebevolles Kind ist. Aber was machen die Kinder, die kein sonniges Wesen haben? Die Großmütter sind da meist sogar noch besser als die Mütter in der Lage auch ein Kind zu lieben, das etwas komplizierter ist als die meisten anderen. Bei Betreuerinnen sind solche Kinder meist unter durch, die muss man oft mit Gewalt in den Kindergarten oder in die Schule zwingen. Warum wohl? Weil sie sich dort so individuell geliebt und angenommen fühlen?Sie sollten nicht glauben, dass die Erfahrung, die ihr Sohn gemacht hat für alle gleich ist. Im Gegenteil. Viele andere Kinder mussten Tag für Tag erleben, dass sie weniger geliebt wurden als Ihr Sohn, weniger Zuwendung bekommen, als lästige Belastung empfunden werden. Nein, es ist nicht wichtig, ob die Bezugsperson mit dem Kind blutsverwandt ist. Wichtig ist, dass das Kind eine Bezugsperson hat, bei der es die Nr. 1 ist, bei der es sich akzeptiert und angenommen fühlt. Das kann natürlich die Horttante sein. Aber die Horttante kann es nicht für alle sein.

    @ 5 Merantau  Wie viele Kinder hat die geliebte Erzieherin ihres Sohnes im Laufe ihrer Berufstätigkeit betreut? Ruft jedes dieser Kinder öfter bei der Erzieherin an? Fühlt sich jedes dieser Kinder von dieser Erzieherin besonders geliebt? Es ist keine Beleidigung sondern eine Frage der Menge. Die beste Betreuerin ist nicht in der Lage 500 oder mehr Kinder ihr ganzes Leben lang individuell zu lieben und eine individuelle Beziehung aufzubauen. Jede besondere Zuwendung die ihr Sohn bekommen hat, hat ein anderes Kind nicht bekommen. Ich behaupte nicht, dass die Erzieherinnen schlechte Menschen sind. Ich behaupte nur, dass keine Erzieherin zu allen von ihr betreuten Kindern eine lebenslange individuelle positive Beziehung aufbauen kann.Es mag ja sein, dass Ihr Sohn ein besonders liebevolles Kind ist. Aber was machen die Kinder, die kein sonniges Wesen haben? Die Großmütter sind da meist sogar noch besser als die Mütter in der Lage auch ein Kind zu lieben, das etwas komplizierter ist als die meisten anderen. Bei Betreuerinnen sind solche Kinder meist unter durch, die muss man oft mit Gewalt in den Kindergarten oder in die Schule zwingen. Warum wohl? Weil sie sich dort so individuell geliebt und angenommen fühlen?Sie sollten nicht glauben, dass die Erfahrung, die ihr Sohn gemacht hat für alle gleich ist. Im Gegenteil. Viele andere Kinder mussten Tag für Tag erleben, dass sie weniger geliebt wurden als Ihr Sohn, weniger Zuwendung bekommen, als lästige Belastung empfunden werden. Nein, es ist nicht wichtig, ob die Bezugsperson mit dem Kind blutsverwandt ist. Wichtig ist, dass das Kind eine Bezugsperson hat, bei der es die Nr. 1 ist, bei der es sich akzeptiert und angenommen fühlt. Das kann natürlich die Horttante sein. Aber die Horttante kann es nicht für alle sein.

    • Emmie
    • 08.06.2008 um 3:19 Uhr

    Meine Kinder sind 2 und 4 - meine Mutter ist 50 Jahre und hat ihr Berufsleben erst hinter sich wenn meine Kinder schon Ihre eigenen Wege gehen. Nicht jeder kann es sich leisten seinen Broterwerb aufzugeben um sich um die Enkel zu kümmern, und wir könnten es uns auch nicht leisten die Oma finanziell zu unterstützen - obwohl wir verdienen. Kinder kosten Geld. Darüber hinaus ist es heutzutage nicht mehr die Regel dass die Enkel in der Nähe wohnen. Ich habe '98 mein Abitur gemacht, und ca. 70% der Absolventen meines Abiturjahrganges wohnt mittlerweile mehr als 30 km entfernt. Das ist der Kompromiss unserer Zeit: Entweder flexibel und der Arbeit nach, auch mit Kindern, aber ohne Oma. Oder im Kreise der Familie und arbeitslos.

  5. @ 5 Merantau  Wie viele Kinder hat die geliebte Erzieherin ihres Sohnes im Laufe ihrer Berufstätigkeit betreut? Ruft jedes dieser Kinder öfter bei der Erzieherin an? Fühlt sich jedes dieser Kinder von dieser Erzieherin besonders geliebt? Es ist keine Beleidigung sondern eine Frage der Menge. Die beste Betreuerin ist nicht in der Lage 500 oder mehr Kinder ihr ganzes Leben lang individuell zu lieben und eine individuelle Beziehung aufzubauen. Jede besondere Zuwendung die ihr Sohn bekommen hat, hat ein anderes Kind nicht bekommen. Ich behaupte nicht, dass die Erzieherinnen schlechte Menschen sind. Ich behaupte nur, dass keine Erzieherin zu allen von ihr betreuten Kindern eine lebenslange individuelle positive Beziehung aufbauen kann.Es mag ja sein, dass Ihr Sohn ein besonders liebevolles Kind ist. Aber was machen die Kinder, die kein sonniges Wesen haben? Die Großmütter sind da meist sogar noch besser als die Mütter in der Lage auch ein Kind zu lieben, das etwas komplizierter ist als die meisten anderen. Bei Betreuerinnen sind solche Kinder meist unter durch, die muss man oft mit Gewalt in den Kindergarten oder in die Schule zwingen. Warum wohl? Weil sie sich dort so individuell geliebt und angenommen fühlen?Sie sollten nicht glauben, dass die Erfahrung, die ihr Sohn gemacht hat für alle gleich ist. Im Gegenteil. Viele andere Kinder mussten Tag für Tag erleben, dass sie weniger geliebt wurden als Ihr Sohn, weniger Zuwendung bekommen, als lästige Belastung empfunden werden. Nein, es ist nicht wichtig, ob die Bezugsperson mit dem Kind blutsverwandt ist. Wichtig ist, dass das Kind eine Bezugsperson hat, bei der es die Nr. 1 ist, bei der es sich akzeptiert und angenommen fühlt. Das kann natürlich die Horttante sein. Aber die Horttante kann es nicht für alle sein.

    Antwort auf "Kommentar 4"
    • AmyLou
    • 08.06.2008 um 14:34 Uhr

    Warum heisst es eigentlich nicht " Oma, du bist meine Freundin "? 
    Und  wer würde schon schreiben/sagen  "Opa, du bist meine Freundin"?  ohne über das Gesagte zu  schmunzeln?  Und Opa würde wahrscheinlich darauf hinweisen, daß er keine Freundin sondern Freund sein kann.
    Das ist für mich ein Beispiel, wie häufig doch das Femininum in unserer dt. Sprache ausgelassen wird. Denn hier stelle ich mir  Oma  eindeutig als männliches Wesen  vor.  Oder steckt hinter dem Begriff Freund mehr `Gewicht`  als  hinter Freundin?
     
     

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    Ich denke, es heißt nicht "Oma, Du bist meine Freundin", weil der 5jährige Jasper eben "mein Freund" gesagt hat. Wollen Sie einem 5jährigen daraus einen Vorwurf machen? Und die Oma hat nicht gesagt, ob sie den Knaben, darauf hinwies, sie sei eine Freundin. Und wenn Sie sich die Oma als männliches Wesen vorstellen, ist das wohl Ihr Problem. Jasper weiß ganz sicher, dass seine Oma eine Frau ist.

    Ich denke, es heißt nicht "Oma, Du bist meine Freundin", weil der 5jährige Jasper eben "mein Freund" gesagt hat. Wollen Sie einem 5jährigen daraus einen Vorwurf machen? Und die Oma hat nicht gesagt, ob sie den Knaben, darauf hinwies, sie sei eine Freundin. Und wenn Sie sich die Oma als männliches Wesen vorstellen, ist das wohl Ihr Problem. Jasper weiß ganz sicher, dass seine Oma eine Frau ist.

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