Atelierbesuch bei Nils Koppruch Verlässlich unberechenbarSeite 2/2
Momentan ist der größte Teil von Koppruchs Atelier mit Holzspänen übersät. Von einem Urlaub in der Schweiz brachte er von einem Spaziergang alte Bretter mit und entdeckte das Schnitzen: "Ich kann schlecht still sitzen. Zur Almhütte, in der ich damals wohnte, gehörten eine kleine Werkstatt und drei verschieden große Beitel. So arbeite ich im Prinzip immer. Ich gucke nicht, was ist das Ziel und was brauche ich dafür. Sondern: Diese Mittel habe ich, was kann ich daraus machen?"
Bei der Beschaffung der Mittel praktiziert Koppruch auch Tauschwirtschaft. Kürzlich ging er auf Ausstellungstournee, fünf Städte in fünf Tagen unter dem Namen Galerie Kofferraum . Den Stoff, der ihm da als Leinwand diente, hatte er vorher gegen Bilder getauscht. Das Prinzip funktioniert gut: Eine Augenärztin entfernte vor kurzem gratis, quasi als Zugabe, einen Metallsplitter aus Koppruchs Netzhaut, als er das via Internet bestellte Bild lieferte.
Koppruchs Preise sind nach wie vor moderat, sie beginnen bei 200, 300 Euro. "Wenn jemand 250.000 ausgibt", erläutert er, "ist das Kalkül. Wenn jemand 250 ausgibt, sagt dem das Bild was. Was mich echt freut: Ich male ja nicht für Kritiker, ich male für Wohnungen."
Für die von Jessica Schwarz beispielsweise. Die Schauspielerin (Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken) drehte in Hamburg und kam eines Nachts zufällig an Koppruchs Atelier vorbei. Durch das Schaufenster konnte sie einige der Bilder erkennen. Am nächsten Tag stand sie erneut vor der Tür und klingelte.
Möchte er angesichts solcher Momente nicht doch dem Kunstbetrieb angehören? "Da bin ich mit mir überhaupt nicht im Reinen. Einerseits gibt es natürlich den Wunsch nach größerer Wertigkeit. Andererseits bin ich ziemlich misstrauisch. Auch mir selbst gegenüber – dass ich mich da gefangen nehmen lasse."
Nils Koppruch alias SAM. wurde 1966 in Hamburg geboren. Nach einer
Lehre als Koch folgten auf dem zweiten Bildungsweg Abitur und ein
unvollendetes Germanistikstudium. 1990 begann er unter dem Namen SAM.
mit dem Malen. 1996 gründete Koppruch die Urban-Country-Band Fink
(US-Slang für: "Verräter"), seit 2006 arbeitet er als Solokünstler. Im
gleichen Jahr erschien auch sein Katalog "SAM. – Dilettant". Titel der
darauf folgenden Ausstellung: "Dilettantismus".
- Datum 11.06.2008 - 07:10 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin LEBEN, 12.06.2008 Nr. 25
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