Weil eines seiner Bilder über Sotheby’s versteigert wurde, begab sich Nils Koppruch vor einiger Zeit mal wieder in den ihm sonst fremden Kunstbetrieb. Man traf sich diesmal, aufgeschickt mit Perlenkette oder Einstecktuch, in der Spielbank Hamburg zu einer Charity-Veranstaltung. Katharina Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein fungierte als Auktionatorin für insgesamt 39 Gemälde, alle 15 mal 15 Zentimeter groß – der Erlös unterstützt Aktionen, die Schulkindern Kunst schmackhaft machen soll.

"Es war lustig, zu sehen, nach welchen Kriterien gesteigert wurde", sagt Koppruch. "Nach Marktwert, klar. Gewinner war ja mit 6000 Euro Jonathan Meese. Aber es gab auch absurde Szenen, wo eine ältere Frau sagte: 'Guck mal, die Sowieso bietet auch.' Schwupp, ging der Arm hoch."

Koppruchs Miniatur, unterzeichnet mit seinem Künstlernamen SAM., kam am Ende auf 1500 Euro. Kein schlechter Preis, sein erstes Bild ging für sieben Mark über den Ladentisch. Damals, 1990, war der gelernte Koch oft Gast im Hamburger Artstore . "Karlo, der Galerist, meinte dann: 'Wenn du dauernd hier herumhängst, kannst du auch was malen.'"

Heute gilt der Artstore als Wiege der "Cheap Art", einer Richtung, die für die Kunst sein will, was Punk für die Musik war: Hier ist ein Pinsel, da sind drei Farben, nun mal ein Bild! Koppruch malte den Umriss eines Mannes mit drei Armen, im Stil jener Silhouetten, die die Polizei an Tatorten auf den Boden zeichnet. "Sogar in Öl. Das hat ein Vater seinem pubertären Sohn gekauft. Der sah aus, als ob er es total scheiße fand, aber ich bin fast geplatzt vor Stolz."

Autodidaktisch begonnen haben viele. So lange durchgehalten eher wenige. Und eine vergleichbare Karriere jenseits des Kunstbetriebes hat außer Koppruch keiner hingelegt – zumal die Hälfte seiner Zeit der Musik gehört. Als Sänger, Gitarrist und Texter der Band Fink hat er sieben CDs veröffentlicht , im letzten Jahr erschien sein knorrig-romantisches Solo-Album Den Teufel tun.

"Ich schaffe es gerade, so viel zu malen, wie mir abgenommen wird", sagt Koppruch. Er organisiert etwa drei Einzelausstellungen pro Jahr. Manche davon finden auch in seinem Atelier statt, einer 40 Quadratmeter großen Souterrain-Ladenwohnung in St. Pauli. Dass fast alle Bilder eine Viertelstunde nach Beginn der Vernissage verkauft sind, dass manchmal gar Tränen fließen, des Glücks oder der Enttäuschung, je nachdem, ob etwas erworben werden konnte oder nicht, dafür gibt es zwei Gründe.

Erstens: Verlässlichkeit. Koppruch, Fan der Art brut oder Outsider Art, pflegt einen stets erkennbaren, schwungvoll-rauen, dabei sicheren Strich, er schätzt kräftige Farben und schwarze Umrandungen wie im Comic. Sein Stil, sagen manche, erinnere an Picasso Ende der fünfziger Jahre, an dessen Velázquez-Variationen. Bei ihm, sagen andere, verabreden sich das Plakative und die Groteske auf ein Bier.

Der zweite Grund: Unberechenbarkeit. Koppruch stellt Serien erst dann aus, wenn er sich an einem Problem abgearbeitet hat. Das kann die Hafenansicht sein, eitle Casting-Posen, das Nierentisch-Mosaik der fünfziger Jahre, einsame Menschen im Café oder die Frage, wann ein abstraktes Bild fertig ist. Auch Klassikern wird Tribut gezollt, etwa bei dem Gemälde Schwager vom Mann mit dem Goldhelm aus der Reihe "Die schlechtesten Fälschungen der Welt". Das Thema kann aber auch die Ausstellung an sich sein. 2002 standen Besucher vor Arbeiten, die allesamt in Packpapier eingeschlagen waren, sorgfältig verschnürt und nur so zu kaufen. Titel der Veranstaltung: Konflikt. Manch ein Sammler hat sein Exemplar bis heute nicht ausgepackt.