Unsere Tour durch New York beginnt erst gerade, aber Dave ist schon gezeichnet. Fleischig aussehende Saucenspritzer sind quer über sein T-Shirt verteilt. Er winkt mich in sein Taxi, das in zweiter Reihe vor meiner Wohnung im East Village parkt. Das also ist Famous Fat Dave: ein studentisch wirkender Neunundzwanzigjähriger mit Baseballkappe und Bäuchlein. Das Fett gehört zum Konzept. David Freedenberg ist nämlich nicht bloß Taxifahrer, sondern auch der Veranstalter von Famous Fat Daves Five Borough Eating Tour on the Wheels of Steel, einer mehrstündigen Essreise zu den Geheimtipps der New Yorker Gastronomie, vornehmlich solchen, um die Uneingeweihte einen Bogen machen würden.

Während ich einsteige, beobachtet Dave die ungewöhnlich lange Schlange vor der Pizzeria nebenan. »Was ist denn da los?«, fragt er mich. Der Laden hat vor wenigen Monaten erst aufgemacht, mitten zwischen zwei eingesessenen Pizzerien. Die Besitzer nannten ihn Artichoke, nach dem besten Pizzarezept ihres Vaters. Ich erzähle Dave, dass ich kurz nach der Eröffnung eine einfache Margherita bestellte, wie ich sie sonst bei Vinnys kaufte, und wie die Jungs mir mit Nachdruck ihre Artischockenpizza empfahlen. »Hier, probier mal.« »Nein danke, ich mag keine Artischocken.« – »Doch, du musst sie versuchen! Und wenn sie dir nicht schmeckt, dann spuck sie mir ins Gesicht!« Seitdem war ich nie wieder bei Vinnys. Viele andere auch nicht, der Schlange nach zu schließen. Vinnys versucht es jetzt mit Vollkornpizza, der andere alteingesessene Laden hat die Fassade neu streichen lassen.

Dave hört aufmerksam zu; solche Tipps sind sein Geschäft. Mittlerweile kennt er so viele, dass er auch Themen-Touren anbieten kann. Da gibt es die Latino-Tour, die süße Tour, die Soul-Food-Tour, die Little-Italy-Tour, die Sushi-Tour oder die Tour ab Mitternacht. 700 Dollar kosten sie jeweils für vier Stunden, Essen und Getränke für bis zu vier Teilnehmer inklusive. »Und, worauf hast du Lust?«, fragt Dave. Ich möchte in die Randbezirke, nach Queens, Harlem und in die Bronx. Und von dort nur das Beste kosten. Dave überlegt kurz die Route und schlägt dann für den Anfang Sesampfannkuchen mit Rindfleisch und Koriander vor.

Unterwegs fällt ihm ein, dass er ja als Appetithappen Mozzarella besorgt hat. Er stammt aus Joe’s Dairy in Soho, wo er täglich frisch hergestellt wird. Während wir durch die engen Straßen von Chinatown fahren, fischt Dave die apfelgroße Kugel in ihrer Plastiktüte zwischen den Sitzen hervor und reicht sie mir. Ich versuche, ein Stück abzuschneiden, ohne dass die Salzlake auf meine Hose schwappt. Als ich das geschafft habe, lutsche ich den kühlen, zarten Käse dankbar wie ein Bonbon.

»Ich habe so viele Salzgurken gegessen, dass ich gepökelt sein muss«, sagt Dave

»Guck mal da!«, ruft Famous Fat Dave und zeigt auf einen ganz in Blau gekleideten Cowboy, der vor uns über die Straße geht. Dave grinst, und dann beginnt er zu erzählen: von seiner Reise mit der transsibirischen Eisenbahn (kalt), wie er mal morgens in Berlin ein Croissant bestellte und stattdessen ein Kristallweizen bekam (»die fanden das ganz normal«), und wie er in Ägypten auf die Idee zu dieser Tour kam. Ich fühle mich wie ein Anhalter bei einem lustigen, etwas chaotischen Fahrer.

»Die Famous-Fat-Dave-Tour wurde zwischen den Pyramiden in Kairo geboren«, erklärt Dave weihevoll. Dort sei er mit dem besten Tourguide, den er je hatte, unterwegs gewesen, einem Taxifahrer. Und da er, um die Uni in New York zu bezahlen, selbst Taxi fuhr, begann er zu überlegen. Könnte er so etwas nicht auch machen? Wo kannte er sich am besten aus? Fast Food! Vor vier Jahren fand dann die erste Essen-auf-Rädern-Rundfahrt mit Freunden statt. 27 Lokale in 11 Stunden. »Das ist immer noch Rekord«, sagt Dave. Gott sei Dank, denke ich.