Religionen

Liebe ist die Vollendung des Lebens

Als Jude der eigenen Religion treu zu bleiben und zugleich der christlichen Mehrheitsgesellschaft verbunden: Samson Raphael Hirsch, der berühmte Rabbiner und Begründer der Neuen Orthodoxie, hat gelehrt, wie das geht. Zu seinem 200. Geburtstag eine Hommage

Das letzte Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts erfüllte Hamburgs Bürger mit Freude, mit Stolz, Unternehmungskraft und Hoffnung. Der Hafen war ausgebaut worden und hatte die Stadt zu einem bedeutenden Handelsplatz gemacht. Die Erwartungen waren groß; aus den Konflikten der Zeit, vor allem aus dem Zwist zwischen England und Frankreich, hielt man sich heraus. Mit Begeisterung hatten viele Hamburger Bürger die Französische Revolution gefeiert.

Die Hochstimmung verflog, nachdem Napoleons Armee die Stadt 1806 besetzt und er sie schließlich seinem Kaiserreich einverleibt hatte. Die von ihm angeordnete Kontinentalsperre unterband den wichtigen Handel mit England, er ließ Hamburg hohe Abgaben für den Unterhalt der französischen Truppen zahlen und erhöhte die Steuern. Von diesen Belastungen waren auch die Juden betroffen – und doch brachte ihnen die Besatzungsmacht erstmals die Freiheit. Die 1789 errungenen Bürgerrechte galten endlich auch für sie: Sie waren nun Hamburger und Deutsche jüdischer Religion.

Auch in anderen französisch dominierten Regionen, zum Beispiel im neu geschaffenen Königreich Westphalen, das weite Teile Westdeutschlands umfasste, waren sie jetzt der christlichen Bevölkerung rechtlich gleichgestellt. Sie begriffen diese Befreiung und Emanzipation zugleich als Aufforderung, sich zu reformieren und zu integrieren. In der Sprache, in ihrer Kultur, bis hin zur Gestaltung des Gottesdienstes, wollten sie sich ganz ihrer Heimat anschließen. Es war diese Atmosphäre des Aufbruchs, in der Samson Raphael Hirsch, am 20. Juni 1808 als Sohn eines erfolgreichen Tressenmachers auf die Welt gekommen, seine ersten Lebensjahre verbrachte.

Das große Vorbild für alle reformwilligen Juden jener Zeit war Moses Mendelssohn in Berlin. Dieser bedeutende Philosoph, ein Zeitgenosse Friedrichs des Großen, hatte gezeigt, dass es möglich war, den Geboten der Religion gehorsam zu leben und zugleich danach zu streben, ein gleichberechtigter Staatsbürger zu werden, den christlichen Landsleuten zur Seite, als Freund und Begleiter.

Von Hamburgs Talmud-Tora-Schule auf die Bonner Universität

Auch Hamburgs Juden konnten und wollten sich nicht länger als eine geschlossene nationale Gemeinschaft verstehen, deren Rabbiner innere Gerichtsautorität besaßen und die Befolgung des Religionsgesetzes durch Strafandrohungen erzwingen konnten. Von nun an war Religion Privatsache. Einzelne Juden konnten Gemeinden gründen, Rabbiner wählen und auch wieder des Amtes entheben. Die Rabbiner hatten keinerlei Macht, ihre Verordnungen durchzusetzen, und keine Autorität mehr über das Familien- und Geschäftsleben der Juden.

In ganz Deutschland bildeten sich verschiedene Gruppen: allen voran die Reformierten. Sie scheuten sich nicht, den Gottesdienst zu verändern, und versuchten, das zeitgenössische Judentum zu einer »deutschen« Religion umzugestalten. So wurden die Gottesdienste verkürzt und Gebete und Choräle in deutscher Sprache eingeführt, Letztere mit Orgelbegleitung. In einigen Zirkeln ging man sogar so weit, die Feier des Sabbats auf den Sonntag zu verlegen.

Eine andere große Gruppe, die Vertreter einer fortschrittlichen Orthodoxie, vertrat dagegen die Auffassung, Mendelssohns Lebensvorbild erfordere überhaupt keine grundsätzlichen Veränderungen der Tradition. Es sei lediglich notwendig, gewisse Übel im Gottesdienst wie lautes, individuelles Beten abzuschaffen und der Feier Ruhe und Würde zu geben. In Hamburg berief man hierzu den Rabbiner und Wissenschaftler Isaak Bernays aus Mainz. Er trug zwar den Talar und führte die deutsche Predigt ein, bestand aber auf einem streng traditionellen Gottesdienst und auf ein entsprechendes Verhalten im privaten Leben.

Es sollte sein Schüler Samson Raphael Hirsch sein, der, über die Forderungen seines Lehrers hinausgehend, diese Richtung zu einer neuen Theologie formte und damit der Begründer der Neo-Orthodoxie wurde. Hirsch entstammte einer orthodoxen Familie, doch sollte sich seine eigene strikt orthodoxe Einstellung im Laufe der Jahre verändern. Bereits als junger Mann, der seine erste Bildung auf Bernays’ Talmud-Tora-Schule in der Hamburger Neustadt erhalten hatte, zeigte er sich überzeugt, dass der Besuch einer staatlichen Universität mit dem traditionellen Judentum vereinbar sei, ja seine Berufschancen als Rabbiner nur verbessern könne. Wie ungewöhnlich diese Haltung in orthodoxen Kreisen war, verrät ein Satz Salomon Tiktins, des Rabbiners von Breslau, der erklärte, ein Mann, der die Hallen einer deutschen Universität betrete, sei unwürdig, jemals Rabbiner zu werden.

Hirsch studierte kurzzeitig an der vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. 1818 neu gegründeten Universität in Bonn, wo er mit dem Kommilitonen Abraham Geiger Freundschaft schloss. Geiger wurde später zum gestaltenden und zeitweise radikalen Führer der Reformfraktion.

Die Situation der Juden hatte sich zu dieser Zeit überall in Deutschland erneut grundlegend geändert. Nach dem Abzug der französischen Truppen 1814 waren die alten, restriktiven Verordnungen wieder in Kraft gesetzt worden. 1819 griffen während der »Hep-Hep-Unruhen« Handwerker und Bauern in zahlreichen Städten die Juden an, weil sie ihnen die Schuld an ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage gaben. Aber auch unter den vermeintlich gebildeten Bürgern, und nicht zuletzt in der studentischen Jugend, machten sich antijüdische Ressentiments breit. Geschlagen und enttäuscht entschieden sich etliche Juden – darunter Heinrich Heine – für die Taufe.

Nichtsdestoweniger traten Reformer wie Geiger oder Zacharias Frankel für eine forcierte Erneuerung des gesamten jüdischen Lebens ein: Nicht nur sollten Juden moderne Schulen und Universitäten besuchen und in Streitfällen Zivilgerichte statt der Rabbinatsgerichte anrufen, auch liturgische Elemente im Gottesdienst und Ritualgebote sollten verändert werden. So schaffte Geiger das Gebet für die Wiederherstellung des Tempels ab, weil es als antideutsch empfunden werden könnte.

Für Hirsch dagegen, der ebenfalls zeit seines Lebens als deutscher Patriot für die politische Gleichberechtigung der Juden eintrat, hatte dieses Gebet einen ganz anderen Sinn. In der Bitte um das Kommen des Messias gemäß dem Willen Gottes sah Hirsch ein Flehen um die Erneuerung der gesamten Menschheit zu weltweitem, ewigem Frieden – dann mögen auch Juden in das heilige Land zurückkehren. So schließt das Gebet für ihn auch die Erneuerung Deutschlands mit ein. An den Aufbau einer neuen Heimstatt für die Juden dachte er nicht. Als gläubiger, dem Gebot der Tora gehorsamer Mensch sollte der Jude für jeden, ob Jude oder nicht, zum frommen Vorbild werden: »So daß man Dich achte«, schreibt er, »weil Du Jude bist, nicht obgleich Du Jude bist.«

Seine Philosophie basierte auf zwei Grundprinzipien: Erstens sah er die Autorität der Halacha als absolut an. Die jüdischen Religionsgesetze durften nicht gelockert werden. Und zweitens schuf er den Begriff der »Tora im Derech Eretz«, der »Tora in weltlicher Verbundenheit«, womit er die orthodoxen Juden aufforderte, sich ihrer Mitwelt zu öffnen, wo immer sie es mit der Halacha vereinbaren konnten.

1830 wurde Hirsch zum Landesrabbiner von Oldenburg in Oldenburg berufen. Empfohlen hatte ihn sein Vorgänger, Nathan Marcus Adler, der als erster deutscher Rabbiner promoviert hatte und wegen seiner Offenheit und gleichzeitigen Fürsorge für die Gemeinde vom oldenburgischen Großherzog sehr geschätzt wurde. Hirsch dagegen stieß ob seiner Orthodoxie bald auf Widerstände, die sich auch in unregelmäßiger Zahlung seines Gehalts äußerten. Als Reaktion darauf und als Rechtfertigung für seine Haltung schrieb er die Neunzehn Briefe über das Judentum, veröffentlicht 1836, die man als philosophische Quintessenz seiner Lehre betrachten kann.

Zwar hält Hirsch daran fest, dass sich die Prinzipien, nach denen das jüdische Volk leben muss, allein in der Tora finden, die in diesem Zusammenhang für die gesamte hebräische Bibel steht und die ihm göttliche Offenbarung ist. Doch interpretiert er sie ausgesprochen zeitgemäß. Denn die Tora befehle Gerechtigkeit gegen alle, da alle Menschen gleich sind. Eine gesetzliche Gewalt dürfe niemals missbraucht werden. Zudem wolle die Tora Gerechtigkeit gegen untergeordnete Wesen, auch gegen die Erde, gegen Pflanze und Tier. Sie verlange Achtung vor jedem Leben. Vor allem aber solle die eigene Persönlichkeit respektiert werden, die ihren reinsten Ausdruck im Wort findet. Und natürlich müsse man die Gebote der Liebe gegen alle Wesen einhalten, weil Gott dies will und nicht weil andere einen Anspruch darauf haben: Liebe ist die Vollendung des Lebens. Dazu gehöre, schreibt er in den Neunzehn Briefen weiter, allen Menschen mit ganzer Kraft beizustehen: »Hungrige speisen, Leidende trösten, Kranken helfen, Unversorgten Versorgung bringen, Unberatenen Rat, Unbelehrten Belehrung spenden, Entzweite vereinen, Segen werden, wie und wo Du kannst«.

Sogar auf einem Grabstein wirbt er noch für die Ökumene

Welchen Einfluss Hirsch mit seinem Werk hatte, zeigt ein Beispiel: Ein junger Mann, Heinrich Graetz, schrieb ihm, sein Buch habe ihn zurückgehalten, sich von der Tradition loszusagen. Hirsch lud ihn nach Oldenburg ein; drei Jahre, bis 1840, blieb er dort. Graetz wurde später Professor für jüdische Geschichte am konservativen Rabbinerseminar zu Breslau. Sein vielbändiges Werk Jüdische Geschichte ist, immer wieder neu aufgelegt, bis heute eines der klassischen Werke der deutschen Historiografie geblieben.

Hirschs Unternehmen, die jüdische Kultur aus der Isolation zu befreien, schlossen sich beinahe alle orthodoxen Gemeinden in Deutschland an. Im Gegensatz zu der Orthodoxie in Osteuropa fanden so diejenigen Juden im Westen, die sich der Tora tief verbunden fühlten und ihre Tradition nicht aufgeben wollten, eine philosophische Grundlage für ihr Bemühen, sich der Kultur ihrer nichtjüdischen Nachbarn mit ganzem Herzen zu öffnen.

Die Frage, ob ein guter Jude auch ein guter Deutscher sein, ob auch ein Strenggläubiger sich durch Emanzipation in den Staat integrieren könne, bejahte Hirsch emphatisch. Er zitierte den Brief des Propheten Jeremias an die nach Babylonien verschleppten Juden. Der Prophet ermahnt sie, sich niederzulassen und Häuser zu bauen, zu pflanzen und zu ernten, Kinder zu zeugen und zu wachsen. Er schließt: »Und strebet für das Wohl der Stadt, dahin ich euch vertrieben, und betet für sie zum Herrn, denn in ihrem Heile wird euch Heil« (Jer. 29, 5–7).

Hirsch möchte die Glaubensgeschwister als Patrioten sehen. Doch am höchsten steht für ihn das Ideal des Menschseins selbst, dies muss das Ziel all ihres religiösen Strebens sein. Durch ihr Judesein werden die Juden, wie er sagt, zum Menschentum gebracht, werden »zum Jisroel-Mensch«.

Das Verhältnis zu Oldenburgs Obrigkeit indes ließ weiter zu wünschen übrig. Hirsch, der 1831 die Braunschweigerin Johanna Jüdel geheiratet hatte, machte sich Sorgen um sein Auskommen. Auch sah er sich missverstanden. Die großherzogliche Kammer begriff nicht, dass er gerade durch seine Orthodoxie der Menschheit dienen wollte. Dabei hätten ihre Mitglieder nur in seine jüdische Elementarschule schauen müssen, in der neben Religion, neben Hebräisch selbstverständlich Deutsch, Rechnen, Weltgeschichte, Naturgeschichte und Geografie gelehrt wurden. Auch dem Gebot der Achtung zwischen Juden und Nichtjuden blieb Hirsch stets verpflichtet. So verfasste er für einen wohltätigen Juden eine Grabinschrift, die den Gedenkstein zu einem wahrhaft ökumenischen Dokument machte: »Für Christen auch hat er Friede und Wohlfahrt erstrebt.« So steht es dort noch heute, auf dem Friedhof des oldenburgischen Städtchens Wildeshausen, und nirgendwo sonst habe ich auf einem Grabstein solche Worte gefunden.

Doch immer wieder verteidigte Hirsch auch das Judentum gegen böswillige Angriffe. So 1841, als in einer bremischen Schmähschrift zu lesen stand, das Alte Testament sei nicht das ungekürzte Wort Gottes, und die Juden seien in Wirklichkeit Heiden. Hirsch wies darauf hin, dass schon im Alten Testament die Liebe das Grundgesetz des Lebens ist. Gebote wie »Du sollst Gott lieben mit deinem ganzen Herzen… Liebe deinen Nächsten wie dich selbst… Liebe den Fremdling wie dich selbst…« erscheinen erstmalig dort. Das Judentum, schreibt Hirsch, sei eine Weltreligion, von der alle anderen lernen können und sollen, eine Weltreligion, die ihrerseits jede Religion achte und anerkenne. Hirschs Streitschrift ist im Kampf der Juden gegen die theologische Verleumdung lange wichtig geblieben.

In der Revolution von 1848 kämpft er für die Gleichstellung der Juden

1841 ging er nach Emden, 1846 als Landesrabbiner für Böhmen und Mähren nach Nikolsburg. Hier kämpfte er während der Revolution von 1848 für die Gleichstellung der Juden. Ihre Vertreter wählten ihn nach der Revolution einstimmig zum Vorsitzenden des Ausschusses für bürgerliche und politische Rechte der Juden in Mähren. Er arbeitete anschließend eine Verfassung für eine Gesamtvertretung aller mährischen Juden aus, die wie eine Behörde funktionieren sollte.

1851 kehrte er in den Westen zurück. Zehn Frankfurter Familien, unter ihn die Rothschilds, beriefen ihn an den Main. Es hatte Proteste gegen die zu weit gehende Liberalisierung der Frankfurter Gemeinde gegeben. Man wollte eine eigene Gemeinde gründen und Hirsch zu ihrem Rabbiner bestellen. In kurzer Zeit wuchs die Gruppe der Neu-Orthodoxen auf 500 Menschen an.

Doch erst 1876 gelang die Verabschiedung eines Gesetzes, das Juden den Austritt aus einer Gemeinde ermöglichte, ohne dass sie gezwungen waren, auch aus dem Judentum auszutreten. Jetzt konnte sich Hirschs Gemeinde von der Stadtgemeinde unabhängig machen.

Hirsch selber erließ eine rabbinische Entscheidung: Jede orthodoxe Gemeinde sollte aus der jüdischen Stadtgemeinde austreten, falls diese zu liberal war oder liberale Rabbiner berufen oder etwa zum Gottesdienst die Orgel eingeführt hatte. Zur Bestätigung dieser Entscheidung erbat er sich ein Gutachten des Rabbiners Seligmann Bär Bamberger aus Würzburg, der als Deutschlands größter Talmudist galt.

Doch dieser widersprach Hirsch. Falls die liberale Gemeinde ihren orthodoxen Mitgliedern alles Notwendige gab, einschließlich Synagoge, Rabbiner, Schulen, Metzger und Friedhöfen, sie zudem aus Mitteln der Großgemeinde unterhielt, so war ein Austritt aus ihr religionsgesetzlich nicht erforderlich.

So entstand die »Einheitsgemeinde« als Dachorganisation über beide Richtungen. Hirsch hatte verloren und dennoch gewonnen. Wenn auch nicht auf die von ihm gewünschte Weise. Die indirekt durch ihn veranlasste Schaffung der Einheitsgemeinden hielt das deutsche Judentum jahrzehntelang von extremen Auswüchsen sowohl aufseiten der Orthodoxen wie aufseiten der Reformierten ab: Die liberalen Gemeinden konnten nicht radikal werden, sonst wären die Orthodoxen ausgetreten, die orthodoxen nicht weltfremd, sonst hätten sie ihren Platz in der Einheitsgemeinde verloren.

Für alle orthodoxen Synagogen im Lande blieb die Lehre Hirschs prägend. Als Beispiel sei mein Vater genannt, der Kaufmann und Mitglied der orthodoxen Synagoge unserer Einheitsgemeinde zu Mainz war. Er lebte als ein streng orthodoxer Jude, der zugleich ein leidenschaftlicher Operngänger war. Dass ich von meinem siebten Lebensjahr an begann, Tora und Talmud zu studieren, war selbstverständlich. Genauso selbstverständlich war es, dass mein Vater mich mit in das Theater und die Oper nahm, in die Welt der bildenden Künste und der Literatur einführte, in die Welt Shakespeares, Lessings, Schillers und Goethes. Dies war die offene Kultur der Orthodoxie in Deutschland, die auf den Ideen Hirschs beruhte: streng der Tora getreu, patriotisch und tolerant. Unnötig zu sagen, dass auch diese wunderbar symbiotische Lebensform von den Nazis vernichtet wurde.

Samson Raphael Hirsch blieb seinen Ideen treu. Bis zu seinem Tod am 31. Dezember 1888 in Frankfurt am Main fungierte er als Gemeinderabbiner seiner Austrittsgemeinde Adass Jeschurun. In den Jahren 1867 bis 1873 schrieb er seine fünfbändige Übersetzung mit Kommentar zu den Fünf Büchern Mose und übertrug auch die Psalmen. Auf dem Friedhof der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt liegt er begraben.

Nach seinem Tode (bis zum Jahre 1926) war sein Schwiegersohn Salomon Breuer sein Nachfolger als Gemeinderabbiner. Unter ihm wurde die herrliche Frankfurter Synagoge gebaut, mit 1200 Sitzplätzen im Männerraum und 400 auf der Frauenempore, in Architektur wie im Gottesdienst ganz und gar deutsch und gleichzeitig streng orthodox. Hirschs höhere Schule, wie auch seine Jeschiwa (Talmudhochschule) bestanden bis 1938. Ich selbst studierte im akademischen Jahr 1931 an der Frankfurter Jeschiwa, deren Rektor Hirschs Enkel Joseph Breuer war. So lebte und lebt seine Lehre weiter, die Lehre, Gottes Gesetz treu und doch ganz in dieser Welt zu sein. Ihre Bedeutung bleibt – für ein lebendiges Judentum der Zukunft, gerade auch in Deutschland.

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    • Von Leo Trepp
    • Datum 18.3.2009 - 16:31 Uhr
    • Quelle DIE ZEIT, 12.06.2008 Nr. 25
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