Bildungsbericht Jung und chancenlos
Seit dem Erscheinen des Bildungsberichts liegen die von Politikern befürchteten Zahlen auf dem Tisch: Die Ausbildungsperspektiven vieler Hauptschüler sind praktisch gleich null
Die großen Verlierer des deutschen Bildungssystems sind männliche Migranten. Jugendlichen Einwanderern fällt es ohnehin schwer, eine Lehrstelle zu finden, doch im Vergleich zu den Mädchen sind die Jungen doppelt benachteiligt. »Da laufen Stigmatisierungsprozesse, die vor allem die jungen Männer treffen«, sagt Martin Baethge, Präsident des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen und einer der Autoren des Bildungsberichts 2008.
Vor einer Woche wurde die von Bund und Ländern in Auftrag gegebene Untersuchung im Rahmen der Kultusministerkonferenz vorgestellt – mit teils alarmierenden Ergebnissen. »Wir haben ein ganz zentrales Problem im Übergang von den allgemeinbildenden Schulen in die Berufsausbildung – vor allem für Absolventen mit Hauptschulabschluss«, kritisiert Baethge. Diese Übergänge verlaufen laut dem Bericht oftmals kompliziert, langwierig und bedeuten für bestimmte Jugendliche sogar »erhebliche Barrieren«. Martin Baethge diagnostiziert hier einen anhaltenden Negativtrend: »Seit 2000 hat sich so gut wie nichts verbessert, die Einmündungsquoten in Ausbildungsplätze haben sich auf niedrigem Niveau stabilisiert.« Auch deswegen wählten die Kultusminister diesmal die Übergangsphase als Schwerpunkt des Reports.
Der Grund für den holprigen Berufseinstieg ist die hohe Nachfrage nach Ausbildungsplätzen, die das Angebot längst nicht abdeckt. Also kommen die Schulabgänger, die keinen Ausbildungsplatz finden, erst einmal in die sogenannten Übergangssysteme, die die Lücke mit Qualifizierungs- und Berufsvorbereitungsmaßnahmen schließen sollen. Verglichen mit der Mitte der 1990er Jahre, nahmen sie fast 50 Prozent mehr Neuzugänge auf – 2006 landeten fast genauso viele Schulabgänger in der Warteschleife wie in Ausbildungen des dualen Systems. »Wir schieben die früheren Jahrgänge, die nicht vermittelt werden konnten, vor uns her«, sagt Baethge. Wenn nach mehr als einem Jahr nur die Hälfte der Hauptschulabsolventen einen Ausbildungsplatz habe, dann wirke das für die Betroffenen schon motivational wie ein kaum überwindbares Hindernis. »Die haben sich angestrengt, wurden von einer Maßnahme in die andere geschoben und erfahren dann auf diese Weise ihre Vergeblichkeit.«
Laut Bildungsbericht büßt das duale System eine seiner traditionellen Stärken ein – jene, bildungsschwächere Kinder beruflich zu integrieren. Nur ein Drittel der Ausbildungsstellen kann noch von Schülern mit oder ohne Hauptschulabschluss besetzt werden. Martin Baethge sieht dies in einer strukturellen Veränderung des Arbeitsmarktes begründet: »Ganze Berufsbereiche stehen Hauptschülern nicht mehr offen.« Sogar im Handwerk, einst ihre Domäne, gebe es immer weniger Berufe, in denen sie noch die Mehrheit der Azubis stellten.
Auch Migranten sind in den Übergangssystemen stark überrepräsentiert. Sie haben bei gleicher Qualifikation wie die Deutschen eine mehr als zweifach schlechtere Chance auf einen Ausbildungsplatz. Die dritte Problemgruppe sind die männlichen Jugendlichen, denen der Einstieg ins Berufsleben deutlich schwerer fällt als Mädchen – Baethge spricht von einem regelrechten »Elend der jungen Männer«. Gründe sind ihr durchschnittlich schlechteres Bildungsniveau und der Bedeutungsverlust von gewerblich-technischen gegenüber den Dienstleistungsberufen. Von den Jugendlichen, die alle drei Merkmale – Migrant, männlich, Hauptschulabschluss – auf sich vereinen, hat zweieinhalb Jahre nach dem Abschluss gerade ein Drittel einen Ausbildungsplatz.
- Datum 05.08.2009 - 08:31 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 19.06.2008 Nr. 26
- Kommentare 26
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Die Hauptschule könnte ein gutes Mittel zur Vorbereitung auf ein Nicht akademisches Leben sein. Dann müsste Arbeiten allein als Mittel angesehen werden, ein selbständiges Leben führen zu können.
Das ist den Think Tanks in den Ministerien und Gremien zu wenig und zu marktwirtschaftlich. Der Wirtschaftsmotor muss durch Abgaben und Subventionen in Gang gebracht werden, die durch "einfache Jobs" nicht zu unterhalten sind. Denn sie bringen vermutlich zu wenig Steuern und Abgaben. Hartz IV kostet weniger und ist planbarer. Wie das Interview zu wissenschaftlichen Studien zeigt, kann kein Ergebnis ohne Anspruch auf endgültige Wahrheit akzeptiert werden, da es der Politik nichts nützt um Klientelpopulistische Aussagen zu plazieren. Und dass die Jugendlichen das Ihnen vorerzählte: Keine Chance, keine Bildung usw. nachplappern ist wohl klar.
Deutschland muss aufpassen, dass es neben der umgekehrten Alterspyramide nicht noch einen Wasserkopf bekommt, der vor der Erkenntnis die politische Korrektheit setzt, die vielleicht auch der Bewahrung der eigenen Privilegien und Arbeitsmöglichkeiten dient. Dieser erdrückt auf Dauer jegliche Freiheit der Entfaltung, im Übrigen auch bei den Akademikern und Gebildeten selber.
[Gelöscht. Bitte unterlassen Sie derartige unsachliche und diskriminierende Bemerkungen./ Die Redaktion; ew]
hat mama dir heute wieder erlaubt ein bischen propaganda zu betreiben?
du bist eigentlich nur zu bemitleiden.
wie können sie eigentlich solch rassistischen kommentare von molicampo zulassen?
die ideologie der person ist doch bekannt.
oder befürworten sie solch rassistisch/fundamentalistischen kommentare?
ich geb zu - das war ein bißchen stark - war aber eigentlich nicht gegen schwache Hauptschüler muslimischer Provenienz gerichtet [...][Gekürzt. Wir möchten Sie bitten, Ihre Kritik sachlich zu äußern und auf Beleidigungen jeglicher Art zu verzichten./ Die Redaktion; ew]
Mittlerweile bemerkt es jeder, mit einem Hauptschulabschluß oder sogar ohne ist kein Blumentopf zu gewinnen. Daher finde ich es etwas komisch, dass man meint, man könne das durch die Berufsausbildung in irgendeiner Form wieder ausgleichen. Viele der Hauptschüler werden Zeit ihres Lebens Gelegenheitsjobs haben oder sogar lebenslang abhängig vom Sozialstaat sein (HartzIV). Die Erkenntniss muss reifen, das auf einem Arbeitsmarkt wo Qualifikationen gefragt sind, es in Zukunft keine Chance mehr für diese Menschen gibt (bzw. dies ist ja schon der Fall). Dies stützt sich auch auf die Erkenntnis das seit 1992 3 Mio. Industrie-Arbeitsplätze kompensationsfrei weggefallen sind [Steingart2006]. Man muss kein Prophet sein, dass das für die übrigen Arbeitsplätze impliziert, dass die Löhne fallen und die Arbeitsbedingungen schlechter werden. Daher gibt es ja auch diese Diskussion um Mindestlöhne. Im Niedriglohnsektor wird aber in Zukunft nichts besser. McKinsey hatte vor einer Weile eine Studie herausgebracht in dem prognostiziert wird, dass im Niedriglohnsektor bis 2015 weitere 2 Mio. Arbeitsplätze wegfallen werden.Deutschland ist ein Hochtechnologieland und braucht daher auch mehr und besser ausgebildete Menschen. Das ist dann auch die beste Integration. Bildung ist hier das A und O, aber mit einem Hauptschulabschluß geht nichts.--
"that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"
"Die Erkenntniss muss reifen, das auf einem Arbeitsmarkt wo Qualifikationen gefragt sind, es in Zukunft keine Chance mehr für diese Menschen gibt "
Meineserachtens ist das der Schlüsselsatz, der das Problem treffend beschreibt. Allerdings hätte ich dem Wort Qualifikation das Wort formal vorangestellt.
In unserer überakademisierten öffentlichen Vorstellungswelt scheint kein Platz mehr zu sein für die simple Tatsache, das es mehr Formen von Intelligenz gibt. Praktisch veranlagte Menschen bekommen heute keine Chance mehr auf diesem Wege zu Qualifikation zu kommen, Vorschub wird dem durch die Herabwürdigung praktischer Tätigkeiten geleistet (Früher reichte es Leute anzulernen für einfache Jobs).
Diese Denkweise verkennt völlig, dass die wenigsten Volks- und Hauptschüler früherer Jahre "einfache" Hilfstätigkeiten ausführten, sondern qualifizierte Fachkräfte waren, die alle diejenigen Berufe ausübten, zu denen angeblich heute ein Abitur erforderlich ist.
Man sollte endlich aufhören Hauptschulen nach akademischen Maßstäben zu messen und einzurichten, denn dann kann sie wirklich nur eine Schule dritter Klasse sein.
Berthold Grabe
"Die Erkenntniss muss reifen, das auf einem Arbeitsmarkt wo Qualifikationen gefragt sind, es in Zukunft keine Chance mehr für diese Menschen gibt "
Meineserachtens ist das der Schlüsselsatz, der das Problem treffend beschreibt. Allerdings hätte ich dem Wort Qualifikation das Wort formal vorangestellt.
In unserer überakademisierten öffentlichen Vorstellungswelt scheint kein Platz mehr zu sein für die simple Tatsache, das es mehr Formen von Intelligenz gibt. Praktisch veranlagte Menschen bekommen heute keine Chance mehr auf diesem Wege zu Qualifikation zu kommen, Vorschub wird dem durch die Herabwürdigung praktischer Tätigkeiten geleistet (Früher reichte es Leute anzulernen für einfache Jobs).
Diese Denkweise verkennt völlig, dass die wenigsten Volks- und Hauptschüler früherer Jahre "einfache" Hilfstätigkeiten ausführten, sondern qualifizierte Fachkräfte waren, die alle diejenigen Berufe ausübten, zu denen angeblich heute ein Abitur erforderlich ist.
Man sollte endlich aufhören Hauptschulen nach akademischen Maßstäben zu messen und einzurichten, denn dann kann sie wirklich nur eine Schule dritter Klasse sein.
Berthold Grabe
"Die Erkenntniss muss reifen, das auf einem Arbeitsmarkt wo Qualifikationen gefragt sind, es in Zukunft keine Chance mehr für diese Menschen gibt "
Meineserachtens ist das der Schlüsselsatz, der das Problem treffend beschreibt. Allerdings hätte ich dem Wort Qualifikation das Wort formal vorangestellt.
In unserer überakademisierten öffentlichen Vorstellungswelt scheint kein Platz mehr zu sein für die simple Tatsache, das es mehr Formen von Intelligenz gibt. Praktisch veranlagte Menschen bekommen heute keine Chance mehr auf diesem Wege zu Qualifikation zu kommen, Vorschub wird dem durch die Herabwürdigung praktischer Tätigkeiten geleistet (Früher reichte es Leute anzulernen für einfache Jobs).
Diese Denkweise verkennt völlig, dass die wenigsten Volks- und Hauptschüler früherer Jahre "einfache" Hilfstätigkeiten ausführten, sondern qualifizierte Fachkräfte waren, die alle diejenigen Berufe ausübten, zu denen angeblich heute ein Abitur erforderlich ist.
Man sollte endlich aufhören Hauptschulen nach akademischen Maßstäben zu messen und einzurichten, denn dann kann sie wirklich nur eine Schule dritter Klasse sein.
Berthold Grabe
Herr Grabe, auch heute genügt es noch, für einfache Tätigkeiten, Menschen anzulernen. Darum führt ja auch eine fehlende Ausbildung nicht zwangsläufig in die Arbeitslosikeit.
Nur gibt es heute eben viel weniger dieser ganz einfachen Tätigkeiten - und diese wenigen werden dann auch noch häufig durch 400 Euro-Jobs und studentische Aushilfen abgedeckt. Man kann ja auch durchaus der Auffassung sein, dass es keine schlechte Entwicklung ist, wenn eine monotone und unangenehme Arbeit statt von einem Menschen vollzeit, von 3 Menschen an 2 Tagen in der Woche ausgeübt wird.
Wieso sich die Kommunen es allerdings leisten, Harz IV zu bezahlen und dann Geld in ein teures "Ein Euro Job"-System zu pumpen, das die Menschen zudem demütigt, anstatt denselben Menschen dieselben Leistungen zu bezahlen, aber eben z.B.als Gehalt fuer einen kommunal organisierten Halbtagsjob - das ist mir ein grosses Rätsel. 600 oder 700 Euro im Monat sind fuer einen Halbtagsjob angemessen, es wuerde dadurch kein Dumpinglohn entstehen wie jetzt durch die 1 Euro Jobs - in der uebrigen Zeit koennten die Betroffenen sich weiterqualifizieren, Bewerbungen schreiben, ihre Kinder versorgen - und in den Kommunen koennte, ohne dass es mehr Geld kostet, viel Arbeit geleistet werden, die jetzt liegen bleibt.
Herr Grabe, auch heute genügt es noch, für einfache Tätigkeiten, Menschen anzulernen. Darum führt ja auch eine fehlende Ausbildung nicht zwangsläufig in die Arbeitslosikeit.
Nur gibt es heute eben viel weniger dieser ganz einfachen Tätigkeiten - und diese wenigen werden dann auch noch häufig durch 400 Euro-Jobs und studentische Aushilfen abgedeckt. Man kann ja auch durchaus der Auffassung sein, dass es keine schlechte Entwicklung ist, wenn eine monotone und unangenehme Arbeit statt von einem Menschen vollzeit, von 3 Menschen an 2 Tagen in der Woche ausgeübt wird.
Wieso sich die Kommunen es allerdings leisten, Harz IV zu bezahlen und dann Geld in ein teures "Ein Euro Job"-System zu pumpen, das die Menschen zudem demütigt, anstatt denselben Menschen dieselben Leistungen zu bezahlen, aber eben z.B.als Gehalt fuer einen kommunal organisierten Halbtagsjob - das ist mir ein grosses Rätsel. 600 oder 700 Euro im Monat sind fuer einen Halbtagsjob angemessen, es wuerde dadurch kein Dumpinglohn entstehen wie jetzt durch die 1 Euro Jobs - in der uebrigen Zeit koennten die Betroffenen sich weiterqualifizieren, Bewerbungen schreiben, ihre Kinder versorgen - und in den Kommunen koennte, ohne dass es mehr Geld kostet, viel Arbeit geleistet werden, die jetzt liegen bleibt.
Und Deutschland weiss ganz genau, dass Migranten für das Handwerk geeignet sind und der nordisch aussehende Typ für das Akademische. Ein Spaziergang durch die Hauptschulen genügt. Ist es nicht einwenig rassistisch?
Ausnahme Privatschulen (Geld rettet doch manches Migrantenleben)
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren