Genforschung

Mäuse am Everest

Der Biologe Gabriel Willmann von der Universität Pennsylvania wollte mit acht Mäusen im Rucksack zum höchsten Punkt der Erde. Auf 8500 Metern kehrte er um

DIE ZEIT: Warum haben Sie acht lebende Mäuse auf den Mount Everest getragen?

Gabriel Willmann: Das Ziel war, den Einfluss von Sauerstoffmangel auf die Expression von Genen im Blut zu untersuchen und somit eine »molekulare Signatur« für die Proteinbildung zu identifizieren.

ZEIT: Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich?

Willmann: Durch Sauerstoffentzug beginnt der Körper, unter anderem das Hormon Epo zu bilden. Wir versuchen im Blut der Mäuse Faktoren zu ermitteln, dank derer sich Gendoping nachweisen lässt. Außerdem wollen wir mehr über die Krankheit Muskuläre Dystrophie herausfinden.

ZEIT: Wann rechnen Sie mit Resultaten?

Willmann: Im Herbst. Da die RNA in den Blutzellen außerhalb des Körpers degeneriert, mussten wir sie stabilisieren. Wir werden die Proben später im Labor genetisch untersuchen.

ZEIT: Sie haben es mit den Mäusen nicht bis auf den Gipfel geschafft. War das Wetter zu schlecht?

Willmann: Nein, für mich war es erträglich, etwa 20 Grad minus. Trotzdem entschied ich mich bei 8500 Metern zur Umkehr. Ich sah: Mit den Tieren geht es zu Ende, wenn ich noch höher steige.

ZEIT: Wegen des Sauerstoffmangels?

Willmann: Nein, letztlich wegen des starken Windes. Ich hatte auf meinem Rucksack eine zwei Zentimeter dicke Eisschicht. Da ist es den Mäusen zu kalt geworden. Die Thermokammer funktionierte nicht so gut, wie wir erhofft hatten. Und natürlich beeinflusst auch der Sauerstoffmangel den Wärmehaushalt eines Organismus.

ZEIT: Da taten Ihnen die armen Viecher leid?

Willmann: Ja, kein erfreulicher Anblick. Aber auch aus wissenschaftlicher Sicht war es wichtig, dass sie überlebten. Wären sie am Berg gestorben, hätten wir keine Proben nehmen können.

ZEIT: Geht es den Mäusen jetzt wieder gut?

Willmann: Sie sind tot. Um die Proben zu entnehmen, mussten wir sie – unter Narkose – töten.

ZEIT: War es schwierig, so knapp unterhalb des Dachs der Welt abzubrechen.

Willmann: Ich wollte und musste das Experiment retten – dazu brauchten wir den Gipfel ja nicht. Persönlich war ich enttäuscht, nicht ganz oben gewesen zu sein. Aber das kann ja noch werden.

Interview: Urs Willmann

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Leser-Kommentare

  1. Ich stell mir die Frage: Ist es nicht einfacher die Bedingungen in 8500 Metern Höhe künstlich im Labor nachzubilden? Oder wollte mal wieder ein Forscher der mit seinen wissenschaftlichen Ergebnissen alleine es nicht in die Medien schafft durch ein ungewöhnliches Experiment Aufmerksamkeit erregen?Jürgen

  2. zu Kom 1Also Jürgen, welche Frage? Wie sollte der Mäusemörder mit den heren biologisch dynamischen und Menschenleben rettenden Absichten wohl sonst in DieZeit - ungen kommen. Es ist nur ebend sehr bedauerlich, dass diese blöden Viecherls ihn die ganze schöne Tour auf den Olympia-Berg vermasselt haben. Da hatten die Kollegen aus China mit ihrer kleinen Flamme doch mehr Glück. Da hätte er sich anschließen sollen.nun ja - aspera at astraliebe Grüße dein nach Luft schnappender durchlauchtigermäusekönig

    • 13.06.2008 um 8:02 Uhr
    • FahadA

    Hier hat wohl der Wissen-Redakteur seinen Bruder interviewed, der wohl (als Student der Medizin und Absolvent der privaten Universitaet Witten Herdecke) kuerzlich proviert(?) hat und nun als Postdoc am Khurana Lab der Penn arbeitet.http://www.med.upenn.edu/pmi/members/khurana_lab.shtmlHoffentlich hatte man das 'Experiment' durch eine anerkannte Ethik-Kommission abgesegnet.

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