Welthungerkrise Nutzt das Meer!
Morgen endet der FAO-Ernährungsgipfel in Rom. Werden sich die Staatschefs einigen? Sie sollten auf die Ozeane schauen, dort könnte die Lösung liegen. Und davor sollten wir keine Angst haben

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Es ist beschämend, dass 860 Millionen Menschen von Hunger bedroht sind. Noch beschämender ist, dass keine nachhaltige Lösung in Sicht ist.
In 22 Ländern herrscht chronischer Hunger. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) erinnert in dieser Woche auf ihrem Welternährungsgipfel in Rom an die vielen gebrochenen Versprechen, den Hunger auszumerzen. Und sie warnt, dass Grundnahrungsmittel noch jahrelang überteuert und damit für viele unerschwinglich bleiben werden.
Sie fordert deshalb Milliarden, erstens für direkte Nothilfe in Form von Nahrungsmitteln und Schulspeisungen, zweitens zur Unterstützung von Kleinbauern, etwa mit Saatgut, Dünger und Krediten. Wichtig ist aber auch eine verstärkte Agrarforschung. Neues Saatgut wird benötigt. Die Erträge müssen steigen, auch unter extremen Boden- und Klimabedingungen.
Es war falsch, angesichts von Überschussproduktionen die Entwicklung neuer Reis-, Mais- oder Getreidesorten schleifen zu lassen. Hunger galt zu lange als besiegbar, Nahrung als üppig vorhanden. Wichtiger erschienen Klima- und Artenschutz. Die aktuelle Krise zeigt jedoch, dass die wachsende Weltbevölkerung mehr Agrarflächen benötigt. Auch Artenschützer fordern aus guten Gründen mehr Flächen, sprich Reservate.
Die Lösung könnte im Meer liegen. Neben der Agrikultur gilt es nun, die Meereskultur zu entwickeln, die nachhaltige Bestellung der Ozeane. Diese werden bisher nur industriell ausgeraubt, auch Aquakulturen für Lachse erfordern intensiven Fischfang fürs Futtermehl.
Nachhaltig hingegen lassen sich Algen, Muscheln oder Shrimps züchten. Hochseewindparks, kombiniert mit Algen- und Muschelzucht, könnten attraktive Reservate für Fische werden und helfen, überdüngte Küstengewässer von Nährstoffen zu reinigen.
Die Idee, mit geringer Eisendüngung in riesigen Ozeanwüsten üppiges Algenwachstum zu erzeugen und damit CO₂ zu versenken, taugt zwar bisher nicht zum kommerziellen Einsatz. Aber sie ist gründlicher Erforschung wert. Vielleicht lassen sich dank kontrolliertem Ozeananbau einmal Algen, sogar Krebs- und Fischfleisch gewinnen – und nebenbei auch noch viele Tonnen CO₂ versenken.
Die Angst vor solchen Geo-Großprojekten ist falsch. Wir verändern den Planeten längst, zu Wasser und zu Lande. Allerdings wäre mehr Kultur statt Raubbau angebracht – zur Förderung von Ernährung, Arten- und Klimaschutz.
- Datum 22.01.2009 - 17:16 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.06.2008 Nr. 24
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Vom Ansatz her richtig. Vor allem der Satz, dass die Meere bisher nur professionell ausgeraubt werden. Immerhin hat man bei einer belebten Tiefe von mehreren hundert Metern ein riesiges VOLUMEN, in dem potenziell gewirtschaftet werden könnte. Die landwirtschaftlich nutzbare FLÄCHE auf den Kontinente erscheint in diesem Zusammenhang eher gering.Ich glaube allerdings, dass der Schrei nach mehr Nutzfläche eher im Schreck über die Lebensmittelpreise zustande kommt. Denn Hunger war und ist ein Problem der Verteilung, nicht der Lebensmittelproduktion. Was würden dem Sahelbewohner Lebensmittel aus High-Tech-Hochseefarmen bringen, wenn er sie nicht bezahlen könnte? Überproduktion in den Industrieländern hat bisher jedenfalls noch keine Hungerkatastrophe verhindert.
Auch in dieser Glosse von Herrn Schuh lesen wir, wie leider so oft, eine Mischung aus korrekter Analyse und ungetrübtem Glauben an die technologische Lösung der menschengemachten Probleme. Dass der Mensch einen enormen Raubbau in den Meeren betreibt, was dazu führte, dass heute mehr als die Hälfte der Fischbestände bis zur maximal verträglichen Grenze und darüber hinaus genutzt werden, und bei Weiterführung der derzeitigen Praktiken (inklusive der staatlichen Förderung der Fangflotten) bis zur Mitte des Jahrhunderts ein Zusammenbruch der kommerziellen Fischerei sehr wahrscheinlich ist, ist tragisch genug. Dass nun der Autor die großmaßstäbliche Eisendüngung als Lösung wenn nicht aller, dann wenigstens vieler Probleme, darstellt, ist bestenfalls naiv, wenn nicht fahrlässig.Einige Investoren stehen ja schon in den Startlöchern, um Eisen in die Ozean zu kippen und CO2-Zertifikate einzukassieren. Jedoch lassen die bisherigen wissenschaftlichen Tests nicht den Schluss erwarten, dass eine Düngung in großem Maßstab die erwünschten Effekte erzielen würde, und dabei unschädlich für die Meeresumwelt sei. Es geht hier nicht um eine "Angst" vor Großprojekten, die der Autor gewissermassen als Feigheit vor dem großen Lösungsentwurf hinstellt, sondern um die Anwendung des Vorsorgeprinzips, das zur Vorsicht und umfassender Erforschung der Konsequenzen, auch der nicht gewünschten, mahnt, bevor der Mensch, wie in der Geschichte vielfach geschehen, massiv in die Umwelt eingreift. Nicht umsonst hat die gerade zu Ende gegangene UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt ein Moratorium der Eisendüngung auf der Hohen See beschlossen - und die Delegierten dort, sowie die sie beratenden Wissenschaftler sind sicherlich nicht in erster Linie von Angst getrieben.Dass die Lösung der gegenwärtigen Lebensmittelkrise in der Zucht von Algen und Muscheln in Windparks zu finden sei, ist zwar eine nette Idee, aber die Mengen an Nahrung zu erzeugen, die heute und in Zukunft fehlt, weil sie in Biotreibstoffen und Fleischerzeugung verbrannt wird, ist schon durch die minimale Fläche die dafür zur Verfügung steht, illusorisch.Leider ist auch dieses Argument, das wohl die Akzeptanz von off-shore-Windkraftwerken befördern soll, zu durchsichtig. Aber verstehen Sie mich hier nicht falsch, ich halt vernünftig geplante Off-shore-Windkraft für sinnvoll und auch die Aquakultur in diesen Arealen, aber man sollte den Leuten nicht vormachen, dass die Größenordnungen in irgendeiner Form Bedeutung für die Welternährung haben könnten. Herzliche Grüße an alle Leser.Dr. Georg Heisshttp://www.reefcheck.de Reef Check e.V. 28209 Bremen
Es gab immer wieder Fälle in der Geschichte, in der sich überhastetes Vertrauen in die Technik als fatal erwiesen hat, Krebs durch Röntgen, Contergan, und so weiter.Einfach mal Eisen ins Meer kippen und schauen was passiert halte ich für riskant und leichtsinnig. Erst nach Langzeitstudien sollte man sich an solche Sachen heranwagen, alles davor ist einfach nur dumm. Aber so sind wir Menschen eben, oder nicht?Also los, pfuschen wir drauf los und schauen was passiert!
Hans Schuh hat natürlich Recht, dass das Potential der Ozeane noch nicht ausreichend genützt wird, wenn es überhaupt genützt wird, dann in einer wenig nachthaltigen Art und Weise.Trotzdem ist eine Ausweitung des Nahrungsmittelangebotes sicher nicht der einzige Ausweg. Die erhöhte Nachfrage nach Agrarprodukten ist nämlich, glaubt man den Zahlen in der Spiegelberichterstattung, zu aller erst auf eine erhöhte Nachfrage nach Futtermitteln aus Staaten wie China, Indien, den großen momentanen Globalisierungsgewinnern also, zurückzuführen. Mit steigendem Wohlstand haben diese eine fleischhaltigere, "bürgerliche" Nahrung für sich entdeckt. Diese ist aber viel rohstoffintensiver. Im Schnitt braucht man so ca. 10 kg Pflanzen um 1 kg Fleisch herzustellen. Ein Vegetarier, der zum Fleischesser mutiert, ist somit fast das Schlimmste, was der Welt aus ernährungswissenschaftlicher Sicht passieren kann.Natürlich hat man kein Recht Staaten wie China vorzuschreiben, dass sie gefälligst beim Reis bleiben sollen, weil deren Fleischkonsum für die Erde untragbar ist.Es stellt sich aber trotzdem die Frage: Warum essen die jetzt so viel Fleisch und warum essen wir überhaupt so viel Fleisch?Die Antwort ist simpel: Weil Fleisch ein Genussmittel ist. Genau wie Kaffee, Kakao und nach individuellen Geschmäckern natürlich jedes Nahrungsmittel zum Teil.Könnte man aber eine Ernährung ohne "Genussfaktor" nicht effizienter und mit einem Minimaleinsatz an natürlichen Ressourcen garantieren?Meine Wochenessplan sehe dann überspitzt so aus:Mo, Di: "Astronautennahrung": 3/5 Kohlehydratpaste, 1/5 Proteinpaste, 1/5 Zuckerpaste, Vitamine und MineralienMi: Schweinebraten mit Bratkartoffeln und gemischten SalatDo, Fr: "Astronautennahrung"Sa: Spaghetti CarbonaraSo: Fritattensuppe, Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat.
Es stimmt schon : die momentane Krise resultiert stark asu Rohstoffspekulationen. Auch die aus dem Meer gewonnene Rohstoffe werden in diesen spekulativen Kreislauf geraten. Somit bleibt es beim Alten : es gibt genügend zu Essen , aber man kann es nicht bezahlen.
Momentan sind auf der Erde ca. 200 Bilionen Dollar vorhanden , die anlagebereit sind. Nur 5% dieser Summe wurden in die Rohstoffe investiert ( ab etwa September 2007), was dazu führte, daß die Märkte verrückt spielen.Quelle: Manager-Magazin Ausgabe 06.2008..
Es setllt sich aber auch eine andere Frage: wie viele Menschen kann der Planet verkraften ????
Seit ich richtig lesen kann, lese ich die ZEIT. Und schon bald fiel mein Blick auf die immer wiederkehrenden in die gleiche Richtung tendenziösen Artikel des Herrn Schuh.Die ZEIT bietet ihren Lesern aus den gebildeten und situierten Kreisen des Landes eben immer einen Schreiber, der die passenden Mythen zur Fortführung des ohnehin unbedrohten Lebens im Selben liefert. Das ist ein besonders luxuriöser Service, vom Steinkreis bis zum Potential des Meeres zur Lösung der Dauerhungerkrise. Mit Wissenschaftsjournalismus hat das eher wenig zu tun.Biologisch einigermaßen erträgliches Aquafarming ist aufwändig und trotzdem bleibt es mit extremen, nicht beherrschbaren Risiken behaftet.Die so sehr herbeigewünschten "Biofarmen" im Meer, die Fisch -Proteine für die Welt -Ernährung liefern sollen, mit dazu genetisch auf höchste Eiweißproduktivität optimierten Fischarten, den ebenfalls erzeugten und optimierten künstlichen Nahrungsketten über Algen, Grill und Zwischenfischarten als Futter, oder den dazu eingesetzten landgebundenen, in die Wasserbassins- und Käfige gekippten Kraftfuttermischungen (Insektenzuchten bieten sich doch an, neben den heute schon angebauten Hochleistungsfutterpflanzen), benötigen große Mengen an Energie, Düngemitteln und Schutzmitteln. Nichts darf in der menschengemachten Wasserwelt krank werden, nichts in der Aufzucht des schwimmenden Proteins falsch laufen. Solche Farmen müssen, trotz der aus Effizienzgründen enormen Größe, im Wasser von der natürlichen Natur streng separiert sein, denn sonst richtet die menschengemachte Wirtschaftsnatur im offenen Meer nur Schaden an. - Ein äußerst schwieriges Unterfangen.Das Endergebnis, viel Meeres-Protein auf vergleichsweise wenig Fläche, muss dann Abnehmer finden die es so auch kaufen, sofern sie es sich leisten können, und es hinterher schön brav aufessen. Zudem wohnen die meisten hungrigen Mäuler gerade nicht da, wo frische Fische schnell hingeliefet oder Tiefkühlung sicher eingesetzt wird. - Aber vielleicht gibt es ja eine schuhsche Methode, den Menschen dort die Verarbeitung von Fischmehl zu schmackhaften Klopsen und Knödeln näher zu bringen. Dann kommt das aquatische Protein, gereinigt, sauber und beliebig würzig, im Mehlsack.Nein, das Aquafarming ist nur sehr begrenzt ein Gewinn für die Menschheit und schafft allenfalls Preisstabilität bei besonders begehrten Fischarten auf bürgerlichen Tellern in China, Japan, USA und Europa (Lachs, Forellen, Störe, Muscheln, Krustentiere). Mit Ökologie, Artenschutz und Welternährung hat das so wenig zu tun, wie der Jubel der fünf großen Agroindustriefirmen über ihre genetisch manipulierten und von ihnen vollständig kontrollierten Saaten für Alles: Vom "Hochleistungs-Futtermais" über "Roundup-Ready" Totalherbizid- Reis und Weizen bis zur Biospritpflanze.Ich denke, Herr Schuh will im ozeanischen Gedanken eines guten Gefühls baden gehen. Das teilt er mit vielen ZEIT-Lesern, für die er schreibt.GrüßeChristoph Leusch
Das Hauptproblem zur Zeit ist dabei, billige Nahrungsmittel für Milliarden an total verarmten Menschen heranzuschaffen, die weiter verarmt bleiben und als einzige Notlösung viele Nachkommen schaffen, die noch mehr billige Nahrungsmittel brauchen.Man sieht hier dran, das die Armutsbekämpfung der letzten 50 Jahre komplett versagt hat, der Hunger ist nur ein Symptom davon. Aber er macht sich gut auf den Anzeigen von Brot für die Welt und anderen, großäugige "Negerkinder" (ja es sind meistens dunkelhäutige) die lieb gucken und ein gutes Gewissen machen wenn man spendet.Fleischesser dürfen dies ruhig tun, aber bitte teuer (notfalls Luxussteuern drauf, auch bei uns), damit regelt sich das von alleine.Kurzfristig hilft jetzt nichts außer subentionierer Nahrung (die alte Generation erinnert sich noch an die Lebensmittelkarten), langfristig muß mehr Geld unter das Volk kommen, das löst eine Menge Probleme zusammen (auch das mit zuviel Nachwuchs, ohne das üble Maßnahmen ergriffen werden müssen!). Allerdings braucht es für so etwas verantwortungsvolle Regierungen, und da ist dann schon wieder ein Problem. Das ganze ist nicht wirklich einfach, und Lösungen die mehr sind als kurzfristige Symptomkaschierung sind äußerst tiefgreifend.
Ich wäre dafür, bevor neue Experimente und Manipulationen in der Natur im Großen Stil vorgenommen werden, erst die vorhanden Handelsbedingungen zu ändern und die überzähligen Nahrungsmitteln aus allen Ländern an die Hungernden zu verteilen, es ist genug da.
z.B. Japan der weltgrößte Reiserzeuger hat 100 Tausende Tonnen Reis auf Lager, nicht nur eigenen sondern hauptsächlich importierten Reis, den die Japaner gar nicht essen. Japan darf den Reis aber nicht verkaufen, das verbietet die WTO und Japan muss Reis kaufen auch das gebietet die WTO. Jetzt darf Japan vielleicht wegen der Hungerkrise diesen importierten Reis, den sie erstens nie brauchten an die Antihunger Organisationen verkaufen, sie argumentieren damit die Not zu lindern.
Natürlich ist es gut die Ressourcen des Meeres zu verbessern aber erst muss es ganz klar sein, dass durch den Eingriff des Menschen das Meer nicht Schaden nimmt. Im kleineren Rahmen mit dem Versuch beginnen und entsprechend wissenschaftlich auswerten, dann lässt sich sehen wieweit es für alle nützlich ist.
Es geht nicht so weiter, das ist absolut klar, der Hunger kann nur in Zusammenhang mit Geburtenkontrolle aktiv beseitigt werden. Daher widert es mich an wenn die UNO so tut als würde alles nur an den Geberländern liegen. Vieles liegt an den Industriestaaten aber die armen Länder Afrikas, Asiens tragen mit ihrer Überbevölkerung die gleiche Verantwortung für den Hunger. Eigentlich ist es nicht mehr zu fassen, dass die einen Menschen das Grab schaufeln und die anderen sich reinlegen. Der Hunger ist zu beseitigen, durch gleiche Handelsbedingungen und Geburtenkontrolle. Das Problem ist die Interessen einzelner Staaten wiegen schwerer als die Hungernden und Armen anderer Nationen. Die Anzahl an Religionsmitglieder ist wichtiger als eine durch Geburtenkontrolle reduzierte Menschheit, die dafür ein würdiges Leben führen könnte.
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